Der hauptsächlich in Medizin und nichtärztlichen Heil- und Hilfsberufen verwendete Begriff „Clinical Reasoning“ wird im US-amerikanischen Raum auch im Pflegebereich verwendet. Clinical Reasoning meint einen Denk-, Handlungs- und Entscheidungsprozess, der der Pflegekraft alleine, in Auseinandersetzung mit Berufskollegen oder im interdisziplinären Team dazu dient, das Vorgehen zur Planung und Durchführung der Pflege möglichst optimal gestalten zu können. Mit Professionalisierung der Pflege findet Clinical Reasoning zunehmend Aufnahme in Gesundheits- und Pflegewissenschaften.
Der Einführungsvortrag gibt einen ersten Ein- und Überblick zur Thematik „Clinical Reasoning“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung und Definition
2. Dual-Process-Theory
3. 6-schrittiges Pflegeprozessmodell
4. Pflegeprozess als evolutionäre Helix
5. Einfluss des Clinical Reasoning auf den Pflegeprozess
6. Die 6 Elemente des Clinical Reasoning
6.1 Herzelemente des Clinical Reasoning
6.2 Bedeutung der 6 CR-Elemente für die Pflege
6.3 CR-Element Kognition
6.4 CR-Element Wissen
6.5 CR-Element Metakognition
6.6 CR-Element Patienten-Input
6.7 CR-Element Umfeld
6.8 CR-Element Problem
7. Die 6 Prozess-Schritte des Clinical Reasoning
7.1 Pre-Assessment Image
7.2 Cue Acquisition
7.3 Hypothesis Generation
7.4 Cue Interpretation
7.5 Hypothesis Evaluation
7.6 Diagnosis
8. Formen des Clinical Reasoning
9. Ebenen des Clinical Reasoning
Zielsetzung & Themen
Dieser Einführungsvortrag zielt darauf ab, das komplexe Konstrukt des "Clinical Reasoning" (CR) für Angehörige der Medizin- und Gesundheitsberufe zu definieren und strukturiert aufzubereiten. Es wird untersucht, wie kognitive Prozesse und reflektiertes Handeln den Pflegeprozess determinieren und optimieren.
- Grundlagen und Definitionen des Clinical Reasoning
- Die Dual-Process-Theory (intuitives vs. rationales Denken)
- Die sechs Kernelemente und Prozess-Schritte des Clinical Reasoning
- Einflussfaktoren und verschiedene Ebenen (Mikro, Meso, Makro) des Clinical Reasoning
Auszug aus dem Buch
CR-Element Kognition
Kognition meint als Oberbegriff höhere geistige Funktionen, die im Pflegesetting eingesetzt werden.
Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zählen je nach Definition:
• Aufmerksamkeit / Achtsamkeit
• Wahrnehmungsfähigkeit
• Erkenntnisfähigkeit / Denkfähigkeit
• Schlussfolgern / Urteilsfähigkeit
• Erinnerungsfähigkeit / Merkfähigkeit
• Lernfähigkeit / Wissen
• Abstraktionsvermögen
• Rationalität
• …und einige mehr
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung und Definition: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Verortung des Begriffs Clinical Reasoning durch verschiedene Fachautoren.
Dual-Process-Theory: Hier werden die zwei Denkweg-Varianten, intuitiv und rational-deliberativ, gegenübergestellt.
6-schrittiges Pflegeprozessmodell: Vorstellung des standardisierten Pflegeprozessmodells nach Fiechter & Meier als Basis.
Pflegeprozess als evolutionäre Helix: Darstellung der Dynamik des Pflegeprozesses als fortlaufende, evolutionäre Entwicklung.
Einfluss des Clinical Reasoning auf den Pflegeprozess: Erläuterung der determinierenden Rolle von CR auf die einzelnen Schritte des Pflegeprozesses.
Die 6 Elemente des Clinical Reasoning: Detaillierte Analyse der patientenzentrierten Komponenten wie Wissen, Kognition, Metakognition, Umfeld, Patienten-Input und Problem.
Die 6 Prozess-Schritte des Clinical Reasoning: Operationalisierung des Clinical Reasoning in sechs spezifische diagnostische Prozess-Schritte.
Formen des Clinical Reasoning: Kategorisierung verschiedener Denkmodi wie wissenschaftliches, interaktives oder narratives Reasoning.
Ebenen des Clinical Reasoning: Systematische Betrachtung der Einflusssphären auf Mikro-, Meso- und Makro-Ebene.
Schlüsselwörter
Clinical Reasoning, Pflegeprozess, Kognition, Metakognition, Pflegepraxis, Entscheidungsfindung, Wissensbasis, Patienten-Input, Reflexion, Pflegediagnose, Gesundheitsberufe, Theorie-Praxis-Transfer, Patientenversorgung, Urteilsfähigkeit, Pflegequalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine Einführung in das Konzept des "Clinical Reasoning" und dessen Bedeutung für die professionelle Entscheidungsfindung in der Pflege.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen des klinischen Denkens, die Verknüpfung mit dem Pflegeprozess sowie die Strukturierung der kognitiven und metakognitiven Elemente.
Was ist das primäre Ziel des Vortrags?
Ziel ist es, das komplexe, oft unsichtbare "Denken über das Denken" (Reasoning) transparent zu machen und für die pflegerische Praxis anwendbar zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Zusammenfassung und systematische Aufarbeitung existierender pflegewissenschaftlicher Modelle und Literaturquellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Prozessmodells, der spezifischen Denkelemente (Kognition, Wissen, etc.) sowie der prozessualen Schritte (von der Cue Acquisition bis zur Diagnose).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen Clinical Reasoning, Pflegeprozess, Reflexion, Kognition, Metakognition und professionelle Urteilsfähigkeit.
Wie unterscheidet sich die Mikro- von der Makro-Ebene im CR?
Während die Mikro-Ebene die direkte Interaktion zwischen Pflegekraft und Patient beschreibt, umfasst die Makro-Ebene gesamtgesellschaftliche Rahmenbedingungen wie Gesetze und berufspolitische Normen.
Welche Bedeutung hat das Pre-Assessment Image?
Es bildet den ersten Eindruck der Pflegekraft auf Basis minimaler Informationen vor dem direkten Kontakt, welcher für den weiteren Verlauf des Reasoning-Prozesses neutral reflektiert werden muss.
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- Horst Siegfried Kolb; BA, MSc (Author), 2014, Clinical Reasoning. Einführungsvortrag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280678