Zur Notwendigkeit der Pflegeakademisierung in Deutschland


Hausarbeit, 2014

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Methodik der Literaturrecherche

Ergebnisse der Literaturrecherche
Warum muss Pflege neuerdings studieren?
Deutsche Pflege im internationalen Vergleich
Folgen für die Pflegepraxis
Prognose

Zusammenfassung der Ergebnisse

Auswertung und Diskussion der Ergebnisse

Schlusswort

Quellen
Bücher
Weitere Publikationen
Studien und Statistiken
Artikel

Einleitung

Der Pflegeberuf galt lange Zeit als Hilfsberuf der Mediziner. Heutzutage bieten immer mehr Hochschulen aber auch für diese „Hilfsberufe“ eine große Fülle von Studiengän- gen an. Bisher liegt die Majorität der deutschen Pflegestudiengänge jedoch in den Be- reichen Pflegemanagement, -Pädagogik und -Wissenschaft, welche meist auch nur auf eine bereits abgeschlossene Ausbildung aufbauen. Sie tragen also zur Akademisierung der „Pflegeelite“ bei (Vgl.2 ). Diese Studiengänge sind das Resultat der Novellierung des Krankenpflegegesetzes von 2003. Demnach wird eine akademische Qualifikation für Leitungen und Lehrende von Krankenpflegeausbildungsstätten vorgeschrieben (Vgl. 5 ). Erst seit jüngster Zeit werden auch Studiengänge für das „Patientenbett“ angeboten und rege wahrgenommen, womit nun auch die „Pflegebasis“ akademischen Zuwachs bekommt (Vgl.2 ). Als Bestandteil dieses Berufszweiges werfen sich mir mit dem Ausbau der akademischen Pflegeberufslandschaft einige Fragen auf. Woher kommt der Sinneswandel? Warum geht der Pflegeberuf den Schritt der Akademisierung? Wieso ist es nötig, ein altbewährtes Ausbildungssystem mit grundständigen Studiengängen zu erweitern? In der folgenden Arbeit möchte Ich einige Gründe für die Notwendigkeit der Akademisierung der deutschen Pflege aufzeigen. Ein Blick über die deutschen Grenzen hinaus kann dabei nützlich sein, um den Stellenwert der deutschen Pflege in Europa zu ermitteln. Sind wir Vorreiter in der Akademisierung der Pflegeberufe oder hinken wir hinterher? Und was bedeuten die neuen Ausbildungsvarianten für die Praxis? Wie könn- te sich das pflegerische Berufsbild zukünftig durch voranschreitende Akademisierung ändern? Auch darauf möchte Ich in folgenden Texten kurz eingehen.

Methodik der Literaturrecherche

Zur Aneignung von Informationen habe Ich insgesamt 33 Quellen genutzt, wobei sich viele Informationen doppelten. Ein Großteil meiner Recherche stützte sich auf das In- ternet, da hier viele Artikel, Statistiken und weitere Publikationen öffentlich zugänglich waren. Insgesamt habe Ich zum Thema der Pflegeakademisierung 19 Artikel und Bei- träge auf Internetseiten genutzt. Ebenso verwendete Ich die Ergebnisdarstellungen von 4 Studien bzw. Statistiken. Weitere 7 Publikationen in Formen, wie z.B. einer Bachelorarbeit, einem Eckpunktepapier oder einer Empfehlung des Wissenschaftsrates wurden ebenso verwendet. Über das Internet hinaus half mir die Sichtung dreier Bücher weiter, um die Thematik besser zu verstehen. Neben zeitlich aktuellen Quellen habe Ich bewusst auch Quellen älterer Jahrgänge genutzt, um die Problematik vollkommen nachvollziehen zu können. Die Recherche aller Quellen nahm den Zeitraum zwischen Mai 2014 - Juli 2014 in Anspruch.

Ergebnisse der Literaturrecherche

Warum muss Pflege neuerdings studieren?

Der Pflegeberuf steht im Wandel. Vom Hilfsberuf zur Profession ist die Devise. Dabei spielt die Akademisierung der deutschen Pflegekräfte eine große Rolle. Doch was versteht man unter Akademisierung? Akademisierung ist die „Anhebung der beruflichen Ausbildung auf Hochschulniveau bzw. die Verlagerung von Erstausbildungen in den tertiären Bildungssektor.“ (Vgl.2 ).

Durch wachsende Anforderungen an die pflegerische Arbeit, Delegationsprogramme und fehlende Fachkräfte wachsen Verantwortung und Aufgabenspektrum der Pflege- kräfte (Vgl.8 ). So werden heute bereits Aufgaben mit hohem Anforderungsniveau, die vornehmlich Ärzten vorbehalten sind, von Pflegekräften durchgeführt. Deshalb wird die Forderung nach besser ausgebildeten, akademisierten Pflegekräften laut, um den stei- genden Anforderungen zu entsprechen und dem wachsenden Fachkräftemangel entge- genzuwirken. Pflege ist im 21. Jahrhundert eben mehr als „waschen, füttern und zur Toilette begleiten“ (Vgl.28 ). Bereits jetzt sind spezielle Bereiche der Patientenversor- gung, wie z.B. Wundmanager und Ernährungsteams, im Pflegerischen Kompetenzbe- reich angesiedelt. Diese Kompetenzbereiche werden ursprünglich von ärztlicher Seite delegiert. Die Ausbildung studierter Pflegekräfte dient der Umgestaltung dieser Kompe- tenzbereiche und steigert die Effizienz der Krankenversorgung durch Erschließung neuer Tätigkeitsbereiche der Pflegenden (Vgl.29 ). Durch akademisierte Pflegekräfte, sogenannter Pflegeexperten, wächst die Anforderung an die Pflege jedoch noch weiter an. Immerhin könnten Studien zu Folge 25-75% der ärztlichen Arbeit auch Pflegeexper- ten übernehmen, so der DBfK (Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe) (Vgl.27 ). Laut dieser besteht die Möglichkeit, dass die Primärprävention, die Betreuung und das Management chronischer Kranker Menschen in die Verantwortungsbereiche der Pflege übergehen. Somit würde die Pflegearbeit unabhängiger vom Fachbereich der Mediziner werden. Die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Pflegenden würde wachsen, wodurch wir uns stark vom Status des „medizinischen Hilfsberufes“ entfernen und einen eigenständigen, gesonderten Fachbereich bilden.

Der Demographische Wandel in Deutschland hat ebenfalls einen großen Einfluss auf die pflegerische Ausbildungslandschaft des 21. Jahrhunderts. Die deutsche Bevölkerung altert, Fallzahlen steigen, Liegedauern verkürzen sich, die Pflegebedürftigkeit und Mul- timorbidität der deutschen Bevölkerung wächst stetig und gleichzeitig reduziert sich die Anzahl der Pflegekräfte, so die Aussagen des Statistischen Bundesamtes (Vgl. 14 ;15 ) und des Wissenschaftsrates (Vgl.6 ). Der Leiter des Ausschusses für Medi- zin im Wissenschaftsrat, Prof. Dr. med. Hans-Joachim Heinze, äußert „[...] dass infolge der demographischen Entwicklung und des medizinischen Fortschritts die Anzahl der multimorbiden Kranken enorm zunehmen werde - parallel dazu würden die Ansprüche an Diagnostik und Therapie steigen. Wir glauben, dass diese komplexen Aufgaben im Idealfall durch ein multidisziplinäres Team geleistet werden. Zumindest ein Teil des Teams sollte die Kriterien des reflective practitioners [...] erfüllen.“ (Vgl.24 ). Hierzu schaffe die primärqualifizierende akademische Ausbildung unserer Pflegekräfte die bes- te Voraussetzung, so Heinze. Die zukünftigen Pflegenden sollen demnach lernen selbst- ständig Lösungsansätze für Probleme zu finden, anstatt darin zu verharren. Es wird er- wartet, dass Sie weiterführend auf wissenschaftlichen Grundlagen arbeiten oder auch selbst neue Konzepte entwickeln (Vgl.28 ), um so den erhöhten Arbeitsaufwand ge- recht zu werden.

Besonders im ambulanten Pflegesektor steigt zukünftig der Bedarf an gut qualifizierten Pflegekräften mit sehr hoher Kompetenz und erweitertem Organisationsvermögen (Vgl. 5 ). Durch wirtschaftlich begründete, sinkende Verweildauern der Patienten in den Krankenhäusern, steigt der benötigte Pflegebedarf der Patienten zum Entlassungszeit- punkt. Besetzte ein Patient beispielsweise im Jahr 1991 noch durchschnittlich zwei Wo- chen ein Krankenhausbett, so hätte er im Jahr 2012 nur noch durchschnittlich knapp acht Tage im Krankenhaus verbracht (Vgl. [32)]. Diese Reduktion der Verweildauern der Patienten im Krankenhaus ist auf die Einführung der Abrechnung nach DRG (Diag- nosis Related Groups) im Jahr 2002 zurück zu führen. Seither werden Krankenhäuser für jede behandelte „Diagnosegruppe“ gleich bezahlt, egal ob der eingruppierte Patient beispielsweise einen oder zehn Tage im Krankenhaus verbleibt (Vgl.33 ). Dementsprechend werden Patienten eher entlassen, als das in der Vergangenheit der Fall war, um wirtschaftlicher zu arbeiten. Für die ambulante Pflege bedeutet dies wiederum, dass der Patient, der 1991 nach zwei Wochen das Krankenhaus verlies im Durchschnitt sechs Tage länger in Obhut stationärer Pflege, Physio- und Ergotherapie sowie ärztlicher Akutbehandlung war, als 2012. Dementsprechend höher fielen das Ressourcenvolumen und die Selbstständigkeit der damals entlassenen Patienten aus, wodurch ein geringerer ambulanter Pflegeaufwand von Nöten war. Für die heutige ambulante Pflege bietet sich folglich ein breiteres Versorgungsspektrum an. Sei es entweder durch steigenden Grundpflegebedarf, wie z.B. im Bereich der Körperpflege oder der Inkontinenzversor- gung. Oder aber im Bereich des speziellen/ medizinische Pflegebedarfs, wie z.B. der Verbandswechsel und die Stomaversorgung. Um diese neue und umfangreiche Pflege gewährleisten und für eine optimale häusliche Versorgung garantieren zu können, benö- tigt man umfassender ausgebildete Pflegekräfte (Vgl.5 ), wie das bei den Absolventen dualer Studiengänge der Fall ist. Auch Komplikationen oder Verschlechterungen des Allgemeinzustandes der häuslich betreuten Patienten könnten durch ambulant eingesetz- te Pflegeakademiker früher wahrgenommen werden, wodurch eine schnellere Interven- tion zu erwarten ist.

Die demographische Entwicklung in Deutschland hat also zur Folge, dass in Zukunft immer weniger Pflegepersonen für immer mehr pflegebedürftige Menschen verantwort- lich werden. Zum einen ist dies die Folge der Bevölkerungsalterung, da durch den Fort- schritt der modernen Medizin und Technik die Lebenserwartung steigt sowie Personal- minimierung im Pflegesektor aus wirtschaftlichen Gründen. Zum anderen sinkt die Zahl der nachwachsenden pflegerischen Fachkräfte. Daneben ist auch das sinkende Interesse der Jugend, einen Pflegeberuf zu erlernen, maßgebend daran beteiligt, da sich der Pfle- geberuf in Deutschland durch eine gewisse „Unattraktivität“ auszeichnet (Vgl.12 ). Die Akademisierung der Pflegeberufe könnte hier einen nachhaltigen Beitrag dazu leis- ten, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten (Vgl.6 ). Durch vermehrte Angebote grundständiger Pflegestudiengänge wird das Ausbildungsniveau angehoben. Somit er- hält der Pflegeberuf einen besseren Stellenwert in der Gesellschaft und bei Jugendlichen wird vermehrt das Interesse geweckt, die Pflege zu erlernen. Vor allem Abiturienten werden dann zunehmend Pflegeausbildungen beginnen, was momentan nur vereinzelt der Fall ist (Vgl.20 ). Auch durch die bereits angesprochenen weiter wachsenden An- forderungen und Kompetenzen moderner Pflege, steigt das Ansehen des Berufes in der Gesellschaft, wodurch dieser für junge Menschen attraktiver wird und somit der Fach-kräftemangel auf Dauer gedämpft werden kann (Vgl. [24]).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Zur Notwendigkeit der Pflegeakademisierung in Deutschland
Veranstaltung
Einführung in die Pflegewissenschaft
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V337516
ISBN (eBook)
9783668270435
ISBN (Buch)
9783668270442
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Akademisierung, Pflege, Pflegeberuf, Krankenpflegegesetz, Pflegebachelor, Pflegenotstand
Arbeit zitieren
Andre Günther (Autor), 2014, Zur Notwendigkeit der Pflegeakademisierung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337516

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