Jugendliche mit geistiger Behinderung. Bedeutung der Peergroup für ihre emotionale Entwicklung und Unterschiede zu Jugendlichen ohne Behinderung


Hausarbeit, 2016

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1. geistige Behinderung
2.2. Peergroup

3. Einteilung und zeitliche Eingrenzung des Jugendalters

4. Verlauf der emotionalen Entwicklung
4.1. Verlauf im Säuglingsalter
4.2. Verlauf im Kindesalter
4.2.1. Verlauf in der frühen Kindheit
4.2.2. Verlauf in der mittleren und späten Kindheit
4.3. Verlauf im Jugendalter
4.4. Abweichungen bei Menschen mit leichten geistigen Behinderungen

5. Unterschiede in der Bedeutung der Peergroup im Jugendalter
5.1. allgemeine Bedeutung der Peergroup im Jugendalter
5.2. Bedeutung für Jugendliche mit leichten geistigen Behinderungen
5.3. Risikofaktoren einer Peergroup

6. Aufgaben der Sozialen Arbeit

7. Fazit und Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

9. Zeitschriftenverzeichnis

1. Einleitung

Jugendliche verbringen ab einem gewissen Alter immer mehr Zeit mit ihren FreundInnen, die sie aus der Schule, aus dem Sportverein oder aus der Nachbarschaft kennen.

Das Jugendalter ist der entscheidende Schritt ins Erwachsenenleben. Auch die Peergroup spielt in dieser Zeit eine große Rolle. Ebenso ist die Entwicklung der Emotionalität im Jugendalter sehr wichtig.

Doch das ist nicht nur bei normalentwickelten Heranwachsenden so. Auch Jugendliche mit leichten geistigen Behinderungen haben das Bedürfnis nach Freundschaften zu Gleichaltrigen und Zugehörigkeit.

Diese Arbeit setzt sich mit der Bedeutung der Peergroup für Menschen mit leichten geistigen Behinderungen auseinander. Ebenso wird der Bezug zur emotionalen Entwicklung hergestellt. Es werden Unterschiede in der Bedeutsamkeit der Peergroup und im Verlauf der Entwicklung der Emotionalität aufgezeigt für Jugendliche mit und ohne geistige Behinderung.

Als erstes sollen die Begrifflichkeiten „leichte geistige Behinderung“ und „Peergroup“ zum besseren Verständnis geklärt werden.

Danach folgt die zeitliche Eingrenzung des Jugendalters. Im Anschluss wird der Verlauf der emotionalen Entwicklung in den drei Phasen der Kindheit und dann im Jugendalter zu erklären und dann Bezug auf die Abweichungen in der Entwicklung bei Jugendlichen mit leichten geistigen Behinderung zu nehmen.

Der darauf folgende Teil behandelt die Bedeutung der Peergroup. Hier stellt sich auch die Frage, ob es Unterschiede in der Bedeutung der Gleichaltrigengruppe für Jugendliche mit leichten geistigen Behinderungen gibt und wie sich diese zeigen. In diesen Punkten werden auch die Risikofaktoren einer Peergroup herausgearbeitet.

Anschließend werden die Aufgaben der Sozialen Arbeit in diesem Bereich erläutert.

Um einen guten Überblick zu schaffen, wird zu Beginn eines jeden Kapitels kurz erwähnt, worauf als nächstes eingegangen wird.

2. Begriffsbestimmungen

In diesem Gliederungspunkt sollen die grundlegenden Begrifflichkeiten Peergroup und leichte geistige Behinderung erläutert werden und somit zu einem besseren Verständnis beitragen.

2.1. geistige Behinderung

Zunächst ist zu anzumerken, dass es sich als schwierig erweist, geistige Behinderung zu definieren (Speck, 2016). Speck sieht die genaue Begriffsbestimmung als problematisch, da es sich um ein umfassendes Krankheitsbild handelt. Dennoch definiert er geistige Behinderung so:

Geistige Behinderung ist eine Erscheinungsform, die den Menschen durch eine enorme bio-organische Schädigung ein Leben lang in seiner kognitiven Leistungsfähigkeit sowie seiner Lernfähigkeit einschränkt. Diese Einschränkung kann sich unterschiedlich auf das Verhalten auswirken. Speck meint außerdem, dass Menschen mit geistigen Behinderungen auf besondere pädagogische Förderung angewiesen sind (vgl. Speck 2016, S. 51).

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt geistige Behinderung wie folgt:

„Ein Zustand von verzögerter oder unvollständiger Entwicklung der geistigen Fähigkeiten; besonders beeinträchtigt sind Fertigkeiten, die sich in der Entwicklungsperiode manifestieren und die zum Intelligenzniveau beitragen, wie Kognition, Sprache, motorische und soziale Fähigkeiten. Eine Intelligenzminderung kann allein oder zusammen mit jeder anderen psychischen oder körperlichen Störung auftreten.“

Des Weiteren heißt es:

„Intellektuelle Fähigkeiten und soziale Anpassung können sich im zeitlichen Längsschnitt verändern. Sie können sich, wenn auch nur in geringen Maße, durch Übung und Rehabilitation verbessern.“

Sowohl Speck als auch die WHO erkennen die Notwendigkeit des besonderen Förderbedarfs von betroffenen Personen. Die Arbeit mit Menschen mit (leichten) geistigen Behinderungen ist also ein wesentlicher Teil der Sozialarbeit.

Die WHO unterteilt die geistige Behinderung im ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) in vier Kategorien:

Einteilung der Intelligenzminderung nach dem Intelligenzquotienten (IQ):

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

http://www.medizinische-genetik.de/fileadmin/_processed_/csm_mental-bld1_5bb037536e.png. Zugriff am 15.12.2016

Der ICD-10 F70 - 79 beschäftigt sich mit den Unterteilungen der Intelligenzminderung. Der durchschnittliche Erwachsene hat einen Intelligenzquotienten (IQ) von 100.

F70 beschreibt die leichte geistige Intelligenzminderung mit einem IQ von 50-69. Erwachsene sind auf dem Stand eines 9 bis ca. 12-jährigen Kind.

F71 belegt die mittelgradige Intelligenzminderung. Der IQ der Betroffenen liegt zwischen 35 und 49. Erwachsene mit mittelgradiger Intelligenzminderung sind kognitiv auf dem Stand eines 6 bis 9 Jahre altem Kind.

F72 nennt mit einem IQ von 20 - 34 die schwere geistige Intelligenzminderung. Menschen mit einer schweren geistigen Intelligenzminderung sind auf einem Entwicklungsstand eines drei- bis sechsjährigen Kindes.

Bei F73 wird die schwerste geistige Intelligenzminderung beschrieben. Es liegt ein IQ von unter 20 vor. Der Entwicklungsstand entspricht einem unter drei Jahre altem Kind.

Diese Arbeit beschäftigt sich im Besonderen mit der leichten geistigen Intelligenzminderung, auch leichte geistige Behinderung genannt.

Weitere Begrifflichkeiten für „leichte geistige Intelligenzminderung“, die weniger Verwendung in der Sozialen Arbeit finden, sind: „Debilität“, „Geistesschwäche“, „leichte Oligophrenie“ oder „Schwachsinn“ (vgl. Dilling, H. & Freyberger, H.J., 2016, S. 274 ff).

2.2. Peergroup

„peer group“ wird von Naudauscher (2003, S. 140) mit Alters- oder Gleichaltrigengruppe übersetzt.

Siegler et al. (2004, S. 485) erklären ganz kurz, was eine Peergroup ist:

„Peers sind Menschen mit annähernd gleichem Alter und Status.“

Peers sind die Mitglieder einer Peergroup.

„Peergruppen - Kollektive, die bestimmte Wertvorstellungen und Verhaltensnormen sowie eine soziale Struktur mit Anführern und Gefolgsleute schaffen. Peergruppen organisieren sich aufgrund von räumlicher Nähe (in derselben Klasse) und Ähnlichkeiten des Geschlechts, der ethnischen Zugehörigkeit, der Beliebtheit und der Aggressivität.“ (Berk 2011, S. 458)

Berk (2004, S. 571) schreibt weiter, dass diese Gruppen aus fünf bis sieben Peers besteht, die eine Freundschaft verbindet. Sie haben ähnliche Werte und Normen sowie eine ähnliche familiäre Herkunft.

Mund (2007, S. 696) setzt im Lexikon der sozialen Arbeit den Begriff „Peergroup“ mit „Clique“ gleich. Auch sie beschreibt wie zuvor Berk, Siegler et al. und Naudauscher, Charakteristika, wie das Zusammengehörigkeitsgefühl und gleiche Interessen. Es besteht eine räumliche Nähe zwischen den Peers. Sie erwähnt auch, dass eine Peergroup neben den positiven Faktoren für die Entwicklung von Jugendlichen auch negative mit sich bringen kann. Damit wird sich diese Arbeit später befassen.

Also ist eine Peergroup oder eine Clique ein Zusammenschluss von fünf bis sieben Kindern oder Jugendlichen, meist gleichen Geschlechts und ähnlichen Alters. Die Peers haben sich ähnelnde Werte und Normen. Sie ähneln sich in ihrer Herkunft und ihrer sozialen Anerkennung. Die Peergroup entsteht im nahen Umfeld der Peers.

3. Einteilung und zeitliche Eingrenzung des Jugendalters

In diesem Abschnitt wird das Jugendalter zeitlich eingegrenzt und in Entwicklungsphasen eingeteilt.

Aus juristischer Sicht ist der Beginn der Jugend ganz klar festgelegt. In der Psychologie ist eine genaue Festlegung des Alters nicht ohne weiteres möglich (vgl. Ecirli 2012, S. 22).

Die Pubertät beginnt zwischen ungefähr zwischen dem 11. und 13. Lebensjahr. Es sind jedoch zeitlich verzögerte Unterschiede bei den Geschlechtern festzustellen. So beginnt die Pubertät bei Mädchen durchschnittlich mit etwa 10,5 Jahren mit der ersten Regelblutung, der Menarche und bei Jungen mit durchschnittlich ca. 12,5 Jahren mit dem ersten Samenerguss.[1]

Der Ablauf der Geschlechterreifung erfolgt bei beiden Geschlechtern nach einem bestimmten Muster und ist größtenteils genetisch bestimmt. Für die Reifung sind Hormone zuständig, deren Ausschüttung durch den Hypothalamus und die Hypophyse erfolgt (vgl. Rossmann 2004, S.135-139).

Die Adoleszenz kann in drei Stufen unterteilt werden:

Die frühe Adoleszenz beginnt mit 11 oder 12 Jahren und endet mit 14. In dieser Zeit verändert sich der Jugendliche schnell. Darauf folgt die mittlere Adoleszenz. Die in der frühen Adoleszenz stattgefundenen pubertären Veränderungen sind fast beendet. Diese Phase endet mit 16 Jahren. Zwischen 16 und 18 Jahren findet dann die späte Adoleszenz statt. Das äußere Erscheinungsbild des Jugendlichen gleicht einem erwachsenen Menschen. Er ist bereit, die Funktionen eines Erwachsenen zu übernehmen (vgl. Berk 2011, S. 490).[2]

Senckel (2010, S. 83) unterscheidet zwischen Adoleszenz und Pubertät.

Die Pubertät ist der Lebensabschnitt, in dem die Reifung beginnt. Diese Phase dauert bei Mädchen vom 11. oder 15. Lebensjahr bis zum 16., bei Jungen vom 13. bis zum 17. Diese Phase geht über in die Adoleszenz. Sie endet bei Mädchen mit ca. 18 Jahren, bei Jungen drei Jahre später. Zusammengefasst bilden diese beiden Phasen das Jugendalter.

[...]


[1] Bei allen Altersangaben handelt es sich um aus Messungen entstandene Mittelwerte, bei denen Abweichungen von einem Jahr im Normbereich sind (vgl. Rossmann 2004, S. 138).

[2] Die Angaben des Alters sind an unseren Kulturkreis angelehnt und können in anderen Kulturkreisen variieren ( vgl. Berk 2011, S. 489 f)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Jugendliche mit geistiger Behinderung. Bedeutung der Peergroup für ihre emotionale Entwicklung und Unterschiede zu Jugendlichen ohne Behinderung
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut, ehem. Fachhochschule Landshut
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V353470
ISBN (eBook)
9783668427402
ISBN (Buch)
9783668427419
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geistige Behinderung, Peergroup, Jugendalter, Emotionale Entwicklung
Arbeit zitieren
Bianca Hutterer (Autor), 2016, Jugendliche mit geistiger Behinderung. Bedeutung der Peergroup für ihre emotionale Entwicklung und Unterschiede zu Jugendlichen ohne Behinderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353470

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