Der Begriff des "Competitive Bidding" bezeichnet das Bieten unter Wettbewerbsbedingungen, d. h. das Formulieren von Angeboten in der Situation der Ausschreibung (Submission). Kennzeichnend für diese Situation ist das Bieten mehrerer Wettbewerber, wobei Preisentscheidungen im Rahmen einer Ausschreibung als endgültig anzusehen sind. "Competitive Bidding" in der Bauwirtschaft bezieht sich somit auf die Abgabe von Angeboten und Angebotspreisen für eine qualitativ und quantitativ präzisierte Bauleistung. Der Bieter steht dabei einerseits vor der Frage, ob er überhaupt bieten will (problem of bidding), andererseits vor der Frage, wie ein Angebot zu gestalten ist, das zugleich Konkurrenzangebote schlägt und einen ausreichenden oder optimalen Gewinn mit sich bringt (bidding problem). Die Problemstellung des bidding problem legen de Neufville, Hani und Lesage folgendermaßen dar:
A bidder must, first of all, develop a good estimate of the actual costs of construction, properly accounting for all the uncertainties in the price of labour and materials, the quantities required, and the difficulties. To obtain a worthwhile contract, he must in addition outguess his competitors and should do so at the least cost to himself. If his bid is too high, he fails to get the contract and loses the time and money spent on preparing the proposal. When he bids much lower than his rivals, he loses again. This time he obtains the contract, but has undertaken to fulfill it at a price far lower than necessary. [...] A good bid will both allow for a decent profit and yet be fractionally less than any others. Das Problem besteht demnach darin, daß ein hoher Angebotspreis mit einem hohen Deckungsbeitrag bzw. Gewinn verbunden ist, aber nur mit einer geringen Wahrscheinlichkeit, den Auftrag zu erhalten, während ein niedriger Preis mit einer hohen Zuschlagswahrscheinlichkeit verknüpft ist, aber nur einen geringen Gewinn oder sogar einen Verlust bedeuten kann. Die Festlegung des Angebotspreises zwischen dem im voraus unbekannten "Prohibitivpreis" des zweitbilligsten Anbieters und der durch die auftragsabhängigen Kosten bestimmten kurzfristigen Preisuntergrenze ist das Hauptproblem, das bei der Angebotsabgabe auf dem Baumarkt zu lösen ist. Jeder Wettbewerber muß folglich die Entscheidungsgröße "Zuschlagsprozentsatz" und die Erwartungsgröße "Erfolgswahrscheinlichkeit" unter Berücksichtigung seiner Zielsetzung und seiner Nutzenvorstellung gegeneinander abwägen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ausschreibungssituation, die Einflußfaktoren auf das Angebotsmanagement und die Grundzüge von "Competitive Bidding"-Modellen
3. Ausgewählte "Competitive Bidding"-Modelle
3.1. Wahrscheinlichkeitsmodelle – das Modell von Pin und Scott
3.1.1 Die Modellierung des bidding problem
3.1.1.1 Gegenstand und Ziel des Modells
3.1.1.2 Annahmen und Voraussetzungen des Modells
3.1.1.3 Die Formulierung des Modells
3.1.2 Kritik
3.1.2.1 Fehleranfälligkeit des Modells – eine Sensitivitätsanalyse
3.1.2.2 Modellinterne Kriterien
3.1.2.3 Modellexterne Kriterien – Praxisbezug
3.2 Nutzenmodelle – das Modell von Dozzi, AbouRizk und Schroeder
3.2.1 Die Modellierung des Problems der Nutzenmaximierung
3.2.1.1 Gegenstand und Ziel des Modells
3.2.1.2 Annahmen und Voraussetzungen des Modells
3.2.1.3 Die Formulierung des Modells
3.2.2 Kritik
3.2.2.1 Komplexität und Flexibilität des Modells – eine Beispielrechnung
3.2.2.2 Modellinterne Kriterien
3.2.2.3 Modellexterne Kriterien – Praxisbezug
3.3 Resümee: Vergleich und Bewertung der Modelle
4. Anhang
4.1 Tabellen für k-Werte und cn-Werte
4.2 Von-Mises-Verfahren und Berechnung von Eigenwerten und Eigenvektoren
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht mathematische und entscheidungstheoretische Modelle für das Angebotsmanagement in der Bauwirtschaft, mit dem Ziel, die Entscheidungsfindung bei Ausschreibungen (Competitive Bidding) zu objektivieren und zu optimieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Bieter unter Berücksichtigung von Unsicherheiten und Konkurrenzverhalten ihren optimalen Angebotspreis festlegen können.
- Grundlagen des Competitive Bidding in der Bauwirtschaft
- Wahrscheinlichkeitsmodelle zur Preisoptimierung
- Nutzentheoretische Modelle zur Abbildung komplexer Entscheidungskriterien
- Anfälligkeit der Modelle gegenüber Schätzfehlern bei Input-Daten
- Vergleich der Praxistauglichkeit der vorgestellten Ansätze
Auszug aus dem Buch
Die Problemstellung des bidding problem
A bidder must, first of all, develop a good estimate of the actual costs of construction, properly accounting for all the uncertainties in the price of labour and materials, the quantities required, and the difficulties. To obtain a worthwhile contract, he must in addition outguess his competitors and should do so at the least cost to himself. If his bid is too high, he fails to get the contract and loses the time and money spent on preparing the proposal. When he bids much lower than his rivals, he loses again. This time he obtains the contract, but has undertaken to fulfill it at a price far lower than necessary. [...] A good bid will both allow for a decent profit and yet be fractionally less than any others.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Begrifflichkeiten des Competitive Bidding und die zentrale Fragestellung der Preisgestaltung unter Wettbewerbsbedingungen.
2. Die Ausschreibungssituation, die Einflußfaktoren auf das Angebotsmanagement und die Grundzüge von "Competitive Bidding"-Modellen: Analyse der Rahmenbedingungen bei Ausschreibungen und der verschiedenen Einflussfaktoren auf das Bieterverhalten.
3. Ausgewählte "Competitive Bidding"-Modelle: Detaillierte Darstellung und kritische Würdigung der Wahrscheinlichkeitsmodelle (Pin und Scott) sowie der Nutzenmodelle (Dozzi, AbouRizk und Schroeder).
4. Anhang: Bereitstellung ergänzender mathematischer Tabellen und Erläuterung numerischer Verfahren für die Modellberechnungen.
Schlüsselwörter
Angebotsmanagement, Competitive Bidding, Bauwirtschaft, Ausschreibung, Preisgestaltung, Zuschlagswahrscheinlichkeit, Nutzenmodell, Wahrscheinlichkeitsmodell, Entscheidungstheorie, Kostenkalkulation, Risikoanalyse, Wettbewerbsintensität, Nutzwert, Submissionsergebnisse, Modellkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit Methoden und Modellen, die Bauunternehmen dabei unterstützen sollen, bei Ausschreibungen optimale Angebotspreise unter Berücksichtigung des Wettbewerbs und eigener wirtschaftlicher Ziele zu ermitteln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Modellierung von Ausschreibungssituationen, die Anwendung von Wahrscheinlichkeits- und Nutzentheorien sowie die kritische Prüfung der Praxistauglichkeit solcher Modelle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Objektivierung der Angebotsentscheidung, um das Risiko verlustträchtiger Aufträge zu minimieren und die Chancen auf einen profitablen Zuschlag zu erhöhen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es kommen entscheidungstheoretische Modellierungen, statistische Ansätze zur Auswertung von Wettbewerbsangeboten sowie Methoden der Nutzwertanalyse zur Anwendung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zwei spezifische Modelltypen – Wahrscheinlichkeitsmodelle nach Pin und Scott sowie Nutzenmodelle nach Dozzi et al. – detailliert vorgestellt, mathematisch hergeleitet und anhand von Beispielrechnungen kritisch auf ihre Fehleranfälligkeit untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Competitive Bidding, Zuschlagswahrscheinlichkeit, Nutzenmaximierung, Kostenkalkulation und Wettbewerbsanalyse charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Fehleranfälligkeit bei den vorgestellten Modellen?
Die Arbeit betont, dass Modelle sehr anfällig gegenüber Schätzfehlern bei den Input-Daten (z. B. bei der Kostenschätzung oder der Anzahl der Bieter) sind, was zu sub-optimalen Angeboten führen kann.
Warum ist das Modell von Pin und Scott eher konkurrenzorientiert?
Weil das Modell den Angebotspreis primär auf Basis der statistischen Wahrscheinlichkeitsverteilung der erwarteten Konkurrenzgebote bestimmt.
- Quote paper
- Jochen Müller (Author), 1999, Angebotsmanagement und "Competitive Bidding"-Modelle in der Bauwirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33206