Elektronisches Lerntagebuch am Berufskolleg

Eine qualitative Inhaltsanalyse


Hausarbeit, 2011

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entwicklung von Forschungsfrage und Hypothesen

3 Auswahl der Methode
3.1 Qualitative Inhaltsanalyse

4 Feldzugang und Analyseschritte
4.1 Festlegung des Materials
4.2 Analyse der Entstehungssituation
4.3 Formale Charakteristika des Materials
4.4 Richtung der Analyse, Kommunikationsmodell
4.5 Differenzierung der Fragestellung und Ablaufmodell
4.6 Bestimmung der Analysetechnik
4.7 Definition der Analyseeinheiten

5 Analyse des Materials

6 Interpretation und Darstellung der Ergebnisse

7 Fazit und Ausblick

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Als ich vor mehr als zwei Jahren mit dem Studium des Moduls 2A begann,setzte ich zeitgleich als IT-Dozent an einem Berufskolleg erstmalig ein Lerntagebuch in der schulischen Ausbildung von staatlich geprüften Informatikerinnen und Informatikern ein. Durch Unterbrechung des Studiums kam es in dendarauf folgenden Semestern in zwei weiteren Klassen zum gleichen Einsatz,ohne dass ich die mittlerweile gut erforschten bildungswissenschaftlichen Hintergründe berücksichtigt hätte.

Nun soll im Modul 2A als Leistungsnachweis eine Hausarbeit geschrieben werden, in der eine qualitative Forschungsfrage mit bildungswissenschaftlicher Relevanz bearbeitet wird. Da lag die Aufarbeitung des bereits erfolgten Einsatzes von Lerntagebüchern nahe.

Lerntagebücher sind in den letzten Jahren durch den „sich allmählich vollziehenden Wandel von der Lehr- zu einer Lernkultur“ ins Blickfeld der Pädagogikgerückt (Gläser-Zikuda & Hascher, 2007, S. 9). Der Schwerpunkt der Forschung richtet sich dabei allerdings auf den Lerntagebuch-Einsatz im Unterricht an der Grundschule oder in einzelnen Fächern/Fachgebieten der allgemeinbildenden Schulen. Das Lehrpersonal an einem privaten Berufskolleg istnicht immer pädagogisch ausgebildet, sondern rekrutiert sich unter anderemaus Diplom- und Wirtschaftsinformatikerinnen und -informatikern, die der modernen Informationstechnik gegenüber sehr aufgeschlossen sind. Sie berücksichtigen - wie in meinem eigenen Fall - bei deren Einsatz zu Unterrichtszwecken zum Teil nicht, dass eine besondere pädagogische Begleitung notwendigsein könnte.

Das generelle Forschungsinteresse geht demnach in die Richtung der Schülerinnen und Schüler, die unvermittelt mit der Aufgabe konfrontiert werden, ein Lerntagebuch zu führen, ohne gesondert darauf vorbereitet zu werden. Speziell ist deren bisher in der Forschung nicht berücksichtigte Erwartungshaltung an den Einsatz eines Lerntagebuchs zu untersuchen.

In Form einer Einzelfallanalyse soll in dieser Hausarbeit die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse auf ausgewählte Lerntagebuch-Einträge einer Schülerin an einem Berufskolleg angewendet werden.

Da sowohl das Lerntagebuch von einer Frau geschrieben wurde, als auch die wesentlichen Forschungsergebnisse auf eine Frau zurückgehen, wird aufgrund der besseren Lesbarkeit in der Folge immer die weibliche Form verwendet, durch die beide Geschlechter sicherlich in gleicher Weise angesprochen werden können wie im üblichen, umgekehrten Fall.

2 Entwicklung von Forschungsfrage und Hypothesen

Als wichtigste Veröffentlichungen für den Bereich des Lerntagebuch- und Portfolio-Einsatzes gelten die beiden Sammelbände von Michaela Gläser-Zikuda.In der ersten Publikation wird vor dem Hintergrund einer neuen Lernkultur zunächst die Beurteilung und Bewertung von Lerntagebüchern und Portfoliosproblematisiert (Gläser-Zikuda & Hascher, 2007). Ein weiterer Schwerpunktder Forschung zum Lerntagebuch liegt auf der Rolle der Selbstregulation derLernenden.

Ebenfalls im Jahr 2007 erschien eine Sammlung, die „ein Beitrag zum Stand der Diskussion zu Konzeption, Entwicklung und Wirksamkeit von Lerntagebüchern und Portfolios im Bildungsbereich“ sein soll (Gläser-Zikuda, 2009, S. 96). Dabei werden sowohl konkrete Studien vorgestellt, als auch Erfahrungen und Untersuchungsergebnisse kritisch reflektiert. Auf einen der Beiträge wird im weiteren Verlauf noch eingegangen.

In einem Hypertext-Dokument kommt Wolfgang Fichten beim Einsatz einesLerntagebuchs in einem Weiterbildungskurs für Pflegekräfte zum Schluss:„Das Lerntagebuch war ein wichtiges Feedback-Instrument“ (Fichten, 2000, 7.Abschnitt). Er konstatiert weiterhin, dass die Kursteilnehmerinnen wertvolleAnregungen zum Kursmaterial gegeben hätten. Schließlich fänden „sich inmanchen Tagebüchern auch Äußerungen, eine bestimmte Frage beziehungsweise ein aufgetretenes Problem im Begleitseminar ansprechen zu wollen unddort klären zu lassen“ (Fichten, a.a.O.).

Damit ist in etwa die aktuelle Situation in Bezug auf das Forschungsthema beschrieben. Bisher erfolgte keine genaue Untersuchung, was bei den Schülerinnen an Erwartungen entsteht, wenn sie aufgefordert werden, ein Lerntagebuchzu führen.

Die Forschungsfrage lautet demgemäß:

Was erwarten Schülerinnen eines Berufskollegs in einer Präsenzschulausbildung vom Einsatz eines elektronischen Lerntagebuchs durch einen IT-Dozenten?

Diese Forschungsfrage ist auch klar genug umrissen, um Flicks Forderung zuentsprechen: „Entscheidend ist, dass der Forscher eine klare Vorstellung überseine Fragestellung entwickelt und dabei aber noch offen bleibt für neue undim besten Fall überraschende Erkenntnisse“ (Flick, 2005, S. 77). Vorab sind allerdings nach Brüsemeister noch Anfangshypothesen festzulegen, die die Forschungsrichtung vorgeben, „denn wie sollte man ohne sie überhaupt auf etwasBestimmtes aufmerksam werden“ (Brüsemeister, 2008, S. 32).

Die erste Hypothese gründet in der oben genannten Erfahrung von Fichten undlautet: Es gibt Erwartungen der Schülerinnen in Bezug auf den Unterricht, insbesondere dann, wenn sie entsprechende Einträge im Lerntagebuch gemachthaben.

Die zweite Hypothese bezieht sich auf einen Beitrag aus dem oben erwähntenersten Sammelband von Gläser-Zikuda (Hübner, Nückles, & Renkl, 2009, S.125) und lautet: Es gibt keine Reflexionen der Schülerinnen, welchen Einflussdas Lerntagebuch auf ihren eigenen Lernerfolg hat. Details dazu werden imKapitel 4.5 erläutert.

3 Auswahl der Methode

Während es bei der quantitativen Sozialforschung darum geht, mit einer repräsentativen Auswahl die vorab festgesetzten Hypothesen zu bestätigen oder zuwiderlegen, will die hier zur Anwendung kommende qualitative Forschung ineinem induktiven Verfahren vom einzelnen Fall, hier dem einzelnen Tagebuch,aus entdeckend forschen. Die oben gestellte Forschungsfrage lässt sich eindeutig nur auf diesem explorativen Weg beantworten. Erst in einem späteren Stadium der Forschung könnten quantitative Verfahren zum Einsatz kommen, wennzum Beispiel festgestellt werden soll, wie häufig eine Erwartung genannt wirdund warum.

Flick legt im übrigen Wert darauf, dass mit der klaren Vorstellung über die Forschungsfrage festgelegt werden kann, welche Methode angemessen ist und ob sich dann auch mit der gewählten Methode die Fragestellung beantworten lässt (Flick, 2005, S. 77).

3.1 Qualitative Inhaltsanalyse

Die qualitative Forschung hat schwerpunktmäßig ein „Interesse an sozialenProzessen, die unter dem Einfluss von Deutungs- und Handlungsmustern gesehen werden“ (Brüsemeister, 2008, S. 48). Sie erarbeitet durch die Analyse vonInterviews die „Situationswahrnehmung eines Akteurs“, die „Entscheidung ineiner Situation“ und die „Konsequenzen, Strukturen und Aggregationen“, diesich daraus ergeben (Brüsemeister, a.a.O.). Dabei werden regelmäßig Kategorien induktiv aus den Interviews heraus entwickelt. Im konkreten Fall könntenach diesem Verfahren ein Interview mit einer Schülerin geführt und analysiertwerden. Das Problem liegt hier allerdings im Feldzugang: Entweder ist derKurs schon zu lange her, als dass die Erinnerung der Schülerin aussagekräftiggenug wäre oder aber die zu Interviewenden stehen vor ihrer Prüfung in einembesonderen Abhängigkeitsverhältnis zum interviewenden Dozenten, was ebenso die Aussagen relativieren würde.

Allerdings ist es durchaus möglich, mit Hilfe eines solchen Forschungsansatzes anderes Material zu analysieren (Mayring, 2008, S. 12). Als Spezialform der qualitativen Forschung nimmt die qualitative Inhaltsanalyse eine teils deduktive Kategorienbildung vor: Aus der Theorie heraus werden Kategorien-Dimensionen gebildet und definiert. Dann werden dazu konkrete Kodierregeln festgelegt und das Auftreten passender Kategorien im Material wird induktiv analysiert, um mit diesen gefundenen Kategorien die nur vorläufig aufgestellten Hypothesen zu untersuchen bzw. weitere zu finden.

Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die Interpretation des Materials wissenschaftlich begründet wird. Lamnek bezeichnet die qualitative Inhaltsanalyse als„wissenschaftlich modifizierte Form des alltagsweltlichen Fremdverstehens“(Lamnek, 2010, S. 464).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Elektronisches Lerntagebuch am Berufskolleg
Untertitel
Eine qualitative Inhaltsanalyse
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V264161
ISBN (eBook)
9783656532453
ISBN (Buch)
9783656536802
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungswissenschaft, qualititiv, inhaltsanalyse, Mayring, Lerntagebuch
Arbeit zitieren
Heinz Alenfelder (Autor), 2011, Elektronisches Lerntagebuch am Berufskolleg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264161

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