In beinahe allen Einleitungen wissenschaftlicher Publikationen, die sich mit interkulturellen Fragestellungen beschäftigen, findet sich der Hinweis, dass eine Auseinandersetzung mit diesen aufgrund der Globalisierung immer wichtiger wurde und werden wird. Denn jene hat unter anderem zur Folge, dass im Geschäftsleben zunehmend Menschen aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen kulturellen Prägungen zusammenarbeiten. Dieser Umstand erhöht auch die Bedeutung von Sprachkursen. Da momentan in Deutschland die wirtschaftliche Situation vergleichsweise stabil ist, kommen vermehrt Arbeitssuchende aus diversen Ländern, um hier eine Anstellung zu finden beziehungsweise einem Jobangebot zu folgen. Die daraus resultierende Pluralität im Klassenzimmer stellt nicht zuletzt auch die Deutschlehrer vor eine Herausforderung. Der Unterricht ist in der überwiegenden Zahl der Fälle auf ein Lehrwerk gestützt, nicht zuletzt, damit die Einheitlichkeit der Niveaustufen gewährleistet ist. Zudem „sind Lehrwerke ausschlaggebend für den Unterrichts- und ganzen Fremdsprachenkursverlauf“ (Schlichter 2007:5). Darum ist es wichtig, dass das jeweils verwendete Lehrbuch die Probleme des multikulturellen Unterrichts aufgreift, um dem Lehrer eine angemessene Hilfe bei der Vermittlung des Lehrstoffes zu bieten - so wie auch dem Lernenden die Möglichkeiten geboten werden sollten, sich auf die kulturellen Bedingungen im fremdsprachlichen Raum einzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
1.1.Thema
1.2.Aufbau
2.Definition von interkultureller Sprachdidaktik
3.Argumente für die Einbeziehung der interkulturellen Sprachdidaktik in die Planung des Fremdsprachenunterrichts
3.1.Die Bedeutung der interkulturellen Sprachdidaktik
3.2.Definition von Kulturstandards
3.3.Abgrenzung der Kulturstandards von Stereotypen
4.Konkrete Umsetzung der interkulturellen Sprachdidaktik im Fremdsprachenunterricht
4.1.Interkulturelle Sensibilisierung mithilfe von Critical Incidents
4.1.1.Definition der Critical Incident Technique
4.2.Die Kulturengebundenheit von Bedeutung
5.Analyse der Lehrwerke
5.1.Untersuchungsgegenstände
5.2.Sichtwechsel neu
5.3.Menschen
6.Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit moderne Lehrwerke für den Deutschunterricht interkulturelle Kompetenzen vermitteln und wie sie sich in dieser Hinsicht gegenüber didaktisch explizit auf Interkulturalität ausgerichteten älteren Werken positionieren. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob aktuelle Lehrbuchkonzepte den Anforderungen an eine reflektierte interkulturelle Sprachdidaktik gerecht werden oder ob die Vermittlung interkultureller Fähigkeiten zugunsten rein kommunikativer Kompetenzziele vernachlässigt wird.
- Rolle der interkulturellen Sprachdidaktik im Fremdsprachenunterricht
- Konzeptionelle Grundlagen: Kulturstandards und Critical Incident Technique
- Kulturengebundenheit von Bedeutung als zentralerdidaktischer Ansatz
- Vergleichende Analyse der Lehrwerke "Sichtwechsel neu" und "Menschen"
- Reflexion über die Praxis des Fremdsprachenunterrichts
Auszug aus dem Buch
3.2. Definition von Kulturstandards
Bernard Reisch kritisiert Ansätze, die implizieren, dass es bei „vorurteilsfreiem und sensiblem Umgang [...] (außer sprachlichen) keine wesentlichen Verstehensprobleme “ (Reisch 1991:73) gibt. Denn das Resultat ist seiner Meinung nach, dass durch das Ausblenden von Unterschieden und das Erleben von daraus entstehenden Konfliktsituationen früher oder später eingesehen wird, dass „an den geschmähten Vorurteilen ‚ja doch was dran ist‘“ (ebd.) und das habe laut Reisch die „Verfestigung von Vorurteilen“ (ebd.) zur Folge. Durch das Ignorieren kultureller Unterschiede werden Vorurteile also gefestigt anstatt abgebaut. Da allgemein angenommen wird, dass „das friedliche Zusammenleben der Völker ganz entscheidend vom Abbau von Vorurteilen […] abhängt“ (Krumm 1988:121), ist das Offenlegen solcher kulturspezifischen Abweichungen in der menschlichen Kommunikation demnach unerlässlich, denn nur
Wer allerdings die eigenen und fremden handlungswirksamen Kulturstandards kennt und mit ihnen umzugehen versteht, kann Fehlinterpretationen vermeiden und kulturadäquate Verhaltensleistungen erbringen. (Thomas 1991:57)
Der Begriff KULTURSTANDARD wurde von Alexander Thomas geprägt und bezeichnet die oben erwähnten kulturspezifischen Abweichungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der interkulturellen Sprachdidaktik im Kontext der Globalisierung ein und beschreibt den Aufbau der Arbeit sowie die Zielsetzung der Lehrwerkanalyse.
2.Definition von interkultureller Sprachdidaktik: Hier wird der für die Arbeit grundlegende, an Alexander Thomas angelehnte Kulturbegriff erläutert, der als Äquivalent für einen Nationalstaat fungiert.
3.Argumente für die Einbeziehung der interkulturellen Sprachdidaktik in die Planung des Fremdsprachenunterrichts: Das Kapitel begründet die Notwendigkeit der interkulturellen Didaktik, definiert den Begriff der Kulturstandards und grenzt diese von Stereotypen ab.
4.Konkrete Umsetzung der interkulturellen Sprachdidaktik im Fremdsprachenunterricht: Es werden Methoden zur interkulturellen Sensibilisierung vorgestellt, insbesondere die Critical Incident Technique und die These der Kulturengebundenheit von Bedeutung.
5.Analyse der Lehrwerke: In diesem Hauptteil werden die Lehrwerke "Sichtwechsel neu" und "Menschen" anhand der zuvor erarbeiteten theoretischen Konzepte untersucht und miteinander verglichen.
6.Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die Entwicklung interkultureller Sprachdidaktik zugunsten rein kommunikativer Kompetenzziele vernachlässigt wurde.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Sprachdidaktik, Fremdsprachenunterricht, Kulturstandards, Critical Incident Technique, Kulturengebundenheit von Bedeutung, Lehrwerkanalyse, Sichtwechsel neu, Menschen, Interkulturelle Kompetenz, Globalisierung, Fremdverstehen, Kommunikative Kompetenz, Interkulturelle Sensibilisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Vermittlung interkultureller Kompetenzen in Lehrwerken für den Deutschunterricht im Kontext aktueller didaktischer Anforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Konzepten der Kulturstandards, der Kulturengebundenheit von Bedeutung sowie der Methode der Critical Incidents.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es herauszufinden, ob moderne Lehrwerke wie "Menschen" interkulturelle Kompetenzen effektiv fördern und wie sie im Vergleich zu didaktisch expliziten Lehrwerken wie "Sichtwechsel neu" abschneiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine lehrwerkanalytische Untersuchung basierend auf theoretischen Grundlagen der interkulturellen Sprachdidaktik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Konzepte erarbeitet und anschließend die beiden gewählten Lehrwerke hinsichtlich ihrer interkulturellen Ausrichtung untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind interkulturelle Sprachdidaktik, Kulturstandards, Fremdsprachenunterricht und Kulturengebundenheit von Bedeutung.
Wie unterscheidet sich "Sichtwechsel neu" in der didaktischen Herangehensweise von "Menschen"?
"Sichtwechsel neu" ist explizit auf interkulturelles Lernen ausgerichtet und arbeitet systematisch mit der Reflexion kultureller Prägungen, während "Menschen" interkulturelle Aspekte nur vereinzelt und eher oberflächlich behandelt.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der aktuellen Lehrwerkentwicklung?
Die Autorin stellt fest, dass die Entwicklung der interkulturellen Sprachdidaktik zugunsten einer Fokussierung auf rein kommunikative und handlungsorientierte Sprachkompetenzen vernachlässigt wurde.
- Citation du texte
- Rosa Kindl (Auteur), 2014, Lehrwerkanalyse und -vergleich aus Sicht der interkulturellen Sprachdidaktik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/288164