Kreativ zur Ruhe kommen. Unterstützung der Kreativität durch prozessorientierte Angebote (7. Klasse Förderschule)

„Ich tauch‘ ab in die Welt der Farben“


Studienarbeit, 2013

31 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Begründung über die Wahl des Themas
1.2. Zielsetzung
1.3. Überblick - fachliches Vorgehen

2. Der theoretische Bezugsrahmen
2.1. Bedeutung von Kreativität
2.2. Was ist Kunst?
2.3. ProzessorientiertesArbeiten
2.4. Produktorientiertes Arbeiten
2.5. Zeichenentwicklung des Kindes und Jugendlichen

4. Schlussteil/ Ausblick

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

1.1. Begründung zur Wahl des Themas

Ich bin in der Zeit vom 07.08.2012 bis einschließlich dem 28.05.2013 im Rahmen eines Praktikums für die Erzieherausbildung in der Förderschule H.. Dort betreue ich die Klassen 7, 8 und 9. Die meisten Schüler haben große Konzentrationsschwächen und sind sehr unruhig. Aus meinen Beobachtungen entnehme ich, dass die beiden Jugendlichen, die ich für meine Angebotsreihe auswähle, ein großes Bedürfnis haben, sich künstlerisch frei zu entfalten und nach einer „Auszeit“ suchen, wobei sie dies zum Teil in der Klasse nicht umsetzen können. Die beiden Schüler lieben es, zu malen und zu zeichnen. Daraus kommt mir die Idee, den beiden Schülern (von der 7. Klasse) Möglichkeiten aufzuzeigen, sie auf diesem Wege in ihrer Kreativität zu unterstützen und sie dadurch zur Ruhe kommen zu lassen. Kunst ist ein besonderes Thema für mich. Nachdem ich mich viel mit diesem Thema auseinandergesetzt habe, habe ich mich entschieden meine Facharbeit darüber zu schreiben. Es ist ein sehr interessantes Thema, weil man durch die Kunst viele Informationen über die Psyche eines Kindes erhält, z. B. durch die freie und spontane Zeichnung. Deshalb hat die Kinderzeichnung eine bedeutende Funktion in der Forschung. Für mich ist wichtig, dassjedes Kind undjeder Jugendliche das Recht auf eine kreative Unterstützung hat, vor allem bei belastenden und risikohaften Lebensbedingungen zur Sicherung seiner eigenen Ressourcen und seelischen Gesundheit. Die Zeichnung verrät nicht nur etwas über die Psyche des Künstlers, sondern ermöglicht einen Blick auf die individuellen Fähigkeiten. Wenn man den Jugendlichen im kreativen Bereich unterstützt, gibt man ihm die Möglichkeit auf seine zeichnerische Entwicklung für die Entwicklung seiner kreativen Fähigkeiten aufzubauen, die auch bedeutend sind.

1.2. Allgemeine Zielsetzung

Zunächst muss ich erwähnen, dass Malen und Gestalten mit Freude verbunden ist. Aus diesem Grunde arbeite ich gerne im kreativen Bereich. Kreativität verleiht Ausdruck, lässt das Kunststück von anderen Betrachtern unterschiedlich deuten oder wahrnehmen. Kreative Arbeit ist eine schöpferische Fähigkeit, bei der man sich frei entfalten kann. Deshalb liegt mein Schwerpunkt auf prozessorientiertem Gestalten. Der Focus liegt nicht auf einem vorgegebenen „perfekten Ergebnis“ eines Bildes, sondern eher auf der künstlerischen und kreativen Entfaltung eines Individuums. (Und ehrlich gesagt, in der Kunst gibt es kein „richtig“ oder „falsch“, somit istjedes künstlerische Produkt ein einzigartiges Ergebnis). Die Entwicklung von Fantasie und Vorstellungskraft haben für die Pädagogik eine große Bedeutung, ebenso wie freies, spontanes Malen und Experimentieren und Ausprobieren. Mein weiteres Ziel ist das Experimentieren mit Farben und unterschiedliche Anwendung von Techniken zu vermitteln. Dabei sollen die Schüler zur Ruhe kommen. Durch prozessorientiertes Gestalten und des bildnerischen Prozesses (und seines Produkts) entsteht ein Prozess des inneren Gleichgewichts, das injedem Fall auf die Psyche wirkt. Hier wird nicht nur die Kreativität der Schüler unterstützt, sondern der Prozess des „zur Ruhe kommen“ dahin geführt und begleitet. Ich biete den Schülern ein pädagogisches Angebot, bei dem sie die Möglichkeit erhalten, sich auf der Basis ihrer Ressourcen kreativ zu erweitern, gelassener für einen Moment sind, aus dem stressigen Alltag entfliehen, um so wieder innere Kraft tanken zu können. Die Schüler können frei entscheiden, was sie zu Papier bringen möchten und vor allem wie. Ich gebe nur Hilfestellung, begleite sie und bin für sie ansprechbar. Den Schülern möchte ich deutlich machen, dass sie sich vor allem beim Prozess des Gestaltens sich individuell ausdrücken können und nicht das Produkt im Mittelpunkt des Geschehens steht, sondern die Aktion, das Erschaffen an sich. Die Schüler machen die Erfahrung „frei“ zu sein, sich nicht unter Druck gesetzt zu fühlen und sich einfach ausprobieren zu dürfen und dabei Spaß zu haben. Die Schüler reflektieren über ihre eigene Vorgehensweise und dürfen über ihre Ergebnisse erzählen, z.B. wie sie sich dabei gefühlt haben, ob sie so etwas zu Hause wieder gestalten würden usw. Ich lege viel Wert auf die eigene Reflexion, weil die eigene Erfahrung bewusst verarbeitet und das eigene Verhalten kritisch hinterfragt wird, sowie positive Lernerfahrungen und zukünftiges Handeln sich entwickeln.

1.3. Überblick - fachliches Vorgehen

Sämtliche Ausarbeitungen beziehen sich auf zwei Jugendliche. Im Rahmen dieser Facharbeit sind die erwähnten Namen verändert. Die Beschreibung der Kernelemente der Kreativität und die Erläuterung der theoretischen Bezugsrahmen sowie praktischer Teil sind grundlegende Bestandteile dieser Facharbeit. Im ersten Teil stehen der theoretische Bezugsrahmen und methodische Aspekte im Vordergrund. Zunächst werden die Begriffe Kreativität, Kunst, prozess- und produktorientiertes Arbeiten näher beschrieben und anschließend auf die Zeichenentwicklung des Kindes und Jugendlichen eingegangen. Im zweiten Teil steht der praktische Teil im Vordergrund. Ich mache Angaben zur Praxis, beschreibe die Angebotsreihe und die Ziele sowie methodische Überlegungen. Der dritte Teil wird dem Lernfortschritt und dem Ergebnis gewidmet. Meine Eindrücke während des Vorhabens und Reflexion werden festgehalten. Es folgt eine kurze Zusammenfassung und darauf bezogen werden anknüpfende weiterführende Fragen in Form eines Ausblicks angeführt.

2. Der theoretische Bezugsrahmen

In diesem Abschnitt werde ich den Begriff Kreativität näher beschreiben sowie weitere Begrifflichkeiten von Kunst, prozess- und produktorientiertes Arbeiten erläutern. Durch diese kurze Auseinandersetzung soll ein Grundverständnis aufgebaut werden. Anschließend beschreibe ich die Zeichenentwicklung des Kindes und schwerpunktmäßig des Jugendlichen, damit ich später auf mein Ziel zurückgreifen kann.

2.1. Bedeutung von Kreativität

Kreativität ist ein Wort, dass aus dem lateinischen stammt „creare“ und heißt,,[...] schaffen, erschaffen, zeugen, gebären. [,..]“.1 Diese Wortbedeutung gibt einen Hinweis darauf, dass Kreativität etwas „Schöpferisches“ mit sich trägt. Schöpfung bedeutet, dass etwas erschaffen wird, was vorher nicht vorhanden war.2

Kreativität ist ein Merkmal, dass man nicht einfach so beschreiben kann. Sie ist mit dem Begriff„Fantasie“ eng verknüpft und in der praktischen Durchführung eine umgesetzte Fantasie, in der alles möglich ist. Kreativität bietet die Möglichkeit aus unterschiedlichen Bereichen mit zahlreichen (vielen) Dingen etwas entstehen zu lassen.3

Kreativität bedeutet auch, aus seinen Fähigkeiten und angeeigneten Informationen und Erfahrungen heraus etwas Neues, was es noch nicht gibt, zu erschaffen und für den kreativen Erfinder neu ist. Kreativität weist vier bestimmte Merkmale auf: 1. Problemsensitivität, das bedeutet, dass man sich als kreativer Mensch eine bestimmte Aufgabe vornimmt, die man bewältigen will. 2. Ideenflüssigkeit und Fantasie sind Eigenschaften die mit bestimmter Vorstellungskraft und Visionen entwickelt werden. 3. Optimismus und Flexibilität sind positive Überzeugungen von sich selbst, die ausgesuchte Aufgabe bewältigen zu können. Man kann somit die Ideen anderer oder auch neue Entwicklungen für seine Kreativität mit einbeziehen. 4. Sachlogik und Kombinationsgabe bedeutet, dass man analytische Fähigkeiten besitzt und dafür offen ist, viele Aspekte einzubeziehen.4

Nach Rudolf Seitz (Kunstpädagoge), gibt es 4 unterschiedliche kreative Prozesse, die durchlaufen werden: 1. Die Problemphase: Es gibt ein Problem, für das nach einer Lösung gesucht wird. Wenn es an künstlerischem Ausdruck fehlt oder nach Emotionen gesucht wird, so stellt dies ein Problem dar, das Gesuchte zu finden. 2. Die Suchphase: Das gesamte Wissen, Erfahrungen und bekannte Informationen werden für die neue Erschaffung nach möglichen Kombinationen ausprobiert. Die Phase kann schnell durchlaufen sein oder es kann auch ein längerer Prozess erfolgen, wenn der Versuch nicht ein Irrtum zu sein scheint. 3. Die Lösungsphase: Neue Ideen und Gedanken sowie neue Formen und Sichtweisen für die Erstellung neuer Zusammenhänge und Beziehungen werden entwickelt. 4. Die Verwirklichungsphase: In dieser Phase wird der Prozess in die Tat umgesetzt und wird sichtbar gemacht.5

2.2. Was ist Kunst?

Der Begriff Kunst ist schwierig definierbar, da es unterschiedliche Definitionen und Interpretationen gibt. Prof. em. Dr. Claus Tiedemann aus der Uni-Hamburg definiert Kunst folgendermaßen: „Kunst ist ein kulturelles Tätigkeitsfeld, in dem Menschen sich aufgrund ihrer Begabung, Fähigkeiten und Fertigkeiten bemühen, ihre Gefühle und Gedanken durch ein selbst geschaffenes Werk oder durch eine Handlung auszudrücken. Besteht der Ausdruck in einem Werk (Gegenstand, Gebilde), das nach seiner Vollendung auch andere Menschen sinnlich wahrnehmen können, wird dieses Tätigkeitsfeld "bildende" Kunst genannt; besteht der Ausdruck in einer Handlung, ist er also an die leibliche Präsenz des Künstlers gebunden, wird es "darstellende" Kunst genannt.“6

Kunst existiert seit Jahrhunderten, sie verändert sich ständig in unterschiedlichen begrifflichen Bedeutungen. Jedoch bringt Kunst etwas Schöpferisches, Innovatives und Kreatives sowie bei der Ausübung experimentelle Veränderungen mit sich und man kann seine eigenen Grenzen überschreiten. Jeder Betrachter interpretiert Kunst anders, deshalb gibt es keine eindeutige Definition. Beschreibungen wie z.B. Kunst ist, was Künstler erschaffen oder Kunst sei Sammlungen von künstlerischen Werken usw. sind unterschiedliche Meinungen der Menschen. Spontanes Malen, explosive Spontanität oder bestimmte Ausdrucksformen verstehen sich als Kunst. Dies findet man auch bei Kinderbildern wieder.7

2.3. Prozessorientiertes Arbeiten

Beim prozessorientierten Arbeiten steht der Aspekt zum selbst geplanten, eigenständig erworbenem Wissen im Vordergrund. Bedeutend ist der Weg, (also der Prozess des Gestaltens) dorthin und nicht das sichtbare Endergebnis bzw. Endprodukt.8

Die Erfahrungen, die während des Prozess gemacht werden, sind bedeutend, selbst wenn kein Endprodukt hergestellt ist, weil es beispielsweise vom Kind zerstört wird. Die Kinder haben die Möglichkeit aus eigenem Interesse, sich durch Motivation und Selbstbestimmung mit diversen Materialien im Gestaltungsprozess auseinanderzusetzen. Die Kinder bestimmen ihren eigenen Lernprozess. Durch prozessorientiertes Arbeiten werden bestimmte Fähigkeiten gestärkt: Beim Individuellen Ausdruck werden Gedanken und Gefühle durch das Gestalten verarbeitet. In der Identitätsfindung wird durch Unterstützung der individuelle Ausdruck mit eigenem Stil und nach eigenen Wünschen ausprobiert. Durch Raum und Zeit und ohne Druck darf das Kind selbst bestimmen, wie lange es an seinem Bild malen möchte und wann es fertig ist. Gestärkt wird das Kind mit Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, indem es stolz sein kann, etwas Eigenes erschaffen zu haben. Durch individuelles Experimentieren mit unterschiedlichen Materialien kann sich das Kind viele Erfahrungen und Informationen aneignen. Grenzerfahrungen werden durch Ausprobieren und Experimentieren gestärkt, bei dem das Kind seine eigenen Grenzen erfährt und auch erweitert. Auch die Frustrationstoleranz wird gestärkt, indem das Kind mit Frustrationen umgehen lernt und Krisen aushält, aber auch neue Lösungen suchen. Durch den Umgang mit Krisen und Frustrationen kann das Kind sich neu orientieren und nach neuen Lösungen finden, denn aus Fehlern entstehen neue Möglichkeiten. Durch prozessorientiertes Arbeiten können alle möglichen Materialien eingesetzt werden, die die Wahrnehmung mit allen Sinnen unterstützen. Während des prozessorientierten Gestaltens wird die Selbstständigkeit bei der Entscheidungsfindung unterstützt, indem das Kind beispielsweise aus eigener Vorstellung eines Hundes die Farbe Blau wählt und sich vorstellt, dass dieser in einen Farbeimer gefallen ist. Beim prozessorientierten Arbeiten wird das Kind nicht dem Druck ausgesetzt, bestimmte Leistungsanforderungen zu machen. Deshalb kann das Kind sich frei entfalten und so Freude und Entspannung beim Gestalten entwickeln. Zudem können die Kinder durch Austausch oder gemeinsam gemalte Bilder neue soziale Kontakte aufbauen. Innere, wertschätzende Selbstkommunikation und die Kommunikation mit anderen wird durch unterschiedliche Gestaltungsprozesse gegeben.

Auch Entdeckungsimpulse werden gegeben, wenn die Kinder neugierig auf die Umwelt sind und sich mit dieser auseinandersetzen wollen.9

2.4. Produktorientiertes Arbeiten

Beim produktorientierten Arbeiten liegt der Focus auf dem Endprodukt mit fester Zielvorgabe. Bei der Gestaltungsaktion soll am Ende etwas Schönes herauskommen. Das Ergebnis sollte möglichst ansprechend, schön und fürjeden erkennbar sein. Beispielsweise werden Einladungskarten mit Schablonen hergestellt oder ein Blumentopf aus Ton usw. Das vorgegebene Ergebnis verfolgt das Ziel mit einem fest umrissenen Ergebnis. Dabei müssen von den Kindern Material, Technik und die Anleitung für die einzelnen Schritte genauestens befolgt werden, sonst entsteht ein anderes Ergebnis, z. B. sollen die Kinder eine bestimmte Laterne nach Anleitung bauen. Folgt man nicht dieser Bauanleitung, entsteht eine andere Laterne. Um das Ziel zu erreichen genau diese Laterne zu bauen, muss eine präzise Beschreibung erfolgen, wie genau das Ergebnis am Ende aussehen soll. Die Kinder müssen sich an diese Vorgabe halten, damit das Ergebnis exakt erreicht wird, wie in der Bauanleitung. Die Kinder lernen verschiedene Techniken kennen durch Zusehen und Nachahmen. Ab dem Grundschulalter wollen die meisten Kinder nach einem bestimmten Ergebnis arbeiten, was für sie am Ende nützlich ist. Bereits in diesem Alter besitzen die Kinder bestimmte Fähigkeiten, um präzise zu arbeiten und bestimmte Arbeitsschritte verfolgen zu können. Durch produktorientiertes Arbeiten lernen die Kinder Ausdauer (nämlich ein Produkt fertigzustellen) und sich an bestimmte Regeln und Arbeitsabläufe zu halten. Dadurch wird das Selbstbewusstsein gestärkt und am Ende kann das Kind stolz auf das erzielte Produkt sein. Beim produktorientierten Gestalten bestimmen die Kinder nicht selbst ihren Bildungsprozess und können nicht individuell arbeiten. In der Lernforschung wird belegt, dass Kinder ihre Kompetenzen durch selbstbestimmtes Lernen am besten entwickeln und festigen.10 Man sollte beachten, dass man nicht monoton auf die Arbeit mit produktorientiertem Gestalten zurückgreift. Diesen Aspekt werde ich im Schlussteil/Ausblick näher erläutern.

2.5. Zeichenentwicklung des Kindes und Jugendlichen

Hier beschreibe ich kurz die kindliche Zeichenentwicklung mit dem Übergang auf die Jugendzeichnung, dabei soll der Schwerpunkt auf die Zeichenentwicklung des Jugendlichen gerichtet sein. Die kindliche Zeichenentwicklung möchte ich kurz erläutern, damit man die Zeichenentwicklung des Jugendlichen nachvollziehen kann.

Seit 1895 werden Kinderzeichnungen von Wissenschaftlern untersucht. Der Kunsthistoriker Ricci Cooke hat im Jahre 1905 u. a. ca. 120 000 Kinderzeichnungen aus 17 Staaten analysiert und verglichen. Seit dem kennen wir die Entwicklungsstufen der kindlichen Zeichenentwicklung:11

Es gibt unterschiedliche Darstellungen der kindlichen Zeichenentwicklung von vielen Autoren. In die vorfigurative und figurative Phase teilt sich die theoretische Grundlage nach Bettina Egger (Kunsttherapeutin) und in die Phasen des kindlichen Realismus und visuellen Realismus teilt sich die theoretische Grundlage nach Daniel Widlöcher (Proffessor für Psychiatire und Psychoanalytiker). Die Phasen bauen aufeinander auf, wobei nicht immer die Phasen nacheinander folgen, sondern es können auch zwei Phasen gleichzeitig auftreten. Da jedes Kind individuell ist, sind die dargestellten Altersangaben nur ein Richtwert, das bedeutet, dass beispielsweise ein Kind im Alter von 3 Jahren weiter in der Zeichenentwicklung sein kann als hier angegeben.

Die Entwicklungsstufen: Die vorfigurative Phase (Alter: ca, 1-3 Jahre) bedeutet, dass das Kind in dieser Phase Gegenstände nicht zeichnen kann. Es malt vielmehr aus seiner emotionalen, motorischen sowie kognitiven Entwicklung heraus. Das Kind schmiert und malt sogenannte Urformen, z. B. Kreise, Kreuze und Spiralen, dies gilt als früheste Art der Zeichnung, die ein Kind als bildnerischen Ausdruck hinterlässt. Das Kind steht in der Phase des Entdeckens und Kontrollieren seiner Körperbewegung, deshalb lernt das Kind gezielt das Greifen von Gegenständen und ebenso das richtige Halten eines Stiftes. Die figurative Phase bzw, der Beginn des kindlichen Realismus (Alter: ca, 3-6 Jahre) bedeutet, dass sich das Kind das Zeichnen von Grundformen aus Wissen und Erfahrung aneignet sowie motorisch und kognitiv weiter entwickelt. Die erworbenen Grundformen werden immer detaillierter dargestellt. Der Mensch ist das Hauptthema, das abgebildet wird. Der „Kopffüßler“ (der Mensch ohne Körper) entsteht. Die Kinder malen die Körperproportionen immer differenzierter. Der Mensch bekommt einen Körper, später Hals und Finger, Zehen werden gezeichnet. Es wird nicht perspektivisch gemalt und die Größe und Proportionen entsprechen nicht der Wirklichkeit, weil das Kind es nicht beherrscht, dass beispielsweise eine Kuh vier gleich lange Beine hat oder der Mensch wird größer gemalt als der Baum. In der Phase des visuellen Realismus (Grundschulalter, ca, 6-9 Jahre) verschwinden immer mehr Merkmale der kindlichen Zeichnung. Das gemalte Bild wird differenzierter und realitätsnah dargestellt.

[...]


1 Siehe Braun, Daniela: Handbuch Kreativitätsförderung, S. 27

2 Vgl. Braun, Daniela: Handbuch Kreativitätsförderung, S. 27

3 Vgl. Dienstbier, Akkela, Kinder, Kunst und Kompetenzen, S. 163

4 Vgl. Jaszus: Sozialpädagogische Lernfelder für Erzieherinnen, S. 439

5 Vgl. Dienstbier, Akkela: Kinder Kunst und Kompetenzen, S. 165

6 Siehe: Tiedemann, Claus: „Kunst“ - Vorschlag einer Definition, URL: http://www.sportwissenschaft.uni- hamburg.de/tiedemann/documents/kunstdefinition.html, 02.05.2013, 09:44 Uhr

7 Vgl. Braun, Daniela: Handbuch Kreativitätsförderung, S. 91

8 Vgl. Mößner, Barbara: So geht’s - kreatives Gestalten in der Kita, S.6

9 Vgl. Dienstbier, Akkela: Kinder, Kunst und Kompetenzen, S. 150-151

10 Vgl. Dienstbier, Akkela: Kinder, Kunst und Kompetenzen, S. 151-153

11 Vgl. Jaszus: Sozialpädagogische Lernfelder für Erzieher, S. 443

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Kreativ zur Ruhe kommen. Unterstützung der Kreativität durch prozessorientierte Angebote (7. Klasse Förderschule)
Untertitel
„Ich tauch‘ ab in die Welt der Farben“
Hochschule
Fachschule für Sozialpädagogik maxQ. im bfw Hamburg  (Fröbelseminar)
Veranstaltung
Fachbereich Sozialpädagogisches Handeln, Kreativ, Kreativität
Note
3
Autor
Jahr
2013
Seiten
31
Katalognummer
V310804
ISBN (eBook)
9783668101296
ISBN (Buch)
9783668101302
Dateigröße
1146 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dieser Text ist eine Facharbeit (Abschlussarbeit) im Rahmen der Erzieherausbildung.
Schlagworte
Förderschule, Kreativ zur Ruhe kommen, Kreativ, Kreaitivität, Erzieher, Facharbeit, Sozialpädagogisches Handeln, Sozialpädagogisches, Handeln, Kinder, Jugendliche, Pädagogik, Pädagogisches
Arbeit zitieren
Aysel Kapuci (Autor), 2013, Kreativ zur Ruhe kommen. Unterstützung der Kreativität durch prozessorientierte Angebote (7. Klasse Förderschule), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/310804

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kreativ zur Ruhe kommen. Unterstützung der Kreativität durch prozessorientierte Angebote (7. Klasse Förderschule)



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden