Politische Bildung und Sozialerziehung in der Grundschule

Schwerpunkt: Politische Bildung in der Grundschule


Hausarbeit, 2013
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Begriffliche Klärung
2.1 Was bedeutet der Begriff „Politik“?
2.2 Was ist „Politische Bildung“?
2.3 Grundlage des politischen Unterrichts: „Beutelsbacher Konsens“

3. Historischer Überblick

4. Forschungsergebnisse zum politischen Wissen von Kindern

5. Ziele und Aufgaben des politischen Lernens

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Die nachfolgende Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Thema „Politische Bildung in der Grundschule“. In diesem Abschnitt soll ein grober Überblick gegeben werden, welche Aspekte zu diesem Thema behandelt und dargestellt werden.

Zu Beginn der Arbeit werden die Begriffe „Politik“ und „Politische Bildung“ definiert, um eine Grundlage für die weiteren Ausführungen zu schaffen. Nach dieser begrifflichen Klärung wird ein historischer Überblick gegeben und der Stellenwert des politischen Lernens in der Primarstufe in früheren Jahren herausgearbeitet. Des Weiteren werden Forschungsergebnisse vorgestellt, die einen Einblick geben sollen, inwieweit politisches Geschehen im Grundschulalter wahrgenommen und verarbeitet wird, und wie diese frühen Erfahrungen das politische Denken und Handeln im Erwachsenenalter beeinflussen. Abschließend werden Ziele und Aufgaben, die durch das politische Lernen erreicht werden sollen, vorgestellt.

2. Begriffliche Klärung

Zunächst einmal ist es von großer Bedeutung die Begriffe „Politik“ und „Politische Bildung“ zu definieren, um eine Basis für die weitere Ausarbeitung zu schaffen und um Missverständnisse zu vermeiden. Deshalb wird zunächst versucht, eine griffige Definition für den heutigen Politikbegriff herauszuarbeiten und die Bedeutung der Politik für das gesellschaftliche Miteinander zu klären, und abschließend soll verdeutlicht werden, was man unter politischer Bildung versteht.

2.1 Was bedeutet der Begriff „Politik“?

Der Begriff „Politik“ ist geprägt von einer sehr verwirrenden und komplexen Begriffsvielfalt, weshalb es auch nicht ganz einfach ist, den Politikbegriff klar und eindeutig zu definieren. Eine mögliche Annäherung an diesen umfassenden Begriff ist die Definition von Meyer: „Politik ist die Gesamtheit der Aktivitäten zur Vorbereitung und zur Herstellung gesamtgesellschaftlich verbindlicher und/oder am Gemeinwohl orientierter und der ganzen Gesellschaft zugute kommender Entscheidungen“[1]. Aus dieser Definition des Politikbegriffs folgt also, dass es sich bei Politik um die Regelung der öffentlichen, das heißt alle Bürgerinnen und Bürger eines Gemeinwesens, betreffenden Angelegenheiten handelt und dass die Politik durch eine Vielzahl von Eigenarten gekennzeichnet ist. Denn einerseits soll der Entstehungsprozess des Politischen immer für Alternativen offen sein und andererseits sollen die Ergebnisse dieses Prozesses für alle Betroffenen verbindlich sein.[2]

Ein weiterer Zugang zur Definitionsbestimmung kann über die drei Dimensionen der Politik erfolgen, nämlich über die Aufspaltung in folgende Teilbereiche: „polity“, „policy“ und „politics“. Dabei versteht man unter dem Begriff „polity“ die politische Ordnung und die Formen, in denen Politik stattfindet. Dazu gehören unter anderem Institutionen, Verfassungen, Gesetze und Normen, die die Grundlage für den gesamten Aufbau der Politik bilden, da sie die Organisation und Verfahrensregelung übernehmen und in der Gesellschaft für Ordnung sorgen. Die zweite Dimension des Politikbegriffs „policy“ umschreibt, welche Inhalte durch die Politik verwirklicht werden. Zu diesen politischen Inhalten zählen Aufgaben, Ziele und Gegenstände, sowie politische Programme und auch Probleme und Interessen der Gesellschaft, die bewältigt oder umgesetzt werden sollen. Der dritte Begriff „politics“ lässt sich im Deutschen mit Prozess umschreiben, das heißt, bei dieser Dimension wird danach gefragt, in welchen Prozessen Politik verläuft. In diese Kategorie fallen beispielsweise der Austausch von Informationen unter politischen Akteuren oder Beteiligten, oder das Austragen von Konflikten nach Regeln, aber auch das Finden einer Lösung durch Macht oder Konsens spielt hierbei eine wichtige Rolle. Durch diese drei Dimensionen wird nochmals deutlich, wie weit der Politikbegriff greift und welche Aspekte bei einer Definition beachtet werden müssen.[3]

2.2 Was ist „Politische Bildung“?

Nach Mickel ist die „politische Bildung (...) der Sammelbegriff für ein schulisches oder außerschulisches, institutionalisiertes oder freies, (...) verbales oder non-verbales, interaktionales Einwirken auf den (Mit-) Menschen, um politisches Verhalten, Handlungsbereitschaft und –kompetenz, demokratische Spielregeln und Grundwerte, Problembewußtsein und Urteilsfähigkeit usw. zu vermitteln.“[4] Aus dieser Definition folgt, dass das politische Lernen nicht nur innerhalb der Schule, sondern auch im äußeren Umfeld der Schülerinnen und Schüler, wie zum Beispiel im familiären Kreis, stattfindet. Außerdem wird deutlich, dass an der politischen Sozialisation der Kinder unterschiedlichste Einflüsse beteiligt sind und eine Vielzahl von Zielen verwirklicht wird. Nach Herdegen setzt sich die „politische (Grund-) Bildung zum Ziel, den Kindern ein erstes Verständnis von öffentlichen Aufgaben und den demokratischen Institutionen zu vermitteln, die diese Aufgaben durchführen. Außerdem will sie in demokratische Verhaltensweisen einführen, die im Unterricht eingeübt werden sollen.“[5] Daraus folgt, dass sich die politische Bildung auf die im Staat vorherrschende Staatsform bezieht, in Deutschland also auf die Demokratie und deshalb auch auf demokratisches Denken und Handeln vorbereiten soll.

Allgemein lässt sich also festhalten, dass das politische Lernen einen wichtigen Teilbereich der Bildung ausmacht, durch welchen den Schülerinnen und Schülern Kenntnisse über das politische System vermittelt werden sollen. Das bedeutet es sollen also geschichtliche Hintergründe, der Aufbau und die Zusammenhänge der Institutionen und auch die Strukturen der Gesellschaft im politischen Unterricht dargestellt werden.

2.3 Grundlage des politischen Unterrichts: „Beutelsbacher Konsens“

Ein wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit der politischen Bildung ist der Beutelsbacher Konsens aus dem Jahr 1977, der die Grundlage des Politikunterrichts für alle Jahrgangsstufen und Schularten bildet. Der Beutelsbacher Konsens besteht aus drei Teilen, die für alle Lehrerinnen und Lehrer als verbindlich gelten. Zunächst einmal müssen die Lehrkräfte das Überwältigungsverbot beachten, darin heißt es: „Lehrende haben nicht das Recht, durch welche Mittel auch immer, ihr Wissen und ihre Machtposition zur Überwältigung der Lernenden zu nützen.“[6] Das bedeutet also, dass die Schülerinnen und Schüler nicht an der Gewinnung eines selbstständigen Urteils gehindert werden dürfen. Das zweite Prinzip aus diesem Konsens ist das Kontroversitätsgebot, welches ebenfalls das Ziel verfolgt, den Kindern oder Jugendlichen ein eigenständiges Urteil über politische Sachverhalte zu ermöglichen. Dieses Ziel soll dadurch erreicht werden, dass das, „was in [der] Politik und Wissenschaft kontrovers ist, (...) auch im politischen Unterricht kontrovers dargestellt werden“[7] soll. Der letzte Aspekt des Beutelsbacher Konsens ist die Analyse des Schülerinnen- und Schülerinteresses. Dabei geht es darum, dass die Kinder oder Jugendlichen in die Lage versetzt werden sollen, eine politische Situation und ihre eigene Interessenslage zu analysieren, um dadurch erkennen zu können, wie sie selbst zu politischen Themen stehen.

3. Historischer Überblick

Die politische Bildung hat in Deutschland eine sehr wechselhafte Entwicklung erlebt. Da sie vor allem durch negative Erfahrungen mit großer Skepsis betrachtet wurde, war es schwer, das politische Lernen dauerhaft in den Grundschulunterricht zu integrieren. Diese negativen Erfahrungen werden am Beispiel der DDR sehr deutlich, da dort der Staat das politische Lernen dafür nutzte, eigene ideologische Absichten zu verfolgen. Somit hatte die „politische Erziehung (...) primär die ,Funktion der Legitimation von Herrschaft´“[8] und wurde deshalb auch von der SED überwacht. Aus diesen Gründen waren Lehrpläne für die politische Bildung schon im Kindergarten Standard und wurden erst Ende der 1980er Jahre stark kritisiert.[9]

In der BRD wurden in der Heimatkunde beziehungsweise im Sachunterricht der 1950er und 1960er Jahre soziale und politische Themen entweder überhaupt nicht thematisiert oder wurden nur harmonisierend und personalisierend dargestellt. Diese negative Einstellung gegenüber der politischen Bildung wurde auch wissenschaftlich legitimiert und zwar durch ein Phasenmodell aus der früheren Entwicklungspsychologie. Denn nach diesem Modell wäre das politische Lernen im Grundschulalter eine kognitive Überforderung gewesen, da die Kinder erst mit Beginn der Pubertät wirkliche Bezüge zu politischen Themen ausbilden. Deshalb „gingen Politikdidaktiker [bis zum Ende der 1960er Jahre] überwiegend davon aus, dass politische Bildung als Schulfach frühestens ab dem 7. Schuljahr sinnvoll sei und [auch] die Mehrzahl der Lehrerinnen und Lehrer lehnten eine politische Erziehung in der Grundschule ab“.[10]

Anfang der 70er Jahre wurde dann vor allem die politische Sozialisationsforschung aus den USA rezipiert, was dazu führte, dass man über allgemeine übergeordnete Lernziele öffentlich diskutierte und dass die sich „daraus ableitende(...) Auswahl und Strukturierung neuer Lerninhalte“[11] im Mittelpunkt standen. In dieser Zeit änderte sich somit die Einstellung zum Thema „Politische Bildung in der Grundschule“ grundlegend, was auch zur Folge hatte, dass neue Grundschullehrpläne entwickelt wurden, in denen die politische Erziehung einen großen Stellenwert einnahm.[12]

Mitte der 1970er Jahre wurden in der politischen Sozialisationsforschung neue Erkenntnisse gewonnen, und die Sozialisationsforscher gingen davon aus, „dass grundlegende politische(...) Orientierungen zwar früh gelernt“[13] werden können, aber im Erwachsenenalter durch diverse Einflüsse auch wieder modifiziert werden können. Aufgrund dieser Forschungsergebnisse verlor die politische Bildung im Grundschulalter in diesen Jahren wieder an Relevanz.

[...]


[1] Meyer, T. (2006): Was ist Politik?. Wiesbaden. S. 41.

[2] vgl. ebd.

[3] vgl. Kalb, J. (2002): Grundkategorien zum Verständnis politischer Ordnungen. Unter: http://www.juergenkalb.de/sutor.pdf [abgerufen am 01.02.2013].

[4] Mickel, W. W. (2007): Politische Bildung. In: Nohlen, D. (Hrsg.): Wörterbuch Staat und Politik. Bonn, Bundeszentrale für politische Bildung, 1998. S. 561 f.

[5] Herdegen, P. (1995): Kind und Spiel. In: Pädagogische Welt, 12. S. 560.

[6] Siegried, G., Behrmann, G. (Hrsg.) (1996): Handbuch zur politischen Bildung in der Grundschule. Schwalbach am Taunus. S. 11.

[7] ebd.

[8] Richter, D. (2007): Politische Aspekte. In: Kahlert, J., Fölling-Albers, M., Götz, M., Hartinger, A., Von Reeken, D., Wittkowske, S. (Hrsg.): Handbuch Didaktik des Sachunterrichts. Bad Heilbrunn. S. 163.

[9] vgl. ebd.

[10] Massing, P. (2003): Politische Bildung durch historisches Lernen im Sachunterricht. In: Kuhn, H. W. (Hrsg.): Sozialwissenschaftlicher Sachunterricht. Herbolzheim. S. 53 ff.

[11] ebd. S.58.

[12] vgl. Richter, D. (2007): Politische Aspekte. S. 164.

[13] Massing, P. (2003): Politische Bildung durch historisches Lernen im Sachunterricht. S. 56 f.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Politische Bildung und Sozialerziehung in der Grundschule
Untertitel
Schwerpunkt: Politische Bildung in der Grundschule
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik)
Veranstaltung
Gestaltung von Sachlernprozessen
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V345398
ISBN (eBook)
9783668353725
ISBN (Buch)
9783668353732
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politische Bildung, Soziales Lernen, Grundschule, Sozialerziehung
Arbeit zitieren
Tanja Mai (Autor), 2013, Politische Bildung und Sozialerziehung in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345398

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