Herodot, der „Barbarenbegriff“ und seine Sicht von Hellenikon und „Barbarenwelt“


Hausarbeit, 2011

9 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Barbarenbegriff vor Herodot und die griechische Identität

3. Der Barbarenbegriff des Herodot

4. Herodots Konzeption des Hellenikon

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie viele andere Aspekte in den Historien Herodots, der als Vater der Geschichtsschreibung gilt, ist auch seine Darstellung der Barbaren sehr ambivalent und bietet verschiedene Möglichkeiten der Interpretation. Der Barbarenbegriff hat sich in den verschiedenen Epochen und unter unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen stets gewandelt, war und ist jedoch meist sehr negativ konnotiert. In den Historien Herodots jedoch herrscht ein eher neutrales und teilweise auch positives Verständnis des Barbarischen vor. In dieser Arbeit soll herausgearbeitet werden, wie und aus welchen Gründen der antike Geschichtsschreiber seinen Barbarenbegriff in dieser Weise entwickelte. So soll die Frage beantwortet werden, was Herodot mit seinem spezifischen Barbarenbild beabsichtigte und zu vermitteln versuchte.

Zunächst möchte ich die Entstehung des Barbarenbegriffs und die Entwicklung einer griechischen Identität beschreiben, bevor ich dann auf den Barbarenbegriff Herodots selbst komme. Im Anschluss soll noch Herodots Konzeption des Hellenikon, der griechischen Welt, vorgestellt werden. Abschließend möchte ich in einem Fazit die Ergebnisse dieser Arbeit noch einmal zusammenfassen und mit den gewonnenen Erkenntnissen die oben stehende Frage beantworten, was die Absicht Herodots hinsichtlich seiner Darstellung der Barbaren war.

Eine Vielzahl von Historikern hat sich bereits mit dem Barbarenbegriff des Herodot beschäftigt. So ist auch eine durchaus große Zahl an Literatur zu diesem Thema verfügbar, wobei die Schwerpunkte meist unterschiedlich gesetzt wurden. In dieser Arbeit beziehe ich mich vor allem auf die Arbeiten von Bichler[1], der sich in großem Umfang mit Herodots Darstellung der Barbaren und dessen Weltbild beschäftigt. Zudem ist die Arbeit von Heinrichs[2] zu nennen, der sich besonders mit den Ioniern und den damit verbundenen Vorstellungen Herodots über das Hellenikon auseinandersetzt. Neben einigen anderen Aufsätzen ist zudem noch die Arbeit von Cartledge[3] sehr interessant, die einen kurzen Abriss über die Entstehung der griechischen Identität und den Barbarenbegriff bei Herodot bietet.

2. Der Barbarenbegriff vor Herodot und die griechische Identität

Der Begriff „Barbar“ erscheint erstmals in Homers Ilias und bezeichnete zunächst die unverständliche Sprache der Einwohner im Südwesten Kleinasiens. Die Unterscheidung zwischen Griechen und Barbaren war zunächst auf die Sprache beschränkt und hatte noch keinerlei politische Dimension. Bis etwa 450 v. Chr. veränderte sich der Barbarenbegriff hinsichtlich der Konnotationen jedoch stark. Dies hatte vor allem zwei Gründe. Zum einen verließ eine Großzahl griechischer Siedler bis etwa 500 v. Chr. das hellenische Kernland an der Ägäis, um sich in der gesamten Mittelmeerregion und am Schwarzen Meer niederzulassen. In den neu besiedelten Gebieten entwickelte sich in Folge eine griechische Identität, um sich gegen die indigenen Barbaren abzugrenzen. Zum anderen veränderten vor allem die Perserkriege die Sicht auf den Begriff des Barbaren. Sie stellten das vorläufige Ende der internen griechischen Konflikte dar und führten zum Zusammenschluss der Griechen gegen einen gemeinsamen Feind. Somit entwickelte sich eine gemeinsame Identität, um sich von den persischen Barbaren abzugrenzen. Ethnische Homogenität, eine gemeinsame Kultur und Religion, sowie eine gemeinsame Sprache unterschieden die Hellenen von den Barbaren und machten die neu entstandene griechische Identität aus. Vor allem während der Perserkriege erhielt der Barbarenbegriff neben der ursprünglich rein sprachlichen auch eine politische Dimension und war nach den Perserkriegen sehr negativ besetzt.[4]

3. Der Barbarenbegriff des Herodot

Schon das Prooimion der Historien Herodots, in dem er die Gründe für das Schreiben dieser darlegt, lässt dessen zwiespältiges Barbarenbild deutlich erkennen. So heißt es dort: „ ... auf dass, was von Menschen geschehen, nicht mit der Zeit verblasse, noch Taten, groß und des Staunens wert, vorgewiesen von Hellenen und Barbaren, ihres Ruhms verlustig gehen – manches andere und auch so, warum sie Krieg geführt miteinander.“[5] So lässt sich bereits anhand des Prooimions erkennen, dass Herodot Barbaren und Griechen zum einen als gleichwertig ansieht und zum anderen im Hinblick auf die kriegerischen Auseinandersetzungen in Gegensatz zueinander stellt.[6]

Möchte man das zwiespältige Barbarenbild Herodots verstehen, so muss man zunächst die äußeren Umstände betrachten, unter denen die Historien entstanden. Das Klima, in dem Herodots Weltbild entstand, war ein sehr spannungsgeladenes. Auf der einen Seite beleuchtete die beginnende Sophistik die Entwicklung des Menschen von seinen natürlichen und wilden Anfängen hin zu der Ausbildung komplexer und fortschrittlicher Gemeinschaften, die als größte Leistung des Menschen betrachtet wurde. Zudem machte die Sophistik keine auf körperlichen Merkmalen beruhenden Unterscheidungen zwischen den verschiedenen Menschen mehr, sondern sah die Unterschiede in den unterschiedlichen gesellschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten. Herodot selbst wurde durchaus von den Ansichten der Sophisten beeinflusst. Auf der anderen Seite bildet die Furcht einen wesentlichen Bestandteil des Werkes Herodots. So geht mit der Loslösung des Menschen vom Naturhaften und Ursprünglichen bei Herodot eine starke Angst vor Hybris, Imperialismus, Dekadenz und Maßlosigkeit einher. Ein wichtiger Grund für das Motiv der Angst bei Herodot ist sicherlich der Peloponnesische Krieg und der damit verbundene imperiale Stolz Athens. Bereits in den ersten Jahren des Krieges sahen sich die Athener mit Belagerungen und Seuchen konfrontiert.[7]

[...]


[1] Bichler, 2001; Bichler, 2007

[2] Heinrichs, 1989

[3] Cartledge, 1995

[4] Vgl. Cartledge, S. 77 ff.

[5] Hdt., Prooimion; übers. v. W. Marg

[6] Vgl. Bichler, 2007, S. 55

[7] Vgl. Bichler, 2007, S. 56

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Herodot, der „Barbarenbegriff“ und seine Sicht von Hellenikon und „Barbarenwelt“
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für Klassische Altertumskunde)
Veranstaltung
Herodot und das „archaische Lächeln“
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
9
Katalognummer
V274150
ISBN (eBook)
9783656670582
ISBN (Buch)
9783656669852
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Herodot, Barbar, Barbarenbegriff, Das archaische Lächeln, Hellenikon
Arbeit zitieren
M.A. Philip Wagenführ (Autor:in), 2011, Herodot, der „Barbarenbegriff“ und seine Sicht von Hellenikon und „Barbarenwelt“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/274150

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