Die vorliegende Arbeit behandelt die Rolle des Militärs und der Muslimbrüder vor und während der Revolution und ist bemüht, diese zu verdeutlichen. Die Thematik meiner Untersuchung „Militär und Muslimbrüder in der Revolution“ habe ich mit besonderem Interesse ausgesucht, da der zentrale Konflikt in Ägypten m.E. zwischen dem Militär und der Muslimbrüderschaft bestand und immer noch besteht. Sie sind beide die Hauptakteure in dem politischen Geschehen vor, während und nach der Revolution. Aus diesem Grund erschien es mir von großer Bedeutung, diesen Konflikt der näheren Betrachtung zu unterziehen.
Da sowohl in der revolutionären als auch in der post-revolutionären Phase viele Ereignisse stattgefunden haben, die die neugeborene Demokratie und die Zukunft des Landes am Nil nach dem Sturz des Mubarak- Regimes sehr stark beeinflusst haben, versuche ich mich auf die m.E. wichtigsten Ereignisse und Fakten zu konzentrieren, die auch die politische Debatte in Ägypten gesteuert haben.
Im 1. Kapitel erläutere ich die Rolle des Militärs in der ägyptischen Politik. Dabei war für die Arbeit von großer Bedeutung, dass die Leser einen Überblick über die Geschichte des politischen Einflusses des Militärs am Nil bekommen können. Dieser Überblick war zudem zur Beantwortung der folgenden Frage notwendig: War das ägyptische Militär tatsächlich bis zur Januar-Revolution aus der Politik ausgeschlossen, wie man es darustellen gewohnt war und ist?
Im zweiten Kapitel habe ich den Einfluss der Militärwirtschaft einer Betrachtung unterzogen und versucht, zu erklären, welchen Einfluss dieses sog. Wirtschaftsimperium des Militärs auf die Revolution ausgeübt hat. Dieser Schritt der Untersuchung führt zu der Schlussfolgerung, dass der Erhalt bestimmter wirtschaftlicher Privilegien ein großes Ziel des Militärs gewesen war und immer noch ist. Dementsprechend betrachtete das Militär jeden Zugriff bzw. Angriff der gewählten Regierung auf seine wirtschaftlichen Privilegien bzw. auf die Militäranführer als Angriff gegen das ägyptische Militär selbst, einen Angriff, der die Stabilität und die nationale Sicherheit des Landes in Gefahr bringen könnte.
Im dritten Kapitel gebe ich einen kurzen Überblick über die Ideologie und die Strategie der Muslimbrüder in der (post-)revolutionären Phase, der als einleitendes Kapitel für das vierte dienen soll. [...]
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Kapitel: Politische Rolle des Militärs
2. Kapitel: Wirtschaftliche Rolle des Militärs
3. Kapitel: Ideologie der Muslimbrüder in der ägyptischen Revolution
4. Kapitel: Beschlüsse und Konflikte, Militär vs. Muslimbrüder
4.1. Das Referendum am 19.März zur Verfassungsänderung
4.2. Wathiqat Ali Silmi: Grundsätze der neuen Verfassung
4.3. Die blutigen Ereignisse in Mohamed Mahmud-Str.
4.4. Das Wahlgesetz des Parlaments und das Absetzungsgesetz
4.5. Die Debatte um die verfassungsgebende Versammlung
4.6. Präsidentschaftswahlen
4.7. Das Rafah-Massaker
5. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den zentralen Machtkonflikt zwischen dem ägyptischen Militär und der Muslimbrüderschaft vor, während und nach der Revolution von 2011. Dabei wird analysiert, inwieweit das Militär seine wirtschaftlichen Privilegien und seinen politischen Einfluss trotz des Sturzes des Mubarak-Regimes bewahren konnte und welche Auswirkungen dies auf die demokratischen Transformationsprozesse hatte.
- Historische Rolle des ägyptischen Militärs in der Politik
- Das wirtschaftliche Imperium des Militärs als Veto-Macht
- Die Ideologie und Strategie der Muslimbrüder in der Transitionsphase
- Konfliktpunkte zwischen Militärrat und Muslimbrüderschaft
- Die Auswirkungen des Militärputsches 2013 auf die politische Lage
Auszug aus dem Buch
Die Wirtschaftliche Rolle des Militärs:
Die Gefahr der wirtschaftlichen Machtzunahme des Militärs besteht nicht nur darin, dass die Generäle mehr Geld bekommen haben oder dass sie korrupt sind. Die eigentliche Gefahr besteht m.E. hauptsächlich darin, dass sich zum einen die Ideologie und Prioritäten des Militärs geändert haben. Die sog. Feind-Freund-Konstellation des Militärs hat sich ebenso geändert. Der Feind und der Freund definieren sich in seinem Sinne danach, wo das Militär wirtschaftliche bzw. finanzielle Gewinne machen kann, die es jedoch nicht zugunsten des Staates sondern des Militärs und seiner Generäle berechnet: Der ehemalige Freund wird zum Feind und der ehemalige Feind kann Freund werden.
Darüber hinaus lässt sich auch der Sinn und Zweck der Loyalität seitens der Militärs ändern. Im Normalfall richtet sich die Loyalität der Armee und der Soldaten auf den Staat, sie gilt seinem Schutz und seiner Sicherheit. Stattdessen wird in Ägypten das Interesse und die Loyalität der Offiziere und der Soldaten den Militärführern gewidmet, verbunden mit der Hoffnung dass sie dadurch Vorteile und Privilegien bekommen. Des Weiteren wurde die ägyptische Wirtschaft monopolisiert, indem das Militär viele Staatsbetriebe entweder nur verwalten oder auch in Besitz nehmen darf. Die Besitzer der Privatbetriebe wollten zudem den Konflikt mit dem eigentlichen Machthaber, dem Militär, vermeiden, indem sie das finanzielle Interesse des Militärs in Betracht ziehen oder ihm einen Teil ihrer Gewinne zuschreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach dem Machtverhältnis zwischen Militär und Muslimbrüdern und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie den Umgang mit Quellen.
1. Kapitel: Politische Rolle des Militärs: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über den Einfluss des Militärs in der ägyptischen Politik seit 1952 und hinterfragt dessen Rolle als angeblicher Garant ziviler Stabilität.
2. Kapitel: Wirtschaftliche Rolle des Militärs: Es wird das als „Wirtschaftsimperium“ bezeichnete Geflecht aus Staatsbetrieben und Privilegien analysiert, das als Schutzschild für die Machtinteressen der Generäle dient.
3. Kapitel: Ideologie der Muslimbrüder in der ägyptischen Revolution: Hier wird die ideologische Entwicklung der Muslimbrüderschaft und ihr agieren in der frühen revolutionären Phase als politische Kraft dargestellt.
4. Kapitel: Beschlüsse und Konflikte, Militär vs. Muslimbrüder: Dieses Hauptkapitel detailliert die konkreten Auseinandersetzungen, wie das Verfassungsreferendum, Wahlgesetze und die Machtkämpfe um die Verfassungsausarbeitung.
5. Schlussbemerkungen: Die Schlussbemerkungen ziehen ein Resümee über die Unvereinbarkeit der Interessen von Militär und gewählter Zivilregierung und blicken kritisch auf die politische Situation nach 2013.
Schlüsselwörter
Ägypten, Militär, Muslimbrüder, Revolution, Wirtschaftsimperium, Mubarak-Regime, Demokratisierung, Transitionsprozess, Machtkonflikt, Verfassungsänderung, Militärputsch, Politische Rolle, Zivilregierung, Sicherheitsapparate, Transformationsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des Machtkampfes zwischen dem ägyptischen Militär und der Muslimbruderschaft im Kontext der ägyptischen Revolution.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die politische und wirtschaftliche Rolle des Militärs, die ideologische Strategie der Muslimbrüder sowie die Spannungen bei der Etablierung demokratischer Strukturen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob das ägyptische Militär vor der Januar-Revolution 2011 tatsächlich aus der Politik ausgeschlossen war und wie es seine Machtstrukturen nach dem Sturz Mubaraks verteidigte.
Welche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Untersuchung, die auf der Analyse arabischsprachiger Quellen, Medienberichte und existierender Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die spezifischen Konfliktpunkte, darunter die Rolle bei Wahlen, die Verfassungsgestaltung und die wirtschaftliche Dominanz des Militärs.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Militärputsch, Wirtschaftsimperium, Transition, Muslimbrüder, ägyptische Revolution und Machtteilung.
Wie erklärt der Autor die Benzin-Krise unter Mursi?
Der Autor führt aus, dass die Krise durch das Militär und seine Kontrolle über die Sicherheitsstationen und Tunnel gezielt befeuert wurde, um die Regierung Mursi zu destabilisieren.
Warum ist das Militär laut Autor ein „Staat im Staate“?
Das Militär verwaltet ein gigantisches Wirtschaftsimperium, das der Kontrolle durch das Parlament oder zivile Regierungen entzogen ist, wodurch es eigene, vom Gemeinwohl unabhängige Interessen verfolgt.
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- wissenschaftlicher Assistent Ramadan Nooh (Author), 2014, Rolle des ägyptischen Militärs und der Muslimbrüder in der Januar-Revolution 2011, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/281216