80% der deutschen Bevölkerung über dem 14ten Lebensjahr besitzen einen Internet-Zugang. Das Internet hat sich bei den meisten Menschen zu einem erweiterten Lebensraum entwickelt und es gibt kaum noch jemanden, der behaupten kann, nicht Mitglied eines sozialen Netzwerks zu sein. Das Teilen von privaten Fotos, Videos, Musikclips und anderen Vorlieben wird durch soziale Netzwerke ermöglicht und unterstützt. Xing, Twitter, Google+, und verschiedene Kontaktbörsen sind nur wenige bekannte Beispiele.
Aber das weltweit meist genutzte soziale Netzwerk ist Facebook. Die internationalen Nutzerzahlen liegen bei einer Milliarde. Und etwa 25 Mio. Nutzer sind allein in Deutschland registriert worden. Bei einer Einwohnerzahl von ca. 82 Mio. macht das 30% der Bevölkerung Deutschlands aus. Viele Menschen, die dieses Netzwerk nutzen, wissen jedoch nicht, dass Facebook ihre Daten für immer speichert, ggf. an Dritte weiterleitet, oder nutzt, um daraus Nutzungsprofile zu generieren und personalisierte Werbung zu schalten.
Die Währung, mit der man heutzutage im Internet bezahlt, sind personenbezogene Daten. Demzufolge häufen sich Negativmeldungen zum Thema Datenschutz und Wahrung des Persönlichkeitsrechts der Bürger Deutschlands. Die vorliegende Arbeit gibt einen strukturierten Überblick über die Themen Facebook und Datenschutz. Im Fokus steht dabei das Geschäftsmodell von Facebook. Die Autorin betrachtet dieses eingehend aus datenschutzrechtlicher Sicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Relevanz
1.2 Vorgehensweise der Arbeit
2. Das Geschäftsmodell von Facebook
2.1 Die Facebook Incorporated
2.1.1 Die Facebook Ireland Limited
2.1.2 Die Facebook Germany GmbH
2.2 Die Funktionen des sozialen Netzwerks
2.2.1 Nutzungs-, Schattenprofile und personalisierte Werbung
2.2.2 Der Social Plugin „Like-Button“
3. Datenschutzrechtliche Grundbegriffe
3.1 Deutsches Datenschutzrecht
3.2 Personenbezogene Daten
3.3 Automatisierte Verarbeitung
3.4 Einwilligung
4. Wo beginnt das Datenschutzproblem bei Social Plugins?
4.1 Übermittlung personenbezogener Daten in einen Drittstaat? Welches Recht findet Anwendung?
4.2 Erhebung und Verarbeitung personenbezogener Daten
4.2.1 Datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit des Webseitenbetreibers
4.2.2 Datenschutzrechtliche Verantwortlichkeit Facebooks
4.3 Erstellen von Nutzungsprofilen
4.3.1 Nutzungsprofil durch Like-Buttons
4.3.2 Nutzungsprofil durch Zustimmung von Dritten
4.4 Löschungspflicht
4.5 Lösungsvorschläge für datenschutzkonformes Verhalten
4.5.1 Lösungsvorschläge für Facebook
4.5.2 Lösungsvorschläge für Facebook-Nutzer
5. Urteil des LG Berlin vom 30.04.2013
5.1 Anwendbares Recht
5.2 Datenerhebung Dritter ohne deren Einwilligung
5.3 Datenweitergabe zu Werbezwecken
5.4 Globale Einwilligung
5.5 Zusammenführen von Nutzungsdaten mit anderen Informationen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Geschäftsmodell von Facebook aus datenschutzrechtlicher Sicht und analysiert kritisch, inwieweit die Praktiken des sozialen Netzwerks – insbesondere bei der Nutzung von Social Plugins und der Erstellung von Nutzer- sowie Schattenprofilen – gegen deutsche Rechtsvorschriften verstoßen.
- Analyse des Facebook-Geschäftsmodells und der Erhebung personenbezogener Daten.
- Untersuchung der datenschutzrechtlichen Verantwortlichkeit von Webseitenbetreibern bei der Einbindung von Social Plugins.
- Kritische Würdigung der Einwilligungspraktiken und Löschungspflichten bei Facebook.
- Vergleichende Analyse aktueller Rechtsprechung, insbesondere des Urteils des LG Berlin vom 30.04.2013.
- Entwicklung von Lösungsvorschlägen für ein datenschutzkonformes Verhalten von Facebook und dessen Nutzern.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Nutzungs-, Schattenprofile und personalisierte Werbung
Wie bereits erwähnt, hat Facebook alleine mit zielgerichteter Werbung 82% seines Umsatzes verbucht. Das Profil eines Nutzers ist ca. 100 € für Facebook wert. Doch wie funktioniert die zielgerichtete Werbung des sozialen Netzwerks: Durch das Sammeln der Daten, erstellt die Plattform im Hintergrund mit dem Analysewerkzeug Insights, Nutzungsprofile, zugeschnitten auf das Konsumverhalten jedes einzelnen Users. Gefällt-Mir Angaben, Besuche auf anderen Webseiten, die mit Facebook durch einen Social Plugin verbunden sind, Verweildauer auf den jeweiligen Seiten, Likes von Fanpages und vieles mehr geben einen Rückschluss auf das Konsumverhalten der Nutzer.
Durch die Verknüpfung der Cookies, die Facebook bei den Nutzern setzt und den Daten die der Nutzer bei der Registrierung eingegeben hat, sowie den oben genannten Daten, wird zugeschnitten auf die Vorlieben der Nutzer, personalisierte Werbung auf der Facebookseite platziert. Nicht selten wundern sich Nutzer in letzter Zeit, warum die eingeblendete Werbung so gut auf die eigenen Interessen passt. Soziale Netzwerke werden demnach als die Zukunft der Online-Werbung gesehen. Die Abbildung 1 soll die Erstellung eines Nutzungsprofils besser veranschaulichen:
Bei der Ziffer 1 hat der Nutzer (User) die Macht über sein Profil und kann selbst entscheiden, was er veröffentlicht, teilt oder löscht. Im zweiten Schritt saugt Facebook die Daten des Users auf und erstellt ein weiteres Profil, das analysiert und für personalisierte Werbung genutzt wird. Facebook sammelt angeblich selbst von Nichtnutzern Daten und erstellt sogenannte Schattenprofile. Max Schrems, ein 25 jähriger Jurastudent aus Wien hat als erster Interessent all seine Daten bei Facebook angefragt und eine CD mit 1222 Seiten Infomaterial zugesandt bekommen, aus welcher sich herausstellte, dass Facebook selbst nach dem Löschen, Daten vorrätig hält. Der Student hat mittlerweile 22 Beschwerden gegen den Konzern eingereicht und plant ein Verfahren gegen das Unternehmen einzuleiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die enorme Verbreitung von Facebook in Deutschland und die damit einhergehenden datenschutzrechtlichen Bedenken angesichts der personalisierten Werbung und Datenspeicherung.
2. Das Geschäftsmodell von Facebook: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Plattform sowie die Funktionsweise der Datenerhebung durch Features wie den Like-Button und die Erstellung von Nutzerprofilen.
3. Datenschutzrechtliche Grundbegriffe: Hier werden die relevanten Rechtsbegriffe und Grundlagen des deutschen Datenschutzes im Kontext des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung definiert.
4. Wo beginnt das Datenschutzproblem bei Social Plugins?: Dieses zentrale Kapitel analysiert die Rechtslage bezüglich der Datenübermittlung in Drittstaaten, die Verantwortlichkeit von Webseitenbetreibern und die Praxis der Schattenprofil-Erstellung.
5. Urteil des LG Berlin vom 30.04.2013: Anhand des Apple-Urteils wird geprüft, welche Parallelen zur Rechtspraxis von Facebook gezogen werden können und ob dortige Klauseln auch Facebook-Praktiken als rechtswidrig erscheinen lassen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine stärkere Regulierung durch den Gesetzgeber sowie eine höhere Sensibilisierung der Nutzer für Datenschutzthemen.
Schlüsselwörter
Facebook, Datenschutz, Soziale Netzwerke, Like-Button, Personenbezogene Daten, Nutzungsprofile, Schattenprofile, informationelle Selbstbestimmung, Rechtskonformität, Telemediengesetz, BDSG, Personalisierte Werbung, Internetrecht, Datenerhebung, Einwilligung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Geschäftsmodell von Facebook und dessen Vereinbarkeit mit den geltenden deutschen Datenschutzbestimmungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Datenerhebung durch Social Plugins, der Erstellung von Nutzer- und Schattenprofilen sowie der datenschutzrechtlichen Verantwortlichkeit von Webseitenbetreibern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob Facebook gegen deutsches Recht verstößt und ob neben dem Unternehmen selbst auch die Nutzer eine Mitverantwortung tragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine rechtswissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Gesetze, Rechtsprechung und aktuelle Literatur auswertet, um das Verhalten von Facebook datenschutzrechtlich zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den datenschutzrechtlichen Grundlagen insbesondere die Probleme bei Social Plugins, die Anwendbarkeit von Recht in Drittstaaten und Möglichkeiten für datenschutzkonformes Verhalten thematisiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Datenschutz, Facebook, personenbezogene Daten, Schattenprofile, Social Plugins, informationelle Selbstbestimmung und Rechtskonformität.
Wie bewertet die Autorin die Erstellung von Schattenprofilen?
Die Autorin sieht in der Erstellung von Schattenprofilen, insbesondere bei Nichtnutzern, einen massiven Datenmissbrauch und einen Verstoß gegen das Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung.
Welche Bedeutung hat das Urteil des LG Berlin für diese Arbeit?
Das Urteil gegen Apple dient als analoger Fall, um aufzuzeigen, wie bestimmte AGB-Klauseln und Praktiken zur Datenweitergabe rechtlich unzulässig sein könnten, wenn sie auf Facebook übertragen werden.
- Citar trabajo
- Alina Kuzei (Autor), 2013, Klaut Facebook unsere Daten? Das Geschäftsmodell des Sozialen Netzwerks aus datenschutzrechtlicher Sicht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/303881