Förderung von Medienkompetenz mit Hilfe von historischem Filmmaterial im Unterricht

Am Beispiel des Kinoseminars „Nationalsozialistische Filmpropaganda“ in einer gymnasialen Oberstufe in NRW


Hausarbeit, 2015

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1 Medienkompetenz
2.2 Medienbildung
2.3 Das Verhältnis von Medienkompetenz zu Medienbildung
2.4 Filmkompetenzen und Filmbildung als Aspekt der Medienkompetenz und Medienbildung

3. Medienbildung in der Schule
3.1 Länderkonferenz Medienbildung: Filmbildung
3.2 Der Film im Geschichtsunterricht

4. Kinoseminar „Nationalsozialistische Filmpropaganda„
4.1 Die Filmvorführung in einer gymnasialen Oberstufe in NRW

5. Bildungswissenschaftliche Umsetzung zum Umgang mit aktueller Propaganda

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Die Möglichkeiten Filme zu sehen sind heute sehr vielseitig. Das Kino, das Fernsehen und das Internet bieten eine große Auswahl von Filmen an. Für Jugendliche sind Filme Bestandteil ihrer Medienwelt, sie gehören zu ihrem Alltag. Ihre Funktion ist nicht nur zu unterhalten, sie tragen auch zur Sozialisation der Jugendlichen bei. Es ist wichtig, dass Jugendliche einen bewussten Umgang mit dem Medium Film erlernen, sprich Medienkompetenzen für das Medium Film erlangen (vgl. Thoß, 2011, S. 490).

Das Medium Film lässt sich in vielen Unterrichtsfächern in der Schule einbauen. Der Geschichtsunterricht ist eine Möglichkeit. Bestandteil des Kernlehrplans des Landes NRW für die Sekundarstufe II ist die Behandlung des Themas „Die Zeit des Nationalsozialismus-Voraussetzungen, Herrschaftsstrukturen, Nach- wirkungen und Deutungen“. Schwerpunkte sind die politischen und ideologi- sche Voraussetzungen des Nationalsozialismus (Ministerium für Schule und Weiterbildung Ministerium für Schule und Weiterbildung, 2014, S. 30). Dazu ge- hört auch die Auseinandersetzung mit der Propagandamaschinerie dieser Epo- che. Auf der Internetseite des Bildungsportals für Lehrkräfte des Landes NRW wird dazu das Filmseminar „Propagandafilm im Nationalsozialismus“ angebo- ten. Propaganda diente nicht nur in der Vergangenheit zur Verbreitung von Ide- ologien, in der heutigen Zeit wird sie immer noch genutzt (Bundesamt für Ver- fassungsschutz, 2015).

Propaganda bezeichnet die schriftliche, mündliche oder anderweitige, neuer- dings auch elektronische (Internet) Verbreitung (politischer, religiöser etc.) Überzeugungen, oft in Verbindung mit weiteren persönlicher Überzeugungsar- beitstischen“ (vgl. Schubert & Klein). Propaganda ist in den Medien weit ver- breitet. Beispielsweise versucht der Islamische Staat (IS), mit Hilfe von Propa- gandavideos/Botschaften junge Menschen von seinen Ideologien zu überzeu- gen und sie an sich zuzubinden (vgl. Bundesamt für Verfassungsschutz, 2015). Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit der Einsatz historischer Propagandafilme im Geschichtsunterricht die Kompetenz der Schüler, Propa- ganda in aktuellen Medien zu erkennen und kritisch zu beurteilen, fördert.

Im zweiten Kapitel werden die Begriffe „Medienkompetenz“ und „Medienbil- dung“ definiert und ins Verhältnis zu einander gesetzt, ebenso wird kurz erläu- tert, dass Filmbildung und Filmkompetenzen Aspekte der Medienbildung und Medienkompetenz sind. Damit wird zum Kapitel drei übergleitet das sich mit Medienbildung in der Schule im Allgemeinen, der Definition von Filmbildung laut der Länderkonferenz Medienbildung sowie im speziellen mit der Thematik Film im Geschichtsunterricht beschäftigt. Kapitel vier widmet sich dem Kinoseminar „Nationalsozialistische Filmpropaganda“. Es erklärt was ein Kinoseminar ist und wie es abläuft. Kapitel fünf analysiert die bildungswissenschaftliche Umsetzung zu aktuellen Propagandafilmen und beantwortet auch die Forschungsfrage. Das Fazit in Kapitel sechs schließt die Arbeit ab. Zugunsten der leichteren Lesbarkeit wird auf die Nennung von beiderlei Geschlechtsbezeichnungen in dieser Hausarbeit verzichtet und lediglich die maskuline Schreibweise benutzt, die gleichwertig für beide Geschlechter steht.

2. Begriffsbestimmungen

Das nun folgende Kapitel gibt einen Überblick über die Begriffe Medienkompetenz und Medienbildung, sowie deren Verhältnis zueinander und zeigt Aspekte beider Begrifflichkeiten auf.

2.1 Medienkompetenz

Medien vermitteln uns eine Menge an Informationen und Bildern, die wir deuten und verstehen müssen. Um diese Informationen lesen zu können, benötigen wir spezielles Wissen und Kompetenzen,genauer gesagt benötigen wir Medienkompetenzen (vgl. Baacke, 1997, S 97).

Der Begriff Medienkompetenz hat seit den 90-er Jahren des 20. Jahrhunderts Konjunktur und hat sich zu einem Konzept entwickelt, das sowohl gesellschaft- lich wie wissenschaftlich von Relevanz ist. Medienkompetenz ist eine wichtige Fähigkeit in der heutigen Informationsgesellschaft, sowohl für die berufliche als auch für die soziale Integration des Individuums (vgl. Pietraß, 2010, S. 499). Medienkompetenz, als Begriff wie wir ihn heute kennen, hat in den 60er und 70er Jahren einen Wandel vollzogen. Damals entwickelten sich die ersten kriti- schen Medientheorien. Davor galten Medien als Gefahr für den Sozialisations- prozess (vgl. Baacke, 1996, S. 112). Baacke definiert Medienkompetenz als Anforderung an die moderne Gesellschaft aktiv an neuen Medienentwicklungen teilzunehmen, die Förderung des Umgangs mit den neuen Medien, sowie me- dien- und nutzerkritische Perspektiven einzunehmen (ebd., 1996, S. 114). Die Definition sagt nichts darüber aus, wie Medienkompetenz aussehen soll und welche Reichweite sie hat. Ihre Voraussetzung in der Informationsgesellschaft ist das Beherrschen der entsprechenden Technologien, die wirtschaftlich arran- giert und gefestigt werden. Unter diesen Bedingungen umfasst Medienkompe- tenz nach Baacke unter der Dimension der Vermittlung die Medienkritik und die Mediennutzung. Unter der Dimension Zielorientierung, die sich auf das mensch- liche Handeln bezieht, sind die Komponenten Medienvermittlung und Mediengestaltung angesiedelt (ebd., S. 119ff).

Medienkunde ist in zwei Formate unterteilt. Die Informative Dimension meint das Wissen über die Medien und die instrumentell-qualifikatorische Dimension bezieht sich auf die Fähigkeit, die Medien auch bedienen zu können. Medien- kritik untergliedert sich in drei Dimensionen. Das analytische Erfassen von ge- sellschaftlichen Problemen, reflexiv das analytische Wissen auf sich selbst und sein Handeln anzuwenden und ethische Beurteilung und Orientierung der ge- sellschaftlichen Verantwortung von Medien und das eigenen Verhalten im Um- gang mit den Medien. Dieser Kompetenzbereich ist für die vorliegende Arbeit besonders relevant. Mediennutzung hat ebenfalls zwei Aspekte. Rezeptive An- wendung und Nutzen von Programmen und das interaktive Anbieten von Medi- enprodukten. Mediengestaltung kann sowohl innovativ als auch kreativ sein. In- novativ steht für die Veränderung und Weiterentwicklung von Mediensystemen. Kreativ ist eine ästhetische Variante die über die Kommunikationsroutinen hin- ausgeht (ebd., 1996, S. 120f).

Der Begriff Medienkompetenz ist pädagogisch nicht klar definiert. Er gibt nicht vor, wie die hier genannten Dimensionen didaktisch oder methodisch umgesetzt werden können. Um Medienkompetenz zu erwerben ist es nötig darüber zu sprechen, wie sie vermittelt wird. (ebd., 1996, S. 121f).

2.2 Medienbildung

Medien haben im gesellschaftlichen Kontext an Bedeutung gewonnen. Die Chancen und Risiken, die sie mit sich bringen, führen zu neuen Kompetenzan- forderungen für Kinder und Jugendliche, damit diese am beruflichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Die Förderung der Medienkom- petenz ist Aufgabe der Gesamtgesellschaft. Sie beginnt in der Familie und wird in allen vorschulischen, schulischen, außerschulischen Jugendeinrichtungen sowie in der Eltern- und Erwachsenenbildung fortgeführt. Schule übernimmt da- bei eine wichtige Aufgabe. Sie soll eine sinnvolle Nutzung von Medienmöglich- keiten vermitteln. Das ist eine große Herausforderung für Erziehung und Bil- dung (Kultusministerkonferenz, 2012, S. 3). Die damit verbundenen Aufgaben und deren Umsetzungen betitelt Tulodziecki als Medienbildung (Tulodziecki, Herzig & Grafe, 2010, S. 9). Bis in die 1990er Jahre wurde hierfür der Begriff „Medienerziehung“ genutzt dann aber vom Begriff „Medienbildung“ abgelöst.

Die Gründe hierfür sind, dass der Bildungsbegriff in dieser Zeit eine Renais- sance in den Erziehungswissenschaften erlebte und der Begriff Medienbildung als geeigneter angesehen wurde. Tulodziecki definiert Medienbildung als zusammenfassenden Begriff für alle bildungsrelevanten Prozesse in Bezug mit Medien (Tulodziecki, 2015, S. 212).

Die Kultusministerkonferenz definiert schulische Medienbildung als dauerhaft, begleitender, strukturierter Prozess mit der konstruktiven und kritischen Ausei- nandersetzung mit der Welt der Medien. Als Ziel wird ein sachgerechter, selbst- bestimmter, kreativer und sozial verantwortungsbewusster Umgang in der me- dialen Lebenswelt festgesetzt. Zur Vermittlung dieser Kompetenzen reichen die familiäre Erziehung und die Sozialisation nicht aus. Eine umfassende und sys- tematische Medienbildung hat laut dem Beschluss der Kultusministeriumskon- ferenz im Rahmen der schulischen Bildung zu erfolgen (Kultusministerkonfe- renz, 2012, S. 3ff).

Tulodziecki beschäftigt sich mit den Aufgabenbereichen der Medienbildung in Schule und Unterricht. Er unterteilt dafür das Handeln mit Medien in zwei Stränge: die Auswahl und die Nutzung von Medienangeboten, sowie die Ge- staltung und die Verbreitung von medialen Beiträgen. Beide Stränge können sowohl getrennt als auch gemeinsam auftreten. Er macht unterschiedliche Ni- veaus für die Medienkompetenz aus, die sich aus der Analysefähigkeit, Urteils- fähigkeit und der Bereitschaft zur Einflussnahme ableiten. Daraus ergeben sich für ihn drei inhaltliche Bereiche für die Medienbildung: Bereich der Gestaltungs- möglichkeiten, Bereich der Medieneinflüsse und Bereich der Medienproduktion und Medienverbreitung. Aus dieser Struktur leitet er fünf Aufgaben für die Me- dienbildung ab: Auswählen und Nutzen von Medienangeboten. Ziel hier ist das Aufzeigen der verschieden medialen und nicht medialen Möglichkeiten, wie Zugang zu diesen erlangt werden kann und welchen Zweck sie haben. Gestal- tung und Verbreitung eigener medialer Beiträge. Hier geht es um die Mög- lichkeiten und Bedingungen zur Herstellung und Verbreitung von medialen Bei- trägen. Verstehen und Bewerten von Mediengestaltungen. Die Grenzen und Bedeutungen der verschiedenen Mediengestaltungsarten werden aufgezeigt und deren Unterschiede thematisiert. Erkennen und Aufarbeiten von Medi- eneinflüssen. Hier geht es darum aufzuzeigen, welche Gefühle, Vorstellungen, Verhaltens- und Wertorientierungen medial vermittelt werden und ob diese ge- rechtfertigt sind. Durchschauen und Beurteilen von Bedingungen der Medi- enproduktion und Medienverbreitung. Vermittelt wird hier das Hinterfragen von Medienangeboten. Von wem stammen diese, sind sie seriös und werden rechtliche Grundlagen eingehalten. Alle Aufgabenfelder sind aufeinander bezogen zu betrachten keinesfalls voneinander getrennt (Tulodziecki et al., 2010, S. 180ff). Die beiden letztgenannten Aufgaben sind in Bezug auf Propaganda, damals und heute, für diese Arbeit von Bedeutung.

2.3 Das Verhältnis von Medienkompetenz zu Medienbildung

Medienkompetenz und Medienbildung sind als eigenständige Begriffe bereits erklärt. Es stellt sich nun die Frage, in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. Dazu gibt es seit einigen Jahren einen medienpädagogischen Diskurs, der unter anderem auch über eine Artikelreihe der Zeitschrift merz.medien + erziehung im Zeitraum 2009-2010 geführt wird (Iske, 2015, S. 252 ff).

Näher eingegangen wird hier auf den Diskussionsbeitrag in der Zeitschrift von Tulodzieki aus dem Jahr 2010 mit dem Titel „Medienkompetenz und/oder Me- dienbildung?“ Er kritisiert, dass eine Klärung des Verhältnisses der beiden Be- griffe miteinander durch Unklarheiten bei der Verwendung der Begriffe er- schwert wird. Das grundsätzliche Verständnis von Medienkompetenz ist die Be- reitschaft und das Vermögen des Menschen im Handeln mit Medienzusammen- hängen, sowohl als Voraussetzung als auch als Zielsetzung. Es ist nicht klar definiert, ob von der individuellen Kompetenz oder von einen angestrebten Kompetenzniveau ausgegangen wird. Je nach Verwendung des Begriffs wird ein Vorgehen oder ein Prozess suggeriert. Häufig wird Medienkompetenz auch im Plural benutzt, was auf einzelne Fähigkeiten in einem Handlungsfeld hindeu- tet, dabei versteht Tulodziecki Kompetenz als das Handlungsvermögen in ei- nem größeren Handlungsfeld, die durch selbst gesteuerte Prozesse erworben und entwickelt werden. Dagegen sprechen einige andere medienpädagogische Autoren von Vermittlung von Medienkompetenzen. Auch die Bedeutung des Begriffs Medienbildung ist für Tulodziecki nicht klar abgegrenzt. Der Bestandteil Bildung wird von einigen Autoren als humanes „Selbst-Weltverhältnis“ gesehen, von anderen als Verhältnis „Mensch-Welt“. Unklar ist auch, ob Medienbildung als Begriff nur für die Prozesse oder auch für die Ergebnisse bzw. Ziele verwen- det werden kann (Tulodziecki, 2010, S. 48 ff). Tulodziecki möchte weder auf den Begriff Medienbildung verzichten, noch Medienkompetenz durch Medien- bildung ersetzen. Er bezieht in seinen Überlegungen, die beiden Begriffe in ei- nen sinnvollen Zusammenhang zu setzen, das bereits erwähnte generelle Ver- ständnis von Medienkompetenz ein. Wobei Kompetenz im Singular genutzt wird und die Formulierung „Vermittlung“ vermieden wird. Ebenso bezieht er sich nur auf Individuen, die aktiv und motiviert das vorhandene Potential, nutzen um ihr Leben zu gestalten und weiterzuentwickeln. Unter diesen Bedingungen spricht Tulodziecki von Medienkompetenz, mit der ein angestrebtes oder wünschens- wertes Niveau erreicht werden kann (ebd., 2010, S. 50ff). Die verschiedenen Niveaus, je nach Alter und Entwicklungsstand, können als Zielvorstellung Ori- entierung für das medienpädagogische Handeln geben und bei der Analyse der jeweiligen Handlungen gesehen werden. Medienbildung ist hier als der Prozess zu sehen, in dem es zur Weiterentwicklung der Medienkompetenz kommt. Da- raus leitet sich die sinnvolle Verbindung der beiden Begriffe miteinander ab. Medienbildung ist der bildungswissenschaftliche Prozess mit Mediennutzung. Medienkompetenz ist die Zielvorstellung für den jeweiligen Prozess. Tulodziecki sieht in dieser Verbindung der beiden Begriffe die Chance an den Diskurs zur Kompetenzorientierung schulischen Lernens anzuschließen (ebd., 2010, S. 52). Das spiegelt sich auch im Paderborner Kompetenz Model wider. Tulodziecki hat für die schulische Umsetzung der Medienbildung ein Kompe- tenz - Standard - Modell entwickelt. Es besteht aus fünf Kompetenzbereichen mit drei Niveaustufen. Die Kompetenzbereiche entsprechenden den von ihm festgestellten Aufgaben der Medienbildung. Die Niveaustufen orientieren sich an dem deutschen Schulsystem und lauten: Ende der Grundschule, Ende des sechsten Schuljahres und Ende der Sekundärstufe I (Tulodziecki et al., 2010, S. 367ff). Mit Hilfe von Kompetenzmodellen lassen sich Bildungsstandards formulieren und umsetzten (Tulodziecki, 2015, S. 213).

Iske fasst Tulodzieckis Ausführungen wie folgt zusammen: Medienkompetenz ist die Zielvorstellung, die durch die Medienbildung als Rahmen zur Weiterentwicklung von Medienkompetenz umgesetzt wird (Iske, 2015, S. 265). Die vorliegende Arbeit teilt diese Auffassung. Medienbildung ist nötig, um die jeweilige Medienkompetenz zu erwerben. Die ausführliche Darstellung der einzelnen Begriffe und ihre Verbindung miteinander sind notwendig um im weiteren Verlauf die Arbeit des Filmseminars zu analysieren.

2.4 Filmkompetenz und Filmbildung als Aspekt der Medienkompetenz und Medienbildung

Die Begriffe Medienkompetenz und Medienbildung sind in den vorgegangenen Kapiteln bereits ausführlich beschrieben, gegeneinander abgegrenzt und ihre Verflechtung miteinander dargestellt worden. Filmkompetenz und Filmbildung sind Aspekte von Medienkompetenz und Medienbildung. Sie zielen speziell auf den Umgang mit dem Medium Film ab. Hierfür sind spezielle Kompetenzen er- forderlich, die durch Filmbildung vermittelt werden (Länderkonferenz MedienBildung und Vision Kino - Netzwerk für Film- und Medienkompetenz, S. 3). Auf das Konzeptpapier zur Filmbildung der Länderkonferenz MedienBildung wird im nächsten Kapitel ausführlich eingegangen.

3. Medienbildung in der Schule

Die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) hat beschlossen, dass Medienerziehung integraler Be- standteil des Unterrichts in allen Schularten ist. Die Medienerziehung ist kein eigenständiges Unterrichtsfach, sondern wird fächerübergreifend als Unter- richtsgegenstand in einer Reihe von Fächern eingesetzt (Kultusministerkonfe- renz, 2012, S.6; Tulodziecki, 1995, S. 15). Ihre Ziele sind Medieneinflüsse er- kennen und aufarbeiten, Medienbotschaften verstehen und bewerten, Medien- angebote unter Abwägung von Handlungsalternativen auswählen und nutzen, Medien selbst gestalten und verarbeiten, Medien hinsichtlich ihrer gesellschaft- lichen Bedeutung analysieren und beeinflussen (Tulodziecki, 1995, S.23ff). Diese Ziele finden sich alle auch in dem Kompetenzpapier der Länderkonferenz Medienbildung wieder.

3.1 Länderkonferenz Medienbildung: Filmbildung

Die Länderkonferenz Medienbildung hat 2009 bereits ein Kompetenzpapier zum Thema Filmbildung in der Schule heraus gebracht. Diese wurde 2015 über- arbeitet und stellt fest, dass Film als Medium nicht mehr an das Kino oder das Fernsehen als Vermittlungsort gebunden ist, sondern auf Grund der Digitalisie- rung jederzeit und überall zur Verfügung stehen kann, sei es im Internet, auf dem Smartphone und dergleichen. Wichtig ist, die filmischen Zeichen und deren Wirkung verstehen und gestalten zu können, um sich in der Welt der bewegten Bilder zu bewegen. Die Länderkommission bezeichnet den Umgang mit dem Medium Film als kulturelles Handlungsfeld, das drei zentrale Funktionen für Heranwachsende erfüllt: Individuation, Sozialisation und Enkulturation. Aufgabe der schulischen Filmbildung sind die Förderung und Unterstützung dieser rele- vanten Kompetenzen für eine selbstbestimmte und reflektierende Teilhabe in diesem kulturellen Handlungsfeld. Die Länderkonferenz definiert vier sich über- schneidende Kompetenzbereiche für das Medium Film: die Filmanalyse, die Filmnutzung, die Filmproduktion und den Film in der Mediengesellschaft. Wobei mit Film alle Formen der bewegten Bilder definiert werden (Länderkonferenz MedienBildung und Vision Kino - Netzwerk für Film- und Medienkompetenz, 2015, S. 3). Filmanalyse hat das Ziel, die Wahrnehmungsfähigkeit und ästheti- sche Erlebnisfähigkeit zu fördern und entschlüsselt die Zeichensprache des Films und deren Wirkung. Ebenso schärft sie den Blick auf die Einzelaspekte und die Zusammenhänge im Film, um so das Verständnis für Film zu fördern. Filmnutzung ist zielgerichtet auf den kritischen Gebrauch und die bewusste Auswahl von Filmen. Ebenso bildet diese Kompetenz eine breite Basis bezüg- lich Geschmack und Beurteilungskriterien aus. Die Kompetenz Filmproduktion und Präsensation beinhaltet das Verständnis für die Herstellung von Filmen und wird mit Hilfe praktischer Erfahrungen gefördert. Der letzte Kompetenzbereich Film in der Mediengesellschaft erörtert das Potenzial des Mediums Films in der politischen Meinungsbildung. Sie weist auch auf Missbrauchs-Möglichkeiten hin und gibt einen Überblick über die verschiedenen Bedingungen der Film- und Medienwirtschaft (ebd., 2015, S. 5ff). Für die hier vorliegende Hausarbeit ist der Teilbereich politische Funktion/gesellschaftliche und kulturelle Wirkung mit dem Aspekt „die Bedeutung von Film für die Bewusstseinsbildung und die politische Meinungsbildung analysieren und bewerten“ für die Kompetenzerwartung Klasse 12 relevant (ebd., 2015, S. 17).

3.2 Der Film im Geschichtsunterricht

Wie bereits erwähnt, ist Medienbildung kein eigenständiges Schulfach. Eine Reihe von Fächern kann dafür genutzt werden, u.a. der Geschichtsunterricht. Bisher ist das Medium Film als Quelle im Geschichtsunterricht selten zum Ein- satz gekommen. Filme dienen eher zur Unterhaltung der Schüler kurz vor den Ferienbeginn. Filme als seriöse historische Quelle im Geschichtsunterricht ha- ben bisher kaum Bedeutung gefunden. Gründe hierfür können sein, dass der historische Film als Quelle nicht ernst genommen wird und der straffe Zeitplan auf die Vorbereitung zum Zentralabitur keine Zeit dafür lässt (Städter, 2014, S.157ff). Benjamin Städter beschäftigt sich mit den Chancen, Perspektiven und Schwierigkeiten durch den Einsatz von historischem Filmmaterial aus der NS- Propagandazeit im Geschichtsunterricht. Er stellt fest, dass durch den Einsatz audiovisueller Medien ein emotionaler Zugang zum Thema geweckt werden kann. Das kann für die Schüler motivationssteigernd sein. Die mit Hilfe der his- torischen Medien geförderten Kompetenzen im Umgang mit dem Medium Film sind übertragbar auf andere Lebensbereiche (ebd., 2014, S. 171ff). Eine Mög- lichkeit historisches Filmmaterial im Unterricht einzusetzen, ist das im nächsten Kapitel beschrieben Kinoseminar “Nationalsozialistische Filmpropaganda“. Es beschäftigt sich mit historischen Propagandafilmen und deren Wirkung.

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Details

Titel
Förderung von Medienkompetenz mit Hilfe von historischem Filmmaterial im Unterricht
Untertitel
Am Beispiel des Kinoseminars „Nationalsozialistische Filmpropaganda“ in einer gymnasialen Oberstufe in NRW
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften)
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V346940
ISBN (eBook)
9783668364301
ISBN (Buch)
9783668364318
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienkompetenz, Propagandafilme, Geschichtsunterricht, Medienwelt
Arbeit zitieren
Petra Drewitz (Autor), 2015, Förderung von Medienkompetenz mit Hilfe von historischem Filmmaterial im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346940

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