Die Reiseberichte des Mainzer Domdekans Bernhard von Breydenbach und des Ritters Arnold von Harff zählen zu den bedeutendsten und bekanntesten Zeugnissen spätmittelalterlicher Pilgerfahrten. Beide Pilger unternahmen gegen Ende des 15. Jahrhunderts ungewöhnlich lange Reisen, besuchten dabei unzählige bekannte Pilgerstätten, aber auch selten bereiste Ziele wie Kairo und Alexandria. Der Berichterstattung ist für zeitgenössische Verhältnisse äußert umfangreich. Dementsprechend bieten sowohl die Peregrinato in terram sanctam des Mainzer Domdekans Breydenbach, als auch das Pilgertagebuch des Ritters Arnold von Harff ein großes Untersuchungspotential.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
1.1 Quellenlage
1.2 Fragestellung und Vorgehensweise
2. Quellenvergleich
2.1 Jerusalem
2.2 Kairo
2.2 Alexandria
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wahrnehmung und Darstellung des Fremden in den Reiseberichten von Bernhard von Breydenbach und Arnold von Harff gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Ziel ist es, die spezifischen Intentionen der Autoren sowie die Konstruktion fremder Kulturen und Religionen im Kontext ihrer jeweiligen Pilgerreisen nach Jerusalem, Kairo und Alexandria kritisch zu analysieren.
- Vergleichende Analyse spätmittelalterlicher Pilgerberichte
- Untersuchung der Fremdwahrnehmung und -darstellung
- Kontextualisierung religiöser und gesellschaftlicher Intentionen
- Analyse der Konstruktion des Islams und anderer Religionen
- Rolle von Selbstinszenierung und Propaganda in Reiseberichten
Auszug aus dem Buch
2.1 Jerusalem
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts eine Reise ins Heilige Land zu unternehmen, bedeutete zwangsläufig eine weitaus intensivere Konfrontation mit dem Fremden, als zu Zeiten der Kreuzfahrerstaaten. Trotz der erwartbaren Gefahren, wählten viele Pilger den beschwerlichen Weg nach Jerusalem.
Bernhard von Breydenbach erreichte die Heilige Stadt zusammen mit seinen Gefährten am 12.Juli 1483. Der Aufenthalt Arnold von Harffs in Jerusalem wird auf den Dezember des Jahres 1497 datiert. Zeigen sich in anderen Bereichen der beiden Reiseberichte zum Teil erhebliche Unterschiede, überwiegen bei der Berichterstattung über den Aufenthalt in Jerusalem die Gemeinsamkeiten. Berichtet Harff während seines Aufenthaltes in Kairo oder Alexandria vielfältig und thematisiert verschiedene Bereiche von Religion, Gesellschaft, Kultur, Flora und Fauna, liest sich die Passage über die heiligen Stätten in und um Jerusalem ähnlich einseitg wie bei Breydenbach. Besonders bei letzterem ist eine strikte Schematik zu erkennen. Zunächst wird der Ort beschrieben: ,,Von dannen kamern wir in eyn andere alte zerbrochene kyrch· alleyn mit _teynen gemuret·“
Anschließend erfolgt eine Erläuterung der Geschehnisse an diesem Ort, sowie die Benennung des Heiligen, welcher das Geschehen prägte: ,,An welchem ende die jHgfrau maria nach dem tod vnd uff er_tennHg cri_ti jhe_u yres l1eben kyndes·wol ·xiij· jar hatt gewonet·“
Abschließend erfolgt die Angabe über den erhaltenen Ablass an der jeweiligen Stätte: ,,Vnd i_t an dem _elben ende vergebung aller _unde·“1
Ähnlich geht Harff bei seinen Schilderungen vor: ,,Darin gibt es auf der rechten Seite eine 22 Fuß lange Höhle. Darin wurden das Heilige Kreuz, der Speer, die Nägel und die Dornenkrone gefunden. 307 Jahre nach Christi Geburt. Hier gibt es Vergebung aller Sünden."
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Reiseberichte von Bernhard von Breydenbach und Arnold von Harff ein und legt die methodische Vorgehensweise sowie die Fragestellung der Untersuchung fest.
2. Quellenvergleich: Hier werden die Pilgerberichte in Bezug auf die Reiseziele Jerusalem, Kairo und Alexandria systematisch verglichen, wobei Unterschiede in der Wahrnehmung und Darstellung des Fremden hervortreten.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und erläutert, wie individuelle Hintergründe und Intentionen der Autoren die Konstruktion und Instrumentalisierung des Fremden in ihren Berichten beeinflussten.
Schlüsselwörter
Pilgerreisen, 15. Jahrhundert, Bernhard von Breydenbach, Arnold von Harff, Fremdwahrnehmung, Reiseberichte, Jerusalem, Kairo, Alexandria, Islam, Christentum, Kulturvergleich, Propaganda, Spätmittelalter, Konstruktion des Fremden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die Reiseberichte des Mainzer Domdekans Bernhard von Breydenbach und des Ritters Arnold von Harff aus dem 15. Jahrhundert unter dem Aspekt, wie diese Autoren das Fremde in ihren Schriften konstruieren und darstellen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Wahrnehmung fremder Kulturen und Religionen, die Rolle des eigenen christlichen Glaubens, die Art der Berichterstattung sowie die persönliche Intention und Selbstinszenierung der beiden Reisenden.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und mit welcher Intention Bernhard von Breydenbach und Arnold von Harff ihre Eindrücke verarbeiteten und warum sie dabei bestimmte Aspekte des Fremden hervorhoben, instrumentalisierten oder gar propagandistisch verzerrten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin oder der Autor wendet eine vergleichende Analyse an, indem sie bzw. er Passagen aus den Reiseberichten auswählt, diese einander gegenüberstellt und in ihrem jeweiligen historischen und intentionellen Kontext interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in den Vergleich der Eindrücke aus Jerusalem, Kairo und Alexandria, wobei insbesondere die Schilderungen von religiösen Stätten, gesellschaftlichen Abläufen sowie die Darstellung des Islams kritisch beleuchtet werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Pilgerreisen, Fremdwahrnehmung, Konstruktion, Islam-Polemik, Selbstinszenierung und der kulturhistorische Kontext des ausgehenden Mittelalters.
Warum wird Breydenbachs Bericht eher als Reiseführer und nicht als Erlebnisbericht eingeordnet?
Der Text analysiert, dass Breydenbachs Bericht stark von religiöser Schematik und einer propagandistischen Ausrichtung geprägt ist, während persönliche, spontane Erlebnisse zugunsten einer gezielten Information und Diffamierung der Fremden zurücktreten.
Inwieweit unterscheidet sich Harffs Bericht durch seine Selbstinszenierung?
Harff stellt sich in seinem Bericht häufig als todesmutiger Abenteurer und vielseitig informierter Reisender dar, was laut der Analyse stark mit seiner Absicht zusammenhängt, den Bericht primär für den privaten Familienkreis zu verfassen.
- Quote paper
- Felix Wendler (Author), 2013, Pilgerfahrten im 15. Jahrhundert. Das Fremde in den Reiseberichten Bernhard von Breydenbachs und Arnold von Harffs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/213261