Die negative Erziehung bei Jean-Jacques Rousseau


Hausarbeit, 2015
13 Seiten, Note: 1,6
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufklärung
2.1. Gesellschaftspolitischer Hintergrund
2.2. Pädagogische Konzepte

3. Jean-Jacques Rousseau
3.1 Biografie
3.2 Emile – oder über die Erziehung

4. Negative Erziehung

5. Fazit

Literatur

1. Einleitung

„Die erste Erziehung muss also rein negativ sein.“[1]

Jean-Jacques Rousseau ist einer der bekanntesten Philosophen der Aufklärung,[2] und leitet mit diesen Worten das Kapitel zu seinem bedeutenden Konzept der negativen Erziehung in seinem Roman „Emile – oder über die Erziehung“ ein.[3]

Der Begriff der negativen Erziehung beschreibt dabei allgemein eine Erziehung, die nur indirekt, alleine durch das Fernhalten schädigender Einflüsse, in den Entwicklungsprozess eingreifen möchte.[4]

Für sein Konzept hat Jean-Jacques Rousseau sowohl Kritik, als auch begeisterte Zustimmung erfahren. Letztendlich steht aber fest, dass die Idee der Pädagogik mit ihm ihren Gipfelpunkt erreicht hatte.[5] Seine Pädagogik ist Grundlage für viele nachfolgenden Pädagogen und Pädagoginnen, denn er stellte erstmals das Kind und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt der Erziehung.[6]

„Wollte man alle Erzieher und Pädagogen aufzählen, die durch die Lehren Rousseaus beeinflusst worden sind, dann hätte man die Geschichte der ganzen modernen Pädagogik zu schreiben.“[7]

Im Folgenden soll das Erziehungskonzept der negativen Erziehung genauer erläutert werden. Hierbei werden zunächst der gesellschaftspolitische Hintergrund und einige wichtige pädagogische Konzepte der Aufklärung beschrieben, woraufhin es dann um Jean-Jacques Rousseau und sein pädagogisches Hauptwerk „Emile – oder über die Erziehung“ gehen soll. Darauffolgend wird dann das Konzept der negativen Erziehung erläutert und mit einem kurzen Fazit abgeschlossen.

2. Aufklärung

2.1. Gesellschaftspolitischer Hintergrund

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen."[8]

Dieses berühmte Zitat stammt von Immanuel Kant, dem wohl bekanntesten Vertreter der Aufklärung, und macht das zentrale Ziel der Epoche deutlich: ein glücklicheres Leben für alle Menschen, das auf Vernunft und dem Gebrauch des eigenen Verstandes basiert.[9]

Die Epoche der Aufklärung beginnt Ende des 17. Jahrhunderts und umfasst das gesamte 18. Jahrhundert, welches bis heute noch, aufgrund seiner Hinwendung zum Menschen, als das „pädagogische Jahrhundert“ bezeichnet wird.[10]

Im 17. Jahrhundert war Europa weitgehend absolutistisch. Sowohl die katholische, als auch die protestantische Kirche hatte sich mit dem Staat verbunden. Die damalige Ständegesellschaft, die aus dem privilegiertem Adel, dem Bürgertum und den Bauern bestand, war Staat und Kirche unterworfen und hatte keinerlei politischen Einfluss. Dies hatte zur Folge, dass verbreitet Unwissenheit und Aberglaube unter den Menschen herrschte. Erst im 18. Jahrhundert wurden dann, zunächst in Frankreich, diese Zustände vor allem vom Bürgertum kritisiert und Freiheit, Gleichheit und eine Trennung von Kirche und Staat gefordert. Die „Aufklärer“ wollten die Menschen über ihre politische und soziale Unterdrückung aufklären. Die Menschen sollten aufhören, auf das Jenseits zu warten und sich vor den späteren Folgen, also vor dem Fegefeuer und der Hölle, zu fürchten, so wie die Kirche es ihnen vorpredigte. Stattdessen sollte ihr Verstand darüber entscheiden, was richtig und was falsch ist und so sollten sie sich letztendlich selbst aus ihrer Unterdrückung befreien.[11]

2.2. Pädagogische Konzepte

Im Hinblick auf die Umsetzung dieser Ziele in der Pädagogik spielte unter anderen der englische Philosoph John Locke[12] eine bedeutende Rolle. Seine „Thoughts Concerning Education“ von 1693 hatten im 18. Jahrhundert weltweit großen Einfluss auf die Pädagogik und weckten einen gewaltigen Erziehungsoptimismus unter den Menschen. Ziel seines Werkes war es, die beste und unkomplizierteste Erziehungsmethode zu erarbeiten, um einen jungen, wohlerzogenen Gentleman aufzuziehen. Bezüglich eines tugendhaften Lebens war er eher gegen Vorschriften und Regeln. Stattdessen war er der Meinung, dass man durch Erfahrungen lernen sollte, wie man richtig handelt.[13]

Insgesamt beinhaltet sein Werk ein umfangreiches Angebot an Erziehungsratschlägen für sämtliche Situationen, bezieht sich allerdings nicht auf die Erziehung der Armen. Diese sollten nämlich, laut Locke, einfach in Arbeitsschulen untergebracht werden, damit sie der Gesellschaft nicht zur Last fallen können.[14]

In Deutschland kennzeichnete sich die Aufklärungspädagogik vor allem durch die Philanthropen[15] Johann Bernhard Basedow, Johann Heinrich Campe, Christian Gotthilf Salzmann, Ernst Christian Trapp und viele weitere. Sie wollten, unter der Führung von Campe, eine Reform der Erziehung und der Schule durchsetzen und somit die Welt verbessern. Die Philanthropen lehnten dabei die Erbsünde ab und waren der Meinung, dass das Böse aufgrund der mangelnden Disziplin der Menschen entstehe. Deshalb sollten die Menschen lernen, durch Vernunft tugendhaft zu handeln und machten somit Tugend zu einem brauchbaren und gemeinnützigen Erziehungsziel.[16]

Die Aufklärung war ein erster Schritt in Richtung der heutigen Pädagogik, dennoch ließ die Situation der Kinder zu dieser Zeit noch zu wünschen übrig. Zwar gab es bereits eine Schulpflicht, aber leider hatten die meisten Kinder keine Möglichkeit zur Schule zu gehen. Auch die vielen Schriften der mit neuen, fortschrittlichen Erziehungskonzepten wurden nicht wirklich durchgeführt. Stattdessen wurden die Kinder hart bestraft, wenn sie ihren Eltern nicht gehorchten und mussten schon früh arbeiten gehen.[17]

3. Jean-Jacques Rousseau

3.1 Biografie

Jean-Jacques Rousseau, geboren am 28. Juni 1712 in Genf, war Philosoph, Schriftsteller und Gesellschaftskritiker und ist bekannt dafür, ein ruheloses und oft sehr widersprüchliches Lebens geführt zu haben.[18] Man sagt, dass die Idee der Pädagogik mit ihm ihren Gipfelpunkt erreicht hat.[19]

Jean-Jacques Rousseau wuchs zunächst bei seinem Vater Isaac Rousseau auf, der von Beruf Uhrmacher war, da seine Mutter an den Folgen seiner Geburt verstorben war. Als dieser dann 1722 aufgrund eines Streits Genf verlassen musste, wuchs Rousseau zunächst bei seinem Onkel Gabriel Bernard auf bis er 1728 nach einem Ausflug nicht mehr dorthin zurückkehrte und letztendlich an Madame de Warens in Annecy geriet. Diese betreute zu dem Zeitpunkt konversionswillige Protestanten, weshalb auch Rousseau schon kurze Zeit später zum Katholizismus konvertierte.[20]

In den darauffolgenden Jahren besuchte er sowohl ein Priesterseminar, als auch eine Musikschule, und wanderte dann einige Jahre als Musiker durch die Schweiz und Frankreich. Als er dann 1731 zu Madame Warens zurückkehrte führte sie ihn in die Liebe ein und Rousseau lebte zunächst ein idyllisches Leben in Les Charmettes, bis er dann 1738 Depressionen bekam. Daraufhin beschloss er sich mit autodidaktischen Studien zu beschäftigen, woraufhin er vier Jahre später nach Paris zog, um sein fertiges Projekt bei der Academie Francaise einzureichen. Seine Idee, die bisherige Notenschrift durch Zahlen ersetzen, wurde allerdings abgelehnt.[21]

1743 wurde Rousseau Sekretär der französischen Botschaft. Dies weckte erstmals sein Interesse für die Politik. Im selben Jahr noch schloss er sich dem Pariser Literaten- und Künstlerkreis an und lernte Therese Levasseur kennen, mit der er später drei Kinder hatte.[22] Alle drei Kinder übergab er an ein Findelhaus und wurde dafür wiederholt kritisiert.[23]

In den folgenden Jahren veröffentlichte Rousseau dann seinen „Discours sur les science et les arts“ und er macht sich gleichzeitig als Notenkomponist selbstständig, womit er zunächst auch sehr erfolgreich war, bis er 1753 die Musikwelt mit seiner „Lettre sur la musique francaise“ schockierte. Rousseau kehrt daraufhin zunächst wieder nach Genf zurück.[24]

[...]


[1] Rousseau (1978). S. 72.

[2] Vgl. Schleutker (2004).

[3] Vgl. Rousseau (1978). S. 72.

[4] Vgl. Academic (2000-2014).

[5] Vgl. Böhm (2010). S. 67.

[6] Vgl. Roux/Schmiedt (2004). S.36.

[7] Davidson (1970). S. 241.

[8] Roux/Schmiedt (2004). zit. n. Immanuel Kant (1784). S. 29f.

[9] Vgl. Ebd.

[10] Vgl. Ebd.

[11] Vgl. Gymnasium Wildeshausen/Wolfgang Pohl. o.J.

[12] John Locke wurde 1632 in Wrington geboren und verstarb 1704 in in Oates. (Vgl. Roux/Schmiedt (2004). S. 31.)

[13] Vgl. Böhm (2010). S. 59f.

[14] Vgl. Ebd.

[15] Die Philanthropen sind benannt nach dem von Basedow gegründeten Philanthrop („menschenfreundliche Anstalt“) in Dessau (Vgl. Ebd. S. 65.)

[16] Vgl. Ebd. S. 65f.

[17] Vgl. Schleutker (2004).

[18] Vgl. Roux/Schmiedt (2004). S. 34.

[19] Vgl. Böhm (2010). S. 67.

[20] Vgl. Forschner (1977). S. 213-216.

[21] Vgl. Ebd.

[22] Vgl. Forschner (1977). S. 213-216.

[23] Vgl. Roux/Schmiedt (2004). S. 36.

[24] Vgl. Forschner (1977). S. 213-216.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die negative Erziehung bei Jean-Jacques Rousseau
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Seminar: Pädagogik der Aufklärung
Note
1,6
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V302758
ISBN (eBook)
9783668010109
ISBN (Buch)
9783668010116
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rousseau, negative Erziehung, Pädagogik, Aufklärung, Jean-Jacques Rousseau, Emile, Emile - oder über die Erziehung
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Anonym, 2015, Die negative Erziehung bei Jean-Jacques Rousseau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/302758

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