Ziel der Phänomenologie des Geistes ist es, wie Herbert Schädelbach für Hegel zusammenfasst, “ein vollständiges System der Erfahrung des Bewusstseins zu exponieren, das sich im Resultat als System des erfahrenen Wissens des Absoluten erweist.”
Diesem Ziel untergeordnet ist auch eine Behandlung der Selbsterfahrung des Bewusstseins, welche Gegenstand des hier zu besprechenden Abschnitts ist und welche den Ausgangspunkt für die besonders populär gewordene Herr/Knecht-Thematik darstellt.
Der Anspruch dieser Arbeit ist es, die Hegelsche Argumentationskette dieser Genese des Selbstbewusstseins und der damit zusammenhängenden Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft nachzuvollziehen und eine schlüssige Interpretation derselben zu erarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Vorbereitung zur Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft
- Bewusstsein und Selbstbewusstsein
- Begierde
- Das andere Selbstbewusstsein
- Herrschaft und Knechtschaft
- Anerkennung
- Der Kampf auf Leben und Tod
- Exkurs: Alexandre Kojèves’ Auslegung des Kampfes auf Leben und Tod
- Selbstständigkeit und Unselbstständigkeit
- Der Herr
- Der Knecht
- Schluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Argumentationskette Hegels zur Entstehung des Selbstbewusstseins und der Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft zu analysieren und zu interpretieren. Dazu wird zunächst der Weg des Bewusstseins über das Selbstbewusstsein zum anderen Selbstbewusstsein dargestellt. Im Fokus stehen dabei die Herausforderungen des Bewusstseins, sich selbst zu erkennen und die Gewissheit seiner Existenz zu bewahrheiten.
- Die Problematik des Bewusstseins in seiner selbst reflektierenden Form
- Die Rolle der Begierde in der Vermittlung des Selbstbewusstseins durch einen äußeren Gegenstand
- Der Übergang zum anderen Selbstbewusstsein als notwendige Bedingung für die Konstitution des Selbstbewusstseins
- Die Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft als Ergebnis der Anerkennung zwischen zwei Selbstbewusstseinen
- Die Bedeutung der Arbeit im Prozess der Selbstfindung des knechtischen Bewusstseins
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung präsentiert den historischen und philosophischen Kontext von Hegels Ausführungen zur Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft. Im ersten Kapitel wird der Weg des Bewusstseins über das Selbstbewusstsein zum anderen Selbstbewusstsein analysiert. Dabei wird die Problematik der reinen Selbstreflexion sowie die Rolle der Begierde als kurzfristige Lösung für die Gewissheit des Selbstbewusstseins diskutiert. Im zweiten Kapitel wird die Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft im Zusammenhang mit dem Konzept der Anerkennung vorgestellt. Das Kapitel analysiert den Kampf auf Leben und Tod als Ausgangspunkt der Herr-Knecht-Beziehung und erläutert die Entwicklung des herrischen und des knechtischen Selbstbewusstseins.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit Hegels Phänomenologie des Geistes, insbesondere mit der Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft. Schlüsselkonzepte sind das Selbstbewusstsein, die Anerkennung, der Kampf auf Leben und Tod, die Selbstständigkeit und Unselbstständigkeit, der Herr, der Knecht und die Arbeit als Mittel der Selbstfindung.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Hegels Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft?
Es beschreibt den Prozess, in dem zwei Bewusstseine um Anerkennung kämpfen, was zur Unterordnung des einen (Knecht) unter den anderen (Herr) führt.
Warum ist der „Kampf auf Leben und Tod“ notwendig?
Laut Hegel muss das Bewusstsein beweisen, dass es nicht an das bloße biologische Leben gebunden ist, um reine Selbstständigkeit und Anerkennung zu erlangen.
Welche Rolle spielt die Arbeit für den Knecht?
Durch die Arbeit bildet und kultiviert der Knecht die Dinge und erkennt in seinem Werk seine eigene Selbstständigkeit, während der Herr nur konsumiert.
Wie entsteht Selbstbewusstsein nach Hegel?
Selbstbewusstsein entsteht erst durch die Spiegelung und Anerkennung durch ein anderes Selbstbewusstsein; es ist „an und für sich, indem es für ein anderes ist“.
Warum bleibt der Herr letztlich unselbstständig?
Der Herr ist von der Arbeit des Knechtes abhängig und erhält Anerkennung nur von einem Unfreien, was keine wahre, gegenseitige Anerkennung darstellt.
- Arbeit zitieren
- Maximilian Reisch (Autor:in), 2014, Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Herrschaft und Knechtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/294689