Schon seit einigen Jahrzehnten ist die Eingliederung von Menschen mit Behinderung in die Arbeitswelt ein großes Anliegen von Betroffenen, Angehörigen, aber auch Professionellen und der Politik. Der Ursprung von Integrationsprojekten liegt in der Integrationsbewegung der 70er Jahre. Offen fordern Betroffene und ihre Angehörigen die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen. Erste Projekte zur Eingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt resultieren aus dieser Bewegung. Davor waren Menschen mit Behinderung vor allem im zweiten oder dritten Arbeitsmarkt vertreten – und dies ist auch heute noch zum Großteil der Fall. Durch die zunehmende Orientierung am Leitgedanken der Inklusion wird sich verstärkt für die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung als gleichberechtigte BürgerInnen sowie der Umsetzung des Rechts auf Arbeit eingesetzt. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die UN-Behindertenrechtskonvention. Trotzdem steht die erfolgreiche und nachhaltige Integration vor allem bei Menschen mit einer erheblichen Einschränkung in den Anfängen.
Doch trotz verankerten Rechte und arbeitspolitischen Schutzmaßnahmen scheint die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben nicht genügend gesichert.
Die vorliegende Arbeit greift dieses Problemfeld auf. Zunächst sollen in diesem Rahmen kurz Begriffsbestimmungen und die wichtigsten Gesetzestexte in Bezug auf die Teilhaberechte am Arbeitsleben von Menschen mit einer Behinderung aufgegriffen werden, um daraufhin einen Blick auf die aktuellen Ausgangslage und Situation auf dem ersten Arbeitsmarkt, zu werfen. Verstärkt wird hier das Augenmerk auf die Zielgruppe von Menschen mit einer Behinderung geworfen, die zwischen der Schnittstelle Werkstatt – erster Arbeitsmarkt, stehen. Zur Datengewinnung werden aktuelle Studien aufgegriffen.
Ableitend daran wird sich den Problematiken von Praxisumsetzungen der Rechte für Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt gewidmet. Sie greift Barrieren und Hemmnisse der Integration von Menschen mit Behinderung, trotz Rechtszuspruch, auf. Abschließend wird ein Resümee der Arbeit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmungen
2.1 Behinderung (und Krankheit)
2.2 Behinderung und Arbeit / berufliche Integration
2.3 Rechtliche Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
3 Barrieren auf dem ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit einer Behinderung
3.1 Ausgangslage: Menschen mit Behinderung auf dem (ersten) Arbeitsmarkt
3.2 Barrieren und Einstellungshemmnisse auf dem ersten Arbeitsmarkt
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Barrieren und Hemmnisse, die Menschen mit Behinderungen den Übergang von der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) auf den ersten Arbeitsmarkt erschweren, und analysiert dabei kritisch die Wirksamkeit aktueller rechtlicher und politischer Integrationsinstrumente.
- Analyse der aktuellen Situation von Menschen mit Behinderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt.
- Untersuchung der strukturellen und mentalen Barrieren sowie Einstellungshemmnisse bei Arbeitgebern.
- Evaluation der Effektivität von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.
- Diskussion des Übergangsmanagements von der Schule und der WfbM in den allgemeinen Arbeitsmarkt.
Auszug aus dem Buch
3.2 Barrieren und Einstellungshemmnisse auf dem ersten Arbeitsmarkt
Eine Regionalstudie in Bremen von Fitz und Hammer stellt im Jahr 2011 heraus: Die Teilhabe am Arbeitsleben ist für Menschen mit Behinderung immer noch kein Selbstverständnis, obwohl sie solch einen hohen Stellenwert bei der Voraussetzung für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben in der Gesellschaft, einnimmt. Für diese Menschen ist es schwierig auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
Das Sozialgesetzbuch IX Teil 2 hat auf dieses Problem reagiert: Öffentliche und private Arbeitgeber/innen mit mindestens 20 Arbeitsplätzen sind verpflichtet mindestens 5% der Arbeitsplätze mit Menschen mit Behinderung zu besetzen und bei Nichterfüllung eine Ausgleichsabgabe zu zahlen. Trotz dieser Pflicht und der mittlerweile geleisteten bundesweiten und umfangreichen Informations- und Aufklärungsarbeit zur Unterstützung der Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen, sind immer noch Beschäftigungshemmnisse vorhanden. Dies ist u.a. aus Zahlen in Deutschland im Jahr 2008 erkennbar geworden: Auf Bundesebene wurde mit 6,1% die staatlich gesetzte Beschäftigungsquote erfüllt, in der privaten Wirtschaft hingegen besetzte jene lediglich 3,7% ihrer Arbeitsplätze mit Menschen mit Handicap.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung der Eingliederungsbemühungen und definiert die Problemstellung der unzureichend gesicherten Teilhabe am Arbeitsleben trotz rechtlicher Schutzmaßnahmen.
2 Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Behinderung und Krankheit und gibt einen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen und Instrumente zur Teilhabe am Arbeitsleben.
3 Barrieren auf dem ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit einer Behinderung: Das Kapitel analysiert die aktuelle Ausgangslage bezüglich der Werkstattbelegung sowie die vielfältigen Barrieren und Einstellungshemmnisse, die eine Integration auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt behindern.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz rechtlicher Verankerungen die nachhaltige Integration weiter in den Anfängen steckt und fordert neue, individuell anpassbare Modelle der Eingliederungshilfe.
Schlüsselwörter
Teilhabe am Arbeitsleben, Werkstatt für behinderte Menschen, erster Arbeitsmarkt, Inklusion, soziale Exklusion, berufliche Integration, SGB IX, Beschäftigungspflicht, Einstellungshemmnisse, Behindertenrecht, Arbeitsplatz, soziale Anerkennung, Eingliederungsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die aktuelle Situation und die Herausforderungen von Menschen mit Behinderung bei der Teilhabe am Arbeitsleben mit einem Fokus auf den Übergang zwischen Werkstatt und erstem Arbeitsmarkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die rechtlichen Rahmenbedingungen der beruflichen Teilhabe, die Analyse von Barrieren und Vorbehalten bei Arbeitgebern sowie die Wirksamkeit bestehender Integrationsinstrumente.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem rechtlich zugesicherten Anspruch auf Teilhabe und der praktischen Umsetzung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung aktueller Studien und Berichte zur Beschäftigungssituation von Menschen mit Behinderung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Begriffe und Gesetze geklärt, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Zugangszahlen zu Werkstätten und der Hindernisse, die Unternehmen von einer Einstellung abhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Inklusion, soziale Exklusion, Teilhabe, Barrieren, Beschäftigungspflicht und beruflicher Integrationserfolg.
Warum steigen die Zugangszahlen zu Werkstätten trotz Inklusionsbestrebungen?
Laut der Arbeit mangelt es an ausreichenden Arbeitsalternativen auf dem ersten Arbeitsmarkt, wodurch die Werkstatt für viele als "Auffangbecken" bei drohender Arbeitslosigkeit fungiert.
Welche Rolle spielt der Kündigungsschutz als Barriere?
Der besondere Kündigungsschutz wird von Betrieben kontrovers diskutiert und teils eher als Einstellungshemmnis denn als Schutzfunktion wahrgenommen, da er mit Befürchtungen vor hoher Ausfallsicherheit und Verwaltungsaufwand einhergeht.
- Arbeit zitieren
- Larissa Ziemann (Autor:in), 2014, Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280745