Welche Bedeutung der allgemeinen Sakramententheologie zukommt und zuzumessen ist, lässt sich vornehmlich unter Einbezug der liturgiewissenschaftlichen Betrachtung der Sakramente und unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen und kulturellen Einwände gegenüber dem Sakrament bestimmen. Ein Blick hierauf ermöglicht eine praxisbezogene und zeitgemässe Einschätzung der Relevanz der allgemeinen Sakramentenlehre.
Die Sakramentenlehre hat sich erst nachträglich zur theologischen Reflexion über die kirchliche Liturgie entwickelt, ja erst viel später voll entfaltet, und ist insofern zur Liturgiewissenschaft sekundär und von geringerer Relevanz als diese. Die wissenschaftliche Reflexion über die Liturgie war und ist daher ein nicht unbedeutender Gegenstand und Teil auch der dogmatischen Sakramentenlehre und hat diese im Laufe der Zeit mal mehr, mal weniger mitgeprägt. So verdunkelte sich die aus heutiger Perspektive relevante liturgiewissenschaftliche Dimension der allgemeinen Sakramententheologie im Mittelalter zusehends.
Die Relevanz der allgemeinen Sakramentenlehre darf somit nicht überschätzt werden. Sie ist sachlich bedingt geringer als die liturgiewissenschaftliche Betrachtungsweise der Sakramente. Dennoch ist diese Lehre unverzichtbar, leistet sie doch insbesondere einen wichtigen Beitrag, den gesellschaftlichen und kulturellen Einwänden gegenüber dem Sakrament entgegenzutreten.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Relevanz der allgemeinen Sakramententheologie gegenüber der liturgiewissenschaftlichen Betrachtung
2. Die Rolle der allgemeinen Sakramentenlehre bei der Kritikentgegnung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der allgemeinen Sakramententheologie unter besonderer Berücksichtigung der liturgiewissenschaftlichen Perspektive sowie der zeitgenössischen gesellschaftlichen und kulturellen Kritik am Sakramentsverständnis.
- Verhältnisbestimmung zwischen allgemeiner Sakramententheologie und Liturgiewissenschaft
- Historische Entwicklung der Sakramentenlehre und der Einfluss der Liturgischen Bewegung
- Methodische Verortung des Sakraments im Kontext der liturgischen Feier
- Auseinandersetzung mit säkularen, religionskritischen und heilsindividualistischen Einwänden
- Bedeutung der ökumenischen Perspektive für das sakramentale Verständnis
Auszug aus dem Buch
Die Relevanz der allgemeinen Sakramentenlehre gegenüber der liturgiewissenschaftlichen Betrachtung
Die Sakramentenlehre hat sich erst nachträglich zur theologischen Reflexion über die kirchliche Liturgie entwickelt, ja erst viel später voll entfaltet, und ist insofern zur Liturgiewissenschaft sekundär und von geringerer Relevanz als diese. Die wissenschaftliche Reflexion über die Liturgie war und ist daher ein nicht unbedeutender Gegenstand und Teil auch der dogmatischen Sakramentenlehre und hat diese im Laufe der Zeit mal mehr, mal weniger mitgeprägt. So verdunkelte sich die aus heutiger Perspektive relevante liturgiewissenschaftliche Dimension der allgemeinen Sakramententheologie im Mittelalter zusehends. Diese Dimension der Sakramente wurde damals von und in der allgemeinen Sakramentenlehre in den Hintergrund verdrängt. Ihre eigene Relevanz gegenüber der liturgiewissenschaftlichen Betrachtungsweise der Sakramente wurde entsprechend wesentlich erhöht.
Dies änderte sich erst im 20. Jahrhundert infolge der Liturgischen Bewegung, die Ursprung der Erneuerung der allgemeinen Sakramentenlehre wurde, selbst aber noch keine Neuakzentuierung des Bedeutungsverhältnisses zwischen der liturgiewissenschaftlichen Perspektive und der allgemeinen Sakramentenlehre vornahm. Der Liturgiewissenschaftler Odo Casel (1886-1948), welcher diese Bewegung anführte, die die liturgische Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) nach sich ziehen sollte, wollte bloss die Liturgiewissenschaft wie auch die allgemeine Sakramententheologie ausgehend von seinem Ansatz, die altkirchliche Liturgie von den nichtchristlichen antiken Mysterienkulten her zu verstehen, erneuern. Hierauf begann sich allerdings in der wissenschaftlichen Diskussion das Gewicht der allgemeinen Sakramententheologie zugunsten der liturgiewissenschaftlichen Betrachtung der Sakramente zu verringern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Relevanz der allgemeinen Sakramententheologie gegenüber der liturgiewissenschaftlichen Betrachtung: Dieses Kapitel analysiert das historische und systematische Bedeutungsverhältnis zwischen der dogmatischen Sakramentenlehre und der liturgiewissenschaftlichen Betrachtungsweise im Kontext des Zweiten Vatikanischen Konzils.
2. Die Rolle der allgemeinen Sakramentenlehre bei der Kritikentgegnung: Hier wird erörtert, wie die Sakramententheologie auf moderne gesellschaftliche und kulturelle Einwände reagieren kann und warum sie trotz ihrer relativen Unterordnung gegenüber der Liturgiewissenschaft ein unverzichtbares Instrument zur theologischen Argumentation bleibt.
Schlüsselwörter
Sakramententheologie, Liturgiewissenschaft, Sakramentenlehre, Zweites Vatikanisches Konzil, Odo Casel, Lex orandi, Lex credendi, Liturgische Bewegung, Religionskritik, Sakramentspraxis, Dogmatik, Ökumenischer Dialog, Heilsindividualismus, Gnade, Kirche
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der allgemeinen dogmatischen Sakramententheologie und der liturgiewissenschaftlichen Betrachtung der Sakramente.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Sakramentenlehre, deren Verhältnis zur gelebten Liturgie sowie der Umgang mit zeitgenössischer Kritik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine praxisbezogene und zeitgemäße Einschätzung der Relevanz der allgemeinen Sakramentenlehre unter Einbezug moderner gesellschaftlicher Einwände.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen essayistischen, theologisch-systematischen Ansatz, der historische Entwicklungen und dogmatische Reflexionen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der notwendigen Neuausrichtung der Sakramententheologie hin zur liturgischen Praxis und deren Rolle bei der Entgegnung von Religionskritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sakramententheologie, Liturgiewissenschaft, Lex orandi, Lex credendi und Dogmatik geprägt.
Welche Bedeutung kommt dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu?
Das Konzil markiert einen Wendepunkt, da es die liturgische Feier in den Mittelpunkt rückte und die allgemeine Sakramententheologie stärker auf die Liturgie bezog.
Warum wird die allgemeine Sakramentenlehre heute oft kritisiert?
Kritik entzündet sich häufig an einer als magisch empfundenen Praxis oder einer Entfremdung von der Lebensrealität des modernen, säkular geprägten Menschen.
Wie kann die Theologie auf antisakramentale Affekte reagieren?
Durch einen stärkeren Fokus auf die Verbindung zwischen Individuum, Gemeinschaft und Liturgie sowie durch eine fundierte Auseinandersetzung im ökumenischen Dialog.
- Citation du texte
- Dr.iur. Andrea G. Röllin (Auteur), 2016, Die Relevanz einer allgemeinen Sakramententheologie. Die liturgiewissenschaftliche Betrachtung und die gesellschaftlichen und kulturellen Einwände, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/334881