Das Leben in einer Gesellschaft unterliegt diversen Übereinkünften, Kompromissen und Normen, ohne die ein Miteinander unter den Menschen nicht möglich wäre. Zwar finden immer wieder Grenzüberschreitungen, beispielsweise durch Kriege, Diebstähle und andere Vergehen, statt, doch handelt der Großteil der Bürger einer Gesellschaft nach bestimmten Prinzipien und Regeln, die letztlich dieses Zusammenleben ermöglichen. Betrachtet man die Gesellschaft, erwächst zugleich die Frage, wie der Terminus Gerechtigkeit definiert wird und was diese ausmacht.
In dieser Hinsicht bezieht sich die vorliegende Arbeit auf die Gerechtigkeitskonzeptionen in Thomas Hobbes‘ "De Cive" (1642) sowie seinem "Leviathan" (1651) und auf Jean-Jacques Rousseaus "Diskurs über die Ungleichheit" (1750) und seinen "Contrat social ou principles du droit politique" (1754).
Knapp 100 Jahre liegen zwischen Hobbes (1588-1679) und Rousseau (1712-1778). Sie beide verbindet das Zeitalter der Aufklärung, mit dem der Gebrauch der Vernunft in der Philosophie grundsätzlich als „die eigenständige Leistung des denkenden Individuums“ verstanden wird . Das 17. Jahrhundert bringt für England einige Veränderungen mit sich . Der Thirty Years War (1618-1648) und der Civil War (1649-1659) halten Einzug in das Leben Britanniens und bewirken die Gründung der ersten Republik Englands unter Oliver Cromwell, die selbst nur rund 11 Jahre andauerte . England hatte seitdem wieder eine Monarchie unter Charles II.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thomas Hobbes
2.1 Der Naturzustand als Kriegszustand
2.2 Der Gesellschaftsvertrag als Notwendigkeit
2.3 Die Rolle des Souveräns
3. Jean-Jacques Rousseau
3.1 Der Naturzustand und der Ursprung der Ungleichheit
3.2 Kulturzustand
3.3 Der Contrat social
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Gerechtigkeitskonzeptionen von Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau im Kontext ihrer jeweiligen Staatsphilosophien und analysiert deren Relevanz für moderne Gesellschaften.
- Vergleich der anthropologischen Grundlagen bei Hobbes und Rousseau.
- Analyse der Transformation vom Naturzustand zum Gesellschaftsvertrag.
- Untersuchung der Rolle und Legitimation souveräner Macht.
- Kritische Reflexion der Gerechtigkeitsbegriffe vor dem Hintergrund zeitgenössischer gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Naturzustand als Kriegszustand
Vor dem historischen Hintergrund der Bürgerkriege und der sozialen Umbrüche im England des 17. und 18 Jahrhunderts verfasst Thomas Hobbes seine Werke De Cive und den Leviathan. Als Grundlage für die dortigen Gerechtigkeitskonzeptionen führt Hobbes zunächst anthropologische Betrachtungen an, die den Menschen in Hinblick auf seine Natur darstellen. Viele Ansichten über die Natur des Menschen, den Naturzustand und den Gesellschaftsvertrag lassen sich in beiden Werken gleichermaßen finden. Im ersten Teil seines Leviathan geht er auf die grundlegendsten Fähigkeiten des Menschen ein: seine Empfindungen, sein Vorstellungsvermögen oder die Fähigkeit zur Kommunikation mittels einer Sprache.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die thematische Relevanz von Gerechtigkeit und Vorstellung der untersuchten Werke von Hobbes und Rousseau.
2. Thomas Hobbes: Analyse der anthropologischen Grundannahmen von Hobbes und Beschreibung des Naturzustands als Kriegszustand, der die Notwendigkeit eines souveränen Staates begründet.
2.1 Der Naturzustand als Kriegszustand: Detaillierte Untersuchung des Menschenbildes bei Hobbes und der Entstehung des Krieges aller gegen alle durch Konkurrenz, Unsicherheit und Ruhmsucht.
2.2 Der Gesellschaftsvertrag als Notwendigkeit: Erörterung des Übergangs vom Naturzustand zum Gesellschaftsvertrag basierend auf Naturrechten und Naturgesetzen zur Friedenssicherung.
2.3 Die Rolle des Souveräns: Beschreibung der Funktion und Machtbefugnisse des souveränen Herrschers als Garant für Frieden und Sicherheit im Gemeinwesen.
3. Jean-Jacques Rousseau: Kontrastierung des Rousseau’schen Menschenbildes mit jenem von Hobbes und Untersuchung seiner Sicht auf den Ursprung der Ungleichheit.
3.1 Der Naturzustand und der Ursprung der Ungleichheit: Analyse der Trennung zwischen physischen und moralischen Eigenschaften des Menschen sowie der Kritik an der Zivilisation.
3.2 Kulturzustand: Untersuchung der negativen Auswirkungen der gesellschaftlichen Entwicklung und der Entstehung von Ungleichheit durch Zivilisation und Privateigentum.
3.3 Der Contrat social: Darstellung des Modells eines Gesellschaftsvertrages bei Rousseau, der auf der Autonomie des Bürgers und dem allgemeinen Willen basiert.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Gerechtigkeitskonzeptionen und deren heutige Relevanz sowie der anhaltenden Herausforderungen bei der Umsetzung von Gerechtigkeit.
Schlüsselwörter
Gerechtigkeit, Thomas Hobbes, Jean-Jacques Rousseau, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Leviathan, Contrat social, Souveränität, Ungleichheit, Menschenbild, Politische Philosophie, Aufklärung, Friedenssicherung, Staatstheorie, Gemeinwesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Gerechtigkeitskonzeptionen von Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau und vergleicht ihre Ansätze zur Legitimierung politischer Herrschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören der Naturzustand, der Gesellschaftsvertrag, das Menschenbild, die Entstehung sozialer Ungleichheit und die Rolle der Staatsgewalt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Konzepte von Hobbes und Rousseau zu analysieren und ihre Anwendbarkeit bzw. Relevanz für moderne Gerechtigkeitsvorstellungen zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textbasierte, vergleichende Analyse der Primärquellen (insb. Leviathan, De Cive, Discours sur l’inégalité, Contrat social) unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Theorien von Hobbes und Rousseau, unterteilt in deren Anthropologie, ihre Staatsverträge und die Rolle der Herrschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Gerechtigkeit, Gesellschaftsvertrag, Souveränität, Naturzustand und Politische Philosophie beschreiben.
Wie unterscheidet sich der Naturzustand bei Hobbes von dem bei Rousseau?
Hobbes sieht den Naturzustand als einen Kriegszustand geprägt von Misstrauen und Angst, während Rousseau den Menschen als von Natur aus gut und isoliert beschreibt, dessen Leiden erst durch die zivilisatorische Vergesellschaftung künstlich erzeugt werden.
Was ist das zentrale Problem des modernen Staates laut Rousseau?
Rousseau sieht das Problem in der Legitimation der Herrschaft, die nur dann gerechtfertigt ist, wenn sie auf dem freien Willen der Bürger (dem Gemeinwillen) basiert, anstatt auf der reinen Unterwerfung unter einen absolutistischen Herrscher.
- Citation du texte
- Kathrin Peschel (Auteur), 2015, Gerechtigkeitskonzeptionen bei Hobbes und Rousseau und ihre aktuelle Bedeutung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/304489