In der vorliegenden Seminararbeit werde ich versuchen, das literarische Phänomen des Crossdressing zu analysieren. Dies soll an drei Beispielen von Heiligenlegenden aus der Legenda aurea des Jacobus von Voraigne geschehen, wobei ich keine Anmerkungen zum Autor anführen werde, da dies nicht relevant für meine Untersuchung ist. Ich werde die Legenden jeweils auf die Umstände des Crossdressings hin untersuchen. Hierbei werde ich die Umstände, wie es zum Crossdressing kam, ob dieses freiwillig war und welche direkten und indirekten Konsequenzen dieses hatten, analysieren. Zum Schluss werde ich noch, als Kontrast zu den Heiligenlegenden, ein Märe betrachten, in welchem das Crossdressing von einem Mann vollzogen wurde und dort ebenfalls dieselben Punkte herausarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Crossdressing in der hagiographischen Literatur
2. Crossdressinggeschichten in der Legenda aurea
2.1 Die heilige Jungfrau Marina: Das Mädchen mit der Mönchskutte
2.2 Die Heilige Eugenia
2.3 Die Heilige Pelagia
3. Crossdressing in einem Märe
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Phänomen des Crossdressings in der mittelalterlichen Literatur, wobei der Schwerpunkt auf Heiligenlegenden aus der "Legenda aurea" von Jacobus de Voragine liegt. Ziel ist es, die Umstände, Freiwilligkeit und Konsequenzen des Kleidertauschs bei weiblichen Heiligen zu untersuchen und diese Ergebnisse durch den Vergleich mit einem männlichen Protagonisten aus einem Märe kritisch zu hinterfragen.
- Analyse des Crossdressings in der mittelalterlichen Hagiographie
- Untersuchung von Rollenbildern und Geschlechterdefinitionen
- Vergleich zwischen freiwilligen und erzwungenen Kleidertausch-Motiven
- Kontrastierung hagiographischer Texte mit der Gattung des Märe
- Betrachtung des literarischen Spannungsfeldes zwischen Weiblichkeit und männlichen Idealen
Auszug aus dem Buch
2.1 Die heilige Jungfrau Marina: Das Mädchen mit der Mönchskutte
Die Geschichte der Heiligen Jungfrau Marina ist eine sehr kurze und kompakte Geschichte, die trotz ihrer Kürze einiges an Material hergibt. Als ersten Punkt erscheint es mir sinnvoll zu untersuchen, wie sich die Umstände des Crossdressings in dieser Geschichte verhalten.
Zu Beginn der Geschichte erfährt man, dass Marina bereits als Kind mit ihrem Vater in ein Kloster ging, wo dieser dem Abt vorgab, Marina sei ein Junge. Marina wurde fortan als Bruder Marinus bezeichnet. Interessant ist hierbei, dass der Akt des Crossdressings gänzlich auf äusseren Einfluss, somit den des Vaters, zurückzuführen ist. So lesen wir in der Geschichte:
Die Jungfrau Marina war die einzige Tochter ihres Vaters. Der Vater suchte ein Kloster auf und ließ seine Tochter andere Kleider anziehen, so daß sie nicht mehr wie eine Frau, sondern wie ein Mann aussah. Dann bat er den Abt und die Brüder, seinen einzigen Sohn aufzunehmen. Sie gaben seiner Bitte nach. Der angebliche Sohn wurde als Mönch aufgenommen und von allen Bruder Marinus genannt.
[...]
In dieser Anfangsszene ist deutlich zu erkennen, dass hier das Crossdressing seitens Marinas nicht die geringste Bedeutung hat. Der Text gibt nichts darüber bekannt, wie alt Marina tatsächlich war, als sie mit ihrem Vater eintrat. Fakt bleibt, dass das Crossdressing hier einzig aus dem Grund erfolgte, weil der Vater ihr es befahl. Marina wurde in dem Kloster sehr fromm und als ihr Vater schliesslich auf dem Sterbebett lag, war sie 27 Jahre alt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Vorstellung des Forschungsgegenstandes Crossdressing in der Hagiographie und dem Märe sowie Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.
1. Crossdressing in der hagiographischen Literatur: Theoretische Auseinandersetzung mit der biblischen Ablehnung des Kleidertauschs und der Konstruktion weiblicher Heiligkeit durch männliche Attribute.
2. Crossdressinggeschichten in der Legenda aurea: Detaillierte Analyse der Legenden von Marina, Pelagia und Eugenia hinsichtlich ihrer individuellen Umstände des Crossdressings.
3. Crossdressing in einem Märe: Kontrastierende Betrachtung des Crossdressings am Beispiel des "Friedrich von Antfurt" aus der Weltchronik von Jans Enikel.
4. Fazit: Synthese der Ergebnisse, wobei die Differenzierung zwischen hagiographischer Heiligwerdung und höfischen Topoi hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Crossdressing, Mittelalter, Hagiographie, Legenda aurea, Kleidertausch, Geschlechterdefinition, Märe, Heilige Marina, Heilige Pelagia, Heilige Eugenia, Friedrich von Antfurt, Weiblichkeit, Spiritualität, Patriarchat, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das literarische Phänomen des Crossdressings im Mittelalter, insbesondere in Form von Kleidertausch in Heiligenlegenden und einem ausgewählten Märe.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die soziale und religiöse Wahrnehmung von Geschlecht, die Unterlegenheit der Frau im mittelalterlichen Diskurs und die literarische Funktion von Transvestiten-Motiven.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse der Entstehungsumstände, der Freiwilligkeit und der Konsequenzen von Crossdressing bei verschiedenen literarischen Figuren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse angewandt, die sich auf bestehende hagiographische Legenden sowie ein Märe stützt und diese unter Berücksichtigung kulturwissenschaftlicher Forschung vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die drei Legenden der heiligen Jungfrauen Marina, Pelagia und Eugenia aus der "Legenda aurea" sowie kontrastierend die Geschichte des Ritters "Friedrich von Antfurt".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Hagiographie, Crossdressing, Geschlechterdefinition, Legenda aurea und mittelalterliche Erzähltexte definieren.
Worin unterscheidet sich die Motivation der heiligen Marina von der der heiligen Eugenia?
Marina wurde unfreiwillig durch den Befehl ihres Vaters ins Crossdressing gedrängt, während Eugenia sich nach ihrer Konversion aus freien Stücken dazu entschied, um ihren Glauben leben zu können.
Welche Rolle spielt die "Lesbarkeit des Körpers" in den Legenden?
Die Lesbarkeit des weiblichen Körpers ist ein zentrales Motiv; oft wird das wahre Geschlecht der Heiligen erst nach deren Tod oder durch göttliche Offenbarung enthüllt, was ihre spirituelle Überlegenheit innerhalb der klerikalen Strukturen betont.
- Citar trabajo
- Master Student Samuel Burkhard (Autor), 2012, manlîchiu wîp, wîplîch man. Eine Analyse des Crossdressing-Phänomens in der mittelalterlichen hagiographischen Literatur, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295898