"Llanto por Ignacio Sánchez Mejías". Eine kontrastive Analyse der Übersetzungen von Beck und Siebenmann


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Übersetzung als Fachwissenschaft und die Rolle des Übersetzers als Kulturvermittler

3 Die Rezeption von Lorcas Werk Llanto por Ignacio Sánchez Mejías im deutschsprachigen Raum
3.1 Die Übersetzung von Enrique Beck
3.2 Die Übersetzung von Gustav Siebenmann

4 Kontrastive Analyse der Übersetzungen von Beck und Siebenmann
4.1 Teil I
4.2 Teil II
4.3 Teil IV

5 Schlussfolgerung

6 Bibliographie

1 Einleitung

Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich einen Überblick über die Disziplin der Übersetzungswissenschaft und ihre Beitrag für die Entwicklung und die Bereicherung der interkulturellen Studien vermitteln. Für diese Tätigkeit werde ich eine begrenzte kontrastive Analyse zwischen den zwei deutschen Übersetzungen von Werk Lorcas Llanto por Ignacio Sánchez Mejías durchführen; diese Übersetzungen erschienen mit einem Unterschied von knapp sechzig Jahren. Das Vergleichen zwischen Übersetzungen in einer selben Sprache ermöglicht die darunter liegende Übersetzungsmethode näher zu untersuchen und zu kontextualisieren, und bringt gleichzeitig Licht in die extratextuellen Faktoren, die auf jede Übersetzung einen nicht herunterzuspielenden Einfluss haben.

Damit möchte ich auch eine Problematik der interlinguistischen Übersetzung reflektieren, nämlich die Schwierigkeit des Arbeitens mit zwei verschiedenen Kulturen und Sprachen. Der Erfolg einer literarischen Übersetzung wie die beiden, die wir analysieren werden, liegt durchaus an der Tüchtigkeit des Übersetzers, der eine essenzielle Rolle in dem Übersetzungsprozess spielt. Der Übersetzer muss sich einerseits an den Stil des Autors und die literarischen und linguistischen Normen der betreffenden Gattung anpassen, und soll anderseits jederzeit die Merkmale der Zielgruppe einer bestimmten Kultur im Auge behalten. Da jede Übersetzung das Werk einer bestimmten Zeit und Kultur ist, möchte ich auch in der vorliegenden Arbeit auch über die Frage einer möglichen Lebensdauer von Übersetzungen nachzudenken.

2 Die Übersetzung als Fachwissenschaft und die Rolle des Übersetzers als Kulturvermittler

Die Übersetzung als Mittel der Annäherung verschiedener Kultur hat eine lange und in der Geschichte tief verwurzelte Tradition. Laut Koller (1972:11) muss, wo kommuniziert werden soll, übersetzt werden. Demzufolge ist das Übersetzen ein essenzieller Prozess für das Verständnis zwischen Menschen verschiedener Muttersprachen, denn es erleichtert das Miteinanderleben und Miteinandersprechen und ermöglicht gleichzeitig den Austausch von Wissen und Erfahrungen.

Obwohl das Übersetzen zwischen verschiedenen Sprachen nicht erst in unserer Zeit als Problem erkannt und formuliert worden ist, sind die letzen fünfzig Jahren sehr bedeutungsvoll für die Entwicklung der Übersetzungstheorie, auch Übersetzungswissenschaft genannt (Elena, 1990:11). Die Jahre nach dem Krieg brachten ein stetig zunehmendes Bedürfnis an Übersetzungen und Übersetzern mit sich. Die Entwicklung vieler wissenschaftlicher Bereiche zusammen mit den steigenden internationalen Beziehungen erforderte Übersetzer, die nicht nur über Sprachkenntnisse verfügen mussten, sondern auch eine gewisse Kenntnis der technischen und wissenschaftlichen Bereiche hatten. Wichtig ist, dass dieses steigende Interesse an der Qualität der Übersetzungen zu Fragen nach dem Übersetzungsprozess und seinen Elementen führte.

Selbstverständlich haben sich die Definition der Übersetzung und die Rolle der Übersetzer im Laufe der letzten fünfzig Jahre durchaus gewandelt. In dem 50er und 60er Jahren bestand das zentrale Problem der Übersetzung zwischen natürlichen Sprachen darin, denn wörtlichen Sinn unverändert zu enthalten (Elena, 1990:15). Demzufolge, im diesen Jahren wurden gründlichen Aspekten wie die Funktion des Textes, die Interpretation dieses vonseiten des Übersetzers oder die Zielgruppe nicht berücksichtig. Wie wir später analysieren werden, hat diese Betrachtung des Übersetzungsprozesses die damaligen Übersetzungen kenngezeichnet. Hierunter fallen auch die Übersetzungen von E. Beck. Dennoch, mussten weitere zehn Jahren gewartet werden, bis in den 70 er Jahren die Übersetzung als komplexer Kommunikationsakt verstanden wurde. Seitdem ist die Funktion des Textes (wofür und für wen wird übersetzt) der entscheidende Aspekt, um sich für eine Übersetzungsstrategie zu entscheiden.

Demzufolge, wird der Übersetzer als eine aktive Person in diesem Prozess betrachtet, die immer noch für den Erfolg oder das Scheitern ihrer Arbeiten verantwortlich ist. Vor allem in den literarischen Übersetzungen agiert der Übersetzer als Vermittler zwischen Kulturen, der beide tief kennt und dem die Besonderheiten beider Sprachen bewusst sind.

Letztendlich spielt der literarische Übersetzer auch eine doppelte und sehr interessante Rolle in diesem Prozess. In nicht übersetzten Texten existiert eine direkte Beziehung zwischen Autor und Leser: der Autor interpretiert seine Welt und der Leser interpretiert die durch das Werk vermittelte Welt des Autors wieder. Jedoch verändert sich diese Beziehung den Moment indem die literarischen Texte übersetzt werden. Vermeer zufolge (1986: 146), ist „der Übersetzer ein Leser, der dann versucht, mit den Mitteln seiner Welt, das, was er an Interpretationen interpretiert hat, sprachlich neu zu gestalten“. Er befindet sich in einer ähnlichen Position wie der Leser, denn er soll als Allererstes den literarischen Text im der originalen Sprache lesen. Danach muss er den Text interpretieren und linguistische Entscheidungen treffen, folglich übernimmt er die Aufgabe des Autors (Rossell, 1996:17). Zentral ist, dass ihm verschiedene Aspekte dieser vermittelnden Funktion bewusst sind. Erstens sind die Interpretationen des Übersetzers teilweise von seinen Erfahrungen bestimmt und zweitens überträgt er solche Interpretationen in eine Zielsprache, die festgelegte Regeln und Besonderheiten hat, die vielleicht die Originalsprache nicht besitzt. Und letztendlich soll der Übersetzer diesen Prozess im Hinblick auf ein konkretes Lesepublikum ausüben, das sich in einen historischen und sozialen Rahmen fügt. Das alles erklärt die Schwierigkeit des Übersetzungsprozess und die Vielfalt an unterschiedlichen Übersetzungen desselben Werkes.

3 Die Rezeption von Lorcas Werk Llanto por Ignacio Sánchez Mejías im deutschsprachigen Raum

3.1 Die Übersetzung von Enrique Beck

García Lorca wird zum ersten Mal in der deutschen Sprache durch das Werk Gedichte von Enrique Beck rezipiert, das im Jahre 1948 entstand. Das über 100 seitige Buch ist der erste Versuch, die schwierige Welt des spanischen Dichters in die deutsche Sprache und Kultur zu übertragen.

Enrique Beck, der unter dem Namen Heinrich Beck in Köln 1904 geboren wurde, stammt aus einer Familie von Schriftstellern, Übersetzern und Dichtern, die im frühen nationalsozialistischen Deutschland einer der ersten Widerstandsbewegungen angehörten. Er arbeitete als Mitherausgeber von Untergrund-Publikationen gegen Hitler, infolgedessen entkam er im August 1933 nur knapp einem Angriff der Gestapo. Auf der Flucht über die Schweiz erhielt er Anfang 1934 das lang ersehnte Visum für die Einreise nach Spanien, wo er zunächst als Schriftsteller und Werbetexter arbeitete, bis er 1936 auf einige Gedichte des von Franco-Anhängern ermordeten spanischen Dichters Federico García Lorca aufmerksam wurde und seither erstaunt von der Kraft seiner Verse war. Während des Spanischen Bürgerkriegs schloss sich Beck den Republikanern an. 1938 kam Beck zurück in die Schweiz und begann dort das poetische Werk von Lorca zu übersetzen. In diesem historischen Kontext erschien 1948 die erste Sammlung von Gedichten, die das Werk Llanto por Ignacio Sánchez Mejías enthielt.

Das aus vier Teilen bestehende Vorwort der Gedichte beginnt mit einen kurzem Blick auf die Geschichte Andalusiens bezüglich der Kulturen, die dieses Land bewohnten, und fährt fort mit einer Auflistung von vielen Autoren und Künstler, die Beck zufolge Einfluss auf das Werk von García Lorca hatten. Danach folgt eine kurze Chronik der zeitlichen Entstehung des Werkes von Lorca, und schließlich widmet Beck der Biographie des andalusischen Autors den letzten Teil seines Vorwortes. Dabei wird jedoch die studentische Atmosphäre der Residencia de Estudiantes in Madrid nicht erwähnt, die als Zentrum der krausistischen Ideen eine wichtige Rolle in der Modernisierung der spanischen Bildung spielte. Die Residencia de Estudiantes beeinflusste nicht nur die Bildung und die Kreativität García Lorcas, sondern leistete auch einen nicht zu unterschätzendem Beitrag für die geistliche Entwicklung vieler anderer spanischer Autoren.

Auch ist auffällig, dass Beck sich keiner wissenschaftlichen Stützen wie Zitaten oder Vergleichen mit anderen über Lorca schon geschriebenen Werken bedient, sodass seine persönlichen Betrachtungen die Einführung des Werkes kennzeichnen. Beispiele dafür sind folgende Abschnitte:

-Andalusien blühte mit den Arabern, blühte wunderbar (1948:5)
-Fäulnis trugen die Landschaft erst Ferdinand und Isabella, räubrische Feudallhern, Inquisitoren (1948:5)
-Sie heißt jetzt Andalusien, vom Begriff das „Andalus“ (Westland) (1948:5). In Bezug auf diese Beachtung, soll unterstrichen werden, dass —abgesehen von der umstrittenen Bedeutung der Etymologie des Wortes— der ursprüngliche Begriff für Andalusien nicht Andalus sondern al- Andalus ist.

Außerdem berücksichtigte Beck kaum, wie gering die Kenntnis, die das damalige deutsche Lesepublikum über die spanische Kultur hatte, war. So nimmt an, dass seine Leser bestimmte Figuren des spanischen Kulturlebens, wie zum Beispiel Manuel de Falla oder Dalí (Beck, 1948:7) kennen. Das mag heutzutage durchaus richtig und selbstverständlich sein, war aber damals nicht so. Andererseits erklärt Beck, was das Theater La Barraca (Beck, 1948:8) oder wer la Argentinita (Beck, 1948:7) war.

Gedichte endet nicht mit einer Bibliographie der von Beck möglichen nachgeschlagenen Werke, dafür bietet er dem Leser ein Paar Hinweise auf das Gedicht Llanto por Ignacio Sánchez Mejías. Er beschreibt kurz wer dieser Stierkämpfer war (Beck: 1948, 99) und analysiert und interpretiert die Bedeutungen einiger Bilder, die dieses Dichtwerk kennzeichnen.

Durch das Lesen des Werkes Gedichte ist es einfach festzustellen, dass Enrique Beck ein Bewunderer von Lorcas Werk und des Spanischen das sich in Lorcas Welt ersteckte war. Er beschreibt Andalusien mit viel Leidenschaft: „es atmet die Lüfte des Orients und Okzidents“ (1948: 6), bestaunt die reiche spanische Kultur (1948:100), dankt ihrem Volk für das, was er als Brüderlichkeit bezeichnet (1948:100), und endet mit den Worten: „Freiheit dem spanischen Volk!“ (1948:100). Dabei lässt sich bestätigen, dass Beck ein Kämpfer gegen jede Art von faschistischen Diktaturen war, wie sein Leben als Flüchtling bekräftigt.

Nichtdestotrotz wurden die Übersetzungen von Enrique Beck im deutschsprachigen Raum sehr gut rezipiert. Der Bund Verlag, mit Sitz in Köln beurteilte den Beitrag mit folgenden Worten: „Enrique Beck, der Pionier Lorcas.“ (Beck, 1948: 104). Iglesias zufolge (1963: 49) waren Thomas Mann, Georg Kaiser und Hermann Hesse von Gedichte begeistert; der Letzte schrieb sogar: „Die Übertragungen sind von hohem dichterischen Wert, kulturell wertvolle Arbeit“ (Iglesias, 1963:49). Währenddessen bewunderte Thomas Mann die Natürlichkeit seiner Sprache:

Die Gedichte haben in ihrer Wildheit und Zartheit einen starken Eindruck auf mich gemacht; man empfindet auch nichts von der sprachlichen Gezwungenheit, die meistens Übersetzungen von Lyrik anhaftet (Beck, 1948: 104).

Auch Iglesias bestaunt die Auswahl und Präzision der Übersetzungen, sowie ihrer Genauigkeit: “La fidelidad de sus versiones —otro punto importantísimo cuando de traducciones se trata— es asimismo extraordinaria” (1963: 50). Nichtsdestotrotz bemerkt Iglesias, dass obwohl seine Übersetzungen teilweise unübertrefflich sind, Beck als Übersetzer nicht mit anderen deutschen Autoren zu vergleichen ist, die auch spanische Werke ins Deutsche übertragen haben:

En alemán existen traducciones maravillosas de la poesía española: la Subida al Monte Carmelo, de San Juan de la Cruz, es tan maravillosa en la versión de Stephan George como en su original, siendo al mismo tiempo fidelísima. Pero George fue uno de los máximos poetas de lengua alemana y a Enrique Beck no podemos exigirle otro tanto. (Iglesias, 1963:50).

Aber insgesamt lassen die Ausführungen den Schluss zu, dass der Beitrag von Beck als Übersetzer hoch geschätzt wurde. Schließlich wurden 1955 seine Verdienste um Lorca von der spanischen Exilregierung mit dem Ritterkreuz des Befreiungsordens der Spanischen Republik ausgezeichnet (Felix Bloch Verlag). Es mussten ein Paar Dekaden vergehen bevor die Debatte über die Qualität seiner Übertragungen entstand. Dabei haben die zahlreichen Studien der Translatologie, die wie schon oben genannt im Laufe der 70er Jahren geführt wurden, eine essenziele Rolle gespielt.

3.2 Die Übersetzung von Gustav Siebenmann

Enrique Beck war im Besitz der exklusiven deutschen Übersetzungsrechte aller Texte von Lorca, die er nach seinem Tod der Heinrich- Enrique-Beck Stiftung mit Sitz in Basel vererbte. 1998, zum 100. Geburtstag Lorcas entschloss sich der Suhrkamp Verlag aus Protest gegen dieses Monopol den sogenannten „Fall Lorca“ öffentlich zu machen. In der Folge, wurde die Enrique-Beck-Stiftung 2000 zu einer Regelung gebracht, die auch andere Übersetzungen von Lorca zulässt. Seit 2006, 70 Jahre nach dem Tod des andalusischen Autors, sind die Texte urheberrechtlich ohnehin frei geworden. Im diesem Kontext erschien 2007 beim Reclam Verlag das Werk Poemas/Gedichte, eine Sammlung von Lorca-Gedichten, die in diesem Fall von dem Prof. Dr. Gustav Siebenmann übersetzt wurden.

Dieses Mal war das Profil des Übersetzers ein ganz Anderes. Der Schweizer Gustav Siebenmann verbrachte seine Jugend in direkten Kontakt mit der spanischen Sprache, denn er lebte bis 1937 in Lima. Er studierte Geschichte und Romanistik an den Universitäten Bern und Zürich und verbrachte Studienaufenthalte in Paris, Santander, La Rábida (Spanien), Perugia und Lissabon. 1949 promovierte er an der Universität Zürich mit einer Dissertation über Sprache und Stil im “Lazarillo der Tormes”. Nach mehrjähriger Lehrtätigkeit als Romanist an Gymnasien habilitierte er sich an der Universität Zürich mit einer Arbeit über Die moderne Lyrik in Spanien und folgte 1966 einem Ruf auf den Lehrstuhl für Romanische Philologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. 1976 übernahm er die Professur für spanische und portugiesische Sprache und Literatur an der Universität St. Gallen (Schweiz). Ende März 1989 ist er dort emeritiert worden.

Im seinen Poemas/Gedichte erscheint auch eine Übersetzung der vierteiligen Elegie Llanto por Ignacio Sánchez Mejías. Allerdings —im Gegensatz zu dem von Beck geleisteten Beitrag— übersetzt Siebenmann nur drei Teile des Gedichts. Diese von ihm nicht weiter begründete Entscheidung — Siebenmanns einzige Wörter bezüglich seines Beschlusses sind „wir lassen hier den dritten Teil beiseite (2007: 149)— führt dazu, dass die Llanto unvollständig und missverständlich bleibt. Ferris zufolge (1989:128) ist diese Elegie „la síntesis completa de temas y estilos, donde el mundo andaluz se funde con el universo neoyorquino“, von daher lässt sich nicht verstehen, was der Grund für Siebenmann war den dritten Teil sozusagen zu vergessen.

Jedoch verfügt die Ausgabe von Siebenmann über zahlreichen Erklärungen und Bemerkungen rund um die Welt von Lorca, die dem deutschsprachigen Leser beim Verstehen des Universums des Dichters durchaus helfen. Die ausgewählten Gedichte werden in einer zweisprachigen Edition präsentiert, denn Siebenmann zufolge (2007: 182), soll der Text der Zielsprache „nur eine Lesehilfe sein, eine wirksame Überbrückung der Sprachbarriere“. Das ist heutzutage die Tendenz wenn es um die Übersetzung von Gedichten geht, denn nur so ist der leider unvermeidliche Verlust von Klang, Rhythmus und Syntax deutlich weniger präsent. Gleichzeitig wird der Leser darauf hingewiesen, dass die Übersetzung ein Versuch ist das originale Werk eines Dichters in eine andere Sprache zu übertragen, ein Versuch der allerdings nicht als endgültig gelten kann.

Siebenmann ergänzt seine Übersetzungen mit einem Anhang, in dem er als allererstes Anmerkungen zu den ausgewählten Gedichten macht—am Ende des Anhangs werden die ausgesuchten Gedichte aufgelistet. Über Llanto por Ignacio Sánchez Mejías sagt er in welchem Kontext erschien, oder welche Rolle einige Figuren in der Veröffentlichung der Elegie spielten, wie zum Beispiel die Argentinita. Diesmal, und im Gegensatz zu der Anmerkungen von Beck, nimmt Siebenmann zurecht an, dass das deutsche Publikum nicht unbedingt weiß, wer diese Frau war und erklärt, dass sie die Freundin von Ignacio Sánchez Mejías war. Danach beschreibt er kurz die Themen der jeweiligen vier Teile, sowie die von Lorca für jeden Teil benutzten Strophen. Dabei erklärt er einige Bilder, die in der Elegie erscheinen und die Beck auch erklärte, wie „Stiere von Guisando“ oder „die schrecklichen Mütter“. Zudem fühlt sich Siebenmann dazu verpflichtet, einige Bemerkungen über den von ihm ohne Begründung ausgelassenen dritten Teil der Elegie zu machen. Zu diesem dritten Teil merkt er an, dass er aus Vierzehnsilbern besteht und mit dem berühmten Vers „Schlafe, fliege, ruhe: Es stirbt auch das Meer!“ endet. Es lässt sich feststellen, dass er sich mit dem originalen Text auseinandergesetzt hat, andernfalls hätte er den letzten Vers nicht übersetzen können. Die Frage, warum er letztendlich diesen Beitrag nicht geleistet hat, bleibt immer noch offen.

Nach der Beschreibung der Teile der Elegie werden die Textnachweise und Literaturhinweise bezüglich der Ausgaben, der Biographie und den Übersetzungen, die im Werk benutzt wurden, aufgelistet. Danach folgt dem Nachwort „Das kurze Leben und das große Werk des Federico García Lorca“, eine kurze Biographie mit „besonderem Augenmerk auf die Diskrepant zwischen Entstehung und Publikation seiner Werke“ (2007: 155). In Gegensatz zu Beck beachtet Siebenmann die Kenntnisse des deutschen Publikums in Bezug auf den andalusischen Autor, indem er seine biographischen Daten mit den wichtigsten historischen Ereignissen der spanischen Geschichte vergleicht, die auf das Leben Lorcas einen wichtigen Einfluss hatten. Hierzu zählen die Ausrufung der Zweiten Republik, die Figur von Manuel de Falla und seine musikalische Beziehung zu ihm, das erste Treffen mit dem Stierkämpfer Ignacio Sánchez Mejías, oder der militärische Putsch und der Ausbruch des Bürgerkrieges.

Danach fährt Siebenmann fort mit dem was er als „Wegmarken“ betitelt (2007: 160). Diesbezüglich werden bestimmte künstlerische Bewegungen beschreiben, die Lorcas Werk beeinflussten, wie der Modernismo, der Siebenmann als „eine weitgehende Anpassung an den französischen Symbolismus beschreibt“ (2007:160). Siebenmann deutet die Vorbilder von Lorca an —wie Juan Ramón Jiménez oder Antonio Machado— und geht ins Detail über seine Begeisterung für die Musik und die Texte der andalusischen Folklore, die Entdeckung der Avantgarde während seines Aufenthalts in der Residencia de Estudiantes und den Einfluss der dort da gehaltenen Gastvorträgen, seine Annäherung an den Surrealismus und schließlich den Einfluss dies alles auf sein weiteres Werk hatte. Hierzu wird das Ereignis des Todes des Stierkämpfes Ignacio Sánchez Mejías erwähnt (2007:163) und die spätere Elegie an seinen Freund beschrieben. Allerdings muss der Leser für eine vollständige Erklärung der Elegie bis Seite 179 warten. Schließlich beendet Siebenmann mit einer Auflistung der Gründe, die Lorca als Opfer des Bürgerkrieges erklären.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
"Llanto por Ignacio Sánchez Mejías". Eine kontrastive Analyse der Übersetzungen von Beck und Siebenmann
Hochschule
Universidad de Salamanca
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V284354
ISBN (eBook)
9783656847731
ISBN (Buch)
9783656847748
Dateigröße
701 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
llanto, ignacio, sánchez, mejías, eine, analyse, übersetzungen, beck, siebenmann
Arbeit zitieren
María González de León (Autor), 2011, "Llanto por Ignacio Sánchez Mejías". Eine kontrastive Analyse der Übersetzungen von Beck und Siebenmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284354

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