Der Pflegeberuf galt lange Zeit als Hilfsberuf der Mediziner. Heutzutage bieten immer mehr Hochschulen aber auch für diese „Hilfsberufe“ eine große Fülle von Studiengängen an. Bisher liegt die Majorität der deutschen Pflegestudiengänge jedoch in den Bereichen Pflegemanagement, -pädagogik und -wissenschaft. Diese Studiengänge sind das Resultat der Novellierung des Krankenpflegegesetzes von 2003. Demnach wird eine akademische Qualifikation für Leitungen und Lehrende von Krankenpflegeausbildungsstätten vorgeschrieben. Erst seit jüngster Zeit werden auch Studiengänge für das „Patientenbett“ angeboten und rege wahrgenommen, womit nun auch die „Pflegebasis“ akademischen Zuwachs bekommt. Als Bestandteil dieses Berufszweiges werfen sich mir mit dem Ausbau der akademischen Pflegeberufslandschaft einige Fragen auf: Woher kommt der Sinneswandel? Warum geht der Pflegeberuf den Schritt der Akademisierung? Wieso ist es nötig, ein altbewährtes Ausbildungssystem mit grundständigen Studiengängen zu erweitern?
In der folgenden Arbeit möchte Ich einige Gründe für die Notwendigkeit der Akademisierung der deutschen Pflege aufzeigen. Ein Blick über die deutschen Grenzen hinaus kann dabei nützlich sein, um den Stellenwert der deutschen Pflege in Europa zu ermitteln. Sind wir Vorreiter in der Akademisierung der Pflegeberufe oder hinken wir hinterher? Und was bedeuten die neuen Ausbildungsvarianten für die Praxis? Wie könnte sich das pflegerische Berufsbild zukünftig durch voranschreitende Akademisierung ändern? Auch darauf möchte ich in folgenden Texten kurz eingehen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Methodik der Literaturrecherche
Ergebnisse der Literaturrecherche
Warum muss Pflege neuerdings studieren?
Deutsche Pflege im internationalen Vergleich
Folgen für die Pflegepraxis
Prognose
Zusammenfassung der Ergebnisse
Auswertung und Diskussion der Ergebnisse
Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit der Akademisierung der Pflege in Deutschland unter Berücksichtigung des demographischen Wandels, veränderter Versorgungsanforderungen sowie internationaler Standards. Ziel ist es, die Gründe für den Wandel vom Hilfsberuf zur Profession kritisch zu beleuchten und Perspektiven für eine zukunftsfähige Pflegeausbildung aufzuzeigen.
- Demographischer Wandel und Fachkräftemangel als Treiber der Akademisierung
- Internationaler Vergleich der pflegerischen Ausbildungssysteme
- Verbesserung der Versorgungsqualität durch wissenschaftlich fundierte Pflege
- Herausforderungen bei der Umsetzung und Implementierung dualer Studiengänge
- Bedeutung der Generalisierung für das Ansehen des Pflegeberufs
Auszug aus dem Buch
Warum muss Pflege neuerdings studieren?
Der Pflegeberuf steht im Wandel. Vom Hilfsberuf zur Profession ist die Devise. Dabei spielt die Akademisierung der deutschen Pflegekräfte eine große Rolle. Doch was versteht man unter Akademisierung? Akademisierung ist die „Anhebung der beruflichen Ausbildung auf Hochschulniveau bzw. die Verlagerung von Erstausbildungen in den tertiären Bildungssektor.“ (Vgl. [2]).
Durch wachsende Anforderungen an die pflegerische Arbeit, Delegationsprogramme und fehlende Fachkräfte wachsen Verantwortung und Aufgabenspektrum der Pflegekräfte (Vgl. [8]). So werden heute bereits Aufgaben mit hohem Anforderungsniveau, die vornehmlich Ärzten vorbehalten sind, von Pflegekräften durchgeführt. Deshalb wird die Forderung nach besser ausgebildeten, akademisierten Pflegekräften laut, um den steigenden Anforderungen zu entsprechen und dem wachsenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Pflege ist im 21. Jahrhundert eben mehr als „waschen, füttern und zur Toilette begleiten“ (Vgl. [28]). Bereits jetzt sind spezielle Bereiche der Patientenversorgung, wie z.B. Wundmanager und Ernährungsteams, im Pflegerischen Kompetenzbereich angesiedelt. Diese Kompetenzbereiche werden ursprünglich von ärztlicher Seite delegiert. Die Ausbildung studierter Pflegekräfte dient der Umgestaltung dieser Kompetenzbereiche und steigert die Effizienz der Krankenversorgung durch Erschließung neuer Tätigkeitsbereiche der Pflegenden (Vgl. [29]). Durch akademisierte Pflegekräfte, sogenannter Pflegeexperten, wächst die Anforderung an die Pflege jedoch noch weiter an. Immerhin könnten Studien zu Folge 25-75% der ärztlichen Arbeit auch Pflegeexperten übernehmen, so der DBfK (Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe) (Vgl. [27]). Laut dieser besteht die Möglichkeit, dass die Primärprävention, die Betreuung und das Management chronischer Kranker Menschen in die Verantwortungsbereiche der Pflege übergehen. Somit würde die Pflegearbeit unabhängiger vom Fachbereich der Mediziner werden. Die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Pflegenden würde wachsen, wodurch wir uns stark vom Status des „medizinischen Hilfsberufes“ entfernen und einen eigenständigen, gesonderten Fachbereich bilden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Abschnitt führt in die historische Entwicklung der Pflege vom medizinischen Hilfsberuf hin zur Profession ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Notwendigkeit der Akademisierung.
Methodik der Literaturrecherche: Es wird dargelegt, wie durch die Auswertung von 33 Quellen, darunter Fachartikel, Statistiken und Studien, eine fundierte Datengrundlage für die Arbeit geschaffen wurde.
Ergebnisse der Literaturrecherche: Dieses Kapitel analysiert die Ursachen für den Bedarf an akademisierten Pflegekräften, vergleicht das deutsche System mit dem europäischen Ausland und beleuchtet die Auswirkungen auf die Praxis sowie Zukunftsprognosen.
Zusammenfassung der Ergebnisse: Hier werden die Kernerkenntnisse komprimiert dargestellt, die den Bedarf an einer tertiären Ausbildung begründen, insbesondere im Kontext von Fachkräftemangel und medizinischem Fortschritt.
Auswertung und Diskussion der Ergebnisse: Der Autor bewertet die Qualität der herangezogenen Quellen und reflektiert die politische sowie gesellschaftliche Hürden bei der Implementierung akademischer Ausbildungsgänge.
Schlusswort: Das Kapitel reflektiert das Potenzial dualer Pflegestudiengänge und mahnt einheitliche Richtlinien an, um eine Fehlentwicklung im Kompetenzmix zu vermeiden.
Schlüsselwörter
Akademisierung, Pflegeberuf, Pflegewissenschaft, Fachkräftemangel, duale Studiengänge, Gesundheitswesen, professionelle Pflege, demographischer Wandel, Pflegequalität, tertiäre Bildung, Versorgungsqualität, Kompetenzbereich, Pflegemanagement, Patientenversorgung, Professionalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Notwendigkeit, die Ausbildung in Pflegeberufen in Deutschland auf ein akademisches Niveau zu heben, um den steigenden Anforderungen im Gesundheitswesen gerecht zu werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf dem demographischen Wandel, dem internationalen Vergleich der Pflegeausbildung, der Steigerung der Versorgungsqualität und der Professionalisierung der Pflege durch ein wissenschaftliches Studium.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Argumente für die Akademisierung aufzuzeigen und zu klären, warum Deutschland im europäischen Vergleich Nachholbedarf hat und welche Folgen sich daraus für die Praxis ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einem Literaturstudium, bei dem aktuelle Fachpublikationen, Statistiken, Studien und Eckpunktepapiere systematisch ausgewertet wurden.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen für den Wunsch nach Akademisierung, beleuchtet die Konsequenzen der DRG-Abrechnung auf die Pflege und diskutiert die Hürden bei der Etablierung dualer Studiengänge.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind die Akademisierung, der demographische Wandel, die Professionalisierung und die Suche nach einem modernen Pflegeverständnis.
Wie unterscheidet sich die Ausbildung in Deutschland vom europäischen Ausland?
Der Autor zeigt auf, dass viele europäische Nachbarländer die Pflegeausbildung bereits seit Längerem an Hochschulen verlagert haben, während Deutschland erst seit kurzem mit einer "Testphase" dualer Studiengänge auf diese Forderungen reagiert.
Welches Problem sieht der Autor bei der aktuellen Implementierung?
Der Autor kritisiert das Fehlen einheitlicher Richtlinien und Kompetenzbeschreibungen für Absolventen, was dazu führen könnte, dass Ressourcen verschwendet werden und hochqualifizierte Kräfte in unterqualifizierten Bereichen eingesetzt werden.
- Citation du texte
- Andre Günther (Auteur), 2014, Zur Notwendigkeit der Pflegeakademisierung in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337516