Der Einsatz von Derivaten im Bondportfoliomanagement


Seminararbeit, 2001

25 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Charakterisierung klassischer Derivate
2.1 Börsengehandelte Derivate
2.1.1 Zins-Futures
2.1.2 Optionen auf Zins-Futures
2.2 Außerbörslich gehandelte Derivate
2.2.1 Swaps
2.2.2 Forward Rate Agreements und Forwards
2.2.3 Caps, Floors, Collars

3. Anwendungsmöglichkeiten von Derivaten im Bondportfoliomanagement
3.1 Absicherung (Hedging)
3.1.1 Einführung
3.1.2 Verfahren zur Hedge Ratio Bestimmung
3.2 Trading (Spekulation)
3.3 Arbitrage

4. Moderne Derivate und deren Einsatzmöglichkeiten
4.1 Exotische Optionen
4.2 Asset Swaps, Liability-Swaps und andere Swaps
4.3 Kreditderivate

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Der Einsatz von Derivaten im Bondportfoliomanagement“. Hierzu möchte ich den Begriff Derivate zunächst erläutern. Derivate werden von den elementaren Anlageformen Aktien und Zinsinstrumente ab­geleitet. Sie sind Instrumente, die zum Absichern und Spekulieren geeignet sind. Sie werden an Terminbörsen und außerbörslich (OTC[1] -Markt) gehandelt. Diese Arbeit bezieht sich dabei nur auf die Derivate, die beim Management von Portfolios mit fest­verzinslichen Wertpapieren zum Einsatz kommen. In den folgenden Kapiteln werden die „klassischen“ Derivate erklärt und deren Anwendungsmöglichkeiten dargestellt. In Kapitel 4 gehe ich dann auf moderne Ausprägungen der Derivate ein. Auf Grund der Vielzahl an verschiedenen Derivaten werden lediglich die wichtigsten ihrer Art angesprochen.

2. Charakterisierung klassischer Derivate

2.1 Börsengehandelte Derivate

2.1.1 Zins-Futures

Ein Zins-Futures (Zinsterminkontrakt) ist die vertragliche Verpflichtung einen standardisierten Zinstitel (Basiswert) an einem bestimmten, zukünftigen Zeitpunkt (Fälligkeitstermin) zu einem bei Geschäftsabschluss vereinbarten Kurs (Basispreis) abzunehmen (Kauf eines Futures) bzw. zu liefern (Verkauf eines Futures). Die Standardisierung des Basiswertes erfolgt im Hinblick auf den Nominalwert, die Laufzeit, den Basispreis und den Schuldner des Zinstitels. Die Position eines Futures-Käufers wird Long-Position und die eines Futures-Verkäufers Short-Position genannt. Da ein Futures-Kontrakt ein verpflichtendes Geschäft ist, ergibt sich der Gewinn oder Verlust eines Futures aus dem Kurs des Basiswertes am Verfalltag. Liegt dieser Kurs zur Kontraktfälligkeit bei einer Long-Position (Short-Position) über dem Basispreis, so erzielt der Futures-Inhaber einen Gewinn (Verlust), anderenfalls ergibt sich ein Verlust (Gewinn). Das Gewinn- und Verlustdiagramm (Payoff-Profil) der beiden Futures-Grundpositionen hat somit einen symmetrischen Verlauf:

(Basispreis 300)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus dem Diagramm wird deutlich, dass der Gewinn und der Verlust einer Futures-Position unbegrenzt ist.[2] Am Ende der Laufzeit des Futures muß der Futures-Verkäufer den Basiswert liefern, der Futures-Käufer muß den Basiswert abnehmen und bezahlen. Beide haben somit eine Verpflichtung, weshalb Futures-Geschäfte unbedingte Termin­geschäfte genannt werden. In der Regel werden Futures-Kontrakte aber nicht durch die Lieferung des Basiswertes erfüllt, sondern durch ein Gegengeschäft glattgestellt. Ist also ein Investor eine Long-Position in einem Futures eingegangen, dann kann er durch den Verkauf des Futures (Short-Position) seine Position auflösen.

2.1.2 Optionen auf Zins-Futures

Eine Option ist eine Vereinbarung zwischen zwei Vertragspartnern, bei der der Verkäufer (Short-Position) dem Käufer (Long-Position) das Recht gewährt, innerhalb einer bestimmten Frist (amerikanische Art) oder zu einem bestimmten Zeitpunkt (euro­päische Art) ein Zinsinstrument zu einem vorab festgelegten Preis zu kaufen (Call-Option) oder zu verkaufen (Put-Option). Der Verkäufer, der auch Stillhalter der Option genannt wird, erhält vom Käufer für das Optionsrecht einen bestimmten Geldbetrag, die Optionsprämie. Der Preis, zu dem das Zinsinstrument dann gekauft oder verkauft werden kann, nennt man Basispreis. Der Termin, bis (amerikanische Art) oder zu dem (europäische Art) die Option vom Käufer ausgeübt werden kann, ist der Fälligkeits­termin der Option.

Ein wesentliches Merkmal von Optionen ist, dass der Optionskäufer stets ein Recht und nicht eine Verpflichtung zum Kauf oder Verkauf des Basiswertes besitzt. Es handelt sich also bei Optionen im Gegensatz zu Futures um bedingte Termingeschäfte. Der Options­käufer hat immer die Möglichkeit, die Option nicht auszuüben bzw. verfallen zu lassen. Deshalb weist das Payoff-Profil von Optionen generell einen asymmetrischen Verlauf auf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Basispreis 300, Break-Even 305)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Basispreis 300, Break-Even 295)

Der maximale Verlust (Gewinn) für den Optionskäufer (Stillhalter) ist auf die gezahlte (vereinnahmte) Optionsprämie beschränkt, der Gewinn (Verlust) ist dagegen unbegrenzt.[3] Die folgende Tabelle zeigt die Einsatzmöglichkeiten von Calls und Puts.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei Optionen auf Zins-Futures ist der Basiswert ein Futures-Kontrakt auf ein Zins­instrument. Dies hat zur Folge, dass die Optionsposition bei Ausübung des Options­rechtes, die in der Regel jederzeit erfolgen kann (amerikanische Art), in eine entsprechende Futures-Position übergeht. Der Optionskäufer wandelt sein Optionsrecht in eine Verpflichtung.

Auch Optionspositionen können vor Fälligkeit durch ein Gegengeschäft glattgestellt werden. Eine Long-Put-Position (Long-Call-Position) kann beispielsweise durch eine Short-Put-Position (Short-Call-Position) der gleichen Optionsart (Basiswert, Basispreis, Fälligkeit) aufgelöst werden.[4]

Optionen können weiterhin in Abhängigkeit von ihrem Basispreis und der aktuellen Futures-Notierung unterschieden werden. Bei Out-of-the-money-Optionen liegt der Basispreis für Call-Optionen über, für Put-Optionen unter dem aktuellen Kurs des Basis­wertes. Stimmt der Basispreis der Option (Call und Put) mit dem aktuellen Kurs des Basiswertes überein, so spricht man von At-the-money-Optionen. Liegt der Basis­preis dagegen für Call-Optionen unterhalb, für Put-Optionen oberhalb des aktuellen Kurses des Basiswertes, so nennt man diese In-the-money-Optionen.[5]

2.2 Außerbörslich gehandelte Derivate

2.2.1 Swaps

Ein Zinsswap (Interest Rate Swap) ist als einfachste Variante der Swaps ein Austausch von Zinszahlungen zwischen zwei Partnern in einer Währung für eine bestimmte Lauf­zeit bezogen auf einen definierten Kapitalbetrag. Zinsswaps können in Kuponswaps und Basisswaps unterschieden werden.

Bei einem Kuponswap werden feste gegen variable Zinsen getauscht (Fixed-to-Floating und Floating-to-Fixed Interest Rate Swap). Die Bezeichnung Kuponswap kommt vom Festsatz in diesem Zinsswap, der dem Kupon bzw. der Rendite von Anleihen entspricht, die zum Nennwert gehandelt werden. Der Kuponswap wird auch Plain Vanilla Swap oder Generic Swap bezeichnet. Bei einem Kuponswap unterscheidet man zwischen Zahler (Payer) und Empfänger (Receiver). Der Zahler (Käufer des Swaps) zahlt den festen Zinssatz und erhält dafür den variablen Zinssatz. Der Empfänger (Verkäufer des Swaps) zahlt den variablen Zinssatz und erhält den festen Zinssatz. Das folgende Schaubild soll dies nochmals verdeutlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Laufzeit des langfristigen Festsatzes entspricht der Fälligkeit des Kuponswaps. Der Zahler kennt also seine jährlichen Zinszahlungen, die er an den Empfänger leisten muß. Der Festsatz orientiert sich in der Regel an den Sätzen für Anleihen mit gleicher Lauf­zeit. Der kurzfristige variable Satz richtet sich nach den Zinssätzen am Interbanken­markt (üblicherweise 6-Monats-LIBOR). Der variable Satz wird erstmals bei Abschluß des Swaps festgestellt und danach alle 6 Monate[6] neu bestimmt. Dieser wird aber erst nach 6 Monaten gezahlt, so dass die Zinszahlungen nachschüssig erfolgen. Beim Vergleich des Festsatzes mit dem variablen Satz ist zu beachten, dass der Festsatz mit 30/360 Tagen (Kapitalmarkt) und der variable Satz mit echt/360 Tagen (Geldmarkt) gerechnet werden. Die Formeln zu Ermittlung der Zahlungen lauten also:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der Regel wird ein Zinsnetting vereinbart. Das bedeutet, dass an den Zinszahlungs­terminen die einzelnen Zinszahlungsverpflichtungen gegeneinander aufgerechnet werden und nur die Differenz gezahlt wird.

[...]


[1] OTC = over the counter

[2] Der Verlust (Gewinn) einer Long-Position (Short-Position) ist aber durch den Kurs des Basiswertes begrenzt, da dieser nicht unter Null sinken kann.

[3] Bei einer Short-Put- bzw. Long-Put-Position wird eine Verlust- bzw. Gewinngrenze erreicht, da der Kurs des Basiswertes nicht unter Null liegen kann. Der maximale Verlust bzw. Gewinn einer Short-Call- bzw. Long-Call-Position ist praktisch ebenfalls begrenzt, da der Kurs des Basiswertes ein bestimmtes Niveau nicht übersteigen kann.

[4] Bei Ausübung einer Long-Position übernimmt deshalb nicht automatisch der ursprüngliche Vertragspartner die entsprechende Gegenposition, sonder diese wird von der Terminbörse im Wege eines Zufallsverfahrens unter sämtlichen noch vorhandenen Short-Positionen in der entsprechenden Option ausgelost und zugeteilt.

[5] Vgl. Fiebach 1994, S. 22

[6] Unter der Annahme, dass der variable Zinssatz dem 6-Monats-LIBOR entspricht

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Der Einsatz von Derivaten im Bondportfoliomanagement
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Lehrstuhl für Investment, Portfolio Management und Alterssicherung)
Veranstaltung
Seminar im Vertiefungsstudium: Investment
Note
2,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
25
Katalognummer
V2426
ISBN (eBook)
9783638114707
ISBN (Buch)
9783656854715
Dateigröße
1218 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das PDF ist ungerastert, d.h. die Schriftendarstellung am PC ist verschwommen - beim Ausdruck wirkt sich dies allerdings nicht negativ aus. Im Downloadfile befindet sich außerdem das (schreibgeschützte) Word-Dokument. 570 KB
Schlagworte
Einsatz, Derivaten, Bondportfoliomanagement, Seminar, Vertiefungsstudium, Investment
Arbeit zitieren
Benjamin Wolf (Autor), 2001, Der Einsatz von Derivaten im Bondportfoliomanagement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2426

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