Predictive Policing in Deutschland. Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Polizeiarbeit


Hausarbeit, 2017

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

GLIEDERUNG
1.
Einleitung
... 1
2.
Predictive Policing
... 2
2.1
Begriffsbestimmung
... 2
2.2
Anwendung in Deutschland
... 2
2.3
Predictive Policing als Controlling-Aufgabe
... 3
3.
Möglichkeiten und Grenzen
... 5
3.1
Potential von Predictive Policing
... 5
3.2
Grenzen
... 6
4.
Evaluation von Predictive Policing-Instrumenten
... 7
4.1
Mangel an wissenschaftlichen Studien
... 7
4.2
Evaluation der Genauigkeit des Instruments
... 8
4.3
Wirkungsevaluation
... 9
5.
Fazit
... 10
Literaturverzeichnis
... 12

Predictive Policing ·Simon Landmesser
1
1.
Einleitung
Im Jahr 2011 wurde Predictive Policing vom Time Magazine als eine der 50 besten Erfin-
dungen des Jahres genannt (Friend 2013). Predictive Policing wird durch die Polizei ge-
nutzt, um effizienter gegen Kriminalität vorzugehen. Dabei liefern computergestützte Al-
gorithmen Wahrscheinlichkeitswerte, wann und wo Straftaten begangen werden könnten.
Den Zweck des Einsatzes von Predictive Policing beschreibt Charlie Beck, der aktuelle
Polizeichef von Los Angeles, folgendermaßen: ,,I'm not going to get more money. I'm not
going to get more cops. I have to be better at using what I have, and that's what predictive
policing is about..." (Pease/Tesloni 2014: 27)
Predictive Policing eilt ein überaus positiver Ruf voraus. So sollen die Kriminalitätszahlen
in Los Angeles durch den Einsatz von Predictive Policing um 20% in nur einem Jahr ge-
senkt worden sein (PredPol 2017). Vor dem Hintergrund der steigenden Einbruchskrimina-
lität der letzten Jahre setzen auch immer mehr Polizeien in Deutschland auf Predictive
Policing. So wird beispielsweise in Bayern die Software PRECOBS mittlerweile in einigen
Regionen fest eingesetzt (Schweer 2017a), in vielen anderen Bundesländern werden Pilot-
projekte mit eigener oder eingekaufter Software durchgeführt (siehe Kapitel 2.2).
Trotz des weitgehenden operativen Einsatzes, gestaltet sich die Suche nach wissenschaftli-
chen Studien, die die Wirksamkeit von Predictive Policing bestätigen, problematisch. Der
Großteil der Literatur zum Thema findet sich im englischsprachigen Raum. In Deutschland
ist der Einsatz von Predictive Policing noch vergleichsweise jung. Vor diesem Hintergrund
stellt sich die Forschungsfrage, wie sinnvoll der Einsatz von Predictive Policing zur opera-
tiven Planung in der deutschen Polizei ist. Um diese Frage zu beantworten, wird im Rah-
men der Arbeit zunächst Predictive Policing definiert und die aktuelle Situation in
Deutschland analysiert. Im Anschluss wird differenziert, inwieweit Predictive Policing
dem Bereich des Controllings zuzuordnen ist. Das Potential und die Grenzen von
Predictive Policing werden untersucht, um die Anwendungsmöglichkeiten in Deutschland
eingrenzen zu können. Der aktuelle Stand der Forschungen auf dem Gebiet wird vorge-
stellt und anschließend erarbeitet, wie eine Evaluation der Genauigkeit eines Predictive
Policing-Instruments und eine sich anschließende Wirkungsevaluation durchgeführt wer-
den könnten. Die Arbeit schließt mit einem Fazit.

Predictive Policing ·Simon Landmesser
2
2.
Predictive Policing
2.1
Begriffsbestimmung
Der Begriff des Predictive Policing kann übersetzt werden als ,,vorausschauende Polizeiar-
beit". Da die Methode des Predictive Policing ursprünglich aus den USA kommt und der
Begriff auch vielfach in Deutschland gängiger Sprachgebrauch ist (so z.B.: Christiansen
2015; Montag 2016), wird im Rahmen dieser Arbeit der englische Begriff verwendet.
Unter Predictive Policing wird eine Methode verstanden, bei der mittels Software größere
quantitative Datenmengen ausgewertet werden, um besonders kriminalitätsgefährdete Ge-
biete oder Objekte zu lokalisieren und polizeiliches Handeln danach auszurichten
(Chaszczewski 2015: 10). Die Bundesregierung definiert Predictive Policing treffend fol-
gendermaßen: ,,Allgemein lässt sich sagen, dass es sich [bei Predictive Policing] um einen
mathematisch-statistischen Ansatz handelt, der unter Nutzung von anonymen Falldaten
und unter Annahme kriminologischer Theorien, wie beispielsweise dem Near-Repeat-
Ansatz, Wahrscheinlichkeiten für eine weitere (gleichgelagerte) Straftat in einem abge-
grenzten geografischen Raum in unmittelbarer zeitlicher Nähe (max. sieben Tage) berech-
net." (Deutscher Bundestag 2015: 3). Die erwähnte Near-Repeat-Hypothese nimmt an,
dass nach einer Tat die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Tatbegehung in der Nähe des
ersten Tatortes eklatant höher ist. Die Wahrscheinlichkeit ist dabei kurz nach Tatbegehung
besonders hoch und nimmt mit der Zeit ab (Bowers/Johnson 2004: 1; Wells/Wu 2011: 2).
Anhand der Ergebnisse der Auswertung kann die Polizei ihr einsatztaktisches Vorgehen
ausrichten und sowohl präventiv, als auch repressiv tätig werden.
Unter einem Predictive Policing-Instrument wird in der weiteren Folge die Auswertungs-
software verstanden, die die Wahrscheinlichkeitswerte für das Eintreten einer Straftat be-
rechnet. Dabei kann es sich bei der Software sowohl um staatliche Eigenentwicklungen, als
auch um Fremdsoftware handeln.
2.2
Anwendung in Deutschland
In Deutschland findet die Methode bislang ausschließlich im Zusammenhang mit Ein-
bruchskriminalität Anwendung. Folgende Software wird aktuell eingesetzt oder befindet
sich in einem Pilotprojekt:

Predictive Policing ·Simon Landmesser
3
- PRECOBS (Pre Crime Observation Service) in Stuttgart, Karlsruhe, München und der
Region Mittelfranken (Schweer 2017a; Schweer 2017b);
- SKALA (System zur Kriminalitätsanalyse und Lageantizipation) in Bonn, Düsseldorf,
Köln, Essen, Gelsenkirchen und Duisburg (Ministerium für Inneres und Kommunales des
Landes Nordrhein-Westfalen 2017);
- KrimPro (Kriminalitätsprognose) in Berlin (Der Polizeipräsident in Berlin 2016);
- PreMAP (Predictive Mobile Analytics for the Police) in Braunschweig (Niedersächsi-
sches Ministerium für Inneres und Sport 2016);
- KLB-operativ (Kriminalitätslagebild operativ) in den Polizeidirektionen Wiesbaden,
Main-Taunus, Main-Kinzig und Darmstadt-Dieburg (Hessisches Ministerium des Innern
und für Sport 2016).
Die Vielfalt der unterschiedlichen Programme die zum Einsatz kommen, ist Ausdruck der
föderalen Struktur und fehlender Erfahrung mit den Instrumenten in Deutschland. Das Po-
tential von Predictive Policing haben bereits mehrere Bundesländer erkannt. Da polizeili-
che Aufgaben in der Zuständigkeit der Länder liegen, führen die Bundesländer bislang
selbstständig Pilotprojekte im Zusammenhang mit Predictive Policing durch oder haben
Programme bereits in den jeweiligen polizeilichen Alltag eingeführt. Kooperationen oder
bundesweite Initiativen zur Vereinheitlichung sind bisher nicht zu erkennen. Dies ist eher
kritisch zu bewerten, denn Kriminalität macht nicht vor (Länder-)Grenzen Halt. Der nur
punktuelle Einsatz von Predictive Policing wird im Erfolgsfall höchstwahrscheinlich zu
einem Verdrängungseffekt führen. Sinkende Kriminalitätszahlen in einer Region Deutsch-
lands würden dann zu steigenden Zahlen in anderen Regionen führen. Diesem Effekt könn-
te nur durch eine bundesweite Vernetzung und Anwendung entgegengewirkt werden.
2.3
Predictive Policing als Controlling-Aufgabe
In der Aufbauorganisation einer Polizeibehörde könnte man Predictive Policing auf den
ersten Blick dem Bereich ,Einsatz` zuordnen. Tatsächlich kann Predictive Policing zu er-
heblichem Einfluss auf die Einsatzplanung führen. Wie mit den Ergebnissen einer
Predictive Policing-Analyse einsatztaktisch umgegangen wird, ist zweifelsfrei dem opera-
tiven Bereich zu überlassen. Dass Predictive Policing dennoch zu großen Teilen zu den
Aufgaben des Controllings gehört, soll im Folgenden näher erläutert werden.

Predictive Policing ·Simon Landmesser
4
,,Controlling ist ein funktionsübergreifendes Steuerungsinstrument, das den unternehmeri-
schen Entscheidungs- und Steuerungsprozess durch zielgerichtete Informationener- und -
verarbeitung unterstützt." (Preißler 2014: 2). Innerhalb des Controllings kann unterschie-
den werden zwischen operativen und strategischen Controlling. Strategisches Controlling
hat eine längerfristige Planung über mehrere Jahre hinweg zum Ziel, während die Planung
beim operativen Controlling eher gegenwartsorientiert ist und in der Regel nicht weit über
ein Jahr hinausgeht (ebd.: 4f.).
Abbildung 1: Predictive Policing-Prozess (nach Bode et al. 2017: 2).
Der Predictive Policing-Prozess ist in Abbildung 1 dargestellt. Im ersten Schritt werden
zunächst zielgerichtet Daten gewonnen, gesammelt und aufbereitet. Erhoben werden Daten
zu begangenen Straftaten, wie beispielsweise Tatort, Tatzeit oder Modus operandi (Shapiro
2017: 459). Es können aber noch viel weitergehender Daten einbezogen werden, wie bei-
spielsweise die Wettervorhersage, die Bebauungsart (Montag 2016: 4) oder Daten aus so-
zialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter (ebd.: 3; Seele 2017: 676)
1
Die gewonnenen Daten werden dann in einem vierten Schritt visualisiert, um im letzten
Schritt auf der Prognose basierende Maßnahmen zu treffen. Der vierte Schritt stellt dabei
die Schnittstelle zwischen Controller und Einsatztaktiker dar. Der Schritt der
. In einem zwei-
ten und dritten Schritt werden diese Daten ausgewertet und eine Prognose erstellt. Diese
Daten dienen dem weiteren Steuerungsprozess. Diese ersten drei Schritte sind nach obiger
Definition zweifelsfrei dem Bereich des Controllings zuzuordnen. Da es sich um gegen-
warts- und vergangenheitsbezogene Daten handelt und nur sehr kurzfristige Planungen von
wenigen Tagen möglich sind, handelt es sich um operatives Controlling.
1
Die Verarbeitung von Daten aus sozialen Netzwerken kommt in Deutschland wegen datenschutzrechtlicher
Hürden bislang nicht zum Einsatz (vgl. Kapitel 3.2).
Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Predictive Policing in Deutschland. Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Polizeiarbeit
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Master of Public Administration (MPA)
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V375429
ISBN (eBook)
9783668529144
ISBN (Buch)
9783668529151
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Predicitve Policing, Predictive, Policing, Prävention, Wohnungseinbruch, operative Planung, Polizei, Bundespolizei, Potential, Controlling, Evaluation, Wirkungsevaluation
Arbeit zitieren
Simon Landmesser (Autor), 2017, Predictive Policing in Deutschland. Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Polizeiarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375429

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