Umfassende Privatisierungsbewegungen gab es in Deutschland bereits vor mehreren Jahrzehnten. Aus unserer heutigen westlichen Zivilisation sind die Resultate nicht mehr wegzudenken. Wir begegnen ihnen ständig im Alltag, beispielsweise bei der Nutzung von Strom, Postdienstleistungen, Mobilfunk oder Breitbandinternetverbindungen, oftmals aber auch beim Trinkwasser aus dem Wasserhahn.
Es ist sicher erstrebenswert, die Effizienz, Effektivität und Qualität der Leistungserbringung der öffentlichen Verwaltung sowie auch der Daseinsvorsorge zu verbessern und sie stärker an wirtschaftlichen Prinzipien zu beurteilen. Doch eine kritische Diskussion, die die verschiedensten an der Daseinsvorsorge interessierten Kundengruppen berücksichtigt, nimmt bei der Entscheidung über Privatisierungsmaßnahmen in der Literatur und in der Praxis bisher nur wenig Raum ein und findet nicht in der notwendigen Tiefe statt.
Eine Privatisierung darf nicht dogmatisch als Allheilmittel angesehen werden und bei der Entscheidung über Privatisierungen müssen neben kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Überlegungen auch langfristige volkswirtschaftliche Belange Beachtung finden. Da bisher nur vereinzelt empirische Untersuchungen zu langfristigen Privatisierungsfolgen und auch keine amtlichen Berichte vorliegen, stellen die diesbezüglichen Erfahrungen der Vergangenheit im In- und Ausland die Basis für die Grundlage dieser Publikation dar.
In dieser Publikation untersucht der Autor die verschiedenen Perspektiven der Kundenorientierung. Insbesondere betrachtet der Autor die breit gefächerten Vorteile und möglichen Risiken der Privatisierungen aus den Blickwinkel der Kundengruppen Leistungsabnehmer, Gemeinwesen und Steuerzahler.
Aus dem Inhalt:
-Privatisierung;
-Kundenorientierung;
-öffentliche Grundversorgung;
-Outsourcing
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Privatisierung – ein Phänomen vergangener Tage?
1.2 Aufbau und Konzeption der Arbeit
2 Theoretische Hinführung
2.1 Kundenorientierung und verschiedene Kundengruppen
2.2 Privatisierungsbegriff
2.3 Daseinsvorsorge
3 Einführung zur Privatisierung der Daseinsvorsorge aus Kundenorientierungssicht
3.1 Öffentliches und privates Interesse bei der Erbringung von Daseinsvorsorgeaufgaben
3.2 Konfliktpotentiale der Privatisierung der Daseinsvorsorge
4 Zur Auswahl der im Zuge der weiteren Arbeit betrachteten Kundengruppen
5 Die Auswirkungen eines steigenden Privatisierungsgrades im deutschen SPV auf die Kundengruppe der Leistungsabnehmer
5.1 Verbesserungen im Sinne des Leistungsabnehmers durch intensivierten Wettbewerb?
5.2 Auswirkungen auf die Qualität der erbrachten Leistungen
5.2.1 Die unterschiedlichen Aspekte der Qualität
5.2.2 Untersuchung der Qualitätsaspekte Schnelligkeit und Pünktlichkeit sowie diesbezügliche Erfahrungswerte aus dem GB
5.2.3 Aktuell ersichtliche Tendenzen
5.3 Die Auswirkungen eines steigenden Privatisierungsgrades auf den Fahrpreis für die Inanspruchnahme der Leistungen des SPV
5.3.1 Grundsätzliche Potentiale und Erfahrungen bezüglich der Fahrpreisentwicklung
5.3.2 Aktuell ersichtliche Tendenzen
6 Die Auswirkungen eines steigenden Privatisierungsgrades im SPV auf die Kundengruppe des Gemeinwesens
6.1 Die Umsetzung der Interessen des Gemeinwesens
6.1.1 Die Interessen des Gemeinwesens im Lichte des Spannungsfelds zwischen Gemeinwohl und Wirtschaftlichkeit
6.1.2 Aktuell ersichtliche Tendenzen
6.2 Wahrung der Interessen des Gemeinwesens durch staatliche Überwachung und Regulierung?
7 Die Auswirkungen eines steigenden wachsenden Privatisierungsgrades im SPV auf die Kundengruppe der Steuerzahler
7.1 Grundsätzliches zur Rolle der Kundengruppe der Steuerzahler und der Finanzierung des ÖPV in Deutschland
7.2 Potentiale einer Entlastung der Kundengruppe der Steuerzahler
7.3 Mögliche Kosten und Risiken durch eine zunehmende Privatisierung im SPV aus Sicht der Kundengruppe der Steuerzahler
7.3.1 Regulierung als Kostenrisiko
7.3.2 Der Tatbestand des Marktversagens als Kostenrisiko
7.3.3 Weitere mögliche Kosten und Risiken für den Steuerzahler
8 Überblick über die Auswirkungen künftiger Privatisierungen auf die Kundenorientierung in weiteren Bereichen der Daseinsvorsorge
8.1 Künftige Herausforderungen im Kontext der BAB
8.2 Herausforderung BAB: Eine neue Privatisierungswelle bricht Bahn?
8.3 Auswirkungen der zunehmenden Privatisierung der BAB auf die Kundenorientierung
8.3.1 Auswirkungen auf den Leistungsabnehmer
8.3.2 Auswirkungen auf das Gemeinwesen
8.3.3 Auswirkungen für den Steuerzahler
8.4 Die Privatisierung des Trinkwassers
8.4.1 Die Trinkwasserprivatisierung aus Sicht des Leistungsabnehmers
8.4.2 Die Trinkwasserprivatisierung aus Sicht des Gemeinwesens und des Steuerzahlers
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Auswirkungen von Privatisierungsmaßnahmen in der deutschen Daseinsvorsorge, insbesondere im Schienenpersonenverkehr (SPV), unter dem Aspekt der Kundenorientierung. Das primäre Ziel ist es, die häufig einseitig dogmatische Debatte zu überwinden und durch die Analyse der Interessen unterschiedlicher Kundengruppen (Leistungsabnehmer, Gemeinwesen, Steuerzahler) ein differenziertes Bild der Folgen für den Alltag der Bürger und die volkswirtschaftliche Tragfähigkeit zu zeichnen.
- Analyse der Privatisierungseffekte auf verschiedene Kundengruppen der Daseinsvorsorge.
- Untersuchung der Zielkonflikte zwischen Gewinnmaximierung und Gemeinwohl.
- Kritische Beleuchtung der Qualität und Preisgestaltung im privatisierten SPV.
- Erörterung von Risiken durch Regulierung und Marktversagen.
- Transfer der Erfahrungen aus dem britischen Bahnbetrieb auf den deutschen Kontext.
Auszug aus dem Buch
Die Auswirkungen eines steigenden Privatisierungsgrades im SPV auf die Kundengruppe des Gemeinwesens
Einen weiteren essentiellen Kunden der Daseinsvorsorge stellt das Gemeinwesen dar. Das Interesse des Gemeinwesens an den Leistungen der Daseinsvorsorge bezieht sich, wie beim Leistungsabnehmer vorrangig auf die Qualität der angebotenen Leistungen mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen. Da auf das Merkmal der Qualität im Detail schon in Abschnitt 5.2 eingegangen wurde, wird in diesem Kapitel nicht vertieft darauf eingegangen, vielmehr sei hierzu auf die vorigen Ausführungen verwiesen. Fokus dieses Kapitels soll eine Auseinandersetzung mit den Auswirkungen künftiger Privatisierungen in Deutschland auf die Leistungsqualität aus Perspektive der Kundengruppe des Gemeinwesens sein. Während in Abschnitt 5.2 die Qualität aus Sicht des Leistungsabnehmers und damit des Individuums, diskutiert wurde, werden im Weiteren Erörterungen zur Qualität aus der Perspektive des Gemeinwesens und damit des gesellschaftlichen Kollektivs vorgenommen.
Aus dieser Betrachtung ergibt sich bereits eine andere Gewichtung. Vorrangig sind hier vor allem übergreifende, soziale Gesichtspunkte. Wichtiger als die qualitativ hochwertige Versorgung eines kleinen, engen Personenkreises mit den Leistungen der Daseinsvorsorge ist für das Gemeinwesen die gleichmäßige qualitativ nicht zu beanstandende Versorgung der gesamten Bevölkerung. Auch ist die Preisgestaltung im SPV von Relevanz, da sie einkommensschwache Bevölkerungsteile nicht vom Zugang zu den Leistungen ausschließen soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Privatisierungsdebatte in Deutschland ein und skizziert das Forschungsziel der Arbeit unter besonderer Berücksichtigung der Kundenorientierung im Schienenpersonenverkehr (SPV).
2 Theoretische Hinführung: Hier werden grundlegende Begriffe wie Kundenorientierung, Privatisierungsformen und Daseinsvorsorge definiert und deren theoretische Relevanz für die Arbeit begründet.
3 Einführung zur Privatisierung der Daseinsvorsorge aus Kundenorientierungssicht: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand praktischer Beispiele, wie sich Privatisierungsvorhaben auf das Kundeninteresse auswirken können, und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen öffentlichem Auftrag und privater Gewinnmaximierung.
4 Zur Auswahl der im Zuge der weiteren Arbeit betrachteten Kundengruppen: Hier wird die Auswahl der drei zentralen Kundengruppen – Leistungsabnehmer, Gemeinwesen und Steuerzahler – begründet, da diese unterschiedliche Interessensschwerpunkte im Privatisierungskontext repräsentieren.
5 Die Auswirkungen eines steigenden Privatisierungsgrades im deutschen SPV auf die Kundengruppe der Leistungsabnehmer: Dieses Kapitel untersucht, wie sich Privatisierung konkret auf die zwei für Fahrgäste entscheidenden Dimensionen Kosten und Qualität auswirkt.
6 Die Auswirkungen eines steigenden Privatisierungsgrades im SPV auf die Kundengruppe des Gemeinwesens: Hier wird die Perspektive des gesellschaftlichen Kollektivs eingenommen, wobei insbesondere soziale Gesichtspunkte und die Rolle staatlicher Regulierung beleuchtet werden.
7 Die Auswirkungen eines steigenden wachsenden Privatisierungsgrades im SPV auf die Kundengruppe der Steuerzahler: Dieses Kapitel analysiert das finanzielle Risiko für den Steuerzahler, das durch Subventionen, Marktversagen und die Notwendigkeit kostspieliger Regulierungen entstehen kann.
8 Überblick über die Auswirkungen künftiger Privatisierungen auf die Kundenorientierung in weiteren Bereichen der Daseinsvorsorge: Hier werden die Erkenntnisse auf die Bundesautobahnen (BAB) und die Trinkwasserversorgung übertragen, da es sich ebenfalls um netzgebundene Infrastrukturen handelt.
9 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt die Privatisierung als ein Instrument dar, das zur Verstärkung von Problemen in der Daseinsvorsorge beitragen kann, anstatt diese grundlegend zu lösen.
10 Quellenverzeichnis: Dies ist das vollständige Verzeichnis der in der Arbeit zitierten wissenschaftlichen und fachlichen Literatur.
Schlüsselwörter
Privatisierung, Daseinsvorsorge, Kundenorientierung, Schienenpersonenverkehr, SPV, Gemeinwohl, Leistungsabnehmer, Marktversagen, Regulierung, Wettbewerb, öffentliche Mittel, Infrastruktur, Steuerzahler, Bahnreform, Öffentlich-private Partnerschaften.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation befasst sich mit der Privatisierung der öffentlichen Daseinsvorsorge in Deutschland und analysiert insbesondere am Beispiel des Schienenpersonenverkehrs (SPV), welche Folgen dieser Wandel für die verschiedenen Kundengruppen hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die ökonomische und soziale Bewertung der Privatisierung, das Spannungsfeld zwischen Gewinnmaximierung und Gemeinwohl sowie die Analyse der Auswirkungen auf Preisbildung und Dienstleistungsqualität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Auswirkungen künftiger Privatisierungen auf die Interessen der verschiedenen Kundengruppen (Leistungsabnehmer, Gemeinwesen, Steuerzahler) unter dem Aspekt der Kundenorientierung kritisch zu durchleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine theoretische Auseinandersetzung durch, ergänzt um die Analyse konkreter Fallbeispiele (wie die Bahnprivatisierung in Großbritannien oder die Postprivatisierung in Deutschland), um die praktischen Auswirkungen der Privatisierung zu explizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich nach den drei gewählten Kundengruppen: Er untersucht die Folgen für die Leistungsabnehmer (Preis und Qualität), das Gemeinwesen (soziale Aspekte und staatliche Steuerung) sowie die Steuerzahler (Finanzierungsrisiken und Kosten der Regulierung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Privatisierung, Daseinsvorsorge, Kundenorientierung, SPV, Gemeinwohl, Marktversagen sowie das Spannungsverhältnis zwischen öffentlichem Interesse und unternehmerischer Gewinnmaximierung.
Warum wird das britische Beispiel für die Bahnprivatisierung herangezogen?
Großbritannien dient als Referenzmodell, da es eine langjährige und weitreichende Privatisierungserfahrung im Schienenverkehr aufweist. Diese dient der Arbeit als Anschauungsobjekt für die langfristigen Folgen, wie hohe Fahrpreise und Infrastrukturprobleme.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Regulierung bei Privatisierungen?
Der Autor betont, dass eine Privatisierung in netzgebundenen Sektoren ohne effektive staatliche Regulierung zu Marktversagen führen kann. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Regulierung selbst neue, erhebliche Kosten verursacht, die letztlich der Steuerzahler trägt.
- Quote paper
- Michael Schiffer (Author), 2017, Privatisierung der öffentlichen Grundversorgung. Was heißt das für den Kunden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378492