Das Leben besteht zu einem großen Teil aus Aufgaben, Anforderungen und Problemen. Um diese Dinge zu bewältigen, benutzt der Mensch sein wichtigstes Hilfsmittel, den Verstand. Normalerweise findet ein problemloser Zugriff auf bereits bekanntes Wissen statt. Routinierte Verhaltensweisen sind zum Teil so stark automatisiert, dass der Rückgriff auf die jeweils notwendigen Lösungsstrategien kaum wahrgenommen wird. Hier sei z.B. auf den korrekten Gebrauch von Messer und Gabel verwiesen. Ihre Anwendung ist ein alltägliches „Problem“, welches in unserem Kulturkreis jeden Tag zu Mahlzeiten unbewusst gelöst, d.h. ausgeführt wird. Zu einem größeren Problem entpuppt sich eine Mahlzeit jedoch, wenn das Wissen, wie diese mit asiatischen Essstäbchen zu sich genommen werden soll, fehlt. Die motorischen Abläufe sind hierzu nicht weit genug entwickelt, stehen im wissenschaftlichen Interesse auch nur an sekundärer Stelle. Primär richtet sich der Fokus auf die Akkumulation von Wissen und die Möglichkeit des Rückgriffs auf dieses Wissen. Häufig passieren Situationen, in denen eine Fragestellung oder Aufgabe hinlänglich bekannt erscheint, dass notwendige Wissen dazu jedoch nicht abrufbereit ist. Dieses „eigentlich“ vorhandene, aber manchmal blockierte Wissen, wird „träges Wissen“ genannt. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, herauszufinden, wie weit dieses „träge Wissen“ die Problemlösefähigkeit der Menschen beeinflusst.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DIE BAUSTEINE DES WISSENS
2.1 BEGRIFFSBESTIMMUNG „WISSEN“
2.2 DIE STRUKTUR DES MENSCHLICHEN WISSENS
2.3 DREI WISSENSARTEN NACH CHI
2.3.1 Bereichsbezogenes Wissen
2.3.2 Strategisches Wissen
2.3.3 Metakognitives Wissen
3 PROBLEM ALS FORSCHUNGSGEGENSTAND
3.1 PROBLEM: BEGRIFFSBESTIMMUNG
3.2 KLASSIFIKATION VON PROBLEMEN
4 PROBLEMLÖSEN ALS FORSCHUNGSGEGENSTAND
4.2 PROBLEMLÖSEN: BEGRIFFSBESTIMMUNG
4.3 KLASSIFIKATION VON PROBLEMLÖSUNGSWISSEN
4.4 PROBLEMLÖSEN VON EXPERTEN UND NOVIZEN
5 DIE ENTSTEHUNG VON „TRÄGEM WISSEN“
6 „TRÄGES WISSEN“ UND PROBLEMLÖSEN: EINE VERSUCHSREIHE
6.1 THEORETISCHER HINTERGUND
6.2 HYPOTHESEN
6.3 DURCHFÜHRUNG DES VERSUCHS
6.5 DISKUSSION DER ERGEBNISSE
7 AUSBLICK
8 LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von „trägem Wissen“ auf die Problemlösefähigkeit des Menschen. Dabei wird analysiert, warum theoretisch vorhandenes Wissen in konkreten Anwendungssituationen häufig nicht abgerufen werden kann und welche Faktoren – wie etwa Wissensstruktur oder Expertise – für diesen Prozess entscheidend sind.
- Definition und Klassifikation von Wissen sowie Wissensstrukturen nach Chi
- Differenzierung zwischen Aufgaben und Problemen als Forschungsgegenstand
- Analyse der Problemlösestrategien bei Experten im Vergleich zu Novizen
- Ursachenforschung zur Entstehung von „trägem Wissen“ (Metaprozesse, Strukturdefizite, Situiertheit)
- Empirische Verifizierung des Zusammenhangs anhand einer Versuchsreihe
Auszug aus dem Buch
4.3 Problemlösen von Experten und Novizen
Es gibt verschiedene Betrachtungsweisen eines Problems an sich, sowie auch dessen Lösungsmöglichkeiten. Hier spielen die Faktoren Mensch und Wissen eine wichtige Rolle. Ein besonderes Augenmerk soll nun auf die unterschiedlichen Problemlösestrategien von Experten und Novizen gerichtet werden. Diese Bezeichnungen beziehen sich auf Personen mit unterschiedlicher Expertise.
Entsprechend dem alltäglichen Verständnis ist ein Experte jemand, der auf einem Gebiet besonders gute Kenntnisse besitzt. Experten präferieren grundsätzlich die Strategie des „Vorwärtsarbeitens“, d.h. von den gegebenen Fakten wird zur Lösung hin gearbeitet. In erster Linie beginnt ein derartiges Vorgehen mit einer qualitativen Analyse des Problems. Dies stellt sich zwar als recht zeitaufwendig dar, ermöglicht aber nach einer „Zuordnung“ ein schnelleres Vorgehen. Gleichzeitig entwerfen Experten relativ schnell einen Lösungsplan. Diese Aussage scheint zunächst im Widerspruch zur ersten These zu stehen, soll aber anhand der folgenden Ausführungen erläutert werden.34 Experten besitzen im großen Maße strukturelles Wissen (vgl. Kapitel 2.3.1) und sind in der Lage, sich nicht nur an Einzeltatsachen, sondern an komplexere Zusammenhänge zu erinnern.35 Ihre Wissensbasis zeichnet sich durch ein Netz an Wissenselementen aus. Das haben zahlreiche Studien belegt: Das geschulte Auge des Kenners erfasst bestimmte Merkmale einer Problemsituation und analysiert sie intuitiv in einer mentalen Problemskizze.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik des „trägen Wissens“ ein und erläutert das Ziel der Arbeit, dessen Einfluss auf die menschliche Problemlösefähigkeit zu untersuchen.
2 DIE BAUSTEINE DES WISSENS: Dieses Kapitel definiert Wissen als Prozess und klassifiziert Wissensarten (bereichsbezogen, strategisch, metakognitiv) nach Chi.
3 PROBLEM ALS FORSCHUNGSGEGENSTAND: Hier werden der Begriff des Problems definiert und Kriterien zur Unterscheidung von Problemen und Aufgaben erläutert.
4 PROBLEMLÖSEN ALS FORSCHUNGSGEGENSTAND: Das Kapitel befasst sich mit den Anforderungen an das Problemlösen sowie den unterschiedlichen Strategien, die Experten und Novizen anwenden.
5 DIE ENTSTEHUNG VON „TRÄGEM WISSEN“: Es werden theoretische Ansätze (Metaprozesse, Strukturdefizite, Situiertheit) diskutiert, warum vorhandenes Wissen oft nicht zur Problemlösung genutzt werden kann.
6 „TRÄGES WISSEN“ UND PROBLEMLÖSEN: EINE VERSUCHSREIHE: Dieser Abschnitt stellt eine Versuchsreihe vor, die den Zusammenhang zwischen Wissensstruktur und Problemlösefähigkeit empirisch prüft und diskutiert.
7 AUSBLICK: Der Ausblick reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung und bewertet die Bedeutung von „trägem Wissen“ in modernen beruflichen Kontexten.
8 LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Träges Wissen, Problemlösen, Wissensstrukturen, Expertise, Faktenwissen, Problemschemata, Transferleistung, Kognitionspsychologie, Experten-Novizen-Paradigma, Metakognition, Wissensträgheit, Problemanalyse, Lösungsstrategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen des „trägen Wissens“ und der Frage, warum Menschen vorhandenes Wissen in Problemsituationen häufig nicht erfolgreich zur Lösung einsetzen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die kognitive Struktur des Wissens, die Differenzierung zwischen einfachen Aufgaben und komplexen Problemen sowie den Vergleich der Problemlösestrategien von Experten und Novizen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Einfluss von „trägem Wissen“ auf die individuelle Problemlösefähigkeit zu bestimmen und die Ursachen für die Blockierung von Wissen zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch kognitionspsychologische Literatur und stützt sich empirisch auf die Analyse einer Versuchsreihe von Lind & Friege (2003).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition von Wissensarten und Problembegriffen, die Analyse der Entstehung von Wissensträgheit und die Diskussion einer spezifischen Versuchsreihe zu diesem Thema.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Träges Wissen, Problemlösen, Expertise, Problemschemata und Wissensträgheit charakterisiert.
Warum scheitern Experten manchmal an Problemen?
Auch bei Experten können Schwierigkeiten auftreten, wenn ihre spezifischen Problemschemata zu eng gefasst sind oder ein Mangel an Praxiserfahrung in neuen Situationen eine erfolgreiche Transferleistung verhindert.
Wie unterscheiden sich Experten und Novizen bei der Problemlösung?
Experten greifen auf komplexe strukturelle Wissensnetze und Problemschemata zurück, während Novizen primär deklaratives Faktenwissen nutzen und bei der Problemlösung oft auf ineffizientere „Trial-and-Error“-Strategien angewiesen sind.
- Citar trabajo
- Svenja Schäfer (Autor), 2004, Träges Wissen und Problemlösen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27025