Die Erwachsenenbildung gilt als der am stärksten wachsende Bildungssektor in
Deutschland (Meilhammer, 2010). Verwunderlich ist dies nicht, wenn man den
raschen Wandel beruflicher und sozialer Anforderungen in modernen
Industriegesellschaften bedenkt. Die Anwendung des Konzepts des
lebenslangen Lernens ist eine Möglichkeit auf diese schnellen Entwicklungen
zu reagieren (Terhart, 2009). Dieses Konzept hält die kontinuierliche
Weiterbildung für nötig, um in den sich entwickelnden Wissensgesellschaften
schritthalten zu können. Aus diesen Gründen ist der quartäre Sektor der
Weiterbildung auch für Bildungswissenschaftler von großer Bedeutung.
Das Thema der Hausarbeit lautet: Bildungswissenschaftler in der
Erwachsenenbildung: Einen Fachbereich einer Volkshochschule leiten. Um
den vielschichtigen Herausforderungen des quartären Sektors gerecht zu
werden, wird dafür das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell (4C/ID)
beschrieben und verwendet. Dieses Modell wurde von Jeroen van Merriënboer
zu Beginn der 1990er Jahre entwickelt und in seinem Buch Training Complex
Cognitive Skills (van Merriënboer, 1997) ausführlich dargelegt. Eine
Anwendung des 4C/ID ermöglicht das Training einer komplexen kognitven
Fähigkeit in einer authentischen Lernumgebung.
Diese Hausarbeit besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil beruht auf der
praktischen Anwendung des 4C/ID Modells. Hierzu wird ein Blueprint für einen
Lehrplan entworfen, mit dessen Hilfe ein Bildungswissenschaftler erlernen soll,
die Leitung und Organisation eines Fachbereichs sicherzustellen. Zu diesem
Zweck wird eine Hierarchie erarbeitet und beschrieben. Des Weiteren wird in
diesem Zusammenhang auf drei der vier Komponenten des 4C/ID Modells
näher eingegangen. Diese wären: Lernaufgaben, unterstützende Informationen
und Just-in-Time Informationen (JIT).
Theoretische Überlegungen zum 4C/ID Modell sind die Grundlage des zweiten
Teils. Es werden lerntheoretische Überlegungen und Aspekte des situierten
Lernens in Bezug auf das Modell dargestellt. Weiterhin werden sowohl
didaktische Szenarien vorgestellt, welche sich in das 4C/ID Modell einpassen
lassen, als auch Medien erörtert, die sinnvoll zur weiteren Unterstützung des Blueprints genutzt werden können. Zum Abschluss dieser Arbeit wird in einer
Zusammenfassung ein eigenes Fazit gezogen, in welchem auch auf die
Eignung des 4C/ID Modells für diesen Lehrplanentwurf eingegangen wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Praktischer Teil
2.1 Fertigkeitenhierarchie
2.2 Sequenzierung der Aufgabenklassen
2.3 Entwurf von Lernaufgaben
2.4 Entwurf von unterstützenden Informationen
2.5 Entwurf von Just-in-Time Informationen
3 Theoretischer Teil
3.1 Lerntheoretische Überlegungen
3.2 Didaktische Szenarien
3.3 Medien
4 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, einen praxisorientierten Lehrplan für Bildungswissenschaftler zu entwerfen, die die Leitung eines Fachbereichs an einer Volkshochschule anstreben. Dabei wird untersucht, wie das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell (4C/ID) nach Jeroen van Merriënboer dazu beitragen kann, komplexe kognitive Fertigkeiten für dieses spezifische Berufsfeld in einer authentischen Lernumgebung effizient zu trainieren.
- Anwendung des 4C/ID-Modells zur Strukturierung komplexer Lerninhalte.
- Erstellung einer Fertigkeitenhierarchie für die Leitung eines Fachbereichs.
- Entwicklung von Lernaufgaben, unterstützenden Informationen und Just-in-Time-Informationen.
- Theoretische Fundierung durch Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus.
- Einsatz didaktischer Szenarien wie Fallmethode und Famulatur.
Auszug aus dem Buch
2.1 Fertigkeitenhierarchie
Die Tätigkeit als Fachsbereichsleiter einer Volkshochschule erfordert verschiedenste Fertigkeiten und Kenntnisse. Schwerpunkte dieser Arbeit liegen oftmals in disponierenden Tätigkeiten, wie Programmplanung- und durchführung, Kursleitergewinnung- und fortbildung, Evaluierung, Bedarfserhebung etc., wohingegen die Leitung von Kursen eine eher untergeordnete Rolle spielt (Wittpoth, 2009). Die Fertigkeit welche in dieser Hierarchie analysiert werden soll lautet demnach: Einen Fachbereich einer Volkshochschule leiten.
Eine komplexe Fertigkeit besteht aus einer Vielzahl an Fähigkeiten und Kompetenzen, welche miteinander koordiniert und ineinander integriert werden müssen (van Merriënboer, Clark, de Croock, 2002). Diese konstituierenden Teile einer komplexen, ganzheitlichen Fertigkeit werden in einer Fertigkeitenhierarchie abgebildet, wobei die Zusammenhänge zwischen den konstituierenden Teilen deutlich werden (Bastiaens, Deimann, Schrader, Orth, 2009). Jeroen van Merriënboer (2009) beschreibt die Erstellung einer Fertigkeitenhierarchie als einer der ersten von seinen Ten Steps to Complex Learning. Zu Beginn der Erstellung muss ein primäres Lernziel gesetzt werden (s.o.), anhand dessen dann die konstituierenden Teile der komplexen Fertigkeit analysiert werden. Eine Fertigkeitenhierarchie besteht grundsätzlich aus zwei Relationen. Die vertikale, oder auch konditionale Relation beschreibt Fertigkeiten welche aufeinander aufbauen. Konstituierende Fertigkeiten, die in der Hierarchie niedriger stehen, sind eine Voraussetzung für Fertigkeiten, welche höher in der Hierarchie angelegt sind. Aus diesem Grund wird die vertikale Relation von unten nach oben gelesen. Ein Beispiel dafür wäre die Einstellung von Kursleitern. Bevor dies geschehen kann, muss Vorarbeit geleisten werden, wie beispielsweise die Erstellung von Anforderungsprofilen, Stellengesuche aufgeben etc. Die horizontale Relation wird von links nach rechts gelesen. Sie bezieht sich auf den Moment, in dem Fertigkeiten ausgeübt werden müssen (Bastieaens et al, 2009), daher wird sie auch als temporale Relation bezeichnet. Diese Fertigkeiten müssen aber nicht zwingend temporal aufeinander folgen. Auch simultane oder gar austauschbare Relationen sind möglich (van Merriënboer & Kirschner, 2009).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der Erwachsenenbildung als Wachstumsmarkt und führt in das 4C/ID-Modell als Grundlage für den geplanten Lehrplan ein.
2 Praktischer Teil: Dieser Teil entwickelt konkret einen Blueprint für die Leitung eines Fachbereichs, unterteilt in Fertigkeitenhierarchie, Aufgabenklassen, Lernaufgaben sowie unterstützende und Just-in-Time Informationen.
3 Theoretischer Teil: Hier werden die lerntheoretischen Grundlagen des 4C/ID-Modells diskutiert sowie geeignete didaktische Szenarien und Medienkonzepte für die praktische Umsetzung erörtert.
4 Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel resümiert die Arbeit und bewertet das 4C/ID-Modell als effektives Instrument zur Ausbildung von Fachbereichsleitern.
Schlüsselwörter
Erwachsenenbildung, Volkshochschule, 4C/ID-Modell, Instruktionsdesign, Fachbereichsleitung, Fertigkeitenhierarchie, Lernaufgaben, Just-in-Time Informationen, Komplexe kognitive Fertigkeiten, Situiertes Lernen, Didaktische Szenarien, E-Learning, Kompetenzentwicklung, Blueprint, Blended Learning
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die konzeptionelle Entwicklung eines Lehrplans für Bildungswissenschaftler, die eine Leitungsposition an einer Volkshochschule anstreben, unter Anwendung instruktionspsychologischer Modelle.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Strukturierung komplexer beruflicher Fertigkeiten, die Gestaltung authentischer Lernumgebungen und die Verknüpfung von Theorie und Praxis mittels des 4C/ID-Instruktionsdesigns.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel ist die Erstellung eines Blueprints für einen Lehrplan, der Bildungswissenschaftler befähigt, die vielschichtigen administrativen und pädagogischen Aufgaben einer Fachbereichsleitung sicher zu bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit verwendet das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell (4C/ID) nach Jeroen van Merriënboer, gestützt auf die "Ten Steps to Complex Learning", um eine Fertigkeitenhierarchie und Lernaufgaben zu entwickeln.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen praktischen Teil, in dem der Lehrplan entworfen wird, und einen theoretischen Teil, der lerntheoretische Hintergründe sowie didaktische Szenarien und Medien für die Umsetzung beleuchtet.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Erwachsenenbildung, 4C/ID-Modell, Fachbereichsleitung, Fertigkeitenhierarchie und Instruktionsdesign beschreiben.
Wie unterscheidet das 4C/ID-Modell zwischen unterstützenden Informationen und Just-in-Time Informationen?
Unterstützende Informationen dienen dem Aufbau kognitiver Schemata für nicht-wiederkehrende Aspekte, während Just-in-Time Informationen gezielte Hilfestellungen für wiederkehrende, oft weniger komplexe Arbeitsschritte bieten.
Warum ist laut Autor die Fallmethode ein geeignetes Szenario für dieses Lehrvorhaben?
Die Fallmethode ermöglicht es dem Lernenden, praxisnahe Probleme in einer (virtuellen) Umgebung zu analysieren und zu lösen, was die für die 4C/ID-Anforderungen essenzielle Authentizität fördert.
- Citar trabajo
- Malte Saatjohann (Autor), 2013, Das 4C/ID Modell am Beispiel eines Bildungswissenschaftlers im Bereich Erwachsenenbildung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/214362