Denkweisen wie Strategien entwickeln und umsetzen, langfristige Ziele um den Bestand zu bewahren, den Versorgungsauftrag zu erfüllen oder die aktuellen Probleme zu identifizieren, werden von hauptsächlich operativ denkenden und handelnden Führungskräften im Krankenhaus vernachlässigt, oder ihnen wird aus Zeitgründen nicht weiter nachgegangen. Die schwerwiegenden Herausforderungen für die Krankenhäuser in den kommenden Jahren verlangen jedoch weniger Reaktion, sondern mehr proaktive Unternehmensführung. Dabei wird die strategische Ausrichtung eine entscheidende Rolle spielen (vgl. Zapp 2014: 14). Mit der Entwicklung von Performance-Measurement-Systemen, welche strategischen Herausforderungen eine Antwort bieten sollen, hat sich besonders die Balanced Scorecard (BSC) von Kaplan und Norton als Kennzahlensystem durchgesetzt. Krankenhäuser, die ihre Zukunft erfolgreich gestalten wollen, müssen im stetig sich ändernden Umfeld die Chancen und Risiken aufspüren und folglich rechtzeitig Potenziale vor der Konkurrenz entwickeln, um Wettbewerbsvorteile zu erringen (vgl. Friedag 2005: 1).
Das Ziel der BSC ist es, den Transfer zwischen der strategischen Ausrichtung des Managements und der operativen Umsetzung durch die Mitarbeiter zu fördern. Zur Differenzierung der Umsetzungsschritte bedarf es einer Plattform, um eine systematische Orientierung an den strategischen Zielen für alle Mitarbeitergruppen sicherzustellen. Die dafür notwendige hohe Eigenverantwortung der Mitarbeiter kann durch die Kopplung der BSC mit einem Qualitätsmanagementsystem gefördert werden (vgl. Haldemann et al. 2011: 127).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangslage
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
1.3 Wissenschaftliche Verortung der Thematik
2 Theoretischer Begriffsrahmen von Kennzahlensystemen
2.1 Kennzahlen als Aspekt betriebswirtschaftlicher Informationen
2.1.1 Definition von Kennzahlen
2.1.2 Arten von Kennzahlen
2.1.3 Kennzahlensysteme
2.1.4 Kritische Würdigung
2.2 Die Balanced Scorecard als strategisches Managementinstrument
2.2.1 Definition der Balanced Scorecard
2.2.2 Vision und Strategie als Ausgangspunkt der Balanced Scorecard
2.2.3 Perspektiven der Balanced Scorecard
2.2.4 Ursache-Wirkungs-Beziehung der Balanced Scorecard
2.2.5 Strategische Landkarten (Strategy Maps)
2.2.6 Kritische Würdigung
3 Fallstudie: Klinikum Tannenwald
3.1 Struktur der Klinik
3.2 Ausgangslage
3.3 Stärken-, Schwächen-, Chancen- und Risiken-Analyse
3.3.1 Stärken und Schwächen
3.3.2 Chancen und Risiken
3.4 Port-Folio-Analyse
4 Handlungsempfehlungen zur Implementierung der Balanced Scorecard im Krankenhaus
4.1 Schaffung organisatorischer Rahmenbedingungen zur Implementierung
4.1.1 Zielsetzung des Projekts
4.1.2 Projektorganisation und Projektablauf
4.1.3 Sicherstellung von Information, Kommunikation und Partizipation
4.1.4 Berücksichtigung von kritischen Erfolgsfaktoren
4.2 Klärung der strategischen Grundlagen
4.2.1 Wertschöpfungskette eines Krankenhauses
4.2.2 Strategie und Balanced Scorecard
4.2.3 Instrumente zur Klärung der strategischen Bedeutung
4.2.4 Einfluss von Ursache- Wirkungs-Beziehungen auf die Strategie
4.2.5 Unternehmenskultur im Krankenhaus
4.3 Entwicklung einer Balanced Scorecard im Krankenhaus
4.3.1 Finanz- und Ergebnisperspektive
4.3.2 Kundenperspektive
4.3.3 Prozessperspektive
4.3.4 Innovations- und Potenzialperspektive
4.4 Strategische Ausrichtung der Organisation
4.4.1 Klinikweite Einführung der Balanced Scorecard
4.4.2 Durchdringung im Unternehmen
4.4.3 Qualitätsmanagement und Ergebnisdokumentation
4.4.4 Festlegung der Messgrößen und Zielwerte
4.5 Sicherstellung des kontinuierlichen Einsatzes der Balanced Scorecard
4.5.1 Integration der Balanced Scorecard in die Management- und Steuerungssysteme
4.5.2 Auswirkung auf das Führungsverhalten
4.5.3 Konzeptionelle und technische Integration in das Berichtswesen
5 Kritische Würdigung der Handlungsempfehlung
6 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, eine fundierte Handlungsanweisung zur Einführung und Implementierung der Balanced Scorecard (BSC) in einem Krankenhaus zu entwickeln. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie die BSC als strategisches Instrument genutzt werden kann, um den Bezug zwischen der übergeordneten Unternehmensstrategie und konkreten operativen Maßnahmen herzustellen und somit nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu sichern.
- Grundlagen von Kennzahlensystemen und deren Bedeutung für das Krankenhauscontrolling
- Konzept und Aufbau der Balanced Scorecard sowie deren vier Perspektiven
- Analyse der Ausgangslage und strategischen Ausgangsposition anhand des Beispiels "Klinikum Tannenwald"
- Prozesshafte Ableitung von Handlungsempfehlungen zur Implementierung unter Einbeziehung des Projektmanagements
- Kritische Würdigung der Chancen und Risiken einer Balanced Scorecard im Krankenhausmanagement
Auszug aus dem Buch
2.2.4 Ursache-Wirkungs-Beziehung der Balanced Scorecard
Eine effektive BSC ist eine zielgerichtete Aneinanderreihung finanzieller sowie nichtfinanzieller Kennzahlen; dazu müssen diese mit allen Perspektiven durch die Ursache-Wirkungs-Ketten in einen Kausalzusammenhang gebracht werden (vgl. Kaplan, Norton 2009: 57). Der Erfolg einer BSC als Managementsystem hängt im Wesentlichen von den geschaffenen Grundlagen ab, Rückmeldungen über die ausgewählte Organisationsstrategie des Krankenhauses zu erhalten, um in der Folge diese veränderten Bedingungen anzupassen oder durch neue zu ersetzen. Kaplan und Norton bezeichnen dies auch als Douple-Loop-Learing (vgl. Kaplan, Norton 1996: 7). Die Ursache-Wirkungskette beinhaltet Ziele und strategische Maßnahmen (Zielsystem), welche zur Realisierung der Vision und Unternehmensstrategie zu verfolgen sind. Die Voraussetzung für den Erfolg ist dabei die enge Verzahnung der vier Perspektiven sowie eine schlüssige Nachverfolgung der Mechanismen zur Zielerreichung (vgl. Greulich et al. 2005: 62).
Die Abbildung 6 zeigt eine Kette von Ursache-Wirkungs-Beziehungen durch die vier BSC-Perspektiven.
Entscheidend bei der Erstellung der Ursache-Wirkungs-Ketten ist der Kommunikationsprozess, der komplexe abteilungs- und bereichsübergreifende Zusammenhänge eines Krankenhauses deutlich macht. Die Führungskräfte sind durch eine exakte Artikulation der angestrebten Ergebnisse bestrebt, die Potenziale der Mitarbeiter der gesamten Einrichtung zur Realisierung langfristiger Ziele hin auszurichten. Folglich wird die Gesamtstrategie des Krankenhauses dadurch für Mitarbeiter in allen Bereichen transparent und nachvollziehbar (vgl. Kaplan, Norton 1997: 23). Die Tabelle 2 zeigt beispielhaft einen Auszug gängiger Methoden, um eine schlüssige Ursache-Wirkungs-Kette zu entwickeln bzw. herzuleiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die strategischen Herausforderungen moderner Krankenhäuser ein und stellt die Balanced Scorecard als Instrument zur ganzheitlichen Unternehmensführung vor, während es gleichzeitig den Aufbau der Arbeit definiert.
2 Theoretischer Begriffsrahmen von Kennzahlensystemen: Das Kapitel erläutert die Grundlagen von Kennzahlen und Controlling im Krankenhauskontext und führt in das Konzept der Balanced Scorecard sowie deren zentrale strategische Elemente ein.
3 Fallstudie: Klinikum Tannenwald: Auf Basis einer Bestandsaufnahme des fiktiven Klinikums Tannenwald werden Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken analysiert, um eine Basis für die strategische Neuausrichtung zu schaffen.
4 Handlungsempfehlungen zur Implementierung der Balanced Scorecard im Krankenhaus: Dieser Hauptteil beschreibt den methodischen Weg der Implementierung, von der Projektorganisation über die Klärung strategischer Grundlagen bis hin zur Entwicklung spezifischer Kennzahlen für die vier BSC-Perspektiven.
5 Kritische Würdigung der Handlungsempfehlung: Das Kapitel reflektiert die Stärken und Herausforderungen des BSC-Konzepts und hinterfragt die Umsetzbarkeit in der komplexen Realität des Krankenhausbetriebs.
6 Zusammenfassung und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bilanzierung der Ergebnisse und betont die Notwendigkeit einer nachhaltigen und durch das Personal getragenen Strategieimplementierung zur langfristigen Sicherung des Krankenhauses.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Krankenhausmanagement, Controlling, Strategieimplementierung, Kennzahlensysteme, Prozessorientierung, Ursache-Wirkungs-Kette, Strategische Ziele, Krankenhausfinanzierung, Qualitätsmanagement, Unternehmensführung, Stakeholder, Klinikum Tannenwald, Projektmanagement, Wettbewerbsvorteile.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der strategischen Führung von Krankenhäusern und beschreibt die Balanced Scorecard als ein effektives Instrument, um Visionen und Strategien in messbare Ziele zu übersetzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen betriebswirtschaftliche Kennzahlensysteme, strategische Planungsmethoden, Prozessoptimierung im Krankenhaus sowie das Change-Management bei der Implementierung neuer Managementsysteme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erstellung einer praktischen Handlungsanweisung zur Einführung und Umsetzung der Balanced Scorecard, um Krankenhäusern eine bessere Steuerung und langfristige wirtschaftliche Sicherung zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung der Literatur und verknüpft diese mit einer anwendungsbezogenen Fallstudie, um die theoretischen Konzepte auf die spezifischen Strukturen eines Krankenhauses zu übertragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturierte Anleitung zur Implementierung, die von der Projektplanung über die Definition strategischer Grundlagen bis zur Ausarbeitung der vier BSC-Perspektiven und der Integration in das Berichtswesen reicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wesentliche Begriffe sind die Balanced Scorecard, das Krankenhausmanagement, strategische Ziele, Kennzahlensysteme, Prozessmanagement und der kulturelle Wandel innerhalb einer Klinik.
Wie soll das Klinikum Tannenwald von der BSC profitieren?
Die Fallstudie zeigt auf, dass durch die BSC das Management in die Lage versetzt wird, interne Prozesse wie die Entlassungsplanung oder die Personalentwicklung mit klaren strategischen Zielen zu verknüpfen und so Effizienzverluste abzubauen.
Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur bei der Einführung der BSC?
Der Autor betont, dass bei der Implementierung ein kultureller Wandel notwendig ist; die BSC sollte nicht nur als reines Messinstrument, sondern als Führungssystem begriffen werden, das durch Kommunikation und Partizipation von den Mitarbeitern getragen wird.
- Arbeit zitieren
- Andreas Schober (Autor:in), 2014, Balanced Scorecard im Krankenhaus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302313