Auszubildende gelten als die Führungskräfte von morgen. Unerlässlich für den beruflichen Erfolg von Auszubildenden sind Schlüsselqualifikationen wie z.B. Sozialkompetenz. Diese kann speziell trainiert werden.
Im Mittelpunkt dieser Studie steht das Bildungsziel des Erwerbs von "schlüsselhaften", sozialen Qualifikationen bei kaufmännischen Auszubildenden. Dies wird in Bezug zu den eher psychologisch-soziologischen Begriffen "Sozialkompetenz", "Werte" und "Kooperationsbereitschaft" gesetzt.
Die theoretischen Ausführungen stützen sich auf die Trainierbarkeit zwischenmenschlichen Verhaltens durch Gruppenseminare, wodurch die soziale Kompetenz der Gruppenmitglieder verbessert werden kann. Weiterhin wird die Beziehung zwischen "Sozialkompetenz" und "Kooperationsbereitschaft" in der Situation der Arbeitsgruppe herausgearbeitet.
Die empirische Untersuchung konzentriert sich auf die Erfassung der "Kooperationsbereitschaft" bei den Auszubildenden, die ein entsprechendes Firmenseminar besucht haben. Die Evaluierung des untersuchten Trainings in einem Großunternehmen geht primär von psychologischer Perspektive aus. Diese Längsschnittstudie setzt sich intensiv - mittels Leitfadeninterviews - mit dem individuellen Erleben bei den Auszubildenden bzw. den Auswirkungen des Gruppentrainings auseinander.
Inhaltsverzeichnis
1.Einführung
1.1 Wandel der Qualifikationsanforderungen und Sozialkompetenz-Training
1.2 Ziel der Längsschnittstudie
1.3 Vorgehensweise
2.Theoretische Grundlagen
2.1 Berufsausbildung
2.1.1 Thematische Eingrenzung
2.1.2 Auszubildende: Adoleszenzphase und Sozialisationsprozeß
2.1.3 Bildungsziel: Erwerb von Schlüsselqualifikationen für die zukünftige Praxis
2.2 Sozialkompetenz und Kooperationsbereitschaft
2.2.1 Überblick: Werte, Sozialkompetenz, Kooperationsbereitschaft, sozial kompetentes Verhalten
2.2.2 Sozialkompetenz
2.2.2.1 Begriffsbestimmung
2.2.2.2 Prozeßmodell sozial kompetenten Verhaltens
2.2.3 Sozialkompetenz und Kooperationsbereitschaft in der Arbeitsgruppe
2.2.3.1 Sozialkompetenz in der Arbeitsgruppe
2.2.3.2 Kooperation und Konkurrenz
2.2.3.3 Kooperationsbereitschaft
2.2.4 Werte und Kooperationsbereitschaft
2.2.4.1 Ich-Zentralität von Werten
2.2.4.2 Wertewandel und Kooperationsbereitschaft
2.2.5 Erfassungsmethoden und Meßprobleme
2.3 Training
2.3.1 Trainingsbegriff
2.3.2 Trainingsformen und Techniken
2.3.3 Training sozialer Kompetenzen
2.4 Evaluation von Training
2.4.1 Allgemeine Kennzeichen und Funktionen
2.4.2 Gutachtenmodell vs. Beratungsmodell
2.4.3 Evaluierungsebenen
2.4.3.1 Unmittelbare Trainingseffekte
2.4.3.2 Transfer am Arbeitsplatz
2.4.3.3 Exkurs: Transferhilfen
3.Empirische Untersuchung
3.1 Zum Konzept des untersuchten Trainings
3.1.1 Trainingsziel
3.1.2 Methodische Umsetzung
3.1.3 Veranstaltungsumfeld des untersuchten Trainings
3.2 Empirisches Vorgehen
3.2.1 Forschungsziel, Untersuchungsplan, Stichprobe
3.2.2 Interviewgestaltung
3.2.3 Leitfäden
3.2.4 Auswertungsschritte
3.3 Ergebnisse
3.3.1 Intergruppenvergleich (Deskription)
3.3.1.1 Büro- vs. Industriekaufleute
3.3.1.2 Frauen vs. Männer
3.3.1.3 Seminarunerfahrene vs. seminarerfahrene Teilnehmer
3.3.1.4 Zusammenfassung
3.3.2 Gleichbleibende "Einzelkämpfer"
3.3.2.1 Gemeinsamkeiten der Teilnehmer mit konstantem Einzelarbeitswunsch
3.3.2.2 Beschreibung eines typischen "Einzelkämpfers" im Längsschnitt
3.3.3 Gleichbleibende Kooperative
3.3.3.1 Gemeinsamkeiten der Teilnehmer mit konstantem Zusammenarbeitswunsch
3.3.3.2 Beschreibung einer typischen Kooperativen im Längsschnitt
3.3.4 Fälle von Wandel zum Kooperativen
3.3.4.1 Gemeinsamkeiten der Wandler zum Kooperativen
3.3.4.2 Beschreibung einer typischen Wandlerin im Längsschnitt
3.3.5 Trainingswirkung
4.Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit evaluiert explorativ die Auswirkungen eines gruppendynamischen Sozialkompetenz-Trainings auf die Kooperationsbereitschaft kaufmännischer Auszubildender. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, ob und wie sich ein solches Training auf die individuelle Einstellung zur Zusammenarbeit mit Kollegen im betrieblichen Alltag auswirkt und welche Transferhürden dabei bestehen.
- Psychologische Grundlagen der Sozialkompetenz und Kooperationsbereitschaft
- Methoden und Ansätze des betrieblichen Verhaltenstrainings
- Empirische Untersuchung der Auswirkungen im Längsschnittverfahren
- Identifikation von Einstellungs- und Verhaltenstypen der Auszubildenden
- Analyse der Transferproblematik und praktischer Umsetzungshilfen
Auszug aus dem Buch
2.2.2.2 Prozeßmodell sozial kompetenten Verhaltens
Hinsch u. Pfingsten (1983) reduzieren die ganze Komplexität sozialen Verhaltens - beispielsweise von Auszubildenden untereinander und gegenüber den Kollegen - auf ein lernpsychologisches Modell.
Dieses Prozeßmodell sozial kompetenten Verhaltens orientiert sich vor allem an dem ähnlichen Konzept von Argyle u. Kendon (1967) und bezieht zudem die soziale Lerntheorie, das Streßkonzept von R.S. Lazarus und kognitiv verhaltenstherapeutische Konzepte mit ein.
Abbildung 2 zeigt die einzelnen "Bausteine" des Modells von Hinsch u. Pfingsten (1983). Diese werden im folgenden exemplarisch an der Situation von Auszubildenden im Betrieb erläutert; daran schließt sich eine kritische Betrachtung aus motivationaler Perspektive an.
Im vorliegenden Modell ist die jeweilige Situation (z.B. eine Trainingssituation oder eine betriebliche Alltagssituation) implizit mit einem Anforderungscharakter behaftet. Dies könnten beispielsweise Qualifikationsanforderungen an Auszubildende für die zukünftige Berufspraxis sein (insbesondere das Kooperieren-Können in einer Arbeitsgruppensituation).
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einführung: Legt den Grundstein durch die Diskussion moderner Qualifikationsanforderungen und definiert das Ziel der Studie: die Evaluierung eines Gruppentrainings für Auszubildende.
2.Theoretische Grundlagen: Erörtert psychologische und pädagogische Konzepte zu Sozialkompetenz, Kooperationsbereitschaft sowie Trainingsmethoden und Evaluationsansätze.
3.Empirische Untersuchung: Stellt das konkrete Trainingskonzept des Unternehmens vor und analysiert in einer Längsschnittstudie mittels qualitativer Interviews die Wirkung des Trainings auf die Auszubildenden.
4.Ausblick: Formuliert Empfehlungen zur Förderung des Trainingskonzepts und diskutiert weitere Forschungsbedarfe im Bereich der Transfermanagement-Optimierung.
Schlüsselwörter
Sozialkompetenz, Kooperationsbereitschaft, betriebliche Berufsausbildung, Gruppentraining, Schlüsselqualifikationen, Lernpsychologie, Transfermanagement, Arbeitsgruppe, Adoleszenzphase, Evaluation, qualitative Interviews, Verhaltensänderung, beruflicher Aufstieg, Arbeitspsychologie, beruflicher Wertewandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss ein spezielles Sozialkompetenz-Training auf die Kooperationsbereitschaft von kaufmännischen Auszubildenden hat und ob das Gelernte erfolgreich im betrieblichen Alltag umgesetzt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Schlüsselqualifikationen in der Berufsausbildung, der Psychologie von Arbeitsgruppen sowie der Evaluierung von Trainingsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, wie sich ein Gruppentraining auf die individuelle Kooperationsbereitschaft auswirkt und welche Transferabsichten sowie tatsächlichen Verhaltensänderungen bei den Auszubildenden im Zeitverlauf zu beobachten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein exploratives, qualitatives Vorgehen gewählt. Dazu wurden mit einer Stichprobe von 12 Auszubildenden strukturierte Interviews zu drei Zeitpunkten (vor, unmittelbar nach und sechs Wochen nach dem Training) geführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Kompetenz und Training sowie in eine detaillierte empirische Untersuchung, die Einstellungsänderungen und Transferprobleme analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Sozialkompetenz, Kooperationsbereitschaft, berufliche Ausbildung, Gruppentraining, Transfermanagement und Evaluation.
Warum wird kein Tonband für die Interviews genutzt?
Der Autor verzichtete darauf, weil die Mehrheit der Auszubildenden ihre Anonymität durch eine Tonbandaufnahme gefährdet sah, weshalb stattdessen ein spezielles Kürzelsystem für Mitschriften genutzt wurde.
Was ist das Ergebnis der Untersuchung zu den "Einzelkämpfern"?
Die Studie zeigt, dass bei Teilnehmern, die schon vor dem Training einen starken Einzelarbeitswunsch hatten, das Training oft nicht zu einer Verhaltensänderung führte, da sie ihre Unabhängigkeit im Betrieb priorisieren.
- Quote paper
- Dipl.-Handelslehrer Stefan Dassler (Author), 1989, Sozialkompetenz-Training in der betrieblichen Ausbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23905