Die Hausarbeit verfolgt das Ziel, die Erziehung bürgerlicher Kinder um 1500, beziehungsweise im 16. Jahrhundert,
also dem Beginn der frühen Neuzeit, in Greifswald und Stralsund am Beispiel der Kindheitserinnerungen des vormaligen Stralsunder Bürgermeisters Bartholomäus Sastrow (1520-1603) zu analysieren und kritisch zu
interpretieren.
Es ist geplant, Antworten auf die folgenden Fragen zu geben:
1. Wie sah die Erziehung eines Bürgerkindes im 16. Jahrhundert in Greifswald und Stralsund aus? Wie verlief die Erziehung im Elternhaus? Wie sah die schulische Erziehung aus?
2. Wurde die Kindheitsphase am Anfang des 16. Jahrhundert als eine eigenständige Lebensphase wahrgenommen?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Stralsunder Bürgermeister Bartholomäus Sastrow und seine Autobiographie
2.1 Kurze Biographie des Bartholomäus Sastrow
2.2 Die Quelle und ihre Überlieferung
3 Die Kindheitserinnerungen des Bartholomäus Sastrow
3.1 Kinderleben und häusliche Erziehung
3.2 Schulische Erziehung
4 Kindheit und Erziehung am Anfang der frühen Neuzeit
4.1 Die Forschungsdiskussion zu Kindheit im Mittelalter und in der frühen Neuzeit
4.2 Kindheit und Erziehung des Bartholomäus Sastrow im gesellschaftlichen Kontext am Anfang der frühen Neuzeit
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Erziehung bürgerlicher Kinder im 16. Jahrhundert am Beispiel der Autobiographie des ehemaligen Stralsunder Bürgermeisters Bartholomäus Sastrow, um zu klären, wie Kindheit in dieser Zeit als Lebensphase wahrgenommen wurde.
- Erziehungspraktiken im bürgerlichen Elternhaus und Alltag
- Die Rolle der schulischen Ausbildung
- Forschungsdiskussion zur Kindheit im Übergang vom Mittelalter zur frühen Neuzeit
- Sozialgeschichtlicher Kontext von Kindheit und Jugend
- Analyse autobiographischer Selbstzeugnisse als historische Quelle
Auszug aus dem Buch
3.1 Kinderleben und häusliche Erziehung
Am Anfang seiner Kindheitserinnerungen macht Sastrow einige Angaben zu seinen Eltern und Geschwistern. Die Eltern heirateten 1514, sechs Jahre vor Sastrows Geburt. Obwohl der Vater zu dem Zeitpunkt erst etwa 25 Jahre alt gewesen war, war er in Greifswald bereits ein angesehener Kaufmann. Zusätzlich besaß er eine eigene Brauerei.
Die Sastrows gehörten durchaus zu den wohlhabenden Bürgern Greifswalds. Das Alter der Mutter erwähnt Sastrow nicht (Mohnike 1823, S. 20 f). Sastrow hatte sieben Geschwister, zwei Brüder und fünf Schwestern. Die Mehrzahl der Kinder kam im Abstand von zwei bis vier Jahren zur Welt. Das älteste der Kinder, Sastrows Bruder Johannes (siehe Kapitel 3.2) wurde 1515, das jüngste Kind, seine Schwester Gertrud, 1534 geboren. Die weiteren Geschwister waren Anna, Catharina, Casten, Magdalena und Barbara. Sastrow selbst kam am 21. August 1520 auf die Welt. Er war das drittälteste Kind (Mohnike 1823, S. 21-25).
Die historische Forschung versteht unter „Kindern“ verbreitet die „Untervierzehnjährigen“ (Papathanassiou 2007, S. 553). Diese Kinderzeit hatte bei den Sastrows jedes der sieben Kinder überlebt. Die jüngste Schwester Gertrud starb im Alter von 15 Jahren, wahrscheinlich an einer schweren Seuche. Sastrow spricht in seinen Erinnerungen von der „Pestilenz“ (Mohnike 1823, S. 26). Zwei weitere Schwestern sowie die Mutter starben offenbar an derselben Krankheit. Die zweitjüngste Schwester Barbara verstarb mit 18 Jahren im Kindbett. Der jüngere Bruder Casten machte in seiner Kindheit mehrere schwere Erkrankungen durch, konnte jedoch immer wieder geheilt werden (Mohnike 1823, S. 24 u. 26).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Zielsetzung, der Forschungsfragen sowie der methodischen Herangehensweise an die Autobiographie von Sastrow.
2 Der Stralsunder Bürgermeister Bartholomäus Sastrow und seine Autobiographie: Ein Überblick über Sastrows Lebensweg sowie eine kritische Auseinandersetzung mit seiner Autobiographie als historische Überlieferung.
3 Die Kindheitserinnerungen des Bartholomäus Sastrow: Analyse der häuslichen Erziehung durch die Eltern sowie der schulischen Erfahrungen im Kindesalter.
4 Kindheit und Erziehung am Anfang der frühen Neuzeit: Einordnung der Sastrowschen Erinnerungen in die wissenschaftliche Forschungsdebatte zur Kindheit und den gesellschaftlichen Kontext der Epoche.
5 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfragen und Reflexion über die Aussagekraft von Sastrows Selbstzeugnissen.
Schlüsselwörter
Bartholomäus Sastrow, Frühe Neuzeit, Erziehung, Kindheit, Autobiographie, Stralsund, Greifswald, Bildungsgeschichte, Sozialgeschichte, bürgerliche Familie, Kindheitserinnerungen, Lebensphase, 16. Jahrhundert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Erziehung bürgerlicher Kinder im 16. Jahrhundert, basierend auf den Kindheitserinnerungen des ehemaligen Stralsunder Bürgermeisters Bartholomäus Sastrow.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen das häusliche Leben, die Erziehungsmethoden durch die Eltern, die schulische Ausbildung sowie die Einordnung dieser Erfahrungen in den zeitgenössischen gesellschaftlichen Kontext.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, zu analysieren und kritisch zu interpretieren, wie Kindheit im frühen 16. Jahrhundert gelebt wurde und ob sie bereits als eigenständige Lebensphase wahrgenommen wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die primär auf der quellenkritischen Untersuchung der Autobiographie von Sastrow sowie der Auswertung relevanter Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die biographische Einführung, die detaillierte Auswertung der Kindheitserinnerungen Sastrows und die wissenschaftliche Einbettung in die Kindheitsforschung der frühen Neuzeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bartholomäus Sastrow, Frühe Neuzeit, Kindheit, bürgerliche Erziehung, Autobiographie und Bildungsgeschichte.
Wie blickte Sastrow auf die Erziehung durch seine Eltern zurück?
Sastrow beschreibt ein strenges, von Körperstrafen geprägtes Erziehungsumfeld, erkennt jedoch gleichzeitig die Liebe der Eltern und betont die familiäre Einbindung in den Alltag.
Welchen Stellenwert hatte der Schulbesuch laut Sastrow?
Die Schule war für Sastrow Teil seines Kindheitsalltags, wobei er über den Unterricht bei verschiedenen Präzeptoren und die Bedeutung einer schulischen Ausbildung für bürgerliche Söhne berichtet.
Inwiefern ist die Autobiographie als Quelle kritisch zu betrachten?
Da Sastrow seine Erinnerungen im Alter von 75 Jahren für seine Nachkommen verfasste, handelt es sich um ein subjektives Dokument, das den Blick des älteren Menschen auf seine Vergangenheit widerspiegelt.
- Citar trabajo
- Christiane Martina Schunke (Autor), 2016, Erziehung bürgerlicher Kinder in Stralsund um 1500. Kindheitserfahrungen des vormaligen Stralsunder Bürgermeisters Bartholomäus Sastrow, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385373