Der Einsatz eines Portfolios im Religionsunterricht

Thema: Interreligiöses Lernen


Hausarbeit, 2012

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Einsatz von Portfolios im Religionsunterricht
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Vor- und Nachteile des Portfoliokonzepts
2.3 Besondere Eignung des Portfolio-Konzepts für den Religionsunterricht

3. Konzept eines Halbjahres-Portfolios zum „Interreligiösen Lernen“
3.1 Übergeordnetes Thema des Portfolios
3.2 Aufgaben und Stundenplanung mit Hinblick auf das Portfolio
3.3 Bewertung des Portfolios
3.4 Inhaltliche und Methodische Kompetenzen

4. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Bereits seit vielen Jahren gibt es seitens der Öffentlichkeit massive Kritik an fehlenden Kompetenzen bei nach schulischen Maßstäben eigentlich ausreichend ausgebildeten Schulabgängerinnen und Schulabgängern. Die Gründe hierfür werden neben der Anhäufung von trägem Wissen durch lehrerzentrierten Frontalunterricht auch in der erdrückenden Flut permanenter Leistungsbeurteilungen vermutet.[1]

Im Zuge einer umfassenden Neustrukturierung von Schule, hin zu mehr Selbstbestimmtheit für Schülerinnen und Schüler wurden auch auf den wissenstheoretischen Annahmen des Konstruktivismus aufbauende Methoden zur Reformierung des Unterrichts populär. Hierzu zählt auch das nicht selten als Allheilmittel propagierte Portfolio-Konzept, welches den Fokus nur bedingt auf das abschließende Lernergebnis legt, sondern darüber hinaus versucht, auch den Prozess des Lernens, sowie die Person des Schülers und der Schülerin stärker zu berücksichtigen. Entgegen anfänglichen Vermutungen steckt hinter dem Portfolio­Konzept nicht lediglich eine alternative Methode zur Leistungsbeurteilung, sondern tatsächlich wird es inzwischen als Konzept zur Reformierung des bisherigen schulischen Unterrichts gehandelt.[2]

Im Rahmen der Hausarbeit wird daher zunächst das Portfolio-Konzept beschrieben und dessen Möglichkeiten, insbesondere mit Hinblick auf seinen Einsatz im schulischen Religionsunterricht erläutert. Dabei werden ebenso mit dem Porftolio- Konzept zusammenhängende Falschannahmen und Kritik näher beleuchtet und Lösungsansätze hierfür aufgezeigt. Anschließend wird anhand eines Beispiels der Portfolio-Einsatz im Religionsunterricht der beruflichen Schule dargestellt. Die Arbeit schließt mit einem zusammenfassenden Fazit, in dem sowohl die theoretischen als auch die anhand des Praxisbeispiels dargestellten Möglichkeiten hinsichtlich ihres Potentials für eine Verbesserung des Religionsunterrichts reflektiert werden.

2. Der Einsatz von Portfolios im Religionsunterricht

2.1 Begriffsbestimmung

Der Begriff des Portfolios leitet sich aus den lateinischen Worten „portare“ (tragen) und „folium“ (Blatt), bzw. „folia“ (Blätter) ab. Es stellt demnach eine Blattsammlung dar, die man aufgrund ihrer Wichtigkeit ständig mit sich herumträgt. Historisch gesehen gibt es das Portfolio im außerschulischen Kontext bereits seit der Zeit der Renaissance, in der Bewerbungsmappen um Bauaufträge von Architekten diese Bezeichnung trugen. Inzwischen sind Portfolios im Sprachgebrauch der Kunst und der Wirtschafts- und Finanzwirtschaftswelt anzutreffen, sowie eben auch im Bereich des Bildungswesens.[3] Jedoch unterscheiden Pädagogen hierbei zwischen einer engeren und einerweiter gefassten Definition des Portfoliobegriffs. Im engeren Sinne ist das Portfolio eine vom Lernenden angelegte Sammelmappe, die dem Lehrenden als alternatives Instrument der Leistungsbemessung zur Verfügung steht. Im weiteren Sinne ist das Portfolio-Konzept jedoch ein Lehr-Lern-Instrument, auf dem große Hoffnungen auf eine Reform des schulischen Unterrichts beruhen, da es aufgrund seiner Eigenart und der Arbeit an und mit der Portfoliomappe, einer Individualität der Lernenden deutlich stärker Rechnung trägt, als die derzeitigen Unterrichtskonzepte.[4] [5]

Aufgrund der unterschiedlichen Definitionen des Portfolio-Begriffs hat sich auch eine Vielzahl unterschiedlicher Portfolio-Arten und -Formen herausgebildet, bei denen jeweils unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden und die teils voneinander stark abweichende Ziele verfolgen. Allgemein lässt sich dabei sagen, dass bei den enger gefassten Portfolio-Arten die ,,Zwangsmomente des Lehr-/Lernsettings„ gegenüber den weiter gefassten Arten deutlich ausgeprägter sind,,,und zwar in dem Maße, in dem das Kriterium der Vergleichbarkeit (aus Gründen der Fairness oder der Chancengerechtigkeit) das Prinzip des celebrate diversity’ systematisch zurückdrängt.“5 Bei der Herausbildung der verschiedenen Portfolio-Arten handelt es sich folglich also um einen Balanceakt zwischen der Individualität des Lernenden und der möglichen Vergleichbarkeit mit anderen.

2.2 Vor- und Nachteile des Portfoliokonzepts

Je nach Sinn und Zweck stehen also mit dem Portfolio-Konzept zahlreiche Möglichkeiten und Chancen zur Verbesserung des Unterrichts bereit. Dabei liegen die Vorteile des Konzepts in erster Linie in der Gestaltung des Lernprozesses, sowie damit zusammenhängend in dessen Auswirkungen auf das Unterrichtsklima. So liegt eine besondere Stärke der Arbeit mit Portfolios in der Förderung operativer Aspekte des Lernens, also im Bereich des selbstgesteuerten und selbstregulierten Lernens. Hierdurch werden Lernökonomie und selbstständiges Arbeiten ebenso gefördert, wie die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung und Selbstreflexion. Auch die Bereitschaft zur Kooperation und Kommunikation wird gefördert und zwar nicht nur zwischen Schülerinnen und Schülern, sondern auch zwischen Lehrenden und Lernenden.[6] Diese Vorteile sind allerdings nur dort sehr ausgeprägt, wo die Arbeit mit Portfolios konzeptionell verankert ist und nicht lediglich im Rahmen des traditionellen, lehrerzentrierten Unterrichts und/oder ohne klare Zielvorstellung implementiert wird.

Trotz aller Vorteile, müssen auch die Nachteile der Portfolio-Arbeit berücksichtigt werden, denn neben dem oftmals durch die Lehrkraft vorgegebenen Aufbau des Portfolios bedeutet Portfolio-Arbeit für die Schülerinnen und Schüler[7] zumeist eine starke Überbetonung schriftlicher Arbeiten, einen deutlich höheren Zeitaufwand, sowie eine erhöhte Komplexität der Anforderungen. Auch kann das in unseren Schulen bestehende Notensystem das Portfolio-Konzept behindern, denn trotz aller Freiheiten für SuS findet Unterricht weiterhin unter Bedingungen ungleicher Machtverhältnisse statt. Auch berührt dieser Umstand das Portfolio-Konzept als solches, dessen Leitidee in der Anerkennung von Vielfalt im Lernen liegt und welche daher in Verbindung mit dem schulischen Anspruch der Chancengerechtigkeit und Vergleichbarkeit wenigstens teilweise unterwandert wird.[8]

Damit die Arbeit mit Portfolios geeignet ist, müssen sich also die Vorteile des Konzepts möglichst stark auswirken und die Nachteile möglichst niedrig gehalten werden. Insbesondere zur Bekämpfung der Nachteile wurde von wissenschaftlicher Seite vorgeschlagen, den Einsatz von Portfolios wenigstens bis zur siebten oder achten Klasse von der Ziffernbenotung fernzuhalten. Des Weiteren sollte die personelle Funktion der Lehrkraft und somit das bestehende Machtverhältnis entkoppelt werden, sodass die Lehrkraft zwar unterrichtet, begleitet und unterstützt, die Notengebung jedoch von einer anderen Person erfolgt. Dies würde zur Folge haben, dass „Arbeitsbündnisse zwischen Lernenden und Lehrenden“ entstehen können, die derzeit „durch den strukturellen Funktionswiderspruch zwischen Förderung undAuslese sehr erschwert“ sind.[9]

2.3 Besondere Eignung des Portfolio-Konzepts fürden Religionsunterricht

Aus dem Gesagten geht hervor, dass die Anwendung des Portfolio-Konzepts besonders dort geeignet ist, wo die Beziehung zwischen Schülerschaft und Lehrkraft auf einer Ebene gegenseitiger Anerkennung verläuft und wo folglich auch das Machtverhältnis möglichst horizontal verläuft. Gerade der Religionsunterricht scheint hierfür prädestiniert zu sein, da für einen gelungen Religionsunterricht die Lehrer­Schüler-Beziehung ohnehin von besonderer Bedeutung ist. Obwohl eine gute Lehrer­Schüler-Beziehung in jedem Unterrichtsfach zur Qualität des Lernens beiträgt, ist es gerade im Religionsunterricht entscheidend, ob „bestimmte Impulse das Interesse der Klasse finden“. [10] Der Religionslehrer ist daher angehalten, die Lernenden nicht auf dem Hintergrund vorgegebener Inhalte und Erwartungen lediglich als defizitär­religiöse Objekte wahrzunehmen, sondern sie in ihrem Anders-Sein zu achten: „Der so den Schülerinnen und Schülern entgegengebrachte Respekt, der zunächst einmal eine Bringschuld der Lehrkraft darstellt, schlägt sich auf das Unterrichtsklima nieder. Nur in einer angenehmen, von gegenseitigem Respekt geprägten Lernumgebung, in der sich Schülerinnen und Schüler und Lehrkraft einander ernst nehmen, können sich die einzelnen Unterrichtsteilnehmer öffnen und vorhandene Probleme und/oder Fragen thematisieren, ohne Angst haben zu müssen, deshalb zum Außenseiter zu werden.[11] Gerade dies geschieht bei der Portfolio-Arbeit in besonderem Maße, weshalb sich die Ziele des Portfolio-Konzepts und des Religionsunterrichts außerordentlich ergänzen.

Bedenkt man weiter, dass sich das Machtverhältnis zwischen Schülerschaft und Lehrkraft überwiegend aus der Abhängigkeit ersterer gegenüber zweiterer hinsichtlich der Notengebung speist, ergibt sich auch hier eine besonders gute Ausgangsmöglichkeit für den Religionsunterricht. Dies zum Einen, weil Religion zumeist kein versetzungsrelevantes Hauptfach ist, zum Anderen aber auch deshalb, weil die Zeugnisnote im Fach Religion bei einer Bewerbung in einem Wirtschaftsunternehmen von deren Personalabteilungen in der Regel eher als nebensächlich erachtet wird und folglich auch der Druck auf die SuS weniger ausgeprägt ist, hierin eine besonders gute Note erzielen zu müssen.

Kurzum: Die Arbeit mit dem Portfolio ist für den Religionsunterricht deshalb besonders geeignet, weil es hier sowohl den Lehrkräften als auch der Schülerschaft relativ problemlos möglich ist, die die Portfolio-Arbeit negativ beeinflussenden Elemente unseres Schulsystems zu minimieren und gleichzeitig die besonderen Vorteile der Portfolio-Arbeit, die in der Reflexion und Selbstbestimmtheit des Individuums liegen, hervorzuheben, welche sich ohnehin mit den allgemeinen Zielsetzungen des Religionsunterrichts ergänzen.

[...]


[1] Vgl. Häcker, Th., Portfolio revisited - überdie Grenzen und Möglichkeiten eines viel versprechenden Konzepts, Wiesbaden, 2011, S. 164

[2] Vgl. Häcker, Th., Portfolio revisited - überdie Grenzen und Möglichkeiten eines viel versprechenden Konzepts, Wiesbaden, 2011,S. 161

[3] Vgl. Breuer, A. C., Das Portfolio im Unterricht, Münster, 2009, S. 166

[4] Vgl. Häcker, Th., Portfolio revisited - überdie Grenzen und Möglichkeiten eines viel versprechenden Konzepts, Wiesbaden, 2011,S. 167

[5] Häcker, Th., Portfolio revisited - über die Grenzen und Möglichkeiten eines viel versprechenden Konzepts, Wiesbaden, 2011,S. 167

[6] Vgl. Häcker, Th., Portfolio revisited - überdie Grenzen und Möglichkeiten eines viel versprechenden Konzepts, Wiesbaden, 2011,S. 169

[7] Aufgrund besserer Lesbarkeit wird die Bezeichnung „Schülerinnen und Schüler“ im weiteren Verlauf mit „SuS“ abgekürzt

[8] Vgl. Häcker, Th., Portfolio revisited - überdie Grenzen und Möglichkeiten eines viel versprechenden Konzepts, Wiesbaden, 2011,S. 170-172

[9] Vgl. Häcker, Th., Portfolio revisited - überdie Grenzen und Möglichkeiten eines viel versprechenden Konzepts, Wiesbaden, 2011,S. 174-175

[10] Englert, R., Die Diskussion über Unterrichtsqualität, Neukirchen Vluyn, 2006, S. 62

[11] Vgl. Kiesow, K., Worauf es mir bei Unterrichtsbesuchen besonders ankommt, Neukirchen Vluyn, 2006, S.32

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Einsatz eines Portfolios im Religionsunterricht
Untertitel
Thema: Interreligiöses Lernen
Hochschule
Universität Kassel  (Geistes- und Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Portfolios im Religionsunterricht als Möglichkeit nachhaltigen Lernens (L4)
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V231216
ISBN (eBook)
9783656477501
ISBN (Buch)
9783656479307
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Portfolio, SOL, selbstorganisiertes Lernen, SELBST, Reli, Religion, Islam, interkulturell, interreligiös, interreligiöses Lernen, Kaufmann, Lehramt, Schule, Unterricht, Lernklima, Noten, Klassenarbeit, Alternative, Lernsituation, Kompetenzen, Lernziele
Arbeit zitieren
Master of Education; Dipl. Kfm. (FH) Volker Ahmad Qasir (Autor), 2012, Der Einsatz eines Portfolios im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231216

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