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Chancen und Grenzen des neuen Bundeskinderschutzgesetzes im Bezug auf die "Frühen Hilfen"

Título: Chancen und Grenzen des neuen Bundeskinderschutzgesetzes im Bezug auf die "Frühen Hilfen"

Tesis (Bachelor) , 2012 , 73 Páginas

Autor:in: Sylvia Schmid (Autor)

Trabajo social
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Mangelnde Fürsorge, physische, psychische oder gar sexuelle Misshandlung sind nach allen einschlägigen Erfahrungen nicht einem wie auch immer gearteten Strukturwandel geschuldet, sondern gehören unbestritten in manchen Familien bedauerlicherweise zum Alltag. Außenstehende sehen sich in solchen Fällen regelmäßig nicht nur mit der Frage konfrontiert, wie “so etwas” geschehen konnte, sondern auch mit der Frage nach den Verantwortlichkeiten.

Schwierig wird es, wenn wir persönlich, sei es als Fachkraft oder Privatperson Kenntnis erlangen von Situationen, oder Handlungen beobachten, die dem Bereich der Kindeswohlgefährdung zuzuordnen sind. Zumeist handeln die Eltern nämlich nicht aus Überzeugung, sondern reagieren inadäquat auf Lebensumstände, die sie zu diesem Zeitpunkt überfordern. Diese Sicht der Dinge ist auch Ausfluss der Einschätzung des Bundesverfassungsgerichts, wonach, Eltern grundsätzlich am besten zur Pflege und Erziehung und damit auch zum Schutz ihrer Kinder geeignet sind.

Das neue Gesetz zur Stärkung eines aktiven Schutzes von Kindern und Jugendlichen (BKiSchG), das am 01.01.2012 in Kraft trat, soll nun die Rahmenbedingungen schaffen, dass Familien eine umfassende Unterstützung erfahren mit dem Ziel, eventuelle Grenzsituationen gar nicht erst entstehen zu lassen bzw. durch entsprechend genutzte Hilfsangebote abzumildern.

Während meiner Hospitation im Jugendamt Lindau hatte ich die Möglichkeit, die ersten Schritte zur Umsetzung des BKiSchG begleiten zu können. Die vielen damit verbundenen Unsicherheiten, die in Fragen münden wie die nach
- den geeigneten Wegen und Methoden wie die in Frage kommenden Akteure für eine Zusammenarbeit gewonnen werden können
- der richtigen und sinnvollen Ausgestaltung des Rechtsanspruchs auf Beratung durch eine insoweit erfahrenen Fachkräfte
- der Information wirklich aller Eltern
- dem Transport geeigneter Hilfen ohne tatsächliche oder vermeintliche Kontrollaspekte
- und nicht zuletzt der Frage, nach der Finanzierung, weckten mein Interesse, den Gesetzestext genauer anzuschauen.

Im Rahmen meiner Literarturarbeit werde ich mich bei der Beantwortung dieser Fragen auf den Kernbereich des BKiSchG, die “Frühen Hilfen”, konzentrieren.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Kapitel 1 Vorgeschichte zum neuen Bundeskinder-schutzgesetz

1.1 Kindeswohl in der UN-Kinderrechtskonvention

1.2 Kindeswohl aus verfassungsrechtlicher Sicht

1.3 Zur Herstellung eines politischen Handlungsbedarfes

1.4 Politische Reaktionen

1.5 Zur Finanzierung der Gesetzesumsetzung

Kapitel 2 Wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage für "Frühe Hilfen"

2.1 Einfluss der Sozialisationssysteme auf die kindliche Entwicklung

2.2 Besonderheiten der frühen Kindheit

2.3 Annäherung an den Begriff der Kindeswohlgefährdung

2.3.1 Vernachlässigung

2.3.2 Körperliche Misshandlung

2.3.3 Seelische Misshandlung

2.3.4 Sexueller Missbrauch

2.4 Zur Bedeutung der Feinfühligkeit

Kapitel 3 Anforderungen und Stolpersteine bei der Umsetzung

3.1 Eckpunkte des Gesetzes

3.2 Information der Eltern über Unterstützungsangebote in Fragen der Kindesentwicklung

3.3 Verbindliche Netzwerkstrukturen im Kinderschutz

3.4 Kooperation einer Vielzahl von Akteuren

3.5 Erfassung von Misshandlungen

3.6 Befugnisnorm der Berufsgeheimnisträger

3.7 Der einseitige Fokus auf die “Frühen Hilfen”

3.8 Niederschwelligkeit der “Frühen Hilfen”

Kapitel 4 Analyse von Chancen und Grenzen

Kapitel 5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Bachelorarbeit untersucht das neue Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG) mit einem spezifischen Fokus auf die Implementierung und Wirksamkeit der sogenannten „Frühen Hilfen“. Das Hauptziel der Arbeit ist es, zu analysieren, ob das Gesetz einen nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung des Kinderschutzes leisten kann oder ob es eher als politischer „Schnellschuss“ zu werten ist, um auf mediale Empörung über Kinderschutzfälle zu reagieren.

  • Kritische Analyse des BKiSchG und dessen politischer Vorgeschichte.
  • Wissenschaftliche Grundlagen der frühen Kindheit und kindlichen Entwicklung.
  • Interdisziplinäre Kooperation und Vernetzung relevanter Akteure.
  • Finanzierung der Gesetzesumsetzung und strukturelle Herausforderungen.
  • Spannungsfeld zwischen Elternrecht, staatlichem Wächteramt und Schutzauftrag.

Auszug aus dem Buch

2.4 Zur Bedeutung der Feinfühligkeit

Nicht nur Eltern mit besonderen Belastungen benötigen Beratung und Unterstützung. Junge Eltern aus allen Schichten verspüren Überforderung und Unsicherheiten im Umgang mit ihren Kindern. Aus der Shell-Studie 2000 geht bereits hervor, dass die Hälfte der befragten Eltern nicht weiß, woran sie sich bei der Erziehung ihrer Kinder halten sollen (DEUTSCHE SHELL 2000). Viele Eltern wünschen sich Unterstützung und Beratung über die Entwicklung, die Bedürfnisse und das Verhalten von Säuglingen und Kleinkindern. Auch der Bedarf nach gezielter Unterstützung und Anleitung ist hoch.

Der größte Teil der Kinder in Deutschland wächst unauffällig in entwicklungsfördernden Familien auf. Mit der weiteren Förderung der “Frühen Hilfen” sollen mit universellen und möglichst breit angelegten Förderungssystemen auch die Eltern erreicht werden, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden und Gefahr laufen, ihre Kinder zu misshandeln oder zu vernachlässigen. Die relativ zur Gesamtbevölkerung geringe Anzahl von hochbelasteten Familien könnten durch diese Form der Primärprävention frühzeitig, niederschwellig und nicht stigmatisierend erreicht werden.

Es darf nicht nur darum gehen, den in der Öffentlichkeit stark diskutierten Fällen Rechnung zu tragen, es muss vielmehr das Wissen um die besondere Verletzlichkeit von Säuglingen und Kleinkindern Eingang in die alltägliche Praxis finden. Auch die großen Fortschritte in der neurobiologischen Forschung und das Wissen über die Bedeutung früher Kindheitserfahrungen und ihre Folgen für die körperliche und sozial-emotionale Entwicklung zeigen deutlich, wie wichtig eine frühe Intervention ist (ZIEGENHAIN & FEGERT 2007: 112).

Von der Geburt bis zum Alter von 5 Jahren entwickeln Kinder schnell grundlegende Fähigkeiten, auf die ihre spätere Entwicklung aufbaut. Es sind nicht nur ihre kognitiven, sondern auch ihre emotionalen, sozialen und moralischen Fähigkeiten, die sich rasant entwickeln. Alle diese Entwicklungsebenen sind miteinander verflochten und erfordern gezielte Aufmerksamkeit. Junge Kinder reagieren besonders stark mit Traurigkeit und Desorganisation auf ein Trauma frühkindlicher Zurückweisung. Die erheblichen kurz-und langfristigen Risiken erfordern eine Unterstützung durch hochqualifizierte Fachkräfte (SHONHOFF/PHILLIPS 2005: 5).

Zusammenfassung der Kapitel

Kapitel 1 Vorgeschichte zum neuen Bundeskinder-schutzgesetz: Das Kapitel beleuchtet die rechtlichen Grundlagen und politischen Motive, die zur Entstehung des BKiSchG führten, wobei insbesondere die UN-Kinderrechtskonvention und der mediale Druck durch spektakuläre Missbrauchsfälle thematisiert werden.

Kapitel 2 Wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage für "Frühe Hilfen": Hier werden theoretische Ansätze zur frühkindlichen Entwicklung, zu Systemtheorien in der Familie und zu den verschiedenen Ausprägungen von Kindeswohlgefährdung dargestellt.

Kapitel 3 Anforderungen und Stolpersteine bei der Umsetzung: Dieser Teil analysiert detailliert die gesetzlichen Neuerungen, die notwendigen Kooperationen zwischen Jugendhilfe, Gesundheitswesen und anderen Akteuren sowie die praktischen Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Schutzauftrags.

Kapitel 4 Analyse von Chancen und Grenzen: In diesem Kapitel werden die Potenziale und Defizite des Gesetzes hinsichtlich Finanzierung, Kooperation und Prävention in Form einer strukturierten Analyse gegenübergestellt.

Kapitel 5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Balance zwischen dem privilegierten Elternrecht und der staatlichen Schutzverpflichtung sowie die Effektivität der präventiven Ansätze.

Schlüsselwörter

Bundeskinderschutzgesetz, BKiSchG, Frühe Hilfen, Kindeswohlgefährdung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Vernachlässigung, Prävention, Netzwerkarbeit, Familienhebammen, Kooperation, Elternrecht, Sozialisation, Interdisziplinarität, Kindeswohl.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG) und dessen Fokus auf die sogenannten „Frühen Hilfen“ im Kinderschutz.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zu den Schwerpunkten zählen die politische Vorgeschichte des Gesetzes, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur kindlichen Entwicklung, die interinstitutionelle Kooperation und die Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung des Schutzauftrags.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Chancen und Grenzen des neuen Gesetzes kritisch zu beleuchten und zu klären, ob es nachhaltigen Kinderschutz ermöglicht oder primär eine politische Reaktion auf Medienberichte darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer theoretischen Auseinandersetzung mit dem Gesetzestext sowie ergänzenden Stellungnahmen und Studien aus der Fachwelt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der wissenschaftlichen Grundlagen, eine detaillierte Darstellung der gesetzlichen Anforderungen und Stolpersteine sowie eine Untersuchung der Vernetzung mit Akteuren wie Gesundheitsämtern, Polizei und Familienhebammen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Begriffe sind: Bundeskinderschutzgesetz, Frühe Hilfen, Kindeswohlgefährdung, Kinderschutz und Kooperation.

Warum spielt die Finanzierung eine so große Rolle in der Analyse?

Die Finanzierung ist kritisch, da der Bund die Mittel zweckgebunden bereitstellt und die Beteiligung des Gesundheitswesens (GKV) nicht hinreichend verankert wurde, was die Last bei der finanziell schwachen Jugendhilfe belässt.

Wie bewertet die Arbeit die „Frühen Hilfen“?

Obwohl sie als präventiver Ansatz begrüßt werden, kritisiert die Arbeit die einseitige Fokussierung auf die Altersgruppe „null bis drei“ und warnt vor einer Vernachlässigung älterer Kinder.

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Detalles

Título
Chancen und Grenzen des neuen Bundeskinderschutzgesetzes im Bezug auf die "Frühen Hilfen"
Universidad
University of Applied Sciences Ravensburg-Weingarten  (Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege)
Autor
Sylvia Schmid (Autor)
Año de publicación
2012
Páginas
73
No. de catálogo
V312357
ISBN (Ebook)
9783668114319
ISBN (Libro)
9783668114326
Idioma
Alemán
Etiqueta
chancen grenzen bundeskinderschutzgesetzes bezug frühen hilfen
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Sylvia Schmid (Autor), 2012, Chancen und Grenzen des neuen Bundeskinderschutzgesetzes im Bezug auf die "Frühen Hilfen", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312357
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