Platons Auffassung von Bildung, seine Vorstellung von einem gebildeten Menschen wird im Höhlengleichnis deutlich. Was verstehen wir heute unter einem gebildeten Menschen? Gibt es heute eine globale Auffassung von Bildung, einem Wort, das ohnehin in der Form nur im deutschsprachigen Raum verwendet wird und wenn ja, wie definiert sich der Gebildete von heute? Es fragt sich auch, ob sich der Grad der Bildung messen lässt. Lässt er sich anhand der PISA Studie messen oder ist PISA kein geeignetes Werkzeug dafür? Was misst PISA? Bildung oder Wissen? Ist Wissen Bildung? Ist für Platon Wissen Bildung?
All diese Fragen beinhaltet die Forschungsfrage: Wie würde Platon das Programme for International Student Assessment beurteilen?
Inhaltsverzeichnis
1. Platons Verständnis von Bildung versus abrufbares Wissen
2. Definitionen
3. Das Bildnis des Höhlengleichnis
3.1. Die Beschreibung des Bildnisses
3.2. Die Interpretation des Bildnisses
4. Die PISA Studie
4.1. Die Darstellung der Studie
4.2. Die Hintergründe: was will PISA?
5. Der gebildete Mensch
5.1. Der gebildete Mensch bei Platon
5.2. Der gebildete Mensch nach heutigem Verständnis
6. Das Menschenbild einst und jetzt
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die philosophische Diskrepanz zwischen dem klassischen Bildungsbegriff nach Platon und modernen Ansätzen zur Leistungsmessung, wie sie durch das PISA-Programm der OECD institutionalisiert werden, um den Wandel des Menschenbildes kritisch zu hinterfragen.
- Vergleichende Analyse des platonischen Höhlengleichnisses und moderner Bildungsideale.
- Kritische Beleuchtung der PISA-Studie als Messinstrument für Wissen und Kompetenz.
- Untersuchung des Begriffs der "Bildung" im Kontext der Ökonomisierung und Humankapitalisierung.
- Gegenüberstellung von philosophischer Erkenntnissuche und funktionaler Leistungsfähigkeit.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Beschreibung des Bildnisses
Tief unten in einer Höhle sitzen Gefangene. Sie sind zeitlebens an Armen und Beinen gefesselt in einer Position, die es ihnen nicht erlaubt, sich auch nur umzudrehen. Vor ihnen ist eine Wand. Hinter ihnen führt ein Weg hinauf bis zu einem Feuer bzw. noch weiter bis zum Ausgang der Höhle. Zwischen den Gefangenen und dem Feuer ist links und rechts des Weges eine Wand. Entlang dieser Wand tragen Menschen Gegenstände hin und her. Das Feuer wirft die Schatten der tragenden Menschen bzw. der getragenen Gegenstände an die Wand, vor der die Gefangenen sitzen. Die Gefangenen kennen nichts anderes als die Bilder dieser Schatten, die sie zu deuten versuchen.
Plötzlich wird ein beliebiger dieser Gefangenen von seinen Fesseln erlöst und soll den Weg bis zum Feuer bzw. weiter bis zum Ausgang der Höhle hinauf gehen. Seine Arme und Beine schmerzen bei den Bewegungen. Als er sich umdreht und zum Feuer sieht, brennt das Licht in seinen Augen, sodass er den Blick abwenden muss.
An der Stelle des Weges, wo die tragenden Menschen kreuzen, sieht er nun, was diese Schatten wirklich sind. Er geht am Feuer vorbei, er gewöhnt sich langsam an das Licht. Er geht weiter bis zum Ausgang der Höhle, wo es gerade Nacht ist, ihn also die Sonne nicht blendet. Er bleibt oben vor der Höhle bis es Tag wird, sodass er schließlich das Licht der Sonne sehen kann. Er beschließt, zurück zu gehen in die Höhle und den anderen Gefangenen davon zu erzählen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Platons Verständnis von Bildung versus abrufbares Wissen: Diese Einleitung skizziert die Fragestellung, wie Platon das heutige PISA-Programm beurteilen würde, und hinterfragt den Unterschied zwischen echtem Bildungsverständnis und bloßem Wissen.
2. Definitionen: In diesem Kapitel werden zentrale Begriffe wie Anamnesis, elenktische Pädagogik, Paideia und Periagogé anhand von Interpretationen zum Höhlengleichnis grundlegend geklärt.
3. Das Bildnis des Höhlengleichnis: Das Kapitel bietet eine deskriptive Darstellung des platonischen Höhlengleichnisses sowie eine tiefgehende philosophische Interpretation der darin enthaltenen Stufen der Umwendung.
4. Die PISA Studie: Hier werden das Konzept, der Aufbau und die Hintergründe der PISA-Studie sowie die Zielsetzung der OECD bei dieser internationalen Vergleichsstudie analysiert.
5. Der gebildete Mensch: Dieses Kapitel stellt das antike Bild des Gebildeten dem modernen, durch PISA geprägten Verständnis gegenüber und thematisiert die drohende Ökonomisierung des Lernens.
6. Das Menschenbild einst und jetzt: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und reflektiert über den Wandel des Menschenbildes sowie die Sinnhaftigkeit von Bildung in der modernen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Platon, PISA, Bildung, Höhlengleichnis, Wissen, Paideia, Periagogé, Humankapital, Ökonomisierung, Erkenntnis, Bildungsstandards, Selbstverwirklichung, Philosophie, Wissensgesellschaft, Kompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem philosophischen Vergleich zwischen Platons Bildungsbegriff und der modernen, durch PISA standardisierten Leistungsmessung in Schulen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind das platonische Höhlengleichnis als Metapher für Bildung, die wissenschaftliche Kritik an der PISA-Studie und die zunehmende Ökonomisierung des Bildungswesens.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, wie Platon das heutige "Programme for International Student Assessment" beurteilen würde und ob Wissen gleichbedeutend mit Bildung ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse unter Einbeziehung hermeneutischer Aspekte, um Gemeinsamkeiten und Divergenzen zwischen antiken Bildungsidealen und modernen pädagogischen Ansätzen zu erörtern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Interpretation von Platons Höhlengleichnis, die methodische Analyse der PISA-Studie und eine kritische Diskussion zum "gebildeten Menschen" unter dem Einfluss moderner Marktmechanismen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Platon, PISA, Bildung, Humankapital, Ökonomisierung, Erkenntnis und Periagogé charakterisieren.
Wie unterscheidet Platon zwischen Wissen und Bildung?
Für Platon ist Wissen lediglich eine hilfreiche Grundlage, während wahre Bildung ein schmerzhafter Prozess der Erkenntnis und der geistigen Umwendung (Periagogé) hin zum Guten ist.
Warum kritisieren die zitierten Autoren das Konzept der PISA-Studie?
Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Tendenz zur Ökonomisierung, die Instrumentalisierung des Menschen zur "ICH-AG" und die Verwechslung von abrufbarem Wissen mit ganzheitlicher, persönlicher Bildung.
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- Simone Kostka (Autor), 2012, Platons Verständnis von Bildung versus abrufbares Wissen. Wie würde Platon PISA beurteilen?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322998