Wie effektiv ist ein Fremdsprachenunterricht, der die Selbsttätigkeit der Lernenden fordert?
Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie sich selbsttätiges Lernen im Fremdsprachenunterricht legitimiert, wie dies umgesetzt werden kann und welche Effekte sich im Vergleich zu einem vom Lehrenden gesteuerten Unterricht ergeben.
Diesbezüglich können jedoch weder ein Medium noch eine Skala vorgestellt werden, die in der Lage wären, die Effektivität von Unterricht zu messen. Vielmehr wird auf wissenschaftliche Befunde zurückgegriffen, die den Erfolg eines Fremdsprachenunterrichts, bei dem sich die Lernenden aktiv am Lehr- und Lernprozess beteiligen, überprüfen. Es wird immer wieder ein Vergleich zwischen traditionellen Lernformen, die lange Zeit dem pädagogischen Konsens angehörten, und neuen Lernformen angestellt, die eigenständiges Arbeiten fördern.
Was ist überhaupt ein effektiver Fremdsprachenunterricht? Effektivität bezieht sich hier auf einen für alle Beteiligten erfolgreichen Prozess: Die Lernenden lenken ihre Aufmerksamkeit auf den Lerngegenstand und lassen sich nicht ablenken. Das Gelernte wird behalten und nicht nur im Kurzzeitgedächtnis abgespeichert. Lernen wird dabei nicht als Last, sondern als gewinnbringendes Handeln betrachtet.
Viele Lehrende übernehmen Unterrichtsformen, in denen sie sich selbst zurücknehmen und die Lernenden aktivieren. Andere hingegen zögern, da sie befürchten, die Lernenden würden überfordert. Sie haben sich mit folgenden Fragestellungen auseinanderzusetzen:
Ist ein offener Unterricht effektiver?
Können Lernende überhaupt etwas lernen, wenn sie selbst tätig sind? Wie können sie eine Sprache lernen, wenn der Lehrende den Lehrprozess den Lernenden überlässt?
Welche Bedingungen müssen erfüllt werden, um selbstgesteuertes Lernen zu ermöglichen?
Welche Aufgabe hat dann der Lehrende im Fremdsprachenunterricht noch?
Wie kann das Sprachenlernen in solch einem Unterricht bewertet werden?
Diese Fragen sollen im Laufe dieser Arbeit weitestgehend beantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis
1.0 Die Forschungsfrage
2.0 Legitimation von selbsttätigen Lernformen im Fremdsprachenunterricht
2.1 Selbsttätigkeit und Selbständigkeit – was ist der Unterschied?
2.2 Kindheit im Wandel
2.3 Selbsttätiges Lernen unter lerntheoretischer Perspektive
2.4 Empfehlungen des Europarats zur Lernerautonomie im Fremdsprachenunterricht
3.0 Selbständigkeit durch Selbsttätigkeit: Methodische Umsetzung im Fremdsprachenunterricht
3.1 Die Vermittlung von Lernstrategien als Teil des Fremdsprachenunterrichts
3.2 Selbständiges und handlungsorientiertes Lernen in Lernszenarien
4.0 Ausblick
5.0 Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Effektivität von Fremdsprachenunterricht, der die Selbsttätigkeit der Lernenden fordert, und vergleicht diesen mit traditionell gesteuerten Unterrichtsformen, um Bedingungen für erfolgreiches, selbstgesteuertes Lernen zu identifizieren.
- Legitimation von selbsttätigen Lernformen aus theoretischer Perspektive
- Bedeutung der konstruktivistischen Lerntheorie für modernen Unterricht
- Methodische Ansätze zur Vermittlung von Lernstrategien
- Implementierung von handlungsorientierten Lernszenarien im Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Vermittlung von Lernstrategien als Teil des Fremdsprachenunterrichts
Lebenslanges Lernen und vor allem Lernfähigkeit im Berufsalltag zählt heute im Zuge einer internationalen Vernetzung zu den bedeutendsten Kompetenzen. Um diese Qualifikation zu sichern, geht es im schulischen Unterricht nicht nur um die Präsentation von Inhalten, sondern um die Vermittlung eines Mediums, das die Informationsbeschaffung, -verarbeitung und -speicherung steuert. Nach KNAPP (vgl. 1980, 257ff.) muss der Einsatz von Lernstrategien im Unterricht vermittelt werden, um Lernenden nach Abschluss des schulischen Fremdsprachenunterrichts die Fähigkeit zum selbständigen Weiterlernen zu ermöglichen.
Gerade das Erlernen einer Fremdsprache ist im Allgemeinen ein komplexer Informations- und Konstruktionsprozess, der vom Lernenden aktiv gesteuert wird. Um diesen Prozess steuern und überwachen zu können, bedarf es verschiedener Strategien, die die Entwicklung, Speicherung, den Abruf und die Anwendung von Wissen regulieren. Die pädagogische Psychologie differenziert Lernstrategien in kognitive und metakognitive Strategien. Kognitive Strategien beziehen sich auf den Erwerb, die Strukturierung und Nutzung von Informationen. Metakognitive Strategien helfen dem Lerner, diesen Prozess zu planen, zu kontrollieren und zu reflektieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0 Die Forschungsfrage: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein, wie sich selbsttätiges Lernen legitimiert und welche Effekte es gegenüber traditionellen Unterrichtsformen erzielt.
2.0 Legitimation von selbsttätigen Lernformen im Fremdsprachenunterricht: Das Kapitel grenzt Begriffe wie Selbsttätigkeit und Selbständigkeit ab, beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel und diskutiert lerntheoretische Grundlagen sowie Empfehlungen des Europarats.
3.0 Selbständigkeit durch Selbsttätigkeit: Methodische Umsetzung im Fremdsprachenunterricht: Hier wird fokussiert, wie durch die Vermittlung von Lernstrategien und den Einsatz von Lernszenarien die methodische Umsetzung selbständigen Lernens gelingen kann.
4.0 Ausblick: Der abschließende Teil fasst die Notwendigkeit schrittweiser Verantwortungsübertragung im Unterricht zusammen und betont die Bedeutung lebenslangen Lernens.
5.0 Literatur: Dieses Verzeichnis listet alle in der Seminararbeit herangezogenen wissenschaftlichen Quellen auf.
Schlüsselwörter
Selbsttätigkeit, Fremdsprachenunterricht, Lernerautonomie, Lernstrategien, Handlungsorientierung, Konstruktivismus, Lernszenarien, Selbständigkeit, Sprachvermittlung, Sprachproduktion, Kompetenzorientierung, Lehrerrolle, Lernprozess, Motivation, Differenzierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage nach der Effektivität von Fremdsprachenunterricht, der die Selbsttätigkeit der Lernenden in den Mittelpunkt stellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Begründung von Selbsttätigkeit, der konstruktivistischen Lerntheorie, der Rolle von Lernstrategien und der praktischen Umsetzung durch Lernszenarien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erörtern, ob und warum ein selbsttätiger Lernansatz gegenüber einem rein lehrergesteuerten Prozess effektiver ist und wie dieser gestaltet werden sollte.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung pädagogischer und fachdidaktischer Fachliteratur sowie der Analyse empirischer Befunde zum Spracherwerb.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die theoretische Legitimation selbsttätiger Lernformen als auch konkrete methodische Umsetzungen, wie die Strategievermittlung und Szenariendidaktik, detailliert erarbeitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Selbsttätigkeit, Lernerautonomie, Lernstrategien, Handlungsorientierung und der konstruktivistische Lernbegriff.
Was unterscheidet „Selbsttätigkeit“ von „Selbständigkeit“ in dieser Arbeit?
Selbsttätigkeit wird als der Prozess des aktiven Tuns definiert, während Selbständigkeit das übergeordnete Ziel beschreibt, bei dem der Lerner keiner Fremdaufforderung mehr bedarf.
Wie kann eine „strukturelle Kopplung“ den Lernprozess beeinflussen?
Sie bezeichnet die erfolgreiche Aktivierung der internen Strukturen des Lernenden, die notwendig ist, um eigenständige Lernprozesse anzustoßen und weiterzuführen.
- Citar trabajo
- Sandra Braunstorfer (Autor), 2015, Selbsttätigkeit und Selbständigkeit im Fremdsprachenunterricht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/301840