In privater Trägerschaft geführte, wie auch in öffentlich-staatlicher Trägerschaft stehende Krankenhäuser sehen sich zunehmend einem steigendem Kostendruck und durch Reformen sowie Neuregelungen geänderten Rahmenbedingungen ausgesetzt, die mitunter die Wirtschaftlichkeit vieler Krankenhäuser bedrängt und in Frage stellt. Schon jetzt stehen viele Häuser vor dem Problem, Ihre Infrastruktur durch entsprechende Belegungszahlen wirtschaftlich auszulasten. Auf der anderen Seite hat sich in den letzten Jahren auch das eigene Selbstverständnis von Patienten und Kunden und deren Einstellung sowie deren Anspruchsdenken insbesondere gegenüber Konsumprodukten, jedoch auch gegenüber Dienstleistungen, stark verändert, und manifestiert sich vielfach in einem gesteigerten Selbstbewusstsein, sowie größerer Erwartungshaltung gegenüber dem Dienstleistungsanbieter.
Krankenhäuser sehen ihr Leistungsangebot also zwei zentralen, konträren Ansprüchen ausgesetzt, auf der einen Seite den sich momentan dynamisch verändernden rechtlich-institutionellen Rahmenbedingungen und auf der anderen Seite den veränderten Erwartungshaltungen der Patienten, bzw. Konsumenten. Das Konzept der Erlebnisorientierung in Krankenhäusern könnte eine mögliche Lösung darstellen, diesen Ansprüchen adäquat zu begegnen und diese auszugleichen. In der folgenden Hausarbeit soll aus diesem Grund die Erlebnisorientierung mit ihren verschiedenen Möglichkeiten und gegebenen Grenzen dargestellt werden, um zu analysieren, ob ein Erlebnismarketing- und Erlebnisorientierungskonzept in Krankenhäusern eine sinnvolle und durchführbare Möglichkeit darstellt, auch in Zukunft die Wirtschaftlichkeit im Betrieb und die Bedürfnisse der Patienten optimal aufeinander abzustimmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemaufriss
2. Begriffsdefinitionen
2.1 Begriffsdefinition „Krankenhaus“
2.2 Begriffsdefinition „Erlebnisorientierung“
3. Zielsetzungen und Funktion von Erlebnisorientierung im Krankenhaus
4. Ansätze und Möglichkeiten von Erlebnisorientierung im Krankenhaus
4.1 Infrastruktur
4.2 Serviceangebot im Krankenhaus
4.3 Ergänzende Dienstleistungen/ value-adding activities
5. Grenzen von Erlebnisorientierung im Krankenhaus
5.1 Betriebswirtschaftliche Grenzen
5.2 Ethisch-moralische Grenzen
5.3 Rechtlich-institutionelle Grenzen
6. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Erlebnisorientierung als strategischen Ansatz in Krankenhäusern, um trotz steigenden Kostendrucks und veränderter Rahmenbedingungen die Patientenzufriedenheit zu erhöhen und einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu generieren.
- Analyse der Notwendigkeit von Erlebnisorientierung im Gesundheitswesen
- Differenzierung der Erlebnisbereiche: Infrastruktur, Serviceangebot und Zusatzdienstleistungen
- Untersuchung betriebswirtschaftlicher, ethischer und rechtlicher Grenzen
- Evaluation von Praxisbeispielen zur Umsetzung erlebnisorientierter Maßnahmen
Auszug aus dem Buch
4.1 Infrastruktur
Der Bereich der Infrastruktur stellt einen sehr wichtigen Teil in der Krankenhausgestaltung dar, um die Erlebnisorientierung im Krankenhaus zu erreichen. In diesem Bereich lassen sich alle erlebnisfördernden Maßnahmen zusammenfassen, die mit der Architektur, baulichen Gestaltung, künstlerisch ästhetischen Aufbereitung von Gebäudeteilen und tangiblen Ausstattung und Inneneinrichtung des Krankenhauses verbunden werden können.
Gerade im Bereich der künstlerischen Gestaltung von meist stark funktional geprägter Krankenhausarchitektur und Infrastruktur ergeben sich für ein Krankenhaus zahlreiche, mitunter auch mit wenig finanziellem Aufwand realisierbare, Möglichkeiten, nüchterne und triste Bereiche im Krankenhaus in eine künstlerische Erlebniswelt zu konvertieren. Ein besonders kreatives Projekt hat sich in diesem Rahmen im Jahre 1998 das Harlachinger Krankenhaus in München einfallen lassen. Hier wurde ein 120 Meter langer unterirdischer Versorgungsweg zwischen zwei Gebäudekomplexen unter Anleitung eines Kunsttherapeuten und Malers von Patienten, Kranhauspersonal und anderen Außenstehenden mit 88 von innen beleuchteten Werken in einen „Sternengang“ umgestaltet. Der vormals traurige und dunkle Versorgungsgang wurde so in einer aufwändigen Aktion unter Schirmherrschaft des Münchener Bürgermeisters und mit Hilfe von Sponsorengeldern neu gestaltet, und erlaubte es vor allen den teilnehmenden Patienten ihre Selbstheilungskräfte zu erproben und an einem aktiven Erlebnis mit hohem Involvement teilzunehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemaufriss: Beschreibt den wachsenden Kostendruck und das veränderte Anspruchsdenken der Patienten als Ausgangslage für die Notwendigkeit neuer Dienstleistungskonzepte.
2. Begriffsdefinitionen: Legt die wissenschaftliche Basis durch die Definition der zentralen Begriffe „Krankenhaus“ und „Erlebnisorientierung“ fest.
3. Zielsetzungen und Funktion von Erlebnisorientierung im Krankenhaus: Erläutert die strategische Notwendigkeit der Kundenorientierung zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und Auslastung.
4. Ansätze und Möglichkeiten von Erlebnisorientierung im Krankenhaus: Detailliert konkrete Anwendungsbereiche wie bauliche Gestaltung, Serviceangebote und ergänzende Zusatzleistungen.
5. Grenzen von Erlebnisorientierung im Krankenhaus: Reflektiert die betriebswirtschaftlichen, ethisch-moralischen und rechtlichen Restriktionen bei der Implementierung solcher Konzepte.
6. Fazit: Resümiert, dass Erlebnisorientierung bei ganzheitlicher Integration eine sinnvolle Strategie zur Steigerung der Wettbewerbsposition darstellt.
Schlüsselwörter
Erlebnisorientierung, Krankenhausmanagement, Patientenzufriedenheit, Dienstleistungsmanagement, Wettbewerbsvorteil, Infrastruktur, Serviceangebot, Gesundheitswesen, Kundenorientierung, Value-adding Activities, Patientenbindung, Krankenhausmarketing.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie das betriebswirtschaftliche Konzept der Erlebnisorientierung auf den Krankenhausbetrieb übertragen werden kann, um die Patientenzufriedenheit und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die bauliche Infrastruktur, spezifische Serviceangebote für Patienten sowie ergänzende Dienstleistungen (Value-adding Activities) im Klinikalltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse, ob Erlebnismarketing im Krankenhaus eine sinnvolle und durchführbare Methode ist, um die Wirtschaftlichkeit der Einrichtung mit den Bedürfnissen der Patienten in Einklang zu bringen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse unter Einbeziehung von Modellen des Dienstleistungsmanagements und konkreter Fallbeispiele aus der Praxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Grundlagen, die Identifikation von Umsetzungsmöglichkeiten in drei Kernbereichen sowie die kritische Reflexion der Grenzen (betriebswirtschaftlich, ethisch, rechtlich).
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit ist stark geprägt durch Begriffe wie Erlebnisorientierung, Patientenorientierung, Krankenhausmanagement und Wettbewerbsdifferenzierung.
Wie gehen Krankenhäuser mit der Grenze der medizinischen Kernaufgabe um?
Die Arbeit betont, dass Erlebnisorientierung nur als Ergänzung zu verstehen ist; die medizinische und pflegerische Behandlung muss stets im Zentrum stehen, um juristische und ethische Risiken zu vermeiden.
Warum spielt die Infrastruktur eine so zentrale Rolle für die Erlebnisorientierung?
Die Architektur und Gestaltung von Räumen bilden den unmittelbaren Kontext, in dem Patienten ihren Aufenthalt wahrnehmen; eine bewusste Umgestaltung kann triste Klinikbereiche in eine positive Erlebniswelt verwandeln.
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- Nils Löber (Author), 2003, Erlebnisorientierung im Krankenhaus - Ansätze und Grenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/30625