Jeder dritte Säugling in Deutschland erblickt das Licht der Welt per Kaiserschnitt. Das waren im Jahr 2015 insgesamt 222919 Kinder – 1991 waren es gerade einmal halb so viele Neugeborene, die mittels Sectio geboren wurden (Statistisches Bundesamt 2017). Dabei erfolgen „[h]öchstens 10% aller Kaiserschnitte […] aus zwingend geburtsmedizinischen Gründen, um Leben und Gesundheit von Frau und/oder Kind zu retten.“ (Baumgärtner & Schach 2010) Der Kaiserschnitt zählt „zu den häufigsten Eingriffen in der Humanmedizin und ist zu einer „Routineoperation“ mit sehr geringer Morbidität und Mortalität geworden.“ (Schuller & Surbek 2014) Nichtsdestotrotz wird immer wieder drauf hingewiesen, dass eine natürliche Geburt einem Kaiserschnitt hinsichtlich des Geburtserlebnisses um Längen voraus ist (Husslein & Langer 2000). Aus welchen Gründen entscheiden sich dennoch immer mehr Gebärende für einen Kaiserschnitt auf Wunsch?
In den folgenden Kapiteln werden die Vorteile und Risiken beider Entbindungsmöglichkeiten genannt. Daraufhin stehen die Beweggründe der Frauen, die sich für einen Kaiserschnitt entscheiden, im Vordergrund. Anschließend widmet sich ein Kapitel den Grundsätzen der PatientInnenautonomie, um am Schluss mit den gewonnenen Resultaten die ethische Frage dieser Arbeit diskutieren zu können:
Stellt der Wunschkaiserschnitt einen Tabubruch dar oder kann er als ein Schritt in Richtung Patientinnenautonomie anerkannt werden?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorteile und Risiken der unterschiedlichen Entbindungsarten – vaginale Geburt und geplanter Kaiserschnitt
2.1 Vorteile einer vaginalen Geburt
2.2 Risiken einer vaginalen Geburt
2.3 Vorteile eines geplanten Kaiserschnitts
2.4 Risiken eines geplanten Kaiserschnitts
2.5 Tabelle mit den Vorteilen und Risiken der beiden Entbindungsarten
3. Beweggründe der Frauen für den Wunsch nach einem Kaiserschnitt
4. PatientInnenautonomie
5. Diskussion
6. Fazit
7. Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das ethische Spannungsfeld zwischen dem Wunschkaiserschnitt und der PatientInnenautonomie. Ziel ist es zu klären, ob die Wahl einer Schnittentbindung ohne medizinische Indikation als Ausdruck selbstbestimmten Handelns gewertet werden kann oder ein gesellschaftliches Tabu darstellt, wobei insbesondere die medizinischen Vor- und Nachteile beider Geburtsformen gegenübergestellt werden.
- Medizinische Gegenüberstellung von vaginaler Geburt und geplantem Kaiserschnitt
- Analyse der psychologischen und sozialen Beweggründe für einen Wunschkaiserschnitt
- Definition und theoretische Grundlagen der PatientInnenautonomie im geburtshilflichen Kontext
- Diskussion der ethischen Verantwortlichkeit von medizinischem Fachpersonal
- Bedeutung einer fundierten Beratung zur Stärkung der informierten Entscheidungsfindung
Auszug aus dem Buch
PatientInnenautonomie
Der Selbstbestimmung einer/s PatientIn liegen drei Voraussetzungen zugrunde. Dabei stellt die Intentionalität die erste Säule dar und „setzt voraus, das der Handelnde die Bedeutung seines Tuns, dessen wesentlichen Folgen, Chancen und Risiken überschaut und versteht.“ (Simon & Nauck 2013, S. 168) Die zweite Säule selbstbestimmten Handelns wird durch das Verständnis gebildet. Dieses wird generiert, indem PatientInnen einsichtig und vor allem informiert sind. Zuletzt ist die Abwesenheit von steuernden Einflüssen, wie Beeinflussungen und Zwänge, notwendig, um eine selbstbestimmte Entscheidung der PatientInnen zu gewährleisten (ebd., S. 168f.). ÄrztInnen haben demnach dafür zu sorgen, dass die Säulen der Selbstbestimmung die Basis für die autonome Entscheidung der PatientInnen bilden. Sie können dieser herausfordernden Aufgabe gerecht werden, indem sie mit den Betroffenen gemeinsame Ziele verfolgen, den Nutzen und die Risiken der Intervention abwägen und den PatientInnen Alternativen aufzeigen sowie Informationen vermitteln, die gegebenenfalls durch weitere ExpertInnen ergänzt werden. Somit ist eine partnerschaftliche und keine paternalistische Entscheidungsfindung möglich (ebd., S. 177).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Anstieg der Kaiserschnittraten in Deutschland und führt in die gesellschaftliche sowie medizinische Debatte zwischen natürlicher Geburt und elektivem Kaiserschnitt ein.
2. Vorteile und Risiken der unterschiedlichen Entbindungsarten – vaginale Geburt und geplanter Kaiserschnitt: Dieses Kapitel vergleicht fundiert die medizinischen Morbiditätsrisiken und Vorteile beider Geburtsmodi für Mutter und Kind auf Basis internationaler Studien.
3. Beweggründe der Frauen für den Wunsch nach einem Kaiserschnitt: Hier werden psychologische Motive wie Ängste vor Schmerzen, Kontrollverlust oder traumatischen Vorerfahrungen als Treiber für den Wunsch nach einem Kaiserschnitt identifiziert.
4. PatientInnenautonomie: Es werden die theoretischen Säulen der Selbstbestimmung erläutert und deren Anwendung auf die geburtshilfliche Praxis sowie die Rechte der Gebärenden auf fundierte Aufklärung dargestellt.
5. Diskussion: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse kritisch und betont die Notwendigkeit einer individuellen, nicht-paternalistischen Beratung, um die Autonomie der Frauen trotz bestehender medizinischer Risiken zu wahren.
6. Fazit: Das Fazit fordert ein Ende der Tabuisierung des Wunschkaiserschnitts und plädiert für patientenzentrierte Beratungskonzepte, die Ängste ernst nehmen und ethisch fundierte Entscheidungen fördern.
7. Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Literatur, Studien und Leitlinien.
Schlüsselwörter
Wunschkaiserschnitt, Sectio caesarea, PatientInnenautonomie, Geburtsmodus, vaginale Geburt, medizinische Indikation, Risikoabwägung, Geburtsmedizin, Selbstbestimmung, informierte Einwilligung, Geburtserleben, Gynäkologie, Perinatalmedizin, Schwangerschaftsbetreuung, ethische Urteilsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ethische und medizinische Relevanz des Wunschkaiserschnitts im Kontext der PatientInnenautonomie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung konzentriert sich auf den Vergleich von vaginaler Geburt und Kaiserschnitt, die Ängste der Gebärenden sowie die ethischen Prinzipien der medizinischen Entscheidungsfindung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Stellt der Wunschkaiserschnitt einen Tabubruch dar oder kann er als ein Schritt in Richtung PatientInnenautonomie anerkannt werden?
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Studienrecherche sowie der Analyse aktueller medizinischer Leitlinien und ethischer Grundsatztexte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die medizinische Risikoanalyse beider Geburtsformen, eine Untersuchung der Beweggründe für den Wunschkaiserschnitt sowie eine detaillierte Erörterung der PatientInnenautonomie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Wunschkaiserschnitt, PatientInnenautonomie, Sectio caesarea, Risikoabwägung und informierte Entscheidung.
Welche Rolle spielt die Aufklärung im Prozess der Entscheidungsfindung?
Die Aufklärung ist essenziell, da nur informierte Patientinnen eine autonome und fachlich fundierte Entscheidung treffen können, die ihre Ängste und Wünsche einbezieht.
Gibt es einen Konsens über die "beste" Entbindungsart?
Nein, es gibt keinen allgemeinen Konsens; die Entscheidung muss individuell abgewogen werden, wobei medizinische Risiken und das subjektive Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle in den Dialog einfließen müssen.
- Citar trabajo
- Sarah Sander (Autor), 2017, Der Wunschkaiserschnitt. Ein Tabubruch oder ein Schritt in Richtung Patientinnenautonomie?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387111