Der Unterrichtseinstieg im Geschichtsunterricht. Begriffsklärung und die vier Einstiegstypen


Hausarbeit, 2010

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der theoretische Hintergrund: Überlegungen zum Unterrichtseinstieg
2.1. Begriffserklärung-Was ist ein Einstieg?
2.2.Funktionen von Unterrichtseinstiegen
2.3. Didaktische Kriterien für einen gelungenen Unterrichtseinstieg

3. Darstellungen von Unterrichtseinstiegen
3.1. Die vier Einstiegstypen nach Gerhard Schneider
3.1.1. Der repetitive/kognitive Einstieg
3.1.2. Der animative, sinnlich anschauliche Einstieg
3.1.3. Der problematisierende Einstieg
3.1.4. Der sedative, disziplinierende Einstieg
3.2. Kritik an Gerhard Schneiders Einstiegen: Der informierende Einstieg

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Zu den Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen in der Schule gehört ein sinnvoller Unterrichtseinstieg. Denn welcher Lehrer oder welche Lehrerin möchte nicht gerne seine Schüler zum Arbeiten motivieren und bei den Schülern Interesse wecken? Der Unterrichtseinstieg kann den Schüler, bzw. die Schülerin über den weiteren Unterrichtsverlauf informieren, ihn oder sie provozieren oder zum Fragenstellen anregen. Doch wie muss ein gelungener Unterrichtseinstieg aussehen, der solche Kriterien erfüllen kann? Gibt es überhaupt den einen gelungenen Unterrichtseinstieg?

Diese Arbeit wird diesen Fragen am Beispiel des Geschichtsunterrichtes nachgehen und in Diskussion stellen. Sie wird besonderen Wert auf die Auseinandersetzung zwischen den Einstiegstypen von Gerhard Schneider und Jochen Grell legen. Beide sind von ihren Einstiegsvarianten überzeugt und liefern schlüssige Argumente. Doch welcher Einstieg kann einem gelungenen Unterricht gerecht werden? Für diese Diskussion wird die Arbeit mit einem theoretischen Unterbau beginnen, welcher die Klärung des Begriffes „Einstieg“ offen legt und dem Leser verdeutlicht. Anschließend werden die grundlegenden Funktionen und didaktischen Kriterien für einen gelungenen Geschichtsunterricht dargestellt. Diese dienen dem besseren Verständnis der jeweils diskutierten Unterrichtseinstiege. Im weiteren Verlauf, im Fazit, wird ein kurzer Abriss der vorangegangenen Kapitel dargelegt und im Hinblick auf die verschiedenen Argumente diskutiert. Hierbei soll deutlich werden, welche Kriterien für einen gelungenen Unterricht wichtig sind.

Die Literatur zum Thema Unterrichtseinstiege im Geschichtsunterricht ist aufgrund der Einschränkung des Themas, begrenzt. Es gibt zwar umfangreiche Werke über die verschiedenen Methoden, jedoch wird man in der allgemeinen schulpädagogischen Literatur, so wie in den neueren geschichtsdidaktischen Werken über empirische Forschungsergebnisse die einem Lehrer oder einer Lehrerin weiterhelfen könnten, nicht fündig. Besonders hervorzuheben für diese Arbeit sind zwei Werke: „Unterrichtsmethoden“ von Hilbert Meyer und „Geschichtsunterricht 5-10“ von Annette Kuhn und Gerhard Schneider, die bei dieser Arbeit sehr hilfreich waren. Das Werk von Jochen Grell „Unterrichtsrezepte“ diente der Arbeit besonders im Hinblick auf die Diskussion. Wobei dieser mit seinen Argumenten alleine steht und keine Unterstützung anderer Didaktiker genießen kann.

2. Der theoretische Hintergrund: Überlegungen zum Unterrichtseinstieg

2.1. Begriffserklärung-Was ist ein Einstieg?

Der Unterrichtseinstieg, wie der Name schon sagt, dient dazu den Schülern und Schülerinnen den Einstieg in ein neues Thema zu eröffnen. Hilbert Meyer spricht von einem „Tor“ durch das der Schüler in die neue Lern-Landschaft hinauswandert.[1] Vor allem der Begriff „Einstieg“ macht die Selbstständigkeit dieser Phase deutlich und die damit verbundene notwendige Aktivität von Lehrenden und Lernenden. Wer in etwas einsteigt, sei es in einen Unterrichtseinstieg oder in einen Bus, wird aktiv. Der Unterrichtseinstieg sollte deshalb nicht einfach an den Unterrichtsinhalt angehängt werden, sondern sollte eine didaktische Eigenständigkeit erhalten.[2] Ebenfalls zu erwähnen ist der Aspekt, dass der Lernende, der nicht von Beginn an aktiv eingebunden wird, später kaum noch eine Chance erhält sich selbst zu beteiligen erhält und somit keine Motivation einbringen kann. Überlegungen sollten sich aufgrund dessen auch auf den Übergang zur Arbeitsphase bzw. auf den Unterrichtskern, beziehen. Eine kurze und auf den Punkt gebrachte Definition liefert uns Gerhard Schneider: „Als Unterrichtseinstieg bezeichnet man jenes didaktisch reflektierte Verfahren von meist kurzer Dauer, mit dem man eine Unterrichtstunde bzw. eine Unterrichtseinheit oder ein Projekt beginnt.“[3]

Nicht zu verwechseln mit dem themenzentrierten Unterrichtseinstieg ist der Einstieg in eine Unterrichtsstunde bzw. die Stundeneröffnung. Der Unterrichtseinstieg kann mit dem thematischen Einstieg zusammenfallen. Jedoch ist dies ein seltener Fall, da nicht jede Unterrichtsstunde mit einem neuen Thema beginnt. Die Stundeneröffnung hat, im Gegensatz zum Unterrichtseinstieg, die Funktion, dringende Anliegen, die den Unterrichtsverlauf stören könnten, zu klären. Oft wird von den Lehrern und Lehrerinnen ein Eröffnungsritual gewählt, um die Schüler und Schülerinnen auf den beginnenden Unterricht vorzubereiten. Außerdem spielen in der Regel Anknüpfungen an die vorherigen Stunde, so wie die Hausaufgabenkontrolle eine wichtige Rolle. Falls es zu Überschneidungen kommen sollte, wird der Akzent der thematischen Unterrichtseinstiege anders gewichtet sein. Denn diese müssen sich der allgemein didaktischen und auch fachdidaktischen Reflexion unterziehen und sollten längerfristig motivieren können.[4]

2.2.Funktionen von Unterrichtseinstiegen

Die genannte Grundfunktion des thematischen Unterrichtseinstieges, die Schüler und Schülerinnen in ein neues Thema einführt, wird in der didaktisch-methodischen Literatur[5] in eine Reihe von Teilfunktionen aufgeschlüsselt. Diese unterschiedlichen Funktionen schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern können vielfältig von der Lehrperson angewandt werden. Dietmar van Reeken spitzt diese These zu, indem er behauptet, dass alle Einstiegsfunktionen gleichzeitig erfüllt werden müssten.[6] Denn der Einstieg hat nicht nur eine kognitive Dimension, sondern dieser kann den Lernenden auf der affektiven und der psychomotorischen Dimension ebenso erreichen:[7]

Die Einstiegsphase in den Unterricht kann und sollte nach Möglichkeiten bei dem Schüler eine Fragehaltung wecken. Dies geschieht, indem die Materialien und Verfahren für den Unterrichtsverlauf anregend wirken und bei den Schülern Interesse erwecken. Menschliches Handeln, so Gerhard Schneider, sei von Anziehungs-und Anreizkräften (so wie von inneren und äußeren Reizen) beeinflusst, sodass diese motivierend wirken können. Ist die Motivation des Schülers durch einen Anreiz, zum Beispiel durch kontroverse Geschichtsquellen, gewachsen, wird der Lernende Fragen stellen, um Annahmen bzw. Hypothesen zu klären. Um die Schüler und Schülerinnen neugierig zu machen, sollte der Lehrende Bezüge zur Lebenswelt und Gegenwart herstellen und das entstandene Interesse der Schüler und Schülerinnen auf das neue Thema, Problem oder die zu erwerbenden Qualifikationen lenken. Vor allem, wenn ein historisches Problem auch heute noch diskutiert wird, können die Lernenden die den praktischen Nutzen des Geschichtsunterrichtes erkennen neugierig gemacht werden. Grundlage des thematischen Unterrichtseinstieges ist ein vorhandenes Wissen der Schüler und Schülerinnen, so wie deren Meinung und Urteile. Auf diesen Kenntnissen baut der Unterricht auf und muss aufgrunddessen für den Lehrenden und Lernenden geklärt werden. Einstiege sollten deshalb ebenso schon behandelte Themen aufgreifen und Verknüpfungen herstellen, sodass das Wissen der Schüler von einem vorherigen Unterrichtsthema in das neue Thema fließen kann. Vor allem im Geschichtsunterricht können so historische Zusammenhänge geklärt werden. Dies kann durch Wiederholungen, Hausaufgabenkontrolle, Zusammenfassungen oder in einem freien Gespräch geschehen. Das freie Gespräch dient einer weiteren Funktion der Unterrichtseinstiege. Denn dieses soll die Verantwortungsbereitschaft der Schüler und Schülerinnen wecken, sodass diese die Chance wahrnehmen mitzuplanen und mitzureden. Die neue Geschichtsdidaktik setzt dort an, indem sie auf die Mitwirkung der Schüler und Schülerinnen pocht.[8] Gerade beim Beginn der Unterrichtseinheit sollen Schüler und Schülerinnen über Planung und Durchführung des Unterrichts diskutieren können. Diese Beteiligung der Lernenden ermöglicht den Lehrern und Lehrerinnen ihre Vorstellungen über den Unterrichtsverlauf transparent zu machen und mit den Schülern und Schülerinnen Abmachungen zu treffen, die für ein lernförderliches Lernklima beitragen können. Entscheidungen über inhaltliche Zugänge, Unterrichtsverfahren, Schwerpunktsetzungen und über die Verwendung bestimmter Medien trifft der Lehrende ganz alleine die Entscheidung.[9] Egal welchen Zweck der Unterrichtseinstieg haben soll, der Schüler steht gegebenenfalls immer in Abhängigkeit der Vorgaben des Lehrers.[10] Insgesamt sollten Lehrer und Lehrerinnen beachten, dass es unmöglich ist, egal welchen Ansatz oder welche Methode ausgesucht wurde, alle Schüler und Schülerinnen damit erreichen zu können oder alle Vorkenntnisse ermitteln zu können.

2.3. Didaktische Kriterien für einen gelungenen Unterrichtseinstieg

Der Lehrer muss bei seiner Unterrichtsplanung erst die Funktion des Einstieges klären, um sich für eine bestimmte methodische Form zu entscheiden. Dabei sollte er stets die didaktischen Grundlagen im Auge behalten. Hilbert Meyer hat fünf didaktische Kriterien für einen gelungenen Unterrichtseinstieg zusammengestellt[11]:

Der Einstieg soll den Schülern einen Orientierungsrahmen vermitteln

Die Schüler und Schülerinnen haben einen Anspruch auf die Informationen über den Unterrichtsverlauf.[12] Deshalb sollte der Lehrer die Lernenden über den Umfang, Aspekte und Dimensionen informieren und ihnen das zu behandelnde Thema transparent machen. Außerdem sollte dieser zeigen, mit welchen Methoden er arbeiten möchte, um das Thema zu erschließen. Hierbei muss der Lehrende eine führende und aktive Rolle übernehmen und die von der Schule vorgegebenen Lernziele beibehalten.[13] „Zu keinem anderen Zeitpunkt ist die Stellung der Lehrerin, des Lehrers gegenüber den Lernenden so dominant. Die Lehrperson gibt den Ton an, sagt, wohin die Reise gehen soll.“[14] Auf der anderen Seite allerdings gibt es auch Unterrichtsthemen, die schülerorientiert verlaufen können, sodass sich die Schüler leichter aufs Thema einstellen können und jederzeit Verbesserungsvorschläge verbalisieren können. Zu beachten ist jedoch, dass leistungsschwächere Schüler und Schülerinnen Informationen auf abstrakten Niveau nur schwer aufnehmen können und dies dann schnell zu Desinteresse und Langeweile führen könnte.[15]

[...]


[1] Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden (Praxisband II), S. 122.

[2] Vgl.: Greving, Johannes: Unterrichts-Einstiege, S.17.

[3] Mayer, Ulrich: Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht, S.595.

[4] Vgl.: Greving, Johannes: Unterrichts-Einstiege, S.16; Von Reeken, Dietmar: Verlaufsformen, S. 261.

[5] Vgl.: Mayer, Ulrich: Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht, S. 595; Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden (Praxisband II), S. 122-123; Von Reeken, Dietmar: Verlaufsformen, S. 261-262 u.a..

[6] Vgl.: Von Reeken, Dietmar: Verlaufsformen, S. 262.

[7] Vgl.: ; Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden (Praxisband II), S. 122.

[8] Vgl.: Schneider, Gerhard: Gelungene Einstiege, S. 13.

[9] Vgl.: Ebd., S. 13.

[10] Vgl.: Ebd., S. 11.

[11] Vgl.: Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden (Praxisband II), S. 129-133.

[12] Vgl. Anhang 1 (Schulgesetz NRW 2010; § 42 Abs. 2).

[13] Vgl.: Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden (Praxisband II), S. 130.

[14] Von Reeken, Dietmar: Verlaufsformen, S. 263.

[15] Vgl.: Meyer, Hilbert: Unterrichtsmethoden (Praxisband II), S. 131.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Unterrichtseinstieg im Geschichtsunterricht. Begriffsklärung und die vier Einstiegstypen
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V293998
ISBN (eBook)
9783656918035
ISBN (Buch)
9783656918042
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unterrichtseinstieg, geschichtsunterricht, begriffsklärung, einstiegstypen
Arbeit zitieren
Pia Brinkkoetter (Autor), 2010, Der Unterrichtseinstieg im Geschichtsunterricht. Begriffsklärung und die vier Einstiegstypen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/293998

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