Ohne Zweifel erfüllt die CDU auf den ersten Blick alle Kriterien einer Volkspartei. Sie ist demnach noch immer eine Partei mit vielen Mitgliedern, überregional mit örtlichen Gruppen aktiv, spricht eine große Bandbreite gesellschaftlicher Gruppen an und bekommt bei Wahlen verhältnismäßig viele Stimmen. Zudem behauptet die CDU selbst vehement, die letzte große Volkspartei im Lande zu sein, auch wenn es doch erhebliche Unterschiede zwischen der CDU von heute und der CDU der vergangenen Jahrzehnte gibt.
Die politikwissenschaftliche Definition des Begriffs „Volkspartei“ soll hierbei als Grundlage für die Beantwortung der Fragestellung gelten, ob die CDU noch immer alle Merkmale einer Volkspartei erfüllt. Dazu gilt es die Organisationsstruktur, das politische Programm sowie der Positionierung der Partei in der Gesellschaft und im politischen Prozess zu analysieren. Welche Gründe zu einem möglichen Wandel der Volksparteien führen und ob auch die CDU bereits davon betroffen ist, oder in Zukunft betroffen sein wird, soll in der Schlussbetrachtung geklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Ende der Volkspartei?
2. Der Begriff Volkspartei
3. Die Mitglieder- und Organisationsstruktur der CDU
3.1 Die politische Führung der Partei
3.2 Programmatik und Regierungspraktiken der CDU
3.3 Wahlergebnisse und Wählerschaft
4. Gründe für den Wandel der Volksparteien
4.1 Erfolgreiche Volkspartei – Volkspartei mit Zukunft?
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den aktuellen Status der CDU als Volkspartei im Kontext des Strukturwandels politischer Parteien. Ziel ist es, anhand politikwissenschaftlicher Definitionen zu analysieren, ob die CDU trotz sinkender Mitgliederzahlen und veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen weiterhin die Kriterien einer Volkspartei erfüllt oder sich in einer Transformationsphase befindet.
- Analyse des politikwissenschaftlichen Volksparteienbegriffs
- Untersuchung der Organisationsstruktur und Parteiführung der CDU
- Bewertung der Programmatik und Wählerschaft im Wandel
- Diskussion über die Auswirkungen von Krisen auf die Parteistruktur
- Zukunftsperspektiven der CDU als Volkspartei
Auszug aus dem Buch
3.3 Wahlergebnisse und Wählerschaft
Die CDU kann sich noch immer auf eine breite Wählerschaft aus Katholiken und Protestanten stützen, wenn gleich diese klassischen Milieus immer mehr erodieren. So wählten vor den neunziger Jahren überproportional viele Frauen die CDU, da deren Kirchenbindung traditionell höher ist als die der Männer. Wandten sich viele weibliche Wähler während Kohls Regierungszeit von der Partei ab, stieg er Anteil unter Merkels Kanzlerschaft wie an. Dies liegt zum einen an den familienpolitischen Reformen die seitdem vorangetrieben wurden, zum anderen am selbstbewussten Auftreten vieler weiblicher Kabinettsmitglieder wie Ursula von der Leyen oder Kristina Schröder. Zur gleichen Zeit wanderten etliche männliche Wähler an die FDP ab.
Zweite große Gruppe der Wählerschaft nach den Katholiken bilden ältere Personen ab 60 Jahren. Die These, dass die CDU im Laufe der Jahrzehente zu überaltern droht kann nicht aufrechterhalten werden. Die „Lebenszyklusthese“ besagt, dass ab einem Alter von 50 Jahren die Bereitschaft christdemokratisch zu wählen, wächst. Auch durch das Eintreten für eine innere Sicherheit, die Betonung religiöser Werte, sowie das Zurückhalten bei Gesellschaftsreformen ist die CDU für viele Wähler im höheren Alter attraktiv. Aktuell profitiert sie zudem auch von jüngeren Wählern die ab 1970 geboren wurden und mit der familien- und aufstiegsorientierten Wertepräferenz der Partei übereinstimmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Ende der Volkspartei?: Einleitende Betrachtung der Debatte um die Krise der Volksparteien unter Einbeziehung aktueller Umfragedaten und politikwissenschaftlicher Prognosen.
2. Der Begriff Volkspartei: Theoretische Herleitung des Volksparteienbegriffs und Vorstellung der Indikatoren nach Otto Kirchheimer zur Bestimmung dieses Parteitypus.
3. Die Mitglieder- und Organisationsstruktur der CDU: Analyse des föderalen Aufbaus der CDU und der Rolle ihrer verschiedenen Parteivereinigungen sowie der Finanzierungssituation.
3.1 Die politische Führung der Partei: Untersuchung der internen Machtstrukturen, der Rolle des Präsidiums und der Auswirkungen der Ära Merkel auf die Führungskultur.
3.2 Programmatik und Regierungspraktiken der CDU: Analyse der inhaltlichen Ausrichtung der Partei zwischen christdemokratischen Prinzipien und pragmatischer Regierungsführung.
3.3 Wahlergebnisse und Wählerschaft: Darstellung der Wählerstruktur, der Milieubindung und der strategischen Anpassung an veränderte Wählergruppen.
4. Gründe für den Wandel der Volksparteien: Diskussion externer und interner Faktoren, die zum Rückgang klassischer Parteibindungen und zur Professionalisierung der Kommunikation führen.
4.1 Erfolgreiche Volkspartei – Volkspartei mit Zukunft?: Abschließende Einschätzung der Zukunftsfähigkeit der CDU unter Berücksichtigung ihrer strukturellen und programmatischen Anpassungsfähigkeit.
Schlüsselwörter
CDU, Volkspartei, Parteienforschung, Organisationsstruktur, Parteiführung, Angela Merkel, Mitgliederzahlen, Wählerschaft, Parteienwandel, Politische Kultur, Demokratie, Regierungsführung, Wahlergebnisse, Milieubindung, Parteientypus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht, ob die CDU in Deutschland trotz gesellschaftlicher Veränderungen und der allgemeinen Krise der Volksparteien weiterhin als solche charakterisiert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Organisationsstruktur, die inhaltliche Programmatik, die politische Führung sowie die Wählerschaft und den allgemeinen Wandel der Parteienlandschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Merkmale einer Volkspartei auf die CDU anzuwenden und zu prüfen, ob diese noch immer gegeben sind oder ob die Partei einen fundamentalen Wandel vollzogen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analytische Literaturarbeit durchgeführt, die auf politikwissenschaftlichen Konzepten von Autoren wie Otto Kirchheimer und Bernd Hofmann basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Organisationsform der CDU, ihre interne Machtstruktur unter Angela Merkel, die Programmatik sowie die soziologische Zusammensetzung ihrer Wählerschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Volkspartei, CDU, Parteienwandel, Mitgliederstrukturen, Programmatik, Stimmenmaximierung und die Rolle der Parteiführung.
Welche Rolle spielt die Junge Union für die Partei?
Die Junge Union fungiert als wichtigstes Karrieresprungbrett und Rekrutierungsorganisation, wobei sie zunehmend wirtschaftsliberale Akzente innerhalb der CDU setzt.
Wie bewertet der Autor die Auswirkungen der Ära Merkel?
Der Autor konstatiert eine Revitalisierung formaler Gremien, stellt jedoch eine zunehmende Fixierung auf das Kanzleramt und eine pragmatische Ausrichtung der Programmatik fest.
Welchen Einfluss hat die "Fernsehdemokratie" auf die CDU?
Die Arbeit weist auf eine zunehmende Professionalisierung der Medienkommunikation hin, wodurch die Gefahr besteht, dass politische Inhalte durch reine Imagebildung in den Hintergrund gedrängt werden.
- Citation du texte
- B.A. Alexander Wittwer (Auteur), 2013, Volkspartei CDU. Organisationsstruktur, politisches Programm und gesellschaftliche Positionierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286713