Das Phänomen der Magie berührt auch heute noch unsere Lebenswelt und Kultur: In Filmen, in Büchern, in der Musik oder auch im alltäglichen Sprachgebrauch (wenn romantisierend zum Beispiel von magischen Momenten die Rede ist) können magische Vorstellungen entdeckt werden. Sie ist so tief verwurzelt in unserer Kultur, dass davon ausgegangen werden kann, dass die Idee von Magie einer langen Tradition in unserem kulturellen Gedächtnis besitzt.
Eben solchen (Traditionen im weitesten Sinne) soll in dieser Arbeit auf den Grund gegangen werden. Die Zeit und das Umfeld des Neuen Testaments (NT) sind unter anderem geprägt von magischen Vorstellungen und Ritualen. Diese Arbeit soll konkret behandeln, ob und wie magische Vorstellungen der Antike in Texten, hier Mk 5, 1-20, des NT aufgenommen und rezipiert wurden.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Magie im Neuen Testament und seiner Zeit
1. Was ist Magie?
1.1 Amulette
1.2 Defixione
1.3 Zauberpapyri
2. Das Verhältnis von Magie und Religion
3. Zusammenfassung
III Exegese unter besonderer Berücksichtigung der Traditionskritik von Mk 5,1-20
1. Verssegmentierung
2. Kontextualisierung und Gliederung
3. Strukturanalyse
3.1 Motivanalyse
3.2 Wortfeldanalyse und semantische Oppositionen
4. Gattungsanalyse
5. Traditionskritik
6. Auf der Suche nach magischen Vorstellungen im Neuen Testament
IV Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit magische Vorstellungen der Antike in der neutestamentlichen Erzählung der Heilung des besessenen Geraseners (Mk 5,1-20) rezipiert wurden. Im Fokus steht dabei die Analyse des Verhältnisses von Magie und Religion sowie die traditionskritische Exegese der Perikope.
- Definition des Magiebegriffs im Kontext der Antike
- Verhältnisbestimmung zwischen Magie und Religion
- Historisch-kritische Exegese und Traditionskritik von Mk 5,1-20
- Untersuchung auf magische Motive und Handlungen
- Rolle des Exorzismus und heidnischer Traditionen im Markusevangelium
Auszug aus dem Buch
1.2 Defixione
Unter Defixione oder auch Fluchtäfelchen („curse tablets“) versteht man sogenannte Bindezauber, die „zumeist als Einritzungen auf Metalltäfelchen überliefert“ sind. Die heute erhaltenen Zeugnisse sind meist aus Blei gefertigt, da es sich hierbei um ein dauerhaftes und vor allem auch weiches, leicht zu bearbeitendes Material handelt. Darüber hinaus wurde Blei gerade in der Spätantike als „Inbegriff der Schwere und Dumpfheit“ verstanden und in direkte Beziehung zu den unheilvoll wirkenden Planeten Kronos und Saturn gesetzt. Bezeugt sind Defixione ca. vom 5. vorchristlichen Jahrhundert bis ca. zum 6. Jahrhundert unserer Zeit.
Wie der Name bereits impliziert, hatten solche Fluchtäfelchen das Ziel, einer bestimmten Person Unheil in verschiedensten Kontexten (etwa im Wettkampf, im Bereich kommerzieller Konkurrenz oder auch Konkurrenten vor Gericht) zuzufügen. Da die gesamte Bandbreite von Defixionen und deren formgeschichtlichen Aspekten hier nicht erschöpfend behandelt werden kann, soll nur ein Beispiel näher besprochen werden, um eine ungefähre Vorstellung von eben solchen zu vermitteln:
„SEMESILAM DAMATAMENEUS IÊNNALLELAM LAIKAM ERMOUBELÊ IAKOUB IA IÔERBÊTH ÊÔMALTHABÊTH ALLASAN A curse. I invoke you by the great names so that you will bind every limb and every sinew of Victoricus – the charioteer of the Blue team, to whom the earth, mother of every living thing, gave birth – and of his horses which he is about to race;(…) Bind their legs, their onrush, their bounding, and their running; blind their eyes so that they cannot see and twist their soul and heart so that they cannot breath.“
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Vorstellung des Themas und der methodischen Vorgehensweise, wobei der Fokus auf dem Phänomen der Magie in der antiken Umwelt des Neuen Testaments liegt.
II Magie im Neuen Testament und seiner Zeit: Erarbeitung eines umfassenden Magiebegriffs anhand antiker Quellen und Diskussion des Verhältnisses von Magie und Religion.
III Exegese unter besonderer Berücksichtigung der Traditionskritik von Mk 5,1-20: Detaillierte exegetische Analyse der Perikope, inklusive Verssegmentierung, Gliederung, Strukturanalyse, Gattungsbestimmung und traditionskritischer Untersuchung.
IV Zusammenfassung und Ausblick: Fazit der Untersuchung hinsichtlich der magischen Elemente in Mk 5,1-20 und Identifikation weiterer Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Magie, Religion, Exorzismus, Mk 5,1-20, Traditionskritik, Dämonen, Antike, Wundergeschichten, Gerasener, Synkretismus, Motiv, Defixione, Zauberpapyri, Amulette, Religionsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Vorkommen und die Funktion magischer Vorstellungen in neutestamentlichen Wundergeschichten, konkret am Beispiel der Heilung des besessenen Geraseners in Markus 5,1-20.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition von Magie in der Antike, das komplexe Verhältnis zwischen magischen und religiösen Praktiken sowie die exegetische Analyse einer biblischen Perikope unter traditionskritischen Gesichtspunkten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist festzustellen, ob und wie magische Vorstellungen der Antike in den Text von Markus 5,1-20 eingeflossen sind und welche theologische Bedeutung sie dort einnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-kritische Exegese angewandt, ergänzt durch motiv- und wortfeldanalytische Ansätze sowie eine traditionskritische Auswertung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung des Magie- und Religionsbegriffs sowie eine tiefgehende exegetische Untersuchung der Perikope (Kapitel III), welche von der Segmentierung bis zur Traditionskritik reicht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Magie, Exorzismus, Traditionskritik, Synkretismus, Dämonologie und das Verhältnis von offizieller Religion zu als magisch eingestuften Randphänomenen.
Warum wird gerade Mk 5,1-20 als Beispiel gewählt?
Die Perikope eignet sich besonders gut, da sie als klassische Exorzismuserzählung viele Schnittstellen zur antiken Magie-Tradition bietet und gleichzeitig tief in den Kontext der markinischen Theologie eingebettet ist.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin/der Autor zur Frage, ob Jesus ein Magier war?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Jesu Handeln in Mk 5,1-20 nicht als magisch im Sinne einer manipulativen Technik deklariert werden kann, obwohl er sich in einer Tradition bewegt, die auch magische Elemente nutzt, um die Macht Gottes gegenüber Dämonen zu unterstreichen.
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- Lars-Steffen Meier (Autor), 2013, Auf der Suche nach magischen Vorstellungen in neutestamentlichen Wundergeschichten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387953