Neben der 1997 neu strukturierten dualen Ausbildung im Bereich der Informationstechnologie hat sich in verschiedenen Bundesländern ein System gleichwertiger, vollzeitschulischer Ausbildungen an beruflichen Schulen etabliert.
Eine solche Ausbildung wird in Nordrhein-Westfalen in Höheren Berufsfachschulen/Berufskollegs angeboten: Informationstechnische Assistenten. Landesweit wird an einer Überarbeitung der Bildungspläne gearbeitet, um sie an das System des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) anzupassen und eine deutliche Kompetenzorientierung herbeizuführen.
Diese neuen Bildungspläne bedeuten für die Lehrkräfte zunächst Mehraufwand. Zu erwarten sind allerdings, dass das Land Unterstützungsmöglichkeiten und Verfahrensvorschläge zur kooperativen Zusammenarbeit von Lehrkräften anbietet. Allerdings liegen gegenwärtig für das Berufsfeld Technik/Naturwissenschaft noch keine Entwürfe vor, und erste derart erarbeitete Lehrpläne treten im Bereich der Höheren Berufsfachschule voraussichtlich erst 2015/2016 in Kraft.
Diese Verzögerung kann von Berufskollegs als Chance genutzt werden, die Lehrkräfte schon im Vorfeld auf die Umsetzung der neuen kompetenzorientierten Bildungspläne vorzubereiten. Die Arbeit untersucht folgende Forschungsfrage: Welche Unterstützungsmöglichkeiten zur Umsetzung neuer kompetenzorientierter Bildungspläne existieren für Lehrkräfte, die in vollzeitschulischen IT-Assistenten-Ausbildungen an einem Berufskolleg in NRW unterrichten? Welche förderlichen und hinderlichen Faktoren lassen sich diesbezüglich identifizieren?
Um diese Fragen zu klären, werden zunächst theoretische Hintergründe dargestellt. Dann wird eine Übersicht über die aktuelle Situation gegeben. Daran schließt sich ein Überblick der Unterstützungsmöglichkeiten an. In einer kritischen Reflexion werden die förderlichen und hinderlichen Faktoren erörtert, um abschließend im Fazit mögliche Entwicklungen aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Vollzeitschulische Ausbildung im beruflichen Bildungssystem
2.2 Lehrpläne auf Makro-, Meso- und Mikroebene
2.3 Der Kompetenzbegriff
2.4 Kompetenzen der Lehrkräfte
3. Die aktuelle Situation
3.1 Ausbildung Informationstechnischer Assistentinnen
3.2 Aufgaben der Schulen beim Umsetzen von Bildungsplänen
3.3 Ausbildung berufsbildender Lehrkräfte
4. Unterstützungsmöglichkeiten für Lehrkräfte
4.1 Parallele: lernfeldstrukturierte Curricula des dualen Systems
4.2 Fortbildungen für berufsbildende Lehrkräfte
4.3 Unterstützungsmöglichkeiten innerhalb des Kollegiums
5. Kritische Reflexion
6. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Unterstützungsmöglichkeiten für Lehrkräfte an NRW-Berufskollegs bei der Einführung neuer kompetenzorientierter Bildungspläne für Informationstechnische Assistenten, um förderliche und hinderliche Faktoren für diesen Transformationsprozess zu identifizieren.
- Analyse des theoretischen Hintergrunds zur Kompetenzorientierung und deren Einordnung in die Bildungsorganisation.
- Untersuchung der aktuellen Ausbildungssituation von IT-Assistenten und den Anforderungen an die beteiligten Lehrkräfte.
- Identifikation von Strategien der Unterstützung auf Makro-, Meso- und Mikroebene der schulischen Organisation.
- Erörterung von Methoden wie kollegialer Beratung, Supervision und Teamarbeit zur Bewältigung der neuen pädagogischen Anforderungen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Ausbildung Informationstechnischer Assistentinnen
In NRW werden an Berufskollegs auf Basis der Rahmenvereinbarung zur Ausbildung und Prüfung von technischen Assistenten an Berufsfachschulen (vgl. KMK, 2011a) Informationstechnische Assistentinnen in vollzeitschulischer Form ausgebildet. Die Rahmenvereinbarung listet in einer Anlage Mindest-Qualifikationen auf, zu denen konkret auch das „Nutzen von Lern- und Arbeitstechniken für die Lösung von betrieblichen Problemstellungen“ (ebd., Anl. 2, S. 15) gehört. Die zu vermittelnden Kompetenzen müssen eine Berufsfähigkeit beinhalten, „die Fachkompetenz, Selbstkompetenz und Sozialkompetenz zu Handlungskompetenz verbindet und deren immanenter Bestandteil Methodenkompetenz, kommunikative Kompetenz und Lernkompetenz sind“ (KMK, 2011, S. 2). Des weiteren wird mehrfach auf den berufsübergreifenden und berufsbezogenen Lernbereich verwiesen.
In den Richtlinien legt das Land NRW die Ziele der Ausbildung der Assistentinnen fest und konstatiert: „Die Ausbildung mit ihren integrierten Theorie- und Praxisanteilen vermittelt Kompetenzen, die auf dem Arbeitsmarkt und an Hochschulen nachgefragt bzw. erwartet werden“ (MSW, 2011, S. 7). Die Landesregierung fordert konsequente Handlungsorientierung bei der Vermittlung beruflicher Qualifikationen und betont, dass die Erfüllung der Erwartungen der Schülerinnen unter anderem durch fortgesetzte Fortbildung der Lehrkräfte sichergestellt werden müsse (vgl. ebd., S. 8). Die wesentlichen Bestandteile der Ausbildungsinhalte werden in den einzelnen Berufskollegs durch die Bildungsgangkonferenz festgelegt, die sowohl ein Ausbildungsprofil bildet, als auch auf Basis der Rechtsgrundlagen die unterrichtlichen Vorgaben ausgestaltet (vgl. ebd., S. 9). Damit soll den Berufskollegs ein Gestaltungsspielraum eröffnet werden, in dem sowohl die Interessen der Schülerinnen als auch die der Schule und die Anforderungen der Firmen in der Region berücksichtigt werden können. Schließlich kann die Bildungsgangkonferenz durch die Ausgestaltung des Differenzierungsbereichs weitere Interessen und Kompetenzen der Schülerinnen fördern (vgl. ebd., S. 15).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Einführung kompetenzorientierter Bildungspläne an NRW-Berufskollegs ein und definiert die zentrale Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen.
2. Theoretischer Hintergrund: Das Kapitel verortet die vollzeitschulische Ausbildung im Gesamtsystem, definiert den Kompetenzbegriff und erläutert die Anforderungen an Lehrkräfte im Wandel der Bildungsorganisation.
3. Die aktuelle Situation: Hier wird der Status quo der Ausbildung von IT-Assistenten in NRW sowie die Aufgaben der Schulen und die Ausbildungssituation der Lehrkräfte beleuchtet.
4. Unterstützungsmöglichkeiten für Lehrkräfte: Dieses Kapitel diskutiert Analogien aus dem dualen System, Fortbildungskonzepte und Möglichkeiten der kollegialen Unterstützung innerhalb des Kollegiums.
5. Kritische Reflexion: Eine Analyse der förderlichen und hinderlichen Faktoren bei der Umsetzung der Bildungspläne entlang der Makro-, Meso- und Mikroebene der Bildungsorganisation.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und betont die Notwendigkeit von Kommunikation sowie einer aktiven Schulleitung für den Erfolg der Implementierung.
Schlüsselwörter
Berufskolleg, Informationstechnische Assistenten, Kompetenzorientierung, Bildungspläne, Handlungskompetenz, Lehrerbildung, Schulentwicklung, Teamarbeit, kollegiale Beratung, Lernfeldkonzept, Didaktische Jahresplanung, berufliche Bildung, NRW, Unterrichtsentwicklung, Bildungsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, welche Unterstützungsmöglichkeiten Lehrkräfte an NRW-Berufskollegs bei der Implementierung neuer kompetenzorientierter Bildungspläne im Bereich der Informationstechnischen Assistenten nutzen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit befasst sich mit den Themenbereichen Kompetenzbegriff, Reform der Bildungspläne, berufliche Handlungsorientierung, Lehrkraftkompetenzen und Strategien zur kollegialen Zusammenarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis der aktuellen Bildungssituation förderliche sowie hinderliche Faktoren für die Umsetzung kompetenzorientierter Lehrpläne zu identifizieren und mögliche Unterstützungsinstrumente aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Autorin wählt einen analytischen Ansatz, der die Ebenen der Bildungsorganisation (Makro-, Meso- und Mikroebene) strukturiert betrachtet, um die institutionellen und praktischen Rahmenbedingungen für Lehrkräfte zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine Analyse der aktuellen Situation in den Schulen sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit Unterstützungsmöglichkeiten wie Fortbildungen und kollegialer Beratung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Wesentliche Begriffe sind Kompetenzorientierung, Berufskolleg, IT-Assistentenausbildung, schulisches Bildungsmanagement und kollegiale Beratung.
Warum wird im Dokument explizit auf die "Makro-Ebene" eingegangen?
Die Makro-Ebene ist für die Bereitstellung von Rahmenvorgaben und die zeitliche Planung verantwortlich; das Fehlen von Vorab-Unterstützung durch diese Ebene wird in der Arbeit als kritischer Faktor identifiziert.
Welche Rolle spielt die kollegiale Beratung bei der Umsetzung der neuen Bildungspläne?
Die kollegiale Beratung fungiert als wesentliches Instrument auf Mikroebene, um den Austausch unter Lehrkräften zu fördern, professionelle Expertise zu teilen und die Herausforderungen der neuen didaktischen Anforderungen gemeinsam zu bewältigen.
- Quote paper
- Heinz Alenfelder (Author), 2015, Umsetzung kompetenzorientierter Bildungspläne. Unterstützungsmöglichkeiten für Lehrkräfte eines NRW-Berufskollegs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/299250