Lernplanarbeit zur Förderung des Zahlbegriffserwerbs und des selbstständigen Lernens mit Schulanfängern


Examensarbeit, 2014

47 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung: Leitfragen und Zielvorstellung
1.1 Zielvorstellung
1.2 Theoretische Grundlagen
1.2.1 Vorläuferfertigkeiten und Zahlbegriffsentwicklung im Anfangsunterricht
1.2.2 Selbstständiges Lernen im Anfangsunterricht
1.3 Modulanbindung und Ausbildungsstandards
1.4 Leitfragen und Indikatoren

2. Unterrichtspraxis: Planung und Analyse
2.1 Curriculare Einordnung
2.2 Analyse der Anforderungen des Lerngegenstands
2.3 Analyse der Lerngruppe
2.3.1 Fachliche Analyse der Voraussetzungen
2.3.2 Entwicklungsorientierte Analyse der Voraussetzungen ausgewählter Schüler
2.4 Didaktisch-methodische Aufbereitung
2.5 Darstellung und Modifikation der Unterrichtseinheit
2.5.1 Darstellung der Unterrichtseinheit
2.5.2 Modifikation der Unterrichtseinheit

3. Evaluation und persönliches Resümee
3.1 Darstellung der Evaluationsverfahren
3.2 Ergebnisdarstellung
1.1 Interpretation unter Rückbezug auf die Leitfragen
1.1.1 Beantwortung der Leitfrage 1 (Zahlbegriffserwerb)
1.1.2 Beantwortung der Leitfrage 2 (Selbstständiges Lernen)
1.2 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Problemstellung: Leitfragen und Zielvorstellung

Der Index für Inklusion beschreibt, dass nicht nur inklusive Kulturen geschaffen und inklusive Strukturen etabliert werden, sondern insbesondere auch inklusive Praktiken entwickelt werden müssen. Dazu gehört auch Lernarrangements zu entwickeln, die allen Schülerinnen und Schülern gerecht werden (vgl. Booth & Ainscow 2003, S. 17):

1. Der Unterricht wird auf die Vielfalt der SchülerInnen hin geplant.

2. Der Unterricht stärkt die Teilhabe aller SchülerInnen.

3. Der Unterricht entwickelt ein positives Verständnis von Unterschieden.

4. Die SchülerInnen sind Subjekte ihres eigenen Lernens.

5. Die SchülerInnen lernen miteinander.

6. Bewertung erfolgt für alle SchülerInnen in leistungsförderlicher Form.

7. Die Disziplin in der Klasse basiert auf gegenseitigem Respekt.

8. Die LehrerInnen planen, unterrichten und reflektieren im Team.

9. Die ErzieherInnen unterstützen das Lernen und die Teilhabe aller SchülerInnen.

10. Die Hausaufgaben tragen zum Lernen aller SchülerInnen bei.

11. Alle SchülerInnen beteiligen sich an Aktivitäten außerhalb der Klasse.

Tabelle 1: Indikatoren des Bereichs C1 "Lernarrangements organisieren" des Index für Inklusion

Inklusion ist auch an meiner Schule ein wichtiges Thema, der Vielfalt der Schülerschaft zu begegnen. Die Schülerinnen und Schüler meiner derzeitigen Lerngruppe befinden sich in einer Klasse 1/2 einer Grundschule in Flensburg. Es handelt sich um eine sogenannte „Problemschule“ in einem Bezirk mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund und aus sozial schwachen Familien. Es fällt auf, dass viele Schülerinnen und Schüler bereits mit wenig ausgeprägten mathematischen Kompetenzen und wenig ausgebildeten sogenannten Vorläuferfertigkeiten wie z.B. zählen, Mengen erfassen oder Seriation und Gruppenbildung eingeschult werden. In der Schule wird das Lehrwerk „Einstern“ genutzt, das direkt mit der Zuordnung von Menge und arabischer Zahl sowie mit dem Schreiben der Ziffern beginnt. Ich möchte mit dieser Hausarbeit herausfinden, ob es für die Zahlbegriffsentwicklung sinnvoll ist im Anfangsunterricht einer ersten Klasse mit der Ausbildung der Kompetenzen zu den Vorläuferfertigkeiten zu beginnen und dann Schritt für Schritt die Zuordnung von Menge und arabischer Zahl sowie die Schreibweise von arabischen Ziffern zu erlernen.

Des Weiteren ist mir aus methodischer Sicht die Diskrepanz zwischen den Zielsetzungen offener Unterrichtskonzepte und der Umsetzung in der Praxis aufgefallen. In meinem unterrichtlichen Einsatz in einer Klasse 1/2 einer Grundschule wird zieldifferent unterrichtet, jedoch kommen selten Methoden des selbstständigen Arbeitens zum Einsatz. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen sind die Schülerinnen und Schüler noch sehr jung und müssen zu Beginn des Schuljahres viele verschiedene Fähigkeiten lernen, so dass sie mit dem selbstständigen Lernen anhand einer Stationsarbeit, eines Wochen- oder Lernplans[1] überfordert sein könnten. Zudem wiegt der zeitliche Aspekt auf, da zusätzlich zu den im Lehrplan zu vermittelnden Inhalten des Faches noch die Vermittlung der selbstständigen Lernkonzepte hinzukommt. Außerdem ist es für die Lehrkraft gerade bei einzelnen Stationen, an denen keine schriftlichen Arbeitsergebnisse abgefordert werden, schwieriger zu kontrollieren, was die Schülerinnen und Schüler gelernt und wie sie gearbeitet haben, um so einen Überblick über den Leistungsstand zu erhalten. Ich stellte mir nun die Frage, ob diese Rahmenbedingungen ein selbstständiges Erarbeiten ausschließen, oder ob es doch möglich ist (etwa in vereinfachter Form), diese auch unter den Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler an meiner Kooperationsschule im Unterricht zu integrieren. Die Zusammensetzung der Schülerinnen und Schüler meiner Klasse muss als sehr heterogen bezeichnet werden, bedingt durch die sozialen Strukturen des Einzugsgebiets sowie aufgrund der individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler selbst. Es befinden sich zehn Kinder mit Migrationshintergrund sowie sieben Kinder mit dem Förderbedarf Sprache, sowie etliche Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen in dieser Klasse. Das Thema der Hausarbeit ist vor diesem Hintergrund entstanden. Ich erhoffe mir von dem Unterrichtsversuch herauszufinden, ob es möglich ist, auf die Heterogenität meiner Lerngruppe durch die Initiierung von selbstständigen Arbeiten mit Hilfe von Lernplänen konstruktiv zu reagieren, sodass jedes Individuum der Lerngruppe individuell davon profitieren kann. Zum anderen möchte ich aus mathematisch-fachlicher Perspektive den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, Vorläuferfertigkeiten des Mathematikunterrichts zu festigen und an ihren eigenen Kompetenzen orientiert zu erfahren.

1.1 Zielvorstellung

Das Ziel dieser unterrichtlichen Erprobung ist es, eine Unterrichtseinheit zur Zahlbegriffsentwicklung im Anfangsunterricht in Hinsicht auf ihre Effektivität bzgl. der Kompetenzerweiterung in Bezug auf mathematische Vorläuferfertigkeiten sowie auf das selbstständige Arbeiten zu evaluieren, um somit einer heterogenen Schülerschaft und den Grundgedanken der Inklusion gerecht werden zu können. Dabei möchte ich zugleich meine eigene unterrichtliche Wirksamkeit evaluieren, die ich in erster Linie am Lernzuwachs meiner Schüler in Bezug auf das eigenständige Arbeiten und den Erwerb mathematischer Fähigkeiten messen kann.

1.2 Theoretische Grundlagen

Die Fragestellung basiert auf zwei theoretischen Komponenten. Zum einen handelt es sich um die Zahlbegriffsentwicklung im Anfangsunterricht und die Förderung von Vorläuferfertigkeiten, zum anderen um die Lernplanarbeit zur Kompetenzerweiterung in Bezug auf selbstständiges Lernen.

1.2.1 Vorläuferfertigkeiten und Zahlbegriffsentwicklung im Anfangsunterricht

Von einer Reihe von Autoren wurde bereits herausgefunden, dass spezifische Prädiktoren für den Erfolg mathematischer Leistungen verantwortlich sind (Kutzer & Probst 1990, Behring et al. 2000, Krajewski 2003, Ricken 2003, Stern 1998). Krajewski (2003, S. 211) beschreibt ihre Ergebnisse für die Vorhersage von Problemen in mathematischen Leistungen oder gar bei einer Rechenschwäche: „Das mengen- wie das zahlenbezogene Vorwissen konnten als spezifische Vorläuferfertigkeiten schulischer Mathematikleistungen identifiziert [...] werden.“

Anhand ihrer Untersuchung konnte sie feststellen, dass insbesondere das Mengenwissen und das Zahlenvorwissen (vgl. Abb. 1) gute Prädiktoren für die Leistungen in der ersten und zweiten Klasse der Grundschule sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Strukturgleichungsmodell zur Vorhersage von Mathematikleistungen mit angegebenen Korrelationen nach Krajewski (2003, S. 181)

Aus diesem Grund heraus wurde entschieden die Vorläuferfähigkeiten sowie erstes Zahlenwissen gepaart mit einem Ziffernschreibkurs in den ersten Schulwochen zu fördern und zu fordern.

Van de Rijt, van Luit und Hasemann (2000, S. 16) stellten aufgrund ihrer Forschungsergebnisse acht Teilbereiche des Zahlbegriffs zusammen:

- Vergleichen (die Kinder vergleichen nicht-äquivalente Situationen zum Kardinal- oder Ordinalzahlaspekt)
- Klassifizieren (Zusammenfassen von Gegenständen zu einer Klasse aufgrund mehrerer Merkmale)
- Eins-zu-eins-Zuordnen (jedem Element einer Menge wird ein anderes Element einer anderen Menge zugeordnet)
- Nach Reihenfolgen ordnen (umgehen mit einzelnen und geordneten Dingen)
- Zahlwörter gebrauchen (Gebrauch der Zahlwortreihe vorwärts und rückwärts)
- Strukturiertes Zählen (Zählen von geordneten oder nicht geordneten Gegenständen)
- Resultatives Zählen (Zählen und Bedeutung um die Anzahl wissen)
- Allgemeines Zahlwissen (Anwendung von Wissen über Zahlen, Sachsituationen)

1.2.2 Selbstständiges Lernen im Anfangsunterricht

Eine Kasseler Forschungsgruppe beschreibt das „Selbstständige Lernen im Fachunterricht“ (vgl. Messner & Blum 2006, S. 5ff.) als eine wichtige Komponente des Lernens in der heutigen Gesellschaft, in der der Erwerb von Schlüsselqualifikationen eine immer größere Rolle spielt. Der Grund für die Förderung selbstständigen Lernens im Anfangsunterricht ist insbesondere, dass Schülerinnen und Schüler durch selbsttätiges Tun positive Selbstwirksamkeitserfahrungen machen. Hohe Selbstwirksamkeitserfahrungen führen zu hohem Engagement, Ausdauer und Leistung (vgl. Edelstein 1995, S. 13ff.). Die in dieser Untersuchung dargestellte Lernplanarbeit im Anfangsunterricht beschreibt. eine Hinführung zu „selbstständigkeitsorientierten Lehr- und Lernformen“, die wie folgt durch die Autoren beschrieben werden (vgl. Friedrich & Mandl 1997, zit. nach Messner & Blum 2006, S. 4): „Im Begriff der ‚selbstständigkeitsorientierten Lehr- und Lernformen’ verbinden sich also drei Merkmale: eine entsprechende Lehrer-Intention, eine Inszenierungsform von Unterricht, welche Eigenaktivität und kooperatives Lernen der Schüler nötig macht, sowie ein hohes Maß an Selbststeuerung der Arbeits- und Lernprozesse durch die Schüler, welche sowohl kognitive als auch strategisch-prozessuale, motivationale und volitionale Aspekte umfasst.“

Das Erlernen des selbstständigen Lernens ist dabei Mittel sowie Ziel der angestrebten Unterrichtseinheit. Der Begriff der Selbstständigkeit ist dabei flexibel zu betrachten und kann die aktive Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand, über die eigenständige Strukturierung gegebener Aufgaben bis hin zu vollständigen Verantwortung für das eigene Lernen bedeuten (vgl. Huber 2003, S. 3). Im Rahmen des Anfangsunterrichts ist mehr von einer Hinführung zum selbstständigen Arbeiten die Rede, die sich hauptsächlich auf die Aspekte der Arbeitsorganisation und der Inanspruchnahme von Hilfe (durch Materialien, Mitschüler oder durch die Lehrkraft) beschränkt.

1.3 Modulanbindung und Ausbildungsstandards

Die hier vorliegende Arbeit knüpft an die Ausbildungsveranstaltungen zur Diagnostik I an, in denen die Möglichkeiten zu einem fördernden und individualisierenden Unterricht erörtert wurden. Außerdem bildet die Ausbildungsveranstaltung „Die Grundanforderungen zum Verstehen von Mengen, Zahlen und ihren Verknüpfungen“ eine Grundlage für die durchgeführte Unterrichtserprobung im Fach Mathematik. In der vorliegenden Arbeit werden die vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein festgelegten Allgemeine Ausbildungsstandards (vgl. IQSH 2009, S. 12) sowie fachspezifische (vgl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein 2002, S. 79ff.) und sonderpädagogische Standards (vgl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein 2002) umgesetzt (eine Auswahl: vgl. Tab. 2 und Tab. 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Ausgewählte allgemeine Ausbildungsstandards

Die folgende Tabelle greift die sonderpädagogischen Standards auf, die durch diese Arbeit Beachtung finden. Die Sonderschullehreranwärterin/der Sonderschullehreranwärter.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Ausgewählte sonderpädagogische Standards

1.4 Leitfragen und Indikatoren

Somit lassen sich die im Folgenden formulierten Leitfragen mit den entsprechenden Indikatoren ableiten.

Leitfrage 1:

Inwiefern ist eine Lernplanarbeit zur Förderung mathematischer Vorläuferfertigkeiten im ersten Schuljahr geeignet um einen Kompetenzzuwachs im Zahlbegriffserwerb zu verzeichnen?

Indikatoren für den Kompetenzzuwachs mathematischer Vorläuferfertigkeiten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Leitfrage 2:

Inwiefern ist eine Lernplanarbeit zur Förderung mathematischer Vorläuferfertigkeiten im ersten Schuljahr geeignet um selbstständiges Lernen zu initiieren?

Indikatoren für einen Zuwachs der Fähigkeiten des selbstständigen Lernens:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Unterrichtspraxis: Planung und Analyse

Im Folgenden wird die entwickelte Unterrichtseinheit im Anfangsunterricht mit 15 Schülerinnen und Schülern der Klasse 1/2 einer Grundschulklasse beschrieben.

2.1 Curriculare Einordnung

Der Curriculare Zusammenhang wird wie in Tabelle 4 beschrieben. Die entwicklungsorientierten Inhalte wurden hier dem Entwicklungsbereich „Personale und Soziale Identität“ zugeordnet. Parallel zu diesen Zielsetzungen wurden auch Zielsetzungen des Fachbereichs Sprache umgesetzt, die hier in dieser Arbeit keine Erwähnung finden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Curricularer Zusammenhang der Unterrichtseinheit "Zahlbegriffserwerb mit Baldur dem Drachen"

2.2 Analyse der Anforderungen des Lerngegenstands

Um die vorgestellte Unterrichtseinheit didaktisch-methodisch aufzubereiten wird nun der Lerngegenstand bzgl. seiner Anforderungen analysiert. Dabei wird zwischen der Anforderung durch die fachlichen Inhalte (Sachstruktur) und den Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler, die der Umgang mit dem Lernplan herausfordert, unterschieden. König und Ebert (2003, S. 23ff.) beschreiben eine Möglichkeit der Vorgehensweise zur Begriffsbildung zum Zahlbegriff anhand eines Sachstrukturgitters auf drei Repräsentationsebenen (vgl. Anhang 1). Auf dieser Grundlage wurden die Aufgaben in den Evaluationsverfahren und in den Lernplänen unterschieden. Der erste Lernplan befindet sich größtenteils auf der handelnden Ebene oder der Ebene der mittelbaren Anschauung. Der darauf folgende Lernplan bezieht schon die Repräsentationsebene der mittelbaren Anschauung und die symbolische Ebene mit ein, indem in den Aufgaben auch schon Zahlen als Repräsentanten von Mengen genutzt werden.

Parallel zum Sachstrukturgitter, das ein angemessenes Instrument zur Diagnostik, Einordnung und Förderung der Schülerinnen und Schüler auf der nächsten Entwicklungsstufe darstellt, sei auch auf das Triple-Code-Modell (vgl. Anhang 3) zu verweisen, das die Zahlverarbeitungsmechanismen beim Menschen anhand von vielfältiger Studien beschreibt. Dieses geht von einer „Analogen Repräsentation von Größen“, einer „Auditiv-sprachlichen Repräsentation“ und einer „Visuell-arabischen Repräsentation“ aus, die miteinander korrespondieren. Dieses theoretische Modell findet auch im Anfangsunterricht Berücksichtigung, insbesondere, wenn, wie in der Klasse, in der diese Untersuchung stattfindet, sich viele sprachlich beeinträchtigte Kinder befinden, die vielleicht bereits die analoge Repräsentation von Größen besonders ausgeprägt haben, jedoch den sprachlichen „Output“ (ggf. im Deutschen) noch nicht leisten und nur unzuverlässig leisten können.

Bezüglich der Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler das selbstständige Arbeiten mit Hilfe eines Lernplans zu lernen sei zunächst auf die Anforderungen an die Lehrkraft, an den Lehr- und Lernprozess und an die Schüleraktivitäten verwiesen (vgl. Anhang 4). Somit ist zu beachten, dass nicht nur die Lernumgebung für die Lerner geschaffen werden muss, sondern auch die Lehrkraft gefordert ist, die Schülerleistungen herauszufordern, Leistungen zurückzumelden, zu instruieren und zu planen, um Unterrichtsprozesse wirksam zu fördern. Um die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler zu selbstständigem Lernen in einer ersten Klasse zu fördern, beschreibt die Tabelle 6 für die vorliegende Arbeit die Bereiche zur Arbeitsorganisation sowie zu Hilfesystemen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Anforderungsstruktur für das selbstständige Arbeiten mit Lernplänen im Anfangsunterricht

2.3 Analyse der Lerngruppe

Die Klasse 1/2d setzt sich aus 15 Forschern (erstes Schulbesuchsjahr) und acht Experten (2. Schulbesuchsjahr: 6 und 3. Schulbesuchsjahr: 2) sowie zwei Kindern aus dem DaZ-Zentrum (nehmen noch nicht am Mathematikunterricht teil) zusammen. Die Mathematik-Lerngruppe besteht somit aus 23 Schülern. 10 Schülerinnen und Schüler haben Migrationshintergrund und werden teils vom DaZ-Zentrum der Schule zusätzlich gefördert. Sieben Schülerinnen und Schüler haben einen Förderbedarf im Bereich Sprache, eine Schülerin im dritten Schulbesuchsjahr hatte bis zum letzten Jahr einen Förderplan im Bereich Sprache, hat aber noch deutlich Schwierigkeiten. Ich bin in der Klasse mit 4 Stunden Mathematik pro Woche sowie einer Stunde Mathematikförderung und einer Stunde Sprachförderung in Kleingruppen eingesetzt. Es wurde entschieden, dass für die ersten 4-5 Wochen nur die Schülerinnen und Schüler an dem Vorkurs teilnehmen, die gerade eingeschult worden sind. Die anderen Lerner werden jedoch in Orientierungs- und Reflexionsphase miteinbezogen und werden zeitweise von der Kooperationslehrerin betreut. Sie arbeiten ebenfalls an Lernplänen in Verbindung mit dem Lehrwerk „Einstern“.

2.3.1 Fachliche Analyse der Voraussetzungen

Die fachliche Analyse der Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler beruht auf den Ergebnissen des Vortests zu den Vorläuferfertigkeiten der Erstklässler/-innnen und aus Beobachtungen durch die Lehrkräfte.

In der Tabelle 7 wird dargestellt, wie die Klasse in bestimmten Teilbereichen im Vergleich zu einer Untersuchung von Schulanfängern abschneidet. Die dargestellten Kompetenzen sind vergleichbar, jedoch ist nicht gewährleistet, dass die Aufgaben dieser beiden Untersuchungen genau gleich sind, sie geben aber einen guten Überblick. Dennoch sind die Ergebnisse zu vergleichen und es wird sichtbar, dass die Klasse im Durchschnitt ähnliche mathematische Leistungen aufzeigt, wie bei Hasemann (2006). Natürlich ist die Anzahl der getesteten Kinder nicht vergleichbar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 6: Vorwissen von Schulanfängern, Vergleich der Studie von Hasemann (2006, S. 69) mit der Klasse 1/2d

Es zeigt sich anhand der Gesamtauswertung des Vortests eine sehr heterogene Schülerschaft. Insgesamt waren 26 Punkte im Einzel- und Gruppentest zu erreichen. Zwei Schüler haben bereits im Vortest 24 Punkte erreicht, während der niedrigste Wert bei 4 Punkten liegt (vgl. Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Punkteverteilung des Vortests zur Zahlbegriffsentwicklung (aufsteigend)

In Anhang 2 wird durch das grüne Kreuz kenntlich gemacht, welche Teilbereiche der Aufgaben im Vortest (Einzeltest - ET und Gruppentest - GT) abgefragt wurden.

[...]


[1] Der Begriff „Lernplan“ wird in dieser Arbeit nicht als rechtlicher Begriff verwendet (vgl. Schulrecht Schleswig-Holstein), sondern als ein Begriff für einen „Plan zum Lernen“. Er ähnelt einem Wochenplan. Dieser Begriff wurde jedoch nicht verwendet, da es sich nicht um die Bearbeitungsfrist einer Woche handelt, in der die SuS diesen Plan vollenden sollen.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Lernplanarbeit zur Förderung des Zahlbegriffserwerbs und des selbstständigen Lernens mit Schulanfängern
Hochschule
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein
Veranstaltung
Mathematik Sonderpädagogik
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
47
Katalognummer
V385598
ISBN (eBook)
9783668600492
ISBN (Buch)
9783668600508
Dateigröße
1869 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernplan, Mathematik, Sonderpädagogik, Zahlbegriffserwerb, Anfangsunterricht, Vorläuferfertigkeiten, Zahlbegriff, Selbstständiges Lernen
Arbeit zitieren
Lea Schulz (Autor), 2014, Lernplanarbeit zur Förderung des Zahlbegriffserwerbs und des selbstständigen Lernens mit Schulanfängern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385598

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