Einführung in die Erziehungswissenschaft

Zusammenfassung in Stichpunkten


Vorlesungsmitschrift, 2010

35 Seiten


Leseprobe

Vorlesung 1: Einführung

- Θεώρια-Theorie

Antike: rein geistige Betrachtung von Gegenständen, die der sinnlichen Wahrnehmung unzugänglich sind. Insofern Erkenntnis als Zweck in sich selbst gesehen wird, ist auch das Theoretisieren an sich Teil des erfüllten Lebens.

Neuzeit: widerspruchsfreies System von Aussagen, die Phänomene erklärbar und prognostizierbar machen. Insofern die Bewährung in der Welt als Zweck gesehen wird, werden Theorien auf ihre Brauchbarkeit hin überprüft.

- Theorien heute
- Subjektive Theorien: Widerspruchslosigkeit besteht in Hinblick auf die eigene Erfahrung
- Wissenschaftliche Theorien: Widerspruchslosigkeit gesteht zwischen den Aussagen einer Theorie und zwischen Aussagen, die aus einer Theorie abgeleitet werden, und empirischen Befunden

Vorlesung 2:Geschichte der Vorstellung von Bildung

A) Platonische Philosophie der griechischen Antike

- Bildung als Ideenerkenntnis

- Ausgangszustand: Defizitärer sozialer Alltag

- Bildung bedarf:

1. der Erziehung
2. der Befreiung
3. des Zwangs

- Bildung mehr als ein Erkenntnisgebiet

- Folgen der Bildung: Isolation und Herrschaftslosigkeit
- siehe Platons Höhlengleichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Bildung“ ein vager Sammelbegriff?

- Anpassung des Bildungsbegriffs im Laufe der Jahrhunderte:

B) Bildung in der mittelalterlichen Mystik (Heinrich Seuse, 14. Jh.)

- Drei Wege der Vollendung:

1.Sich selbst von allen Bildern entbilden [Autonomie]
- Weg der Reinigung; Abwenden von Götzenbildern, Weltlichem, Profanem…

2.Sich Christus als dem Vorbild nachbilden [Orientierung]
- Weg der Erleuchtung; sein Heil in Jesus Christus finden

3.Eins-werden mit dem Urbild [Identität]
- Weg der Einigung, Einheit im Gott

C) Humanistische Tradition

- Fähigkeit mit Kontakt zur Kultur, neue, hochwertigere Möglichkeiten des Denkens und Handelns zu gewinnen („neu“ = Individuum und Gesellschaft)
- Exkurs: Humanismus als Bildungsidee (von der Nachahmung zur Selbstbildung)

Humanismus 1 (Cicero –römische Antike)

-Ein Programm der literarischen Kulturaneignung, durch das sich Menschen von anderen Menschen unterscheiden

Humanismus 2 (G. Pico della Mirandola-Renaissance)

-Der Mensch wird unbestimmt geboren; starke Betonung auf der Möglichkeit sich selbst (entsprechend dem Ideal) zu formen

Humanismus 3 (W.v. Humboldt –19. Jh.

-Harmonische Ganzheit der eigenen Kräfte entsprechend den Erscheinungen, die der Idee des Menschlichen am nächsten kommen.

D) Bildung als formale Qualifikation (z.B. reglementierter Bildungsabschluss)

-Wurzeln in der Handwerkerausbildung erfasst den akademischen Sektor vollständig erst im 19. Jahrhundert (1832)
-Zurückdrängen von Privilegien zu Gunsten des Leistungsprinzips
-Ausweitungen des Begriffs: Basisqualifikationen; Schlüsselqualifikationen

E) Deutscher Bildungsbericht (2006)

- Bildungsdimensionen von gesellschaftlichem Interesse

1.Selbstregulation
2.Politische / soziale Teilhabe
3.Beschäftigungsfähigkeit

Kritische Auseinandersetzung (Bildung als Humankapital):

a) Bildung und ihr Subjekt dem Wettbewerb unterworfen sind
b) die Gewährung von Autonomie dient nicht dem Gewinn an subjektiver Freiheit

Wie verhalten sich die unterschiedlichen Zielvorstellungen von Bildung zueinander?

- Bildung als Interesse des Einzelnen

–Ökonomischer Gewinn
–Politische Teilhabe
–Sozialer Status
–Selbstverwirklichung

- Bildung als Interesse der Gesellschaft

–Ökonomische Effizienz
–Politische Stabilität
–Soziale Inklusion
–Kultur

Vereinfachte Bergriffs-Übersicht

Bildung = (reflektierte) selbstgestaltete Entwicklung

Erziehung = Von außen intendierte Entwicklung

Unterricht = Reflektiert inszenierte Vermittlung

Qualifikation = Vermittlung und Erwerb von Kompetenzen und Zugangsberechtigungen

Sozialisation = (Nicht intendierte) Veränderung in vorgegebenem sozialen Kontext

Enkulturation = Einpassung in vorgegebenen kulturellen Kontext

Vorlesung 3: Schule aus der Perspektive von Sozialisation und Enkulturation

- Gesellschaftliche Funktion im Bildungssystem:
- Enkulturation
- Qualifikation
- Allokation/Selektion
- Integration, Legitimation (politische Stabilität)

- Individuelle Funktion im Bildungssystem:
- Kulturelle Teilhabe und Selbstverwirklichung
- Beschäftigungsfähigkeit (ökonomischer Gewinn)
- Lebensplanung (sozialer Status)
- Politische Teilhabe

Vereinfachte Begriffs-Übersicht

Sozialisation = (Nicht-intendierte) Veränderung in vorgegebenem sozialen Kontext; Bezogen auf die Gesamtheit der Kontextbedingungen einer Gesellschaft, die Persönlichkeit von Heranwachsenden prägen

Enkulturation = Einpassung in vorgegebenen kulturellen Kontext, Bezogen auf die Gesamtheit der Wert- & Sinnsysteme, mit denen Heranwachsende in Kontakt kommen

Sozialisation: Gesamtheit der Kontextbedingungen einer Gesellschaft, die Persönlichkeit von Heranwachsenden prägen

- Beispiel für zwei unterschiedliche Sozialisationskontexte:
- Traditionelle Gesellschaften: auf Gemeinschaft begrenzte Solidarität
- Moderne Gesellschaften: Individualismus, Freiheit, sozialer Zusammenhalt

Sozialer Zusammenhalt als politisches Konzept und Ziel

- Ziel der Lissabon-Strategie der europäischen Union:

- Europa als dynamischster und wettbewerbsfähigster wissensbasierter Wirtschaftsraum
- Ziel: dauerhaftes Wirtschaftswachstum, mehr Arbeitsplätze und stärkeren sozialen Zusammenhalt (Europarat 2000)

- Sozialer Zusammenhalt durch Wechselwirkungen der Gesellschaft und einer Reihe von Normen und Werten gekennzeichnet, sowie einem Gefühl der Zugehörigkeit und der Bereitschaft zur Teilnahme

Die Soziologie unterscheidet zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft

- Gesellschaft:

Gesamtzusammenhang der Interdependenzen zwischen Einzelnen und Gruppen, der zweckrational durch gemeinsame Interesse und Ziele gekennzeichnet ist

- Gemeinschaft:

Sozialer Zusammenhang bei dem der Zweck der Vereinigung und der Identifikation mit gemeinsamen Normen und Werten liegt

- Internationale Perspektive: „Social Systems“:

Der soziale Gesamtzusammenhang in Teilsystemen/durch Institutionen geregelt, welche jeweils zweckrational (zielgerichtet) betrachtet werden können und in jenen jeweils zentrale Werte gelten

Beispiel für zwei unterschiedliche Sozialisationskontexte:

- Traditionelle Gesellschaften:
- „Bonding“ (spezifische Reziprozität)
- Ziel: auf Gemeinschaft begrenzte Solidarität
- Mittelwerte (Dienstwerte): Respekt, Nachahmung
- Autoritäten: umfassend
- Funktionalität bei: Risiken der Grundsicherung

- Moderne Gesellschaften:

-„Bridging“ (allgemeine Reziprozität)
- Ziel: Individualismus, sozialer Zusammenhalt
- Mittelwerte (Dienstwerte): Leistung, Kreativität
- Autoritäten: funktional begrenzt
- Funktionalität bei: erhöhtem Mobilitätsbedarf

Vorlesung 4: Bildung und soziale Ungleichheit

Befragung zur Wahrnehmung sozialer Ungleichheit und zu Einstellungen gegenüber gesellschaftlicher Beteiligung

Theoretischer Bezugsrahmen der Erhebung

- Erfahrung von Ungleichheiten

- Wahrnehmung
- Repräsentation
- Verteilung

- Interpretation von Ungleichheiten

- Hauptwirkung der persönlichen Leistung
- Einflüsse des sozialen Systems, die veränderlich sich
- Einflüsse des sozialen Systems, die unveränderlich sind

- Sozialer Zusammenhalt

- Vertrauen in Institutionen, Soziales und Kultur
- Akzeptanz des anderen Geschlechts, anderer Kulturen
- Politische Teilhabe
- Soziale Teilhabe

- Zusammenfluss mit persönlichem Hintergrund, sozialem Kontext und gesellschaftlichem Kontext

Verteilung von Schüler/innen auf Schularten

- Welche Schularten gibt es?
- Was ist die Bedeutung von Schularten?

- Zwischen 27 und 36% der Schüler in Deutschland besucht das Gymnasium

Aus Pisa 2006 geht eindeutig hervor:

- Kinder aus Akademikerfamilien wesentliche höhere Chance auf hohen Bildungsabschluss als Kinder aus „bildungsfernen“ Haushalten

Der Zugang zum Gymnasium

- Kinder von Eltern mit Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss nach der Grundschule am Gymnasium: 14 %
- Kinder von Eltern mit mindestens einem Abitur nach der Grundschule am Gymnasium: 68 %

Der Verbleib am Gymnasium

- Kinder von Eltern mit Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss, die das Gymnasium innerhalb von 6 Jahren verlassen: 35%
- Kinder von Eltern mit mindestens einem Abitur die das Gymnasium innerhalb von 6 Jahren verlassen: 20%

Vorlesung 5: Bildung und soziale Ungleichheit – Fortsetzung

Bildung ein öffentliches Gut?

A) Merkmale öffentlicher Güter

a) Sie sind allen zugänglich
b) Keine Konkurrenz der Nutzer (z. B. Recht auf Meinungsäußerung, Luft)

- Verantwortung des Staates, diese Güter unbegrenzt zu garantieren/schützen

B 1.) Bildungsangebote

- sind im ihrem Umfang und ihrer Qualität begrenzt

- C 1.) Bildung ist kein öffentliches Gut

B 2.) Bildungseffekte

- kommen allen zugute; Bildung ist ein quasi-öffentliches Gut

Bildungsbericht der Bundesregierung (2008)

Zusammenfassung:

Es gelingt vor allem nur unzureichend Kinder von nicht Akademikern für ein Hochschulstudium zu gewinnen.

(Dagegen scheinen Kindern von beamteten Akademikern kaum einem Hochschulstudium entgehen zu könne)

- 1. Wo haben Sie in Gruppen Heterogenität erfahren?
- 2. Wie hat sich Heterogenität in Gruppen auf Bildungsprozesse ausgewirkt?
- 3. Welche Herausforderungen bestehen im Hinblick auf die Pädagogik?

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Einführung in die Erziehungswissenschaft
Untertitel
Zusammenfassung in Stichpunkten
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Schulpädagogik und Didaktik der Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Theorie der Schule und des Unterrichts
Autor
Jahr
2010
Seiten
35
Katalognummer
V278104
ISBN (eBook)
9783656718970
ISBN (Buch)
9783656718895
Dateigröße
638 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einführung, Vorlesung, Theorie, Schule, Unterricht
Arbeit zitieren
Tobias Molsberger (Autor), 2010, Einführung in die Erziehungswissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278104

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