Kausalität und kontrafaktische Konditionale bei David Lewis


Essay, 2017
5 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

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Kontrafaktuale und kontrafaktische Abhängigkeit
Seien A und C zwei Propositionen, so haben wir ihr Kontrafaktual
A
C
: die Proposition, dass
wenn A wahr wäre, dann wäre C auch wahr. Die ausgeführte Operation
ist nach der
Wahrheitsregel definiert, die da lautet:
A
C
ist in einer Welt w wahr, genau dann, (1) wenn es
keine möglichen A-Welten gibt, denn in diesem Fall ist
A
C
ausdruckslos oder (2) wenn eine
A-Welt, in der C gilt, näher an w ist, als jede andere A-Welt, wo C nicht gilt. Anders ausgedrückt:
Ein Kontrafaktual ist genau dann wahr, wenn es weniger Abweichung von der Tatsächlichkeit
erfordert, den Sukzedens gemeinsam mit dem Antizedent wahr zu machen, als es erfordert, den
Antizedent ohne den Sukzedens wahr zu machen. Hierbei haben wir nicht angenommen, dass es
immer eine oder mehrere nächste A-Welten geben muss, aber können dennoch vereinfacht sagen:
A
C ist genau dann trivialerweise wahr, wenn C in allen nächsten A-Welten gilt. Dabei haben
wir nicht vorausgesetzt, dass A falsch ist. Wenn A wahr ist, dann ist unsere tatsächliche Welt die
nächste A-Welt. Also ist A
C genau dann wahr, wenn C ist. Daher impliziert A
C das
materielle Konditional A
C; und A und C implizieren gemeinsam A
C.
A1, A2, ... seien eine Familie möglicher Propositionen, wobei diese Propositionen untereinander
inkompatibel sind. C1, C2, ... seien eine andere Familie, solcher Art und gleicher Größe. Wenn alle
Kontrafaktuale A1
C1, A2
C2, ... zwischen den entsprechenden Propositionen der zwei
Familien wahr sind, können wir sagen, dass die C's kontrafaktisch von den A's abhängen. Wir
können vereinfacht sagen: Ob C1 oder C2 oder ... hängt kontrafaktisch davon ab, ob A1 oder A2
oder... Kontrafaktische Abhängigkeit zwischen großen Familien von Alternativen ist
charakteristisch für Prozesse der Messung, Erkenntnis oder Kontrolle.
Seien R1, R2, ... Propositionen, die alternative Lesearten eines bestimmten Barometers zu einer
bestimmten Zeit spezifizieren. P1, P2, ... spezifizieren die korrespondierenden Luftdruckwerte.
Wenn das Barometer nun korrekt arbeitet und die Luftdruckwerte richtig misst und darstellt, kann
man sagen, dass die R's kontrafaktisch von den P's abhängen. Denn wäre P1 nicht der Fall gewesen,
so wäre R1 nicht der Fall gewesen.
Kausale Abhängigkeit zwischen Ereignissen
Wenn eine Familie C1, C2, ... , wie eben geschildert, kontrafaktisch von einer anderen Familie A1,
A2, ... abhängt, so reden wir von kausaler Abhängigkeit. Wir sagen beispielsweise, dass die
Barometeranzeige kausal vom Luftdruck abhängt, dass das, was ich höre, kausal davon abhängt,
was aktuell meine Umwelt definiert oder dass etwa der Anteil meines Körperfettanteils kausal von

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meinen sportlichen Aktivitäten abhängt. Aber davon gibt es Ausnahmen.
Seien G1, G2, ... alternative, mögliche Gesetze der Gravitation, die nur im Wert einiger
numerischer Konstanten abweichen. Seien M1, M2, ... entsprechende Gesetze planetarer
Bewegung. So hingen die M's kontrafaktisch von den G's ab, aber wir würden es dennoch nicht
kausale Abhängigkeit nennen. Ausnahmen wie diese beinhalten jedoch überhaupt keine Art von
Abhängigkeit zwischen bestimmten Ereignissen.
Bisher haben wir jedoch nicht von Ereignissen, sondern von kontrafaktischer Abhängigkeit
zwischen Propositionen geredet. Das stellt jedoch kein Problem dar, denn jedes Ereignis kann mit
einer Proposition verbunden werden. Zu jedem möglichen Ereignis e gibt es eine korrespondierende
Proposition O(e), die in allen Welten, in denen e passiert, wahr ist. O(e) ist also die Proposition,
dass e passiert. Wichtig hierbei ist, dass O(e) die Proposition, dass e selbst passiert, darstellt und
nicht, dass andere Ereignisse passieren, die e ermöglichen. Somit ist kontrafaktische Abhängigkeit
zwischen Ereignissen gleich Abhängigkeit zwischen den korrespondierenden Propositionen der
Ereignisse.
Seien c1, c2, ... und e1, e2, ... unterschiedliche, mögliche Ereignisse von der Art, dass sowohl die
c's miteinander, als auch die e's miteinander inkompatibel sind. Dann sagen wir, dass die Familie
e1, e2, ... von Ereignissen genau dann kausal von der Familie c1, c2, ... abhängt, wenn die
Propositionenfamilie O(e1), O(e2), ... von kontrafaktisch von der Propositionenfamilie O(c1),
O(c2), ... abhängt. Also: Ob e1 oder e2 oder ... auftritt, ist abhängig davon, ob c1 oder c2 oder ...
auftritt.
Eine Abhängigkeitsrelation kann jedoch nicht nur für Familien dargelegt werden, sondern auch für
Einzelereignisse. Seien c und e zwei verschiedenartige, mögliche Ereignisse in einem sonst
ereignislosen Universum, dann hängt e genau dann kausal von c ab, wenn die Propositionsfamilie
O(e),
¬
O(e) kontrafaktisch von der Propositionsfamilie O(c),
¬
O(c) abhängt. Ob e auftritt oder
nicht auftritt, hängt also davon ab, ob c auftritt oder nicht auftritt. Die Abhängigkeit liegt in der
Wahrheit von zwei Kontrafaktualen: O(c)
O(e) und
¬
O(c)
¬
O(e). Es gibt zwei Fälle: (1)
Wenn c und e nicht auftreten, dann ist das zweite Kontrafaktual kraft der Logik wahr, denn sein
Antizedent und sein Sukzedens sind wahr. E hängt also genau dann kausal von c ab, wenn das erste
Kontrafaktual gilt. Ergo, genau dann, wenn e aufgetreten wäre und c aufgetreten wäre. (2) Wenn c
und e aber tatsächliche Ereignisse sind, dann ist das erste Kontrafaktual automatisch wahr. Denn in
diesem Fall hängt e genau dann kausal von c ab, wenn c nicht aufgetreten wäre, denn dann hätte e
niemals existiert.
Lewis nimmt Hume's Alternativformulierung nicht als Definition von Kausalität selbst, aber als
Definition von kausaler Abhängigkeit zwischen tatsächlichen Ereignissen an.
Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Kausalität und kontrafaktische Konditionale bei David Lewis
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
5
Katalognummer
V387534
ISBN (eBook)
9783668615199
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kausalität, kontrafaktische Konditionale, David Lewis, Lewis, Kontrafaktuale, Konditionale
Arbeit zitieren
Daniel Zimmermann (Autor), 2017, Kausalität und kontrafaktische Konditionale bei David Lewis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387534

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