Seit Beginn der 90er Jahre hat eine größere Zahl an Gesundheitssystemen den Versicherten Wahlfreiheit zwischen den Krankenkassen eingeräumt beziehungsweise bestehende Wahlmöglichkeiten ausgebaut. Neben Deutschland bedienen sich dabei auch Belgien, Israel, die Niederlande und die Schweiz eines Risikostrukturausgleichs (RSA) um den Wettbewerb der Krankenversicherer aufrecht zu erhalten.
Das Ausgleichssystem in Deutschland befindet sich nun in seinem achten Jahr nach der Weiterentwicklung zum morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) und seiner Einbindung in den Gesundheitsfonds. Vor diesem Hintergrund soll untersucht werden, in welchen Bereichen der Morbi-RSA seine gesetzten Ziele bereits annähernd zu erreichen vermag und in welchen Bereichen noch Verbesserungsbedarf besteht.
Dazu soll zunächst auf die Rationale für einen (morbiditätsbezogenen) RSA eingegangen werden. Anschließend wird die derzeitige Ausgestaltung thematisiert und schließlich die Frage nach dem derzeitigen Stand der Zielgenauigkeit des RSA aufgegriffen.
Inhaltsverzeichnis
1 Aktuelle Brisanz
2 Ziele des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs
3 Momentane Ausgestaltung des Risikostrukturausgleichs
3.1 Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds
3.2 Das Konstrukt des Morbi-RSA
4 Zielgenauigkeit
4.1 Aggregierte Güßemaße
4.2 Unter- und Überdeckungen auf Gruppenebene
4.3 Unter- und Überdeckungen auf Kassenebene
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die aktuelle Situation und die Zielgenauigkeit des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) im deutschen Krankenversicherungssystem. Ziel ist es, zu analysieren, in welchen Bereichen das System seine Ziele erreicht und wo weiterhin Handlungsbedarf besteht, insbesondere im Hinblick auf das Krankengeld und die Auslandsversicherten.
- Rationale und Ziele des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs
- Aufbau und Funktionsweise des Morbi-RSA und seiner Risikogruppen
- Analyse der Zielgenauigkeit mittels statistischer Gütemaße
- Evaluation von Unter- und Überdeckungen auf Gruppen- und Kassenebene
- Identifikation aktueller Problemfelder und Handlungsbedarfe
Auszug aus dem Buch
3.2 Das Konstrukt des Morbi-RSA
Als Rechenbasis der Zuweisungen für die Deckung der standardisierten Leistungsausgaben fungiert zunächst eine Grundpauschale in Höhe der durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausgaben in der GKV. Diese wird durch alters-, geschlechts- und risikoadjustierte Zu- und Abschläge auf das konkrete Ausgabenrisiko eines Versicherten spezifiziert (vgl. Bundesversicherungsamt, 2008, S. 4).
Um die Zu- und Abschläge zu berechnen und so den Risikostrukturausgleich durchzuführen, werden die Versicherten der Krankenkassen in Risikogruppen eingeteilt. Diese unterteilen sich nach den Ausgleichsfaktoren: Alter, Geschlecht, Bezug einer Erwerbsminderungsrente und Morbidität. Die Zuweisungen, die eine Krankenkasse für einen Versicherten erhält, bestimmen sich nach den standardisierten Leistungsausgaben der Risikogruppe, in die er eingeteilt ist.
Auf Grundlage der Datenmeldungen der Kassen ergeben sich derzeit 152 Risikogruppen, für die Zu- und Abschläge ermittelt werden (Siehe Abbildung 1). Diese bestehen aus:
• 40 Alters-Geschlechts-Gruppen (AGG)
• 6 Erwerbsminderungsgruppen (EMG)
• 106 hierarchisierten Morbiditätsgruppen (HMG)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Aktuelle Brisanz: Das Kapitel erläutert die Einführung der Wahlfreiheit in Gesundheitssystemen und die Rolle des Risikostrukturausgleichs zur Aufrechterhaltung des Wettbewerbs.
2 Ziele des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs: Hier wird der RSA als Finanzausgleich definiert, der fairen Wettbewerb ohne Risikoselektion ermöglichen und Effizienz sowie Effektivität in der GKV fördern soll.
3 Momentane Ausgestaltung des Risikostrukturausgleichs: Dieses Kapitel beschreibt die Zuweisungsströme über den Gesundheitsfonds und die methodische Einteilung von Versicherten in verschiedene Risikogruppen.
4 Zielgenauigkeit: Es werden statistische Kennziffern und Deckungsquoten genutzt, um die Prognosegenauigkeit der Zuweisungen auf Individual-, Gruppen- und Kassenebene zu evaluieren.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass der Morbi-RSA die Treffsicherheit deutlich erhöht hat, weist jedoch auf spezifischen Handlungsbedarf bei Krankengeld und Auslandsversicherten hin.
Schlüsselwörter
Risikostrukturausgleich, Morbi-RSA, Gesundheitsfonds, GKV, Risikoselektion, Solidarversicherung, Deckungsquoten, Gütemaße, Morbiditätsgruppen, Leistungsausgaben, Krankengeld, Auslandsversicherte, Wettbewerb, Versichertenausgleich, Finanzausgleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit analysiert die Funktionsweise und die aktuelle Zielgenauigkeit des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) innerhalb der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind der Wettbewerb unter Krankenkassen, die Vermeidung von Risikoselektion, die technische Ausgestaltung der Risikogruppen sowie die statistische Evaluation von Prognosefehlern im Zuweisungssystem.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu untersuchen, in welchen Bereichen das System seine gesetzten Ziele erreicht und wo durch aktuelle Problemstellungen weiterhin Verbesserungsbedarf besteht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse sowie die Auswertung statistischer Kennzahlen (z.B. R², CPM, MAPE) und Deckungsquoten, um die Qualität des Risikostrukturausgleichs zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Zuweisungsmechanismen (Gesundheitsfonds, Risikogruppen) und eine detaillierte quantitative Analyse der Deckungsquoten auf verschiedenen Ebenen.
Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Risikostrukturausgleich, Morbiditätsorientierung, Zielgenauigkeit, Deckungsquoten und Wettbewerb der Krankenkassen.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Krankengeld und anderen Leistungen problematisch?
Krankengeld ist eine Lohnersatzleistung, deren Höhe von individuellen Löhnen (Preiskomponente) abhängt, während der RSA primär medizinische Versorgungskosten abdeckt, was zu systematischen Unterdeckungen führen kann.
Welche Rolle spielen Auslandsversicherte im aktuellen System?
Aufgrund von Verzerrungen durch stark schwankende Zahlen an Auslandsversicherten bei verschiedenen Kassen wurden Ist-Kosten-Elemente als Übergangslösung implementiert, die jedoch weiteren Anpassungsbedarf aufzeigen.
Was besagt das Ergebnis zur Unterkompensation von Multimorbidität?
Die Analyse erhärtet den Verdacht einer grundsätzlichen Unterkompensation bei Multimorbidität im Morbi-RSA, wobei festgestellt wurde, dass sich die Situation im Vergleich zum Alt-RSA dennoch verbessert hat.
Wird der Morbi-RSA laut Autor als "überkompensierend" eingestuft?
Nein, die Untersuchung zeigt, dass weder eine systematische Überkompensation morbiditätsstarker Kassen noch eine unfaire Zuweisung an Kassen mit gesundem Klientel festgestellt werden kann.
- Citar trabajo
- Moritz Reinsch (Autor), 2016, Die Debatte um eine Weiterentwicklung des Risikostrukturausgleichs, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343365