Im Zuge der Globalisierung der Kapital- und Absatzmärkte steigt der internationale Wettbewerb der Unternehmen. Globale Strukturen insbesondere in Bezug auf die Kapitalbeschaffung setzen eine Vergleichbarkeit internationaler Unternehmen voraus. Um eine grundsätzliche Qualität der Unternehmensleitung und -kontrolle sowie eine gewisse Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen verschiedener Länder zu schaffen, rückte die Corporate Governance zunehmend in den Fokus.
Von Bedeutung sind dabei zumeist Kapitalgesellschaften, bei denen das Eigentum und das Verfügungsrecht personell getrennt sind. Diese bergen ein besonderes Risiko für Missmanagement, da beim Umgang mit fremden Vermögen die Gefahr von Opportunismus besteht. International haben sich aufgrund von kulturellen und historischen Faktoren verschiedene Systeme und Ansätze zur Strukturierung von Aktiengesellschaften gebildet. Neben bekannten Corporate Governance Systemen wie dem Boardmodell aus den USA und dem Trennungsmodell der deutschen Aktiengesellschaft (AG) gibt es verschiedene internationale Formen. Unter Berücksichtigung der besonderen wirtschaftspolitischen Lage Chinas als eine der größten Volkswirtschaften der Welt und bedeutender Handelspartner Deutschlands bietet sich eine Betrachtung der chinesischen Corporate Governance an.
Dazu soll zu Beginn das Konzept der Corporate Governance allgemein beschrieben werden. Anschließend werden die Corporate Governance Systeme sowohl in Deutschland als auch in China beschrieben um die Betrachtung mit einem Systemvergleich abzuschließen. Der Fokus soll dabei auf der Struktur, den Aufgaben und dem Zusammenspiel der Gesellschaftsorgane am Beispiel der Aktiengesellschaft liegen. Abschließend soll eine qualitative Aussage über den Stand chinesischer Corporate Governance im Vergleich zu Deutschland getroffen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Corporate Governance
2.1. Definition
2.2. Corporate Governance Systeme
3. Corporate Governance in Deutschland
3.1. Entwicklung der deutschen Corporate Governance
3.2. Merkmale der deutschen Aktiengesellschaft
3.3. Zusammenwirken der Organe
4. Corporate Governance in China
4.1. Entwicklung der chinesischen Corporate Governance
4.2. Unternehmensstruktur in China
5. Systemvergleich
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Führungsstrukturen chinesischer börsennotierter Unternehmen im Vergleich zur deutschen Aktiengesellschaft. Ziel ist es, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen die Struktur, Aufgaben und das Zusammenwirken der Gesellschaftsorgane in beiden Ländern gegenüberzustellen und eine qualitative Einschätzung der chinesischen Corporate Governance vorzunehmen.
- Grundlagen und Definitionen von Corporate Governance
- Strukturen und Kontrollmechanismen der deutschen AG
- Entwicklung und Unternehmensstruktur in der VR China
- Vergleich der Wirksamkeit von Corporate Governance Systemen
- Einfluss staatlicher Akteure auf die Unternehmenskontrolle
Auszug aus dem Buch
3.3. Zusammenwirken der Organe
Im Grundsatz begründet sich die Ausgestaltung der Gewaltenteilung in der deutschen AG auf dem System der „Checks and Balances“. Dabei wird bei jeder Machtkonzentration eine ausreichende Gegenmacht etabliert um eine einseitige Vorteilnahme verhindern zu können und eine ausgeglichene Entscheidungsqualität zu erreichen. Jedem Organ sollen dadurch Mittel gegeben werden, die gesetzlich vorgesehenen Rechte nicht nur wahrnehmen, sondern auch verteidigen zu können.
Jedes Organ ist mit unterschiedlichen Rechten gegenüber den anderen beiden ausgestattet (Abbildung 1). Grundsätzlich repräsentiert die erkennbare organisationstheoretische Hierarchisierung von Hauptversammlung, Aufsichtsrat und Vorstand (im Sinne der personellen Berufung) das Eigentumsrecht. Aufgrund der weitreichenden Verfügungsmacht und Weisungsunabhängigkeit des Vorstandes ist dieser angehalten in ständigen Austausch mit dem Aufsichtsrat zu treten (Tz. 3.1 i.V.m. 3.4 DCGK) und im Rahmen der Hauptversammlung umfassend über die Lage des Unternehmens zu berichten (Tz. 2.2.1 DCGK). Kommt es trotzdem zu Fehlhandlungen kann dem Aufsichtsrat bzw. dem Vorstand die haftungsrechtliche Entlastung verweigert werden (§ 120 AktG). Wie in Abbildung 1 zu erkennen ist, verfügt die Hauptversammlung gegenüber dem Aufsichtsrat eine personelle Entscheidungskompetenz. Analog verhält es sich mit dem Aufsichtsrat und dem Vorstand. Zudem steht mit den zustimmungspflichtigen Geschäften dem Aufsichtsrat (oder bei Übernahmen auch der Hauptversammlung) eine weitere Möglichkeit der Kontrolle des Vorstands zur Verfügung. Eine besondere Bedeutung hat der Abschlussprüfer. Dieser ist sowohl ein Instrument der internen Kontrolle als auch eine unternehmensexterne Bewertungsinstanz. Er trägt damit signifikant zu einer funktionierenden Corporate Governance bei. Zur Sicherstellung dieser dualen Funktion sind große und mittelgroße AGs zur Abschlussprüfung verpflichtet (§ 316 HGB).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Corporate Governance im Kontext der globalisierten Kapitalmärkte und definiert den Fokus auf den Vergleich zwischen Deutschland und China.
2. Corporate Governance: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, insbesondere die Definition von Governance und die Unterscheidung zwischen dem Shareholder- und Stakeholderansatz sowie den dominierenden Governance-Systemen.
3. Corporate Governance in Deutschland: Es werden die Entwicklung, die rechtlichen Merkmale der deutschen Aktiengesellschaft und das Zusammenspiel der Organe unter Anwendung des Systems der „Checks and Balances“ analysiert.
4. Corporate Governance in China: Der Abschnitt beleuchtet die historische Entwicklung der chinesischen Governance, die Rolle des Staates und die rechtlichen Strukturen der dortigen Aktiengesellschaften.
5. Systemvergleich: Die Systeme werden gegenübergestellt, wobei insbesondere das Machtgefüge und die Effektivität der Aufsichtsorgane kritisch beleuchtet werden.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Anlehnung Chinas an internationale Standards im Kontrast zur weiterhin starken staatlichen Einflussnahme kritisch.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Aktiengesellschaft, Trennungsmodell, Aufsichtsrat, Vorstand, Hauptversammlung, Deutschland, China, Shareholderansatz, Stakeholderansatz, Checks and Balances, Mitbestimmung, Unternehmensführung, Systemvergleich, Rechtsschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem systematischen Vergleich der Führungsstrukturen von börsennotierten Aktiengesellschaften in Deutschland und der Volksrepublik China.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretischen Grundlagen von Corporate Governance, die spezifischen rechtlichen Strukturen der Aktiengesellschaften in beiden Ländern und die Mechanismen der internen Kontrolle.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Effektivität der Corporate-Governance-Systeme beider Länder unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen kulturellen und wirtschaftspolitischen Hintergründe zu analysieren und zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die auf einer fundierten Auswertung von Fachliteratur, Gesetzen und Kodizes basiert.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert die Kompetenzen und das Zusammenspiel der drei Hauptorgane (Hauptversammlung, Aufsichtsrat, Vorstand) im deutschen sowie im chinesischen Modell.
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch?
Wichtige Begriffe sind unter anderem „Checks and Balances“, „Trennungsmodell“, „Prinzipal-Agenten-Verhältnis“ sowie die „Rolle des Staates“.
Warum wird die Rolle des Staates in China als problematisch eingestuft?
Die Arbeit argumentiert, dass der dominante staatliche Einfluss und die konzentrierte Aktionärsstruktur die Unabhängigkeit der Aufsichtsorgane schwächen und damit effiziente Kontrollmechanismen behindern können.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Hauptversammlung in China von der in Deutschland?
In der chinesischen AG verfügt die Hauptversammlung über ungleich größere Kompetenzen hinsichtlich der direkten Unternehmensstrategie und der personellen Entscheidungsmacht über Vorstand und Aufsichtsrat.
- Citar trabajo
- Kian Khojaste-Mohtachem (Autor), 2015, Die Führungsstruktur chinesischer börsennotierter Unternehmen im Vergleich zur deutschen Aktiengesellschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334007