Wesentliche Aspekte des Islamic Banking werden hier behandelt und die Unterschiede zum konventionellen Banking erläutert.
Das islamische Bankwesen (Islamic Banking) ist ein in westlichen Breitengraden eher unbekanntes Gebiet, welches jedoch in den letzten Jahren weltweit gewachsen ist. Das Gesamtvolumen des Islamic Bankings beträgt per Ende 2009 ca. 822 Mrd. $ was einem Wachstum im Vergleich zu 2008 von ca. 28% entspricht (639 Mrd. $). Die Tendenz für die Entwicklung spezieller islamischer Finanzdienstleistungsangebote ist weiterhin steigend, da der Marktanteil global betrachtet immer noch sehr gering ist. Die Finanzdienstleistungen die dem Zugrunde liegen, unterliegen alle den Regeln der Scharia, dem islamischen Recht. Das islamische Recht ist die Grundlage des gesamten Finanzapparates und stellt zudem auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für die angebotenen Produkte. Als wesentliches Merkmal ist dabei zu erwähnen, dass es im islamischen Bankwesen keine Geldzinsen (Riba) gibt, da diese verboten sind. Dies ist eine Herausforderung für konventionelle Banken, um Geschäfte mit Muslimen betreiben zu können gerade auch im Kreditgeschäft, in denen bei konventionellen Banken eine Zinszahlung üblich ist. Die folgende Seminararbeit soll zum einen zeigen, wie der Kreditvergabeprozess abläuft, wie die Banken trotz des Zinsverbots Erträge erwirtschaften, die Unterschiede zum konventionellen Bankwesen darstellen und zum anderen die Kreditinstrumente, welche maßgeblich das Islamic Banking beeinflussen, unter Betrachtung des Korans als Richtlinie für Bankgeschäfte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Prinzipien des Islamic Banking
2.1.Ethische Grundlagen des Islams
2.2. Verbote des Islamic Banking
2.2.1. Riba
2.2.2. Gharar, Maysir, Zakat
2.3. Die Scharia-Boards
3. Schariakonforme Kreditinstrumente im Islamic Banking
3.1. Eigenkapitalbasierte Finanzinstrumente
3.2. Fremdkapitalbasierte Finanzinstrumente
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Kreditgeschäft innerhalb des Islamic Bankings und beleuchtet, wie Banken trotz des islamischen Zinsverbots Erträge erwirtschaften. Dabei steht die Gegenüberstellung von islamischen Kreditinstrumenten zu konventionellen Methoden unter Berücksichtigung religiöser Vorgaben im Vordergrund.
- Grundlagen und ethische Prinzipien des islamischen Wirtschaftssystems
- Analyse der zentralen Verbote: Riba, Gharar, Maysir und Zakat
- Funktionsweise und Zertifizierungsprozesse durch Scharia-Boards
- Klassifizierung und Ablauf von eigen- und fremdkapitalbasierten Finanzinstrumenten
Auszug aus dem Buch
3.1. Eigenkapitalbasierte Finanzinstrumente
Bei eigenkapitalbasierten Finanzinstrumenten handelt es sich um Beteiligungen an einem zu finanzierenden Projekt. Der Kapitalgeber stellt dabei das notwendige Kapital zur Verfügung, der Kapitalnehmer bringt sich am Projekt mit ein, in dem er seine Arbeitskraft oder sein Know-how für das Projekt zur Verfügung stellt. Der Kapitalgeber (beispielsweise die Bank) erhält nur Einnahmen, wenn durch dieses Projekt Gewinne erwirtschaftet werden. Diese eigenkapitalbasierten Finanzinstrumente entsprechen von ihrem Prinzip genau dem islamischen Verständnis der Wirtschaftsethik. Bei den eigenkapitalbasierten Finanzinstrumenten ist die Bank nicht berechtigt, Sicherheiten für das gestellte Kapital zu verlangen. Deshalb gelten diese beiden als Venture-Capital-Beteiligungen.
Mudarabah ist eine Art der Beteiligungsfinanzierung, welche ähnlich der stillen Gesellschaft in Deutschland ist und stellt eine der wichtigsten Finanzierungsformen dar. Bei der Mudarabah gibt es den Kapitalgeber ( z.B. Bank) , der sich Rab-Ul-Mal nennt und den Kapitalnehmer, der gleichzeitig auch Geschäftsführer des Unternehmens ist. Der Kapitalgeber ist, ähnlich wie bei der stillen Gesellschaft, vom Mitspracherecht im Unternehmen ausgeschlossen, der Geschäftsführer kann ihm jedoch ein Mitspracherecht einräumen. Der Kapitalgeber erhält eine Vergütung nach dem Profit-and-loss-sharing Prinzip. Das bedeutet, dass der Kapitalgeber nur einen Gewinn erhalten kann, wenn dieser auch bereit ist, ein gewisses Risiko mitzutragen. Das Risiko liegt darin, dass der Kapitalgeber bei einem eventuellen Verlust in Höhe seiner Kapitaleinlage voll haftet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die wachsende Bedeutung des Islamic Bankings ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Kreditvergabe unter Einhaltung islamischer Rechtsnormen.
2. Prinzipien des Islamic Banking: Das Kapitel erläutert die religiösen Fundamente des Islam sowie die essenziellen Verbote wie Zinsnahme, Spekulation und Glücksspiel, die das islamische Bankwesen prägen.
3. Schariakonforme Kreditinstrumente im Islamic Banking: Hier werden die konkreten Finanzinstrumente wie Mudarabah, Musharakah und Murabahah vorgestellt, die eine alternative Kreditvergabe ohne Zinsen ermöglichen.
4. Fazit: Das Fazit bewertet das Islamic Banking als risikobewusste, werteorientierte Alternative zum konventionellen System, merkt jedoch die Herausforderungen bei der Bonitätsprüfung an.
Schlüsselwörter
Islamic Banking, Scharia, Riba, Zinsverbot, Mudarabah, Musharakah, Murabahah, Kreditinstrumente, Finanzethik, Profit-and-loss-sharing, Scharia-Board, Finanzmarktkrise, Investition, Islam, Wirtschaftsethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Funktionsweise des Kreditgeschäfts im islamischen Bankwesen unter Berücksichtigung religiöser Vorschriften.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert sich auf die ethischen Grundlagen des Islams, die spezifischen Verbote (Riba, Gharar etc.) und die darauf basierenden Finanzprodukte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie islamische Banken trotz des Zinsverbots wirtschaftlich agieren können und wie sich diese Kreditinstrumente von konventionellen unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf Fachliteratur und aktuellen Wirtschaftsdaten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Prinzipien, die Rolle der Scharia-Boards bei der Produktzertifizierung sowie die Analyse von eigen- und fremdkapitalbasierten Finanzinstrumenten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Islamic Banking, Scharia, Riba, Mudarabah, Musharakah und Profit-and-loss-sharing.
Warum spielt das Scharia-Board eine so wichtige Rolle?
Es fungiert als Kontrollinstanz, die sicherstellt, dass neue Finanzprodukte mit den islamischen Rechtsgrundlagen konform sind.
Wie unterscheidet sich die Murabahah-Finanzierung von einem herkömmlichen Darlehen?
Bei Murabahah generiert die Bank den Gewinn durch einen Handelsaufschlag beim Weiterverkauf eines Gutes, nicht durch die reine Überlassung von Geld gegen Zinsen.
Inwiefern unterscheidet sich das Risiko bei Mudarabah von einer normalen Kreditvergabe?
Der Kapitalgeber trägt bei Mudarabah das volle Risiko des Kapitalverlusts bei einem Scheitern des Projekts, da er am Gewinn und Verlust beteiligt ist.
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- Miguel Fonseca (Autor), 2013, Das Kreditgeschäft im Islamic Banking, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268959