Neue inhaltliche Akzentuierungen sowie Strukturreformen im (Aus-)Bildungssystem als Reformimpuls


Seminararbeit, 2013

24 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Die Problemstellung

2. Zukünftige Entwicklungen im Berufsbildungssystem
2.1. Der Einfluss der demografischen Entwicklung auf die Zahl der Schulabgänger/-inne
2.2. Der künftige Bedarf der Wirtschaft an Fachkräften
2.3. Konsequenzen dieser Entwicklungen

3. Die stille Begabungsreserve: Jugendliche im Übergangssystem

4. Inhaltlichen Akzentuierungen sowie Strukturreformen im beruflichen (Aus-)Bildungssystem
4.1. Inhaltliche Maßnahmen zur Steigerung der Qualität der dualen Ausbildung
4.2. Strukturelle Reformen der dualen Ausbildung
4.2.1. Das Konzept eines Ausbaus ‚vollschulischer beruflicher Ausbildungg‘
4.2.2. Das Konzept einer ‚Modularisierung der beruflicher Bildung‘
4.2.3. Die Imitative ‚Übergänge mit System‘

5. Fazit

LITERATURVERZEICHNIS

1. Die Problemstellung

Dem beruflichen (Aus)Bildungssystem in Deutschland stehen angesichts aktueller und zukünftig zu erwartender gesellschaftlicher Entwicklungen inhaltliche und strukturelle Reformen bevor. Schon heute stehen Betriebe zunehmend vor der Herausforderung, ausreichend geeignete Kandidaten für ihre Ausbildungsplätze zu finden (vgl. Ebbinghaus/Loter 2010, S. 4). Dieses Problem wird sich in Zukunft noch verschärfen, denn der demografische Wandel führt zu einem Rückgang der Zahl von Schulabgänger/-innen und parallel hierzu entscheiden sich die Abgänger immer häufiger für einen akademischen Bildungsweg (vgl. Maier/Troltsch/Walden 2011, S. 6f.). Gleichzeitig landen immer mehr Jugendliche im sogenannten ‚Übergangssystem‘ zwischen Schule und Beruf, da sie die Anforderungen der Betriebe nicht erfüllen. Denn der strukturelle Wandel hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft, ausgelöst durch den Einsatz neuer Technologien und die Globalisierungsentwicklung, führt dazu, dass die Anforderungen der Unternehmen an potentielle Auszubildende steigt und der Ruf nach einer inhaltlichen Modernisierung und Flexibilisierung der Berufsausbildung laut wird (vgl. Werner 2007, S. 1). Das Bildungssystem muss sich daher eventuell nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell den geänderten Rahmenbedingungen anpassen. Fest steht: Die hohe Zahl an Jugendlichen, die im Übergangsystem festsitzen, wird sich die Gesellschaft in Zukunft nicht mehr leisten können. Schon heute steht ungefähr „jeder Siebte der nicht studienberechtigten Schulabsolventen ohne Berufsabschluss“ (Ulmer/Ulrich 2008, S. 45) da. Somit stellt sich folgende zentrale Frage:

Welche inhaltlichen Akzentuierungen sowie Strukturreformen müssen in den kommenden Jahren im beruflichen (Aus)Bildungssystem in Deutschland angestoßen werden, um die Zahl der Jugendlichen zu verringern, welche aufgrund mangelnder Qualifikationen keinen Zugang zur beruflichen Bildung finden und sich daher im Übergangssystem befinden?

Diese Arbeit stellt zunächst den aktuellen Stand der Prognosen über die Entwicklung der Zahl der Schulabgänger/-innen und den Fachkräftebedarf der Wirtschaft dar und zeigt damit die Brisanz des Themas einer klaffenden Lücke im Ausbildungswesen auf. Diese Lücke könnte möglicherweise mit der Qualifizierung von Jugendlichen im Übergangssystem geschlossen werden, deren Potential bisher nicht hinreichend genutzt wurde. Ulmer und Ulrich weisen darauf hin, dass so „bis 2020 rund eine Millionen Fachkräfte mehr zur Verfügung“ (ebenda) stehen könnten. Nach einer kurzen Darstellung dieser Begabungsreserve im Bildungssystem widmet sich die vorliegende Arbeit - vor dem Hintergrund des oben genannten Problems - der Analyse und Bewertung zweier unterschiedlicher Arten von Ansatzmöglichkeiten zur Verbesserungen der Strukturprobleme im Übergangsystem.

Eine Ansatzmöglichkeit, dem Problem zu begegnen, könnte die Stärkung des „betrieblich-beruflichen Bildungstyps“ (Bremer u.a. 2009, S. 24) durch eine inhaltliche Verbesserung der dualen Ausbildung sein. Ein anderer Weg, das berufliche (Aus-)Bildungssystem zu verbessern, könnten möglicherweise strukturelle Reformen sein. Eine Möglichkeit wäre die Ausweitung der ‚vollschulischen beruflichen Ausbildung‘, um die Qualifikationen der Jugendlichen, welche sich im Übergangssystem befinden, zu verbessen, was allerdings den Lernort im Gegensatz zur dualen Ausbildung in Richtung Schule verlegen würde (vgl. Dobischat/Milolaza/Stender 2009, S. 127ff.). Ein weiterer Ansatz stellt das Konzept einer ‚Modularisierung der beruflicher Bildung‘ dar (vgl. Euler/Severing 2007, S. 1ff.). Befürworter sehen darin eine Chance schneller auf neue Qualifikationsanforderungen reagieren zu können, einen besseren Übergang zwischen Berufsvorbereitung und Ausbildung zu schaffen sowie zu besseren Zertifizierungsverfahren zu gelangen. (vgl. Schmidt 2011, S. 193). Zuletzt soll die Initiative der Bertelsmann Stiftung „Übergänge mit System“ ({Bertelsmann Stiftung 2011 #52: 23ff.) untersucht werden.

2. Zukünftige Entwicklungen im Berufsbildungssystem

2.1. Der Einfluss der demografischen Entwicklung auf die Zahl der Schulabgänger/-innen

Das deutsche Bildungssystem ist einem ständigen Veränderungsprozess der Rahmenbedingungen ausgesetzt. Neben einem Wandel der Familien- und Lebensformen sind es wirtschaftliche und strukturelle, sowie demografische Entwicklungen welche das Bildungssystem maßgeblich beeinflussen (vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2012, S. 15).

Ein bedeutender Faktor des Berufsbildungssystems ist die Zahl der Schulabgänger/-innen, da sie das mögliche Potential der zukünftigen Auszubildenden darstellen. Diese hat sich aufgrund demografischer Entwicklungen in den letzten Jahren zunehmend verändert. Während zwischen 1990 und 2007 eine hohe Anzahl von Schüler/-innen jährlich die Schulen verließen, geht die Zahl in den letzten Jahren immer weiter zurück. Die Nachkommen der geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge haben die Schulen mittlerweile verlassen. Nun sind es die Kinder der aufgrund der Verfügbarkeit der Antibabypille (vgl. Rösner 2013, S. 82) stark geschmälerten Elterngeneration, welche vor dem Start ins Berufsleben stehen (vgl. Ulmer/Ulrich 2008, S. 7). Immer weniger Töchter können auch immer weniger Kinder bekommen. Eine Kettenreaktion die sich vorsetzten wird. Während im Jahre 2008 die Bevölkerungsgruppe der unter 20-Jährigen noch 19% der Gesamtbevölkerung ausmachte werden diese im Jahre 2060 nach Schätzungen des Statistischen Bundesamts noch rund 16% der Bevölkerung stellen (vgl. Statistisches Bundesamt 2012, S. 17). Immer weniger Jugendliche stehen damit einer wachsenden Zahl von älteren Menschen gegenüber. Für die Wirtschaft bedeutet diese Entwicklung, dass eine Lücke zwischen potentiellen Auszubildenden und Fachkräften, welche in Ruhestand gehen, entstehen könnte (vgl. Ulmer/Ulrich 2008, S. 8). So sank im Jahr 2012, hauptsächlich aufgrund des demografischen Wandels, die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 3,1% auf 548.100, womit am 31.12. 2012 rund 1.433.000 Jugendliche im dualen System waren (vgl. Statistisches Bundesamt 2013, S. 1). Für Schulabgänger/innen, welche sich für eine duale Ausbildung interessieren, ist dies zunächst eine gute Nachricht. Während im Jahr 2007 auf 100 Nachfrager/-innen von Ausbildungsplätzen nur 85,1 Angebote kamen waren es im Jahr 2011 schon über 92 (vgl. Ulrich 2011, S. 5). Die Chancen für Jugendliche, einen Ausbildungsplatz zu finden, steigen demnach. Auf der anderen Seite erschwert sich dadurch die Situation für Betriebe, passende Auszubildende zu finden. So waren bereits im Jahr 2009 rund 17.000 Ausbildungsstellen (Stichtag: 30.09.2009) unbesetzt, da keine geeigneten Kandidaten für die Stellen gefunden werden konnten (vgl. Ebbinghaus/Loter 2010, S. 4). Von großem Interesse sind daher die Prognosen über die zukünftige Entwicklung bei den Bildungsteilnehmern im dualen System. Die Autorengruppe der Bildungsberichterstattung gehen in ihrem Gutachten aus dem Jahr 2010 von 1.341.000 Bildungsteilnehmer/-innen im dualen System im Jahr 2020 aus, was einem Rückgang um rund 6,4% gegenüber 2012 und über 20% gegenüber 2008 entspräche (vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2010, S. 313). Die Gruppe geht dabei jedoch von einer konstanten Entwicklung bezüglich des Übergangsverhaltens der Schulabgänger/-innen, sowie im Verhältnis der unterschiedlichen Arten des Berufsbildungssystems aus (vgl. Maier/Troltsch/Walden 2011, S. 6). Neben den demografischen Entwicklungen hat aber insbesondere die wirtschaftliche Entwicklung einen Einfluss auf die Zahl der neuen Ausbildungsverträge. Maier, Troltsch und Walden (2011) versuchen daher einen anderen Weg für ihre Prognose zu gehen. Sie beschreiben einen Projektkorridor für die Anzahl der neuen Ausbildungsverträge bis 2020 zwischen den historisch besten und schlechtesten Einmündungschancen der Schulabgänger in eine duale Ausbildung. Damit kommen sie auf eine Anzahl von neuen Verträgen zwischen 466.000 und 530.000 im Jahr 2020, was einem Rückgang zwischen 15% und 3,3% gegenüber 2012 entspräche (vgl.ebenda, S. 7). Durch den prognostizierten Rückgang der neuen Ausbildungsverträge wird sich demnach auch die Gesamtzahl der Jugendlichen im dualen Ausbildungssystem verringern. Beide Studien gehen also von einem mehr oder weniger drastischen Rückgang der Anzahl der Bildungsteilnehmer/-innen im dualen System aus. Betriebe werden in Zukunft demnach vermehrt Probleme haben ihren benötigten Fachkräftebedarf über den Weg der dualen Ausbildung befriedigen zu können. Der mögliche Rückgang ist jedoch nicht nur auf demografische Entwicklungen, sondern auch auf geänderte Einstellung der Jugendlichen bezüglich Bildungsoptionen, wie dem Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung und dem „fortschreitende Anstieg der kognitiven Anforderungen in Ausbildung und Arbeitsmarkt“ (Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2012, S. 121) zuzuschreiben. Ein gesonderter Blick auf die Entwicklung des Arbeits- und Ausbildungsmarkts scheint daher notwendig.

[...]


Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Neue inhaltliche Akzentuierungen sowie Strukturreformen im (Aus-)Bildungssystem als Reformimpuls
Hochschule
Universität Hohenheim  (Institut für Wirtschaftspädagogik)
Veranstaltung
Seminar: Pädagogik/Wirtschaftspädagogik
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
24
Katalognummer
V264604
ISBN (eBook)
9783656539674
ISBN (Buch)
9783656540137
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Strukturreformen, Bildungssystem, Reformimpuls, Pädagogik, Wirtschaftspädagogik
Arbeit zitieren
B. Sc. Christian Kißling (Autor:in), 2013, Neue inhaltliche Akzentuierungen sowie Strukturreformen im (Aus-)Bildungssystem als Reformimpuls, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/264604

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