Ziel dieser Arbeit ist es, die Darstellung der Innensicht der Figur Fräulein Else in Arthur Schnitzlers gleichnamiger Novelle herauszuarbeiten. Dabei wird auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Novelle und der Comicadaption von Manuele Fior eingegangen. Als roter Faden dient die Frage, wie der Leser Informationen über Elses Gedanken und Gefühle erhält. Außerdem wird der Frage nachgegangen, ob die Gedankendarstellung ohne Erzähler möglich ist.
Bei der Analyse der Comicadaption soll nicht nur auf den Text, sondern auch auf das Bild und seine vielseitigen Darstellungsmöglichkeiten eingegangen werden. In Bezug darauf stellen sich die Fragen, ob es möglich ist, den inneren Monolog im Comic darzustellen und ob sich dem Comic vielleicht sogar neue oder bessere Möglichkeiten zur Darstellung der Innensicht bieten.
Die Arbeit ist in drei Teile gegliedert. Im theoretischen Teil werden zunächst die Darstellungsmöglichkeiten der Novelle erläutert. Hierbei wird auf die Funktion des Erzählers und des inneren Monologs eingegangen. Danach folgen die Darstellungsmöglichkeiten des Comics, die sich auf die Gestaltung mittels Text und Bild beziehen. Im Hauptteil erfolgt schließlich die Analyse der Innensicht der Figur Fräulein Else in der Novelle und im Comic. In einem Fazit werden die Ergebnisse bezüglich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede schließlich zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Innensicht in der Novelle
2.1 Erzählerfunktion
2.2 Der innere Monolog
3 Innensicht in der Comicadaption
4 Analyse der Entblößungsszene
4.1 Entblößungsszene in der Novelle
4.2 Entblößungsszene im Comic
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Darstellungsmöglichkeiten von Innensicht – konkret die Vermittlung von Gedanken, Gefühlen und inneren Konflikten – in Arthur Schnitzlers Novelle "Fräulein Else" im Vergleich zur gleichnamigen Comicadaption von Manuele Fior.
- Vergleichende Analyse literarischer versus bildsprachlicher Mittel der Innensicht.
- Rolle des inneren Monologs und der Erzählerfunktion in der Novelle.
- Einsatz von Panel-Strukturen, Perspektiven und Farbgebung im Comic als Bedeutungsträger.
- Untersuchung der Identitätskrise der Protagonistin während der zentralen Entblößungsszene.
- Beurteilung der narrativen Authentizität und Informationsvermittlung in beiden Medien.
Auszug aus dem Buch
4.1 Entblößungsszene in der Novelle
Die folgende Analyse wird im Bezug zum inneren Monolog und der Erzählerfunktion erfolgen. Die ausgewählte Szene beginnt in der Novelle damit, dass Else sich nach dem Gespräch mit ihrer Tante auf die Suche nach ihrem potenziellen Geldgeber „Herrn von Dorsday“ , der ihrem Vater über die finanziellen Schwierigkeiten hinweg helfen soll. Entweder erhält Else durch ihre Entblößung vor Dorsday die 50.000 Gulden, oder ihr Vater muss ins Gefängnis. Dafür muss sich Else Dorsday nackt präsentieren. Auf ihrer Suche ist sie in einen inneren Monolog vertieft. Sie scheint sich nicht klar für oder gegen die Suche nach Dorsday entscheiden zu können. Dadurch stellt sie sich selbst Fragen wie „Was will ich denn?“ und „Wie heißt der Mann?“. Sie wirkt dadurch zerstreut und orientierungslos. Der innere Monolog scheint zu einem Zwiegespräch und inneren Dialog zu werden, da sie teilweise selbst ihre Fragen beantwortet.
Ihre an sich selbst gerichteten Fragen werden dabei nicht von einem Erzähler oder ‚verba sentiendi‘ eingeleitet. Ein Erzähler fällt hier also als Vermittlungsinstanz zwischen Leser und Figur weg. Durch Elses ‚internen Standpunkt‘ tritt sie an die Stelle des Erzählers. Der Erzähler wird somit eins mit der Figur Else und kann dem Leser nicht mehr Informationen geben, als Else selbst es tut. Somit übernehmen Elses Gedanken die Beschreibung der Umgebung. Aus ihren Gedanken kann der Leser entnehmen, dass sie vor sich das Spielzimmer stellt. Die Syntax ist bei Elses Beschreibungen teilweise minimiert. In Elses Äußerung „Grüner Vorhang vor der Tür“ fällt das Verb weg. Dieser unvollständige Satz wirkt assoziativ und somit wie ein tatsächlicher Gedanke. Es sind noch weitere assoziativen Sätze zu finden wie zum Beispiel „Fünfzigtausend, fünfzigtausend“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Innensicht in Schnitzlers "Fräulein Else" ein und definiert die Forschungsfrage, wie Gedanken und innere Konflikte in Novelle und Comic vermittelt werden.
2 Innensicht in der Novelle: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Erzählerfunktion und des inneren Monologs, wobei Genettes Erzähltheorie als analytisches Werkzeug dient.
3 Innensicht in der Comicadaption: Das Kapitel befasst sich mit den medialen Besonderheiten des Comics, insbesondere dem Zusammenspiel von Bild, Text, Einstellungsgrößen und Farbe bei der Darstellung von Emotionen.
4 Analyse der Entblößungsszene: Die Analyse vergleicht die mediale Umsetzung der Schlüsselsequenz und untersucht, wie beide Medien die Identitätskrise und psychische Verfassung von Else visualisieren beziehungsweise sprachlich darstellen.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Novelle eine authentischere Innensicht ermöglicht, während der Comic trotz bildsprachlicher Stärken bei der Vermittlung des ununterbrochenen Gedankenstroms schwächere Ergebnisse erzielt.
Schlüsselwörter
Fräulein Else, Arthur Schnitzler, Manuele Fior, Innensicht, innerer Monolog, Comicadaption, Erzähltheorie, Identitätskrise, Entblößungsszene, Literaturwissenschaft, Bildanalyse, Bewusstsein, Gedankenstrom, Medium, Narratologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie das innere Erleben einer literarischen Figur – Fräulein Else – in zwei verschiedenen Medien, einer Novelle und einem Comic, dargestellt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Erzähltheorie, der Comic-Analyse, der Darstellung von Bewusstsein und der psychologischen Dimension der Identitätskrise.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Es soll herausgearbeitet werden, ob und wie der innere Monolog im Comic umgesetzt werden kann und ob dieses Medium neue oder bessere Möglichkeiten zur Darstellung der Innensicht bietet als die Novelle.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche vergleichende Analyse durchgeführt, die erzähltheoretische Ansätze (Genette) mit den Grundlagen der Comic-Analyse (Dittmar, McCloud) kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Analyse der sogenannten "Entblößungsszene" in beiden Werken, wobei die Vermittlung von Elses Gedanken und Gefühlen im Zentrum steht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören unter anderem "Innensicht", "innerer Monolog", "Identitätskrise", "Comicadaption" und "Narratologie".
Wie unterscheidet sich die Darstellung des Gedankenstroms in Novelle und Comic?
Während die Novelle einen kontinuierlichen, ungefilterten Gedankenstrom ermöglicht, zerstückelt der Comic diesen durch die Notwendigkeit der Bildsequenzierung und den Wechsel zwischen externer Beobachtung und internen Gedankenblasen.
Welche Rolle spielt die visuelle Ebene im Comic für das Verständnis der Figur?
Die visuelle Ebene (Farbe, Perspektive, Mimik) übernimmt im Comic einen Teil der Informationsvermittlung, kann jedoch das Fehlen des narrativen Zugangs zum inneren, ununterbrochenen Denken nicht vollständig kompensieren.
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- Katharina Paegert (Author), 2015, Die Darstellung der Innensicht Fräulein Elses in Arthur Schnitzlers gleichnamiger Novelle und der Comicadaption von Manuele Fior, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/359003