Anwendung von Erkenntnissen und Methoden der Spielpädagogik im Sachunterricht


Hausarbeit, 2013

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Begriffliche Erklärungen
1.1 Spielpädagogik
1.1.1 Definition und Bedeutung des Spiels
1.1.2 Spielpädagogik – Was ist das?
1.1.3 Ausgewählte Methode der Spielpädagogik: Lernspiele
1.2 Entwicklungspsychologie
1.2.1 Womit setzt sich die Entwicklungspsychologie auseinander?
1.2.2 Theorie nach Erik Erikson
1.2.3 Theorie nach Jean Piaget
1.3. Grundschulkinder und ihr Stand der Entwicklung
1.4 Sachunterricht
1.4.1 Sachunterricht: Aufgaben und Ziele
1.4.2 Rahmenlehrplan

2. Bedeutung der Spielpädagogik für den Sachunterricht

3. Pädagogische Konsequenzen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Spielen hat für alle Kinder eine große Bedeutung, es nimmt einen großen Teil ihrer Freizeit ein. Kinder empfinden beim Spielen, ebenso wie Erwachsene viel Spaß und Freude. Vieles von dem was die Schülerinnen und Schüler* zu Beginn des Schuleintritts beherrschen, haben sie durch Nachahmung oder Spielen gelernt. Ausgehend davon, wäre es in Schule und Unterricht sehr zu empfehlen, dieses Potential zu nutzen und darauf aufzubauen. Durch die Anwendung von Spielen im Unterricht, werden die Kinder in ihrer Lebenswelt abgeholt. Darüber hinaus kann so der Übergang von Kindergarten in die Schule erleichtert werden.

Die Spielpädagogik ist ein Bereich der Pädagogik, der sich mit Fragen der Methodik, Didaktik, Praxis und Forschung des Phänomens Spiel beschäftigt. Auf dieser Grundlage stellt sich nun die Frage: Finden Erkenntnisse und Methoden der Spielpädagogik, unter Berücksichtigung ausgewählter entwicklungspsychologischer Theorien, Anwendung und Beachtung im Sachunterricht?

Im Folgenden geht es darum, diese Frage zu untersuchen und zu beantworten. Dabei werden erst die Bedeutung des Spiels und mögliche Definitionen betrachtet und eine ausgewählte Methode der Spielpädagogik, die Lernspiele vorgestellt. Danach soll geklärt werden, was Entwicklungspsychologie ist und mit welchen Bereichen sich diese beschäftigt. Es werden die Theorien von Erik Erikson und Jean Piaget (nach Trautner, 2002 und Miller, 1991) eingeführt und ein Bezug zur Spielpädagogik hergestellt. Dieses Vorgehen wurde gewählt, um eine Grundlage für die Diskussion über den Ist-Stand an Schulen und die daraus folgenden pädagogischen Konsequenzen zu schaffen. Da in der Fragestellung explizit der Sachunterricht genannt wurde, werden dessen Ziele und Aufgaben herausgestellt und thematisch mit dem aktuellen Rahmenlehrplan für das Land Brandenburg in Beziehung gesetzt. Nachdem die theoretische Grundlage geschaffen ist, geht es in den folgenden Kapiteln um die genaue Beantwortung der Fragestellung. Abschließend wird ein Ausblick gegeben inwieweit die hier gewonnenen Erkenntnisse in den Schulalltag integriert werden können.

1. Begriffliche Erklärungen

Im folgenden Kapitel werden die fachlichen Begriffe und Theorien eingeführt, die für die Arbeit von Bedeutung sind. Begonnen wird mit dem Begriff der Spielpädagogik und der Bedeutung des Spiels. Anschließend folgen zwei ausgewählte Entwicklungstheorien, zum einen die Entwicklungstheorie nach Erik Erikson und zum anderen die Theorie von Jean Piaget. Abschließend werden die Aufgaben und Ziele sowie der Rahmenlehrplan des Sachunterrichts vorgestellt.

1.1 Spielpädagogik

Um den Begriff der Spielpädagogik erläutern zu können, wird zuerst geklärt welche Bedeutung Spiel hat und wie dieses definiert wird.

1.1.1 Definition und Bedeutung des Spiels

Das Wort spielen oder Spiel wird im deutschen Sprachgebrauch in unterschiedlichen Kontexten verwendet: „Er hat sein Glück verspielt.“- „Die Kinder spielen draußen im Garten.“ oder „Die Schraube hat noch Spiel.“

Der in diesem Kontext gemeinte Wortgebrauch bezieht sich auf das Spiel der Kinder sowie dessen Bedeutung. Was ist Spiel überhaupt? Welche Bedeutung hat es? Wodurch ist das Spiel gekennzeichnet? Diese Fragen sollen im Folgenden untersucht und beantwortet werden.

Typische Kennzeichen von Spiel sind, dass es immer ungeplant, spontan und frei von jeglichen Verpflichtungen ist. Es wird stark durch Gefühle beeinflusst und gesteuert. Fritz bezeichnet das Spiel als Ausdruck von Lebenskraft und Lebensfreude (vgl. Fritz, 1991, S. 19). Bei spielenden Kindern ist dieser Ausdruck sehr stark ausgeprägt. Wenn man Kinder beim Spielen -unabhängig davon ob allein oder in der Gruppe- beobachtet, ist zu sehen, dass sie Freude an der ausgeführten Tätigkeit empfinden. Manchmal sind sie sehr auf ihr Spiel konzentriert, dass sie in der Lage sind, alles andere um sich herum auszublenden. Diese Eigenschaft wird vom Spiel selbst erzeugt und nach Fritz sogar verlangt. Er sagt: „Spiel verlangt, daß man sein ganzes Selbst hineinlegt (…), daß man mit ganzem Herzen dabei ist.“ (Fritz, 1991, S.19). Weitere Merkmale werden von Scheuerl (vgl. in Fritz, 1991, S.78) benannt:

- Spiel ist ungezwungen und frei
- die Bewegung ist in sich geschlossen
- der Bewegungsablauf ist ambivalent
- Spiele haben einen „Ewigkeitscharakter“
- Spiele sind von einer „zeitentrückten Gegenwärtigkeit“ gekennzeichnet

Alle eben genannten Merkmale sind in unterschiedlich starkenAusprägung im Spiel der Kinder zu beobachten. Durch das Ungezwungene und Freie am Spiel wird in dem Moment der Ausführung der „Ewigkeitscharakter“ deutlich. In der Aktion ist nur die Aktion selbst von Bedeutung. Der „Ewigkeitscharakter“ und die „zeitentrückte Gegenwärtigkeit“ lassen sich schwer trennen, denn sie liegen sehr eng beisammen.

Neben der Einteilung in Merkmale können Spiele auch in vier Grundkategorien geteilt werden: den Moment des Wettstreits, den Moment des Zufalls, den Moment der Maskierung und den Moment des Rausches (vgl. Fritz, 1991, S. 26). In den einzelnen Kategorien sind die zuvor genannten Merkmale, in unterschiedlicher Intensität, wiederzufinden. Beim Glücksspiel zum Beispiel spielen der „Ewigkeitscharakter“ und die „zeitentrückte Gegenwärtigkeit“ eine tragendere Rolle. Bei einem Fangspiel steht dagegen die Bewegung im Vordergrund.

Hoppe benennt im Gegensatz zu Scheuerl andere Bestimmungsmerkmale. Er benennt folgende Punkte für die menschliche Spieltätigkeit (vgl. Hoppe, 1983, S.162):

- Spiel ist eine selbstgewählte Tätigkeit, die intrinsisch gesteuert ist
- Spiel ist autotelisch (dem Selbstzweck dienend)
- Spiel ist in seiner inhaltlichen Ausrichtung unbegrenzt
- Spiel benötigt als Voraussetzung das Vorhandensein einer Situation und einer

ICH-Instanz

Vergleicht man nun die Angaben von Hoppe und Scheuerl, kann man Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Definition gut erkennen. Hoppe benennt zusätzlich nötige Voraussetzungen für das Spiel.

Neben all den genannten Merkmalen werden im Spiel aktuelle Geschehnisse, gesellschaftliche Einflüsse sowie aktuelle Werte und Normen wiedergespiegelt (vgl. Fritz, 1991, S. 24).

Diese Reflektion ist ein Zeichen für die Bedeutung des Spiels im Alltag der Kinder. Die Lebenswelt der Kinder wird stark durch Einflüsse aus ihrer Umwelt geprägt. Nicht alle diese Einflüsse sind positiv zu bewerten, im Spiel haben sie die Möglichkeit mit diesen umzugehen. So werden traumatisierende oder übermächtige Erlebnisse oft im Spiel verarbeitet. Meist geschieht dies, durch häufiges Wiederholen des Erlebten. Dies wird in Freuds Psychoanalyse als „Wiederholungszwang“ bezeichnet (vgl. Fritz, 1991, S.22). In den meisten Fällen kommt es dabei zu einem Rollentausch. Der Rollentausch geschieht im Spiel mit Freunden oder mit Spielzeugen. So wird zum Beispiel der Teddy zum Zahnarzt geschickt oder die Kinder spielen untereinander Schule, wobei eines der Kinder die Rolle des Lehrers/ der Lehrerin übernimmt. Durch diese „Neuinszenierung“ kommt es zur Assimilation und der Schaffung eines Übergangs von der Passivität hin zur Aktivität (vgl. Fritz, 1991, S.22). Durch diese Rollenübernahme und die Neuinszenierung fällt es dem Kind leichter Erlebtes zu verarbeiten, da es nun selbst entscheiden kann was geschieht.

Wiederholungen von Alltagssituationen im Spiel dienen allerdings nicht nur der Verarbeitung von negativen Erlebnissen. Durch Nachahmung lernen Kinder viel und durch das Üben der Handlungengewinnen sie an Selbstsicherheit. Die im Spiel erlernten und erworbenen Kenntnisse sowie Handlungsweisen können dann auf die Wirklichkeitsebene übertragen werden (vgl. Fritz, 1991, S. 17). Im Spiel lernt das Kind „neue Potentialitäten hinzu, Möglichkeiten zu denken, zu fühlen, zu bewerten und zu handeln“ (Fritz, 1991, S. 17).

Da das Spielen eine wichtige Position im Leben der Kinder einnimmt, hat sich daraus ein Zweig der Pädagogik entwickelt, der sich mit der Theorie und der Pädagogik des Spiels auseinander setzt. Im Folgenden solldie Spielpädagogik kurz vorgestellt werden.

1.1.2 Spielpädagogik – Was ist das?

Im vorangegangenen Kapitel wurde die Bedeutung des Spiels für Kinder ausführlich erläutert sowie wichtige Merkmale herausgestellt. Ziel in allen Bereichen der Pädagogik, somit auch der Schule, ist es Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung durch gezielte Steuerung zu unterstützen und zu fördern. Die gezielte Förderung der Kinder und Jugendlichen steht auf der einen Seite. Auf der anderen Seite steht das typische Merkmal des Spiels, dass es sich durch seine Freiheit und Unverbindlichkeit auszeichnet.

Mit diesem erzieherischen Widerspruch beschäftigt sich die Spielpädagogik. Die Spielpädagogik hat zur Aufgabe einen Weg zwischen der Notwendigkeit der Planung und der Spontanität zu finden (vgl. Fritz, 1991, S. 94). Das Ziel ist es das Umfeld so zu verändern, dass sich die Tätigkeit des Spiels frei entfalten kann und nicht an seiner inneren Zweckfreiheit verliert (vgl. Fritz, 1991, S. 94). Dies ist jedoch nicht die einzige Aufgabe mit der sich die die Spielpädagogik auseinandersetzt. Es geht auch darum aus der Nützlichkeit des Spiels pädagogische Prinzipien abzuleiten, mit denen die Kinder angemessen gefördert werden können. Sie sollen lernen die im Spiel gewonnenen Erkenntnisse in die eigene Wirklichkeitsvorstellung zu übertragen und sich in der Welt zurechtzufinden (vgl. Fritz, 1991, S. 16). DieÜbertragung geschieht zum Teil automatisch bei den Kindern. Dieser Prozess kann jedoch durch geeignete Unterstützung begünstigt werden. Die Übertragung wird durch eine optimale Förderung der wechselseitigen Beziehung von Mensch und Spiel erleichtert (vgl. Fritz, 1991, S. 97). Auf Grundlage der erwähnten Aufgaben und Zielen kommt Fritz zu folgender Definition der Spielpädagogik:

„Spielpädagogik ist die umfassende (ökologisch-kulturelle) Auseinandersetzung mit Spiel und seinen Rahmenbedingungen in den Bereichen der Reflexion, Aktion und Antizipation.“ (Fritz, 1991, S. 97).

Durch diesen umfassenden Anspruch, der an die Spielpädagogik gestellt wird, gibt es mehrere Teilbereiche, die zueinander in einem Wechselverhältnis stehen. Es handelt sich bei den Untergliederungen um die folgenden Bereiche nach Fritz (1991, S. 95):

- Spielforschung: schafft die empirische Grundlage für die Spielpädagogik
- Spielkultur: Beschäftigung mit Spielprozessen, Spielstrukturen und Spielinhalten
- Spielpraxis: Auseinandersetzung mit pädagogisch geleiteten Spielen
- Spielpolitik: prüft die gegebenen Rahmenbedingungen
- Spieldidaktik: nachdenken über eine angemessene Spielpraxis
- Spielmethodik: Gestaltung und Ablauf von pädagogisch initiierten

Spielprozessen

Durch die kurze Erläuterung der einzelnen Teilbereiche wird deutlich, wie umfangreich das das Gebiet der Spielpädagogik ist. Die ausgeprägten Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Teilbereichen sind ebenfalls klar zu erkennen.Die Bereiche Spieldidaktik und Spielmethodik stehen zum Beispiel in enger Interaktion zueinander. Zum Beispiel prüft die Spieldidaktik die Anwendbarkeit der Methoden in bestimmten Bereichen, wie der Schule.

1.1.3 Ausgewählte Methode der Spielpädagogik: Lernspiele

Eine kontrovers diskutierte Methode der Spielpädagogik sind die Lernspiele. Lernspiele sind unter anderem die Spiele, die im Unterricht am meisten zur Anwendung kommen.

Sie sind älter als sich vermuten lässt. Bereits durch Rousseau wurden Lernspiele in der Zeit der Aufklärung weit verbreitet.Zu finden sind sie aber schon im alten Ägypten und in der Antike, dort dienten sie dem Erwerb bestimmter Kulturtechniken (vgl. Kluge, 1979, S.77). Dies ist auch heute noch üblich, denn wie bereits eingangs erwähnt, lernen Kinder viel durch spielen. Das Lernspiel hat die Aufgabe Kinder zur Arbeit zu motivieren (vgl. Kluge, 1979, S. 79). Heute wurde der Zweck und Einsatz der Lernspiele erweitert und sie sind zu einer eigenen Didaktik geworden. Mögliche Definitionen für Lernspiele sind folgende:

[...]


* Das Sternchen wird verwendet, da in der gesamten Arbeit nicht nur die männliche und/oder weibliche Form gemeint ist, sondern auch alle Geschlechtsidentitäten dazwischen und darüber hinaus.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Anwendung von Erkenntnissen und Methoden der Spielpädagogik im Sachunterricht
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V338530
ISBN (eBook)
9783668279551
ISBN (Buch)
9783668279568
Dateigröße
798 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anwendung, erkenntnissen, methoden, spielpädagogik, sachunterricht
Arbeit zitieren
Sandra Koplin (Autor:in), 2013, Anwendung von Erkenntnissen und Methoden der Spielpädagogik im Sachunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/338530

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