Zur Glaubwürdigkeit der Berichterstattung über außenpolitische Ereignisse im Zeitalter des Internets


Bachelorarbeit, 2015

50 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau und Methodik der Arbeit

2. Definitionen und Begriffsabgrenzungen
2.1 Journalismus als soziales System
2.2 Außenpolitik und außenpolitische Berichterstattung
2.3 Fernsehen, Rundfunk und Presse als Medien der politischen Darstellung

3. Grundlagen von Glaubwürdigkeit und Vertrauen
3.1 Glaubwürdigkeit und Vertrauen
3.2 Vertrauen in Journalismus
3.3 Veränderungen der Glaubwürdigkeit im Zeitalter des Internets
3.3.1 Klassische Medien und Journalismus vor dem Hintergrund der Digitalisierung - Das neue Medium Internet und seine politische Funktion
3.3.2 Veränderungen der Berichterstattung durch die Digitalisierung

4. Überprüfung der theoretischen Befunde am Beispiel eines aktuellen politischen Ereignisses
4.1 Ideale Berichterstattung im Spannungsfeld zwischen Verantwortung und Funktion
4.2 Aktuelles politisches Ereignis (Ukrainekonflikt)
4.2.1 Darstellung des Ereignisses
4.2.2 Bisheriger Forschungsstand in Bezug auf den Ukrainekonflikt
4.2.3 Untersuchung der Berichterstattung anhand einzelner Medien
4.2.4 Misstrauen der Rezipienten

5. Interpretation und Schlussfolgerungen

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Eine funktionierende politische Öffentlichkeit ist unabdingbar für demokratische Systeme, um die kommunikative Interaktion zwischen der Zivilgesellschaft und den Akteuren des politischen Systems sicherzustellen. Eine solche politische Öffentlichkeit wird konstituiert durch massenmediale Kommunikation, wie die Presse, Rundfunkanstalten und Onlinemedien. Wichtig ist, dass Rezipienten den Massenmedien und dem Journalismus und deren Berichterstattungen vertrauen, damit das System Journalismus funktionieren kann. In den vergangenen Jahren hat jedoch das Vertrauen in die Politik und ihre Akteure in den westlichen Demokratien stetig abgenommen.1 Sinkendes politisches Interesse, geringes politisches Wissen und eine immens nachlassende Wahlbeteiligung sind die Folgen fehlender politischer Unterstützung, welche als Einstellungen gegenüber dem System und den politischen Akteuren gemessen werden kann.2

Während in einer Studie von Guggenheim et al. ersichtlich wird,3 dass Bürger, die selten Zeitung lesen und überwiegend TV-Nachrichten sehen, der Politik tendenziell weniger Vertrauen schenken, kann Matthes et al. suggerieren,4 dass die Mediennutzung als alleiniger Indikator nicht genügt, um diesen komplexen Zusammenhang erklären zu können. Vertrauen in die Berichterstattung wird in der Literatur vielfach mittels der Bewertung der Glaubwürdigkeit gemessen. Dies erfolgt u.a. durch die Einschätzung der Eigenschaften Richtigkeit, Objektivität, Tiefe der Information und Vollständigkeit, an denen sich die Glaubwürdigkeit eines Kommunikators festmachen lassen soll.5

Die Glaubwürdigkeit ist ein wichtiges Element in der Berichterstattung. Aber wieso verschwindet in Anlehnung an der FES-Studie aus dem Jahr 2009, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in politische Parteien und zugleich in den demokratischen Aufbau des Landes?6 Auch die traditionellen Medien verzeichnen einen Rückgang der Glaubwürdigkeit. Die Ergebnisse des Edelman Trust Barometers zeigen, dass Zeitungen, Zeitschriften, Fernseh- und Rundfunkanstalten im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr an Vertrauen verlieren (2014: 77%, 2015: 66%). Hängt der Verlust der Glaubwürdigkeit bei den klassischen Medien mit dem Aufkommen des Internets in den 90er Jahren zusammen? Das Internet eröffnet ganz neue Möglichkeiten: Es ist ein multioptionales Medium, d.h. es bietet viel mehr Gebrauchsmöglichkeiten als die bisherigen klassischen Medien.7 Bis dato waren weitgehend Zeitungen und Rundfunkanstalten die Verbreitungsmittel der politischen Akteure, um ihre Informationen und Themen in die Öffentlichkeit zu tragen. Durch das Internet haben politische Akteure neuerdings jedoch die Möglichkeit, sich zu jeder Zeit, an jedem Ort der Welt, unkompliziert und kostengünstig an die Bürger/innen zu wenden und sie zu informieren. In Anlehnung an Neuberger ist das Internet jedoch nicht nur positiv zu sehen, da die Informationsqualität sich auf längerer Sicht verschlechtern soll, sobald die Webseiten nicht mehr über die klassischen Medien querfinanziert werden. Dem Internet fehlt ein Geschäftsmodell, da laut einer repräsentativen ACTA-Befragung aus dem Jahr 2013, bei der 8.702 Bürger/innen der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren befragt wurden, lediglich 5 % der Internetnutzer, die ausschließlich über Desktop-PCs oder Laptops ins Internet gehen, und doppelt so viele, also 10 % der mobilen Nutzer (mittlerweile gehen 26 Millionen Personen mobil ins Internet), also die per Smartphone und Tablet das Internet benutzen, bereit seien für aktuelle Nachrichten aus Politik und Wirtschaft im Internet zu bezahlen.8

Auch aus Sicht der Rezipienten bietet das Internet jedoch neue Möglichkeiten, so können sie z.B. aus einer vielfältigen Anzahl von Quellen wählen, mit anderen Nutzern in Kontakt treten, ihre Meinungen vertreten und diese in Foren, auf Blogs sowie auf Facebook und Twitter veröffentlichen und mit ihren Mitmenschen teilen. Aber ist das Internet überhaupt politisch? Unter den zehn aktuell am meist besuchten Webseiten der deutschen Bevölkerung (Stand: Oktober 2014) befindet sich Google mit 51,06 % an erster Stelle, gefolgt von Facebook (33,14%), Ebay (31,97%), Amazon und Axel- Springer SE (28,67%), die überwiegend alle kein politisches Angebot aufzeigen.9 Dennoch sind es laut Mack die sozialen Medien, die das soziale Netz als politisches Medium besonders prägen, da sie ein doppeltes demokratisches Emanzipationspotenzial besitzen, d.h. das soziale Netz ermöglicht komplett neue Formen egalitärer Massenkommunikation. So kann jeder Nutzer zu jeder Zeit ohne besondere journalistische, technische oder organisatorische Fähigkeiten zu besitzen Inhalte im Internet veröffentlichen und diese fast immer kostenfrei verbreiten. Dadurch brechen die sozialen Medien Hierarchien auf und erstellen neue Teilnahmechancen.10 Ein wichtiger Bestandteil im Zusammenhang mit dem Internet ist aber auch die Glaubwürdigkeit der Quellen und der Beiträge, die im Internet kursieren, denn heutzutage kann sich jeder Nutzer als "freier Journalist" bezeichnen und Beiträge und Artikel schreiben und publik machen. Da Rezipienten dieser journalistischen Informationsangebote aber nicht über ein durch eigene aktuelle Beobachtungen gewonnenes Prüfwissen verfügen, sind sie auf das Vertrauen in Medien angewiesen.11 Aus den folgenden Erkenntnissen ergeben sich bestimmte Fragestellungen für die vorliegende Arbeit: Inwiefern wandeln sich die klassischen Medien, wie Presse und Rundfunkanstalten vor dem Hintergrund der Digitalisierung, also mit dem Aufkommen des Internets seit Mitte der 90er Jahren? Verändert ein solcher Wandel auch die Berichterstattung und damit verbunden auch den Journalismus? Inwiefern wandelt sich die Glaubwürdigkeit der Berichterstattungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung und des Online-Journalismus?

Der Fokus dieser Bachelorarbeit soll zum einen auf dem Vertrauen in politische Beiträge aus Rundfunk, Print- und Digitalmedien und zum anderen auf die Berichterstattung im Zeitalter des Internets, also der Digitalisierung liegen. Vor allem die außenpolitische Berichterstattung und ihre Glaubwürdigkeit stehen im Fokus. Ziel der Arbeit ist es die aufgeführten Fragestellungen anhand theoretischer Ausführungen und eines Beispiels über ein politisches Ereignis zu erläutern und zu beantworten.

1.2 Aufbau und Methodik der Arbeit

In der vorliegenden theoretisch wissenschaftlichen Arbeit wird der bisherige Forschungsstand untersucht und anschließend die Berichterstattungen des Ukraine- Russland-Konflikts analysiert. Im ersten Abschnitt der Arbeit steht die Klärung einzelner Begriffe und Definitionen. So soll in Kapitel zwei der Journalismus als ein soziales System; die Außenpolitik und die damit verbundenen außenpolitischen Berichterstattungen sowie die Massenmedien: Fernsehen, Rundfunk und Presse als Medien politischer Darstellung thematisiert werden. Im dritten Kapitel sollen anschließend die Grundlagen von Glaubwürdigkeit und Vertrauen aufgezeigt und speziell auf das Vertrauen in den Journalismus eingegangen werden. In diesem Kapitel soll vor allem herausgearbeitet werden, wie sich die klassischen Medien vor dem Hintergrund der Digitalisierung verändert haben und ob sich der Journalismus und die Berichterstattungen durch das Aufkommen des Web 2.0 verändert haben. Nachfolgend soll geklärt werden, ob sich dadurch auch die Skepsis der Rezipienten gegenüber der Berichterstattung gewandelt hat. Mithilfe einer Literaturanalyse soll die Glaubwürdigkeit von Berichterstattungen über außenpolitische Ereignisse im Zeitalter des Internets erläutert werden. Die theoretischen Befunde sollen dann anhand eines Beispiels eines aktuellen politischen Ereignisses analysiert werden (Kapitel 4). Zuerst soll auf die ideale Berichterstattung in einem Spannungsfeld zwischen Verantwortung und Funktion eingegangen werden. Anschließend soll Bezug auf ein aktuelles politisches Ereignis genommen werden.

Als Analyseeinheit werden Berichterstattungen von Zeitungen, Rundfunkanstalten und Onlinemedien gewählt bei denen das Hauptthema der Ukrainekonflikt ist. In dieser Arbeit wurde die Berichterstattung des Ukraine- und Russlandkonflikts gewählt, da er nicht nur aufgrund der dortigen Krise in den Medien präsent ist, sondern das Thema gerät auch bezüglich der umstrittenen Berichterstattung vieler Medien in die Öffentlichkeit und wird von vielen Nutzern und kritischen Lesern sowie Zuschauern stark kritisiert. Als Zeitrahmen werden Artikel vom November 2013 bis März 2015 untersucht, da im November 2013 dieser Konflikt in den Medien zum ersten Mal thematisiert wurde und in den letzten zwei Jahren ständig in den Medien präsent ist. Untersucht werden die Hauptnachrichtensender der beiden öffentlich-rechtlichen Programme „Tagesschau“ (ARD) und „heute“ (ZDF), da sie im Gegensatz zu den privaten Sendern, die meisten politischen Ereignisse aufgreifen. Bei den privaten Anbietern soll eine Berichterstattung des „Deutschlandrundfunks" analysiert werden, der ebenfalls durch eine fehlerhafte Berichterstattung in die Kritik einiger Hörer geriet. Im Online-Angebot der Zeitungen wurden vereinzelte Artikel in Betracht gezogen, die auch in das Visier der Rezipienten gelangten. Ziel ist es die Berichterstattung zu durchleuchten, das Vertrauen oder das Misstrauen der Rezipienten in der Berichterstattung herauszuarbeiten und die Mittel aufzeigen die letztendlich dazu führen, dass Nutzer einer Informationsquelle vertrauen oder auch misstrauen.

2. Definitionen und Begriffsabgrenzungen

2.1 Journalismus als soziales System

Journalismus ist ein weitläufiger Begriff, der in der Literatur unterschiedlich thematisiert und aufgefasst wird und somit gibt es keine konkrete Definition dieses Begriffes. Um sich aber einmal zu vergegenwärtigen wie der Journalismus aufgefasst werden kann, wird zunächst Journalismus als ein soziales System beschrieben.

„Im Zuge der Entwicklung der modernen Gesellschaft entsteht Journalismus seit dem 17. Jahrhundert als ein soziales System mit der Funktion, Informationen aktuell zur öffentlichen Kommunikation zu vermitteln.“12 Zunächst ist unter einem System, „eine Menge von geordneten Elementen mit Eigenschaften, die durch Relationen verknüpft sind, zu verstehen und diese Menge der Relationen zwischen den Elementen eines Systems ist seine Struktur“.13 Im Sinne der Systemtheorie ist die Struktur der Elemente eines Systems seine Organisation und somit sind die Begriffe „Organisation“ und „Struktur“ identisch.14 Bei einem sozialen System handelt es sich um „ein theoretisches Konstrukt, ein Beobachterinstrument, das nach seiner wissenschaftlichen Brauchbarkeit und nicht nach seiner Wirklichkeitsadäquatheit beurteilt werden muss.“15 Im Sinne der Luhmannschen funktional-strukturellen Systemtheorie liegt jedem gesellschaftlichen System eine Struktur zugrunde, die sich auch in anderen Systemen wiederfinden lässt. Luhmann‘s Systeme kennzeichnen sich durch verschiedene Merkmale, so beziehen sie sich auf sich selbst, sind selbstreferentiell, stellen sich selbst her (Autopoiesis), grenzen sich von ihrer Umwelt ab und haben alle einen spezifischen binären Code, der als Unterscheidungsregel fungiert. Deren Aufgabe ist die Strukturierung der Kommunikation, sowie die Kanalisierung der Informationsverarbeitung. 16 Journalismus kann anhand des Codes entscheiden, welche Ereignisse in der Umwelt des Systems als relevant behandelt werden und demnach werden Systeme nicht nach ihrem Wesen, sondern nach ihrer Funktion bestimmt.17

Das eigenständige soziale System Journalismus entsteht in Deutschland im Zuge eines gesellschaftlichen Differenzierungsvorgangs und diese Entstehung von Journalismus als Funktionssystem der Gesellschaft ist gekennzeichnet durch drei Segmente: journalistische Organisation, journalistische Programme und journalistische Handlungsrollen.18 Als Organisationen sind demnach die Medien zu verstehen und die Formen und Techniken, mit denen Journalismus Ereignisse identifiziert und bearbeitet charakterisieren die journalistischen Programme. Ihre Funktion ist die Generierung und Darstellung von Informationen.19 Der Journalist bildet sich im System Journalismus heraus und „komplementär zur Handlungsrolle Journalist entsteht die Rolle des Rezipienten.“20

In den Literaturen zur Journalismusforschung gibt es wie schon oben erwähnt eine Menge Definitionen zu dem Begriff Journalismus und somit gibt es nicht "die" eine Definition. Journalismus wird einmal verstanden als „hauptberufliche Tätigkeit von Personen, die an der Sammlung, Prüfung, Auswahl, Verarbeitung und Verbreitung von Nachrichten, Kommentaren sowie Unterhaltungsstoffen durch Massenmedien beteiligt sind“ und zum anderen als soziales Teilsystem eines umfassenden Gesellschaftssystems, deren Primärfunktion in der modernen Gesellschaft die aktuelle Selektion und Vermittlung von Informationen zur öffentlichen Kommunikation ist.21 So werden laut Weischenberg vom Journalismus Themen für die Medienkommunikation zur Verfügung gestellt, die Neuigkeitswert und Faktizität besitzen.22 Rühl beschreibt nach der funktional-strukturellen Theorie als Primärfunktion des modernen Journalismus die Herstellung und Bereitstellung von Themen zur öffentlichen Kommunikation.23 Somit wird Journalismus zu einem öffentlichen Gut, deren Basis die Gesellschaft ist, in der Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, Solidarität und Kooperation einen hohen Stellenwert haben.24 Der Journalismus hat eine Reihe von Strukturen aufgebaut, um Umweltkomplexität zu verarbeiten. Die Strukturen sollen die aufgeführte Primärfunktion erfüllen und die Funktion in der Gesellschaft übernehmen, die Leistungen für andere soziale Systeme erbringen und sich gegenüber der Gesellschaft und anderen Subsystemen, wie z.B. Politik, Wirtschaft usw. abgrenzen.25 Das redaktionelle Handeln eines Journalisten wird durch vielfältige institutionelle Zwänge und Einflussnahmen determiniert, so wie z.B. der Zwang zur Produktion, Zeitdruck und Platzmangel sowie der Hierarchie.26 Die Systemtheorie unterscheidet hingegen zwischen Funktion und Leistung. Demnach ist unter Funktion die Beziehung zwischen einem System und der Gesellschaft zu verstehen. Die Leistung zeigt hingegen die Beziehung eines sozialen Systems zu anderen Funktionssystemen in seiner Umwelt auf und ermöglicht somit ein Leistungsaustausch zwischen funktionalen Teilsystemen.27 Journalismus wird also als ein eigenständiges soziales System der Gesellschaft beschrieben und Massenmedien wie Zeitungen, Hörfunk- und Fernsehanstalten werden aus der Sicht des Journalismus als Elemente des journalistischen Systems aufgefasst. Diese dargestellten Massenmedien üben auch eine politische Macht aus, da das politische Handeln zwingend auf Massenmedien angewiesen und von ihnen abhängig ist. Laut Blöbaum haben dadurch die Massenmedien weitgehend das politische System abgelöst.28 In der Systemtheorie des Soziologen Niklas Luhmanns werden Massenmedien als „Verbreitungsmedien“ behandelt, wobei das Prinzip der Aktualität und Neuheit große Prioritäten hat.29 Weischenberg entwickelt ein Journalismus-Modell, um die Elemente des Systems Journalismus und deren Beziehung zu beschreiben. Der Journalismus sorgt dafür, dass die Einheit der Gesellschaft vor allem durch aktuelle Berichterstattungen über die wichtigsten Ereignisse aus unterschiedlichen Bereichen und Systemen präsent bleibt.30 Weiter „konstituiert Journalismus in konkreten sozialen Systemen eine symbolische Wirklichkeit durch die kontinuierliche Thematisierung bestimmter Ereignisse.“31 Also zusammenfassend sind die Funktionen des Systems Journalismus: die Selbstbeobachtung der Gesellschaft, die Aktualität und Universalität der Themen, die Publizität, Kontinuität und Objektivität sowie die Autonomie, also die Unabhängigkeit von anderen Systemen, um diese Funktionen erfüllen zu können.

2.2 Außenpolitik und außenpolitische Berichterstattung

Die Qualität einer Demokratie hängt in Anlehnung an Rudzio im wesentlich von der Art und Weise in der ihre Gesellschaft kommuniziert ab.32 Durch die in der Öffentlichkeit vorherrschenden Meinungen, also die öffentlichen Meinungen, wird das politische Verhalten von Bürgern ganz entscheidend beeinflusst.33 Der Öffentlichkeit werden drei Aufgaben in der Demokratie zugeordnet, „wahrheits- und sachgemäße Information und Aufklärung der Bürger über politische Prozesse, Überwachung und Kontrolle politischer Machtausübung und die Förderung und Beeinflussung des politischen Prozesses durch Meinungsbildung.“34 Der Journalismus übernimmt diese Vermittlungsleistung zwischen dem Staat und seinen Bürgern und ist aus der Sicht des Staats somit ein Instrument zur Aufrechterhaltung und Organisation seiner Herrschaft, der Ereignisse im politischen System thematisiert und sie der öffentlichen Diskussion zur Verfügung stellt.35 Politische Kommunikation ist genau wie Politik selbst grenzenlos, d.h., "ein Merkmal der modernen Mediengesellschaft ist es, dass in ihr alles jederzeit zu einer Angelegenheit von öffentlichem Belang werden kann, indem es von Medien öffentlich thematisiert wird"36 Diese öffentliche Thematisierung durch die Medien kann durch sogenannte Berichterstattungen geschehen, die in diesem Kapitel thematisiert werden sollen.

Täglich passieren auf der Welt zahlreiche Ereignisse, die von Journalisten als nachrichtenwürdig eingestuft und mittels einer Berichterstattung wiedergegeben werden können. Dabei verfolgt der Journalismus drei unterschiedliche Selektionsmechanismen, die bei der Auswahl bestimmter Ereignisse relevant sind, einmal die Rollenverständnisse des Rezipienten, die technischen und organisatorischen Zwänge im System Journalismus und zum anderen die Nachrichtenwerte oder Nachrichtenfaktoren. 37 Jede Berichterstattung steht also gezwungenermaßen unter einer Selektion. "Medien bestimmen damit nicht, was Menschen denken, aber sie beeinflussen, worüber sie denken."38 Aber was ist gemeint, wenn von "Außenpolitik" gesprochen wird? Um diesen Begriff genauer zu erläutern wird eine kurze Erklärung des Begriffes "Außenpolitik" skizziert. Im Alltagsgebrauch findet der Begriff Verwendung im Zusammenhang mit überwiegend routinisierten Handlungen von Politikern gegenüber anderen Staaten und deren Repräsentanten. Auch wenn verschiedene Wissenschaftler unterschiedliche Kategorien zur Klärung des Begriffs gebrauchen, gibt es Übereinstimmungen über einige bestimmte Elemente zur Kennzeichnung von Außenpolitik. 39 Demnach wird "Außenpolitik "gemacht" von individuellen oder kollektiven Akteuren, die in Vertretung eines durch territoriale Hoheitsgrenzen identifizierbaren Staates handeln können“ und somit bezeichnet Außenpolitik „Handlungen staatlicher Akteure, die auf die Herstellung und Ermöglichung kollektiv bindender Entscheidungen in den internationalen Beziehungen abzielen."40

In der außenpolitischen Berichterstattung wird den Presseagenturen wie die Deutsche Presseagentur (dpa), der Allgemeine Deutsche Nachrichtendienst (ddpADN) und die deutschsprachigen Dienste von Associated Press (AP), Reuters und Agence France- Press (AFP) eine große Bedeutung zugeteilt, da die überwiegende Mehrheit der internationalen Informationen auf diesen Quellen beruht. Die verfassten Nachrichten werden von Auslandskorrespondenten, ein inländischer Mitarbeiter, der aus dem Ausland für sein Land berichtet, an die Zentralredaktion gesendet und da nochmals selektiert und an die Kunden in den Redaktionen der Print- und Funkmedien weitergegeben, die dann über die Veröffentlichung des Ereignisses entscheiden.41 Laut Klier werde Demokratie aber erst durch Massenmedien wahrnehmbar.42 Anknüpfend daran werden im folgenden Kapitel die Massenmedien, wie Fernsehen, Rundfunk und Presse als Medien der politischen Darstellung aufgezeigt.

2.3 Fernsehen, Rundfunk und Presse als Medien der politischen Darstellung

Massenkommunikation wird definiert als jene Form der Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich, also ohne begrenzte und personell definierte Empfängerschaft, durch technische Verbreitungsmittel wie die Medien indirekt, d.h. bei räumlicher, zeitlicher oder raumzeitlicher Distanz zwischen den Kommunikationspartnern und einseitig, also ohne Rollenwechsel zwischen Aussagendem und Aufnehmendem, an ein disperses Publikum vermittelt werden.43 Medien schaffen „Kommunikationskanäle und sorgen dafür, dass sie mit Botschaften gefüllt werden, indem sie einerseits politisch relevante Informationen von außen aufnehmen und andererseits wieder an Interessierte außerhalb ihrer weitergegeben.“44 Nach Luhmann besteht die Funktion der Massenmedien darin, dass sie ein Hintergrundwissen bereitstellen und die Selbstbeobachtung des Gesellschaftssystems unterstützen.45 Grundlegend weisen die Massenmedien als technisches Verbreitungsmittel, wie die Printmedien, Medien des Rundfunks (Hörfunk und Fernsehen) und Online-Medien (Internet), eine Menge von politischen Funktionen auf. In erster Linie sollen sie Öffentlichkeit herstellen, um so einen öffentlichen Raum im politischen System zu konstruieren, die politische Meinungsbildung der Bevölkerung und des politischen Systems zu beeinflussen und sind somit autonome Akteure der politischen Kommunikation.46 Bei dem Gebrauch des Begriffs Öffentlichkeit handelt es sich vielmehr um eine Teilöffentlichkeit, da Öffentlichkeit als konkret definierbare Größe so nicht existiert und „ein zentrales Merkmal aller modernen Gesellschaften ihre Ausdifferenzierung in funktionale Teilsysteme ist“.47 Durch die Massenmedien entsteht in modernen Gesellschaften eine Öffentlichkeit, d.h. „ein Raum, der Themen und Meinungen zur Verfügung stellt, die kritisches Räsonnement ermöglichen und dem Souverän eine Entscheidungsgrundlage verschaffen.“48 Somit ist das Kommunikationssystem Öffentlichkeit, welches von den Massenmedien gewährleistet wird, für die Gesellschaft als Beobachtungsmittel unverzichtbar.

Weitere Funktionen der Massenmedien für das politische System sind das Informieren über Ereignisse und Meinungen, die Artikulation von Meinungen, wie sie in der Bevölkerung bestehen und die Kritik sowie die Kontrolle gegenüber der Regierungen und Parteien.49 Auch in der Außenpolitik spielen die Massenmedien für die Darstellung politischer Wirklichkeit eine entscheidende Rolle, denn in ihr bewegen sich die außenpolitischen Akteure und werden so von dem nationalen und internationalen Medienpublikum beobachtet und kontrolliert.50 Außerdem wird den Medien die Wirkung der politischen Themenbildung zugeschrieben, welche den Umfang sowie die Art und Weise von Kritik und Kontrolle gegenüber Regierungen, Parteien etc. bestimmt.51 Rudzio betont, dass "für die politische Meinungsbildung von großer Bedeutung erscheint, dass für nahezu die Hälfte der Deutschen Politik kein Gesprächsthema ist, mithin Massenmedien die einzige "Brücke zur Politik" bilden."52

Bei einer Befragung über die wichtigste Informationsquelle während des Wahlkampfes 2013 nannten 66 Prozent aller Befragten das Fernsehen, 38 Prozent die Tageszeitung, 23 % das Internet, 16 % den Hörfunk und 9 % Prozent die Zeitschriften.53 Dabei erfährt bei den Deutschen das Fernsehen die größte Glaubwürdigkeit und die höchste Kompetenzbewertung, gefolgt von den Tageszeitungen, Hörfunk und zum Schluss dem Internet.54 Im Rahmen eines Fernsehvergleichs wird das öffentliche Fernsehen von den Befragten mit 76 Prozent als glaubwürdiger bewertet als das private mit nur 14 Prozent.55 Maurer betont aber, dass die Politikangebote im öffentlichen Fernsehen von vielen Zuschauern "eher gemieden" und bei Nachrichten im Rahmen eines "bunten Themenrepertoire" nur "mitgeschluckt" werden.56 Jedoch fallen auch Probleme und Defizite bei der Betrachtung der Erfüllung der Funktionen von Medien auf. So wird nach Rudzio in der medialen Vermittlung der Politik vor allem beim Fernsehen und der Boulevardpresse, "ein Trend zur Vereinfachung, Personalisierung und Emotionalisierung konstatiert."57 Hinzu kommt, dass im "Zuge voranschreitender Mediatisierung die Massenmedien im demokratischen System inzwischen nicht nur Vermittler von Politik sind, sondern vielfach auch die Rolle des politischen Akteurs übernommen haben" und sind somit nicht nur das Abbild der politischen Wirklichkeit sondern auch "einflussreiche Mitspieler in einem komplexen politisch medialen Interaktionssystem geworden."58 Die Konsequenzen dieser Problematik ist u.a. die Politikverdrossenheit, da die Bürger Politik nur noch als Show empfinden könnten.59

Kann daraus geschlossen werden, dass sich die Bürger nicht mehr gut informiert fühlen und auch an der Glaubwürdigkeit der Berichterstattung über politische Themen zweifeln? Dies wäre für die Nachrichtensendungen ein schwerwiegendes Problem, da deren Ziele und Funktion die Informationsvermittlung ist. Heinz Bonfadelli kommt mittels einer empirischer Analyse zu dem Ergebnis, dass sich verschiedene Medientypen bei der Informationsleistung und Wirkung enorm unterscheiden und demnach bei der Nutzung öffentlich-rechtlicher Nachrichten das politische Wissen steigt, hingegen bei privaten Anbietern die Nutzung nur geringe Wissenszuwächse zeigt.60 Da in diesem Kapitel nur allgemein auf die Medien als Darstellung von Politik eingegangen wird, soll kurz jede Mediengattung im Hinblick auf die Politikvermittlung erläutert werden.

Die Printmedien, die ältesten Massenmedien, haben ihre Anfänge im 17. Jahrhundert und erfüllen seitdem die Funktionen der Politikvermittlung, indem sie durch ihre hohe gebotene Informationskapazität "breitere" und "tiefere" politische Informationen anbieten. Deren wichtigste Funktion ist die detaillierte Zweitberichterstattung, bei der mittels Vertiefung und Erweiterung bereits vermittelte Informationen ergänzt werden können.61 Zu den Printmedien zählen gedruckte Veröffentlichungen, also z.B. Zeitschriften, Zeitungen, Bücher, Kataloge usw. Dabei gehören zu den politisch relevanten Printmedien u.a. die überregional verbreiteten Qualitätszeitungen, regionale und lokale Abonnementszeitungen, politische Wochenzeitungen und Nachrichtenmagazine.62 Übereinstimmende Befunde zeigen, dass dieses Medium durch die periodische Erscheinungsweise sich im Hinblick auf die Politikvermittlung hauptsächlich auf Ereignisse von sehr kurzer Dauer beschränkt. Diese können dann jedoch in längerfristige Thematisierungen beigefügt sein. Im Unterschied zu anderen Medien begleiten die Printmedien den politischen Prozess stetiger und berichten in einem größeren Umfang.63 Außerdem wird dem Status der Länder bei Auslandsnachrichten eine besondere Bedeutung beigemessen. In Deutschland werden vor allem die (west-)europäischen Länder, die USA und Krisenregionen wie Syrien und Ukraine thematisiert. 64 Andere Medien (Hörfunk, TV, Internet) sind im Unterschied zu den Printmedien, die durch eine große Informationskapazität geprägt sind und aufgrund der Lern- und Bildungsvoraussetzungen sowie der kognitiven Verarbeitung eine bessere Speicherung von Informationen voraussetzen, hingegen viel aktueller bzgl. der Bereitstellung von primärem Wissen.65

[...]


1 vgl. (Delton, 2005, S. 133)

2 vgl. (Maurer, 200 , S. 27)

3 vgl. (Guggenheim, 2011, S. 299)

4 vgl. (Matthes, Kühn , Schemer & Wirth, 2010, S. 271)

5 vgl. (Johnson & Kaye, 2009, S. 175)

6 vgl. (Matuschek, 2014)

7 vgl. (Neuberger, 2013, S. 21)

8 vgl. (ACTA, 2013)

9 vgl. (Statista, 2015)

10 vgl. (Mack, 2013, S. 44)

11 vgl. (Kohring, 2004, S. 165)

12 (Blöbaum, 1994, S. 12)

13 (Gabler Wirtschaftslexikon)

14 vgl. (ebd.)

15 (Blöbaum, 1994, S. 256)

16 vgl. (Rastelli, 2008)

17 vgl. (Blöbaum, 1994, S. 256)

18 vgl. (ebd., S. 127)

19 vgl. (ebd., S. 138)

20 (Ebd., S. 148)

21 (Ebd. S. 48, 74, 261)

22 vgl.(Weischenberg, 2013, S. 97)

23 vgl. (Blöbaum, 1994, S. 74)

24 vgl. (Welker, 2012, S. 21)

25 vgl. (Blöbaum, 1994, S. 74, 265)

26 vgl. (ebd. S. 55)

27 vgl. (ebd. S. 60)

28 vgl. (ebd. S. 65)

29 vgl. (ebd. S. 68)

30 vgl. (ebd. S. 62, 259)

31 (Luhmann, 1980, S. 325)

32 vgl. (Rudzio, 2011, S. 451)

33 Ebd.

34 (Klier, 1990, S. 25)

35 vgl. (Blöbaum, 1994, S. 269 f.)

36 (Donges & Jarren, 2009, S. 93)

37 vgl. (Wanke, 2012, S. 31)

38 (Sarcinelli & Menzel, 2007, S. 329)

39 vgl. (Hellmann, Wolf, & Schmidt, 2007, S. 17)

40 (Ebd.)

41 vgl. (Sarcinelli & Menzel, 2007, S. 329)

42 vgl. (Klier, 1990, S. 29)

43 vgl. (Gerber & Stosberg, 1969, S. 16)

44 (Klier, 1990, S. 31)

45 vgl. (Luhmann, Die Realität der Massenmedien, 1995, S. 49)

46 vgl. (Eilders, 2008, S. 25)

47 (Sarcinelli, 2005, S. 30)

48 (Ebd.)

49 vgl. (Jörg, 1975, S. 431)

50 vgl. (Rattinger, 2007, S. 318)

51 vgl. (Rudzio, 2011, S. 396 f.)

52 (Brettschneider, 1997, S. 286)

53 vgl. (Gscheidle & Gerhard, 2013, S. 559)

54 vgl. (Basisdaten, 2010, S. 68)

55 vgl. (Ridder & Engel, 2005, S. 433)

56 (Maurer T. , 2009, S. 148)

57 (Rudzio, 2011, S. 466)

58 (Sarcinelli & Tenscher, 2008, S. 8)

59 vgl. (Donges & Jarren, 2009, S. 89)

60 vgl. (Bonfadelli & Marr, 2008, S. 379)

61 vgl. (Strohmeier, 2004, S. 28)

62 vgl. (Donges & Jarren, 2002 S. 338)

63 vgl. (Wilke, 1998, S. 151)

64 vgl. (Ebd.)

65 vgl. (Donges & Jarren, 2009, S. 262)

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Zur Glaubwürdigkeit der Berichterstattung über außenpolitische Ereignisse im Zeitalter des Internets
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,6
Autor
Jahr
2015
Seiten
50
Katalognummer
V372002
ISBN (eBook)
9783668503687
ISBN (Buch)
9783668503694
Dateigröße
644 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
glaubwürdigkeit, berichterstattung, ereignisse, zeitalter, internets
Arbeit zitieren
Franziska Sander (Autor), 2015, Zur Glaubwürdigkeit der Berichterstattung über außenpolitische Ereignisse im Zeitalter des Internets, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/372002

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