Die vorliegende Arbeit erläutert die wichtigsten Begriffsbestimmungen bezüglich beeinträchtigter Kinder, die als Grundlage für den empirischen Teil dienen. Hierbei werden Merkmale ausgewählter Behinderungsarten sowie mögliche Schwierigkeiten bei der sozialen Integration thematisiert. Außerdem wird aufgezeigt, welche Unterrichtsmethoden für die Kinder der Förderschule in Essen-Steele verwendet wurden und welchen Einfluss sie auf die Kinder der Förderschule hatten. Mit Hilfe eines teilnehmenden Beobachtungsbogens und der Auswertungsmethode des Grounded Theory wird untersucht, wie sich beeinträchtigte Kinder sowohl in sozialer als auch in kognitiver Hinsicht im Schulunterricht entwickeln. Die Ergebnisse werden teilweise auch visuell dargestellt.
Da der Entwicklungs- und Fortschrittsaspekt der Behinderten- und Sonderpädagogik in der heutigen Zeit einen hohen Stellenwert in der schulischen Bildung und der Gesellschaft einnimmt, ist es vor allem für angehende Lehrkräfte unabdingbar, sich im schulischen Kontext mit Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen zu befassen. Hiermit ist gemeint, dass Lehrkräfte vor allem Schulungen und Fortbildungen bezüglich Inklusion und Behinderung wahrnehmen sollten, um beeinträchtigten Kindern einen adäquaten Unterricht mit angemessenen Unterrichtsmethoden zu ermöglichen. Es spielt in erster Linie keine große Rolle, ob es sich um Inklusionskinder oder um Kinder an Förderschulen handelt. In Deutschland liegt der Inklusionsanteil an Schulen gemessen an der Gesamtzahl der Kinder mit Förderbedarf bei 31,4%. Die Inklusionsanteile geben an, wie viele Kinder mit Förderbedarf bereits in Regelschulen unterrichtet werden. Eine weitere Statistik zeigt die Anzahl der Förderschulen in Deutschland in den Jahren von 2002 – 2014. Im Jahr 2014 gab es 3.117 Förderschulen und insgesamt 33.635 allgemeinbildende Schulen in Deutschland. Diese Zahlen zeigen, dass vor allem Lehrkräfte darin geschult werden müssen, beeinträchtigte Kinder bzw. Kinder mit Behinderungen adäquat zu unterrichten bzw. im Regelunterricht zu integrieren. Dies kann beispielsweise durch einen binnendifferenzierten Unterricht wahrgenommen werden. Die genannten Daten und Fakten bringen zum Ausdruck, dass Lehrkräfte sich die erforderlichen sonderpädagogischen Kompetenzen erst aneignen müssen, bevor sie in Inklusionsklassen oder an Förderschulen unterrichten können. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich jedoch ausschließlich mit Kindern an Förderschulen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 Zielsetzungen und Forschungsfragen
1.2 Aufbau der Arbeit
2. BEGRIFFE
2.1 Begriffsbestimmungen
2.1.1 Behinderungsbegriff
2.1.2 Behindertenpädagogik
2.1.3 Sonderpädagogik
2.1.4 „Soziales Lernen“
2.2 Merkmale ausgewählter Behinderungsarten
2.2.1 Geistigbehinderte
2.2.2 Lernbehinderte
2.2.3 Verhaltensgestörte
2.3 Schwierigkeiten bei der sozialen Integration
2.3.1 Aggression
2.3.2 Trotz
2.3.3 Lügen
2.3.4 Stören des Unterrichts
2.3.5 Autismus
3. UNTERRICHTSMETHODEN
3.1 Grundbegriffe der Unterrichtsmethodik
3.2 Ein Strukturmodell methodischen Handelns
4. ENTWICKLUNG DER FRAGESTELLUNG
5. METHODEN
5.1 Forschungsdesign
5.1.1 Untersuchungsteilnehmer
5.1.2 Auswahl der Forschungsmethode
5.1.3 Beschreibung der Forschungsmethode „teilnehmende Beobachtung“
5.2 Untersuchungsschritte
5.2.1 Durchführung der teilnehmenden Beobachtung
6. ERGEBNISSE
6.1 Auswertung der teilnehmenden Beobachtung
7. DISKUSSION
8. FAZIT/ AUSBLICK
Zielsetzung und Themenbereiche
Die vorliegende Arbeit untersucht Entwicklungsprozesse von beeinträchtigten Kindern in einer Förderschule unter besonderer Berücksichtigung ihrer sozialen und kognitiven Fähigkeiten. Das primäre Forschungsziel besteht darin, mittels qualitativer Forschungsmethoden – konkret der teilnehmenden Beobachtung – zu analysieren, wie diese Kinder im Unterricht agieren, welche Schwierigkeiten bei der sozialen Integration auftreten und wie diese durch geeignete pädagogische Interventionen und Unterrichtsmethoden gefördert werden können.
- Grundlagen der Behindertenpädagogik und relevante Begriffsbestimmungen
- Analyse der Merkmale verschiedener Behinderungsformen
- Herausforderungen der sozialen Integration (z.B. Aggression, Trotz, Störverhalten)
- Strukturmodelle und Anwendung von Unterrichtsmethoden in der Förderschule
- Empirische Untersuchung mittels teilnehmender Beobachtung und Grounded Theory
Auszug aus dem Buch
2.3.4 Stören des Unterrichts
Die Komplexität des Themengebietes „Unterrichtsstörung“ zeigt sich bereits in der Suche nach einer Definition. Was ist eine Unterrichtsstörung und wo genau fängt Unterrichtsstörung an? Das Geräusch eines heruntergefallenen Lineals wird von der einen Lehrkraft bewusst oder unbewusst ignoriert, während dies für die andere Lehrkraft eine Provokation und somit eine Unterrichtsstörung darstellt. An dieser Stelle wird deutlich, dass Unterrichtsstörung eine Frage der subjektiven Wahrnehmung und Bewertung der beteiligten Personen ist. Eine am meisten verbreitete Begriffsbestimmung ist durch Winkel (2005) gegeben: „Eine Unterrichtsstörung liegt dann vor, wenn Unterricht gestört ist, d.h. wenn das Lehren und Lernen stockt, aufhört, pervertiert, unerträglich oder inhuman wird“ (S. 29). Diese Definition wird von Biller (1979) weiter aufgegriffen: „alles, was den Prozess oder das Beziehungsgefüge von Unterrichtsstörungen unterbricht oder unterbrechen [...] könnte“ (S. 28). Ortner und Ortner (1993) sind der gleichen Ansicht wie Biller und ergänzen: „Auf das Verhalten eines Schülers bezogen betrifft Stören des Unterrichts alle Aktionen und Reaktionen, mit denen dieser bewusst über schulische Normen und Regeln hinwegsetzt“ (S. 135). Das Störverhalten des Schülers oder der Schülerin richtet sich dabei gegen die Lehrkraft, den Mitschüler / die Mitschülerin oder gegen den Unterrichtsverlauf. Es gibt zahlreiche Formen von Unterrichtsstörungen wie Lernverweigerung, Passivität, Disziplinstörungen oder akustische und visuelle Dauerstörungen (vgl. ebd.). Mögliche Beispiele für Unterrichtsstörungen werden im Folgenden aufgelistet (vgl. Ortner/ Ortner 1993: 135):
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Inklusion und sonderpädagogischer Förderung und motiviert die Arbeit durch das Projekt „Soziales Lernen“ an einer Förderschule.
2. BEGRIFFE: Dieses Kapitel klärt grundlegende Begriffe der Behinderten- und Sonderpädagogik sowie Merkmale spezifischer Behinderungen und Herausforderungen bei der sozialen Integration.
3. UNTERRICHTSMETHODEN: Hier werden theoretische Grundlagen methodischen Handelns erläutert und ein Strukturmodell vorgestellt, das die Planung und Gestaltung von Unterrichtsprozessen unterstützt.
4. ENTWICKLUNG DER FRAGESTELLUNG: Auf Basis der Theorie wird die zentrale Forschungsfrage konkretisiert, die als Leitfaden für den darauffolgenden empirischen Teil dient.
5. METHODEN: Dieses Kapitel definiert das qualitative Forschungsdesign der teilnehmenden Beobachtung und beschreibt die Auswahl der untersuchten Kinder sowie das konkrete Vorgehen.
6. ERGEBNISSE: Hier werden die durch teilnehmende Beobachtung gewonnenen Daten ausgewertet, wobei der Fokus auf dem Arbeits- und Sozialverhalten der beobachteten Kinder liegt.
7. DISKUSSION: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert und in den Kontext der theoretischen Annahmen sowie der praktischen Relevanz für den Förderschulalltag gesetzt.
8. FAZIT/ AUSBLICK: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont die Bedeutung individueller Förderung sowie einer wertschätzenden Lehrkraft-Schüler-Interaktion.
Schlüsselwörter
Sonderpädagogik, Behinderungsbegriff, soziale Integration, Unterrichtsstörung, teilnehmende Beobachtung, Förderschule, Soziales Lernen, Grounded Theory, Lernbehinderung, Geistige Behinderung, Autismus, Verhaltensstörung, Inklusion, pädagogische Förderung, Unterrichtsmethodik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Entwicklungsprozessen von Kindern mit Behinderungen an einer Förderschule, insbesondere im Hinblick auf deren kognitive und soziale Fähigkeiten.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?
Zentrale Themen sind die Begriffsdefinitionen der Sonderpädagogik, die Charakteristika spezifischer Behinderungsarten sowie die Analyse von Unterrichtsmethoden zur Förderung dieser Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, durch eine qualitative Untersuchung (teilnehmende Beobachtung) Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich beeinträchtigte Kinder sozial und kognitiv entwickeln und wie diese Prozesse schulisch unterstützt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine qualitative Forschungsmethode angewandt, primär die teilnehmende Beobachtung, deren Daten mittels der Grounded Theory ausgewertet werden.
Was sind die Schwerpunkte im theoretischen Teil der Arbeit?
Der theoretische Teil umfasst die Klärung von Behinderungsbegriffen, die Beschreibung von Störbildern wie Aggression, Trotz oder Autismus sowie die Darstellung didaktischer Modelle für den Unterricht.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sonderpädagogik, soziale Integration, Unterrichtsstörung, teilnehmende Beobachtung und Förderschulwesen.
Welche spezifische Rolle spielt das Konzept „Soziales Lernen“ in der Arbeit?
Das Konzept wird als praktischer Rahmen beschrieben, um Kindern soziale Fertigkeiten zu vermitteln und ein positives Klassenklima durch gezielte Interventionen und Regeln zu fördern.
Wie werden die Unterschiede zwischen den untersuchten Kindern im empirischen Teil dargestellt?
Die Arbeit vergleicht individuell die Verhaltensweisen von Kindern mit unterschiedlichen Diagnosen (z.B. Down-Syndrom, Autismus) und analysiert, wie diese ihre jeweilige Umwelt und den Unterricht wahrnehmen und bewältigen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich des Lehrerhandelns?
Die Autorin betont, dass Lehrkräfte eine zentrale Vorbildfunktion innehaben und durch Sensibilität sowie individuelle Zuwendung wesentlich zur Förderung sozialer und kognitiver Potenziale beitragen können.
- Quote paper
- Hülya Atasoyi (Author), 2016, Entwicklungsprozesse beeinträchtigter Kinder aus sozialer und kognitiver Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378077